13.12 Zeichen im Himmel und auf Erden


13.12 Zeichen im Himmel und auf Erden

In den hebräischen, christlichen, muhammadanischen und vielen anderen Schriften herrscht eine bemerkenswerte Ähnlichkeit in der Beschreibung der Zeichen, die das Kommen des Verheißenen begleiten.

Im Buch Joel lesen wir (3:3 bis 4:16):

»Und Ich will Wunderzeichen geben am Himmel und auf Erden: Blut, Feuer und Rauchdampf. Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große und schreckliche Tag des Herrn kommt ... Denn siehe, in jenen Tagen und zur selben Zeit, da Ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, will Ich alle Heiden zusammenbringen und will sie ins Tal Josaphat (`Jahwe hält Gericht`) hinausführen und will dort mit ihnen rechten ... Es werden Scharen über Scharen von Menschen sein im Tale der Entscheidung; denn des Herrn Tag ist nahe im Tale der Entscheidung. Sonne und Mond werden sich verfinstern, und die Sterne halten ihren Schein zurück ... Aber seinem Volk wird der Herr eine Zuflucht sein ...«

Christus sagt (Matth.24:29-30):

»Bald aber nach der Trübsal jener Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.«

Im Qur'án lesen wir (Sure 81:1-3/10-12):

»Wenn die Sonne eingehüllt wird, die Sterne ihren Glanz verlieren (fallen) und die Berge sich bewegen ... wenn die Blätter (des Buches) ausgebreitet werden, der Himmel weggezogen (geöffnet), der Höllenbrand angefacht ... wird.«

Im Buch Iqán erklärt Bahá'u'lláh, daß diese Prophezeiungen über die Sonne den Mond und die Sterne, die Himmel und die Erde sinnbildlicher Art sind und nicht im buchstäblichen Sinn zu verstehen sind. Die Propheten befaßten sich vorzugsweise mit geistigen nicht mit materiellen Dingen, mit geistigem, nicht mit natürlichem Licht. Wenn sie, in Beziehung auf den Tag des Gerichts die Sonne erwähnen, weisen sie auf die Sonne der Gerechtigkeit hin. Die Sonne ist die höchste Lichtquelle. So war Moses eine Sonne für die Juden, Christus für die Christen und Muhammad für die Moslems. Wenn die Propheten von Verfinsterung der Sonne sprechen, so will damit gesagt werden, daß die reinen Lehren dieser geistigen Sonnen verfinstert worden sind durch Entstellung Mißverstehen und Vorurteil, so daß die Menschen sich in geistiger Finsternis befinden. Der Mond und die Sterne sind die Lichtquellen zweiten Ranges, die religiösen Fühler und Lehrer welche die Menschen führen und anfeuern sollten. Wenn gesagt wird daß der Mond kein Licht von sich geben oder sich in Blut tauchen wird und daß die Sterne vom Himmel fallen werden, so ist damit gemeint, daß die Führer der Kirchen erniedrigt werden, weil sie sich in Streitigkeiten und Kämpfe einlassen, und daß die Priester weltlich gesinnt werden, irdischen Dingen zugeneigt statt himmlischen.

Die Bedeutung dieser Prophezeiungen wird gleichwohl mit einer Erklärung nicht erschöpft, und es gibt auch andere Bedeutungen, nach denen diese Symbole ausgelegt werden können. Bahá'u'lláh sagt, daß in anderem Sinn die Worte »Sonne«, »Mond« und »Sterne« angewandt werden auf die Verordnungen und Anweisungen, die in jeder Religion gegeben sind. Da bei jeder folgenden Manifestation die Zeremonien, Formen, Gebräuche und Anweisungen der vorhergehenden Manifestation geändert werden in Übereinstimmung mit den Erfordernissen der Zeit, so werden in diesem Sinn Sonne und Mond verwandelt und die Sterne zerstreut.

In vielen Fällen würde die wörtliche Erfüllung dieser Prophezeiungen dem äußerlichen Sinn nach widersinnig oder unmöglich sein, zum Beispiel, daß der Mond in Blut getaucht wird oder daß die Sterne auf die Erde fallen. Der kleinste der sichtbaren Sterne ist vieltausendmal größer als die Erde, und würde einer auf die Erde fallen, wäre keine Erde mehr vorhanden, auf die ein weiterer fallen könnte. In anderen Fällen wieder gibt es sowohl eine materielle wie eine geistige Erfüllung. Zum Beispiel ist das Heilige Land viele Jahrhunderte lang wüst und verlassen gewesen, wie von den Propheten vorausgesagt, aber schon ist, am Tage der Auferstehung, der Anfang davon zu sehen, daß es »frohlocken und blühen wird wie eine Rose«, wie Jesaja voraussagte. Aussichtsreiche Kolonien sind angelegt, das Land wird bewässert und bebaut, und Weinberge, Olivenhaine und Gärten blühen, wo es vor einem halben Jahrhundert nur Sandwüste gab. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn die Menschen ihre Schwerter in Pflugscharen verwandeln und ihre Speere in Sicheln, Wildnis und Wüsten von allen Teilen der Welt verschwinden werden. Die versengenden Winde und Sandstürme, die von diesen Wüsten herwehen und das Leben in ihrer Umgebung nahezu unerträglich machen, werden vergangene Dinge sein. Das Klima auf der ganzen Erde wird milder und gleichmäßiger. Die Städte werden nicht länger die Luft durch Rauch und giftige Gase verunreinigen, und gerade im äußerlichen, materiellen Sinn wird es »neue Himmel und eine neue Erde« geben.