13.13 Die Art des Kommens


13.13 Die Art des Kommens

Was die Art seines Kommens am Ende der Zeit anbetrifft, sagte Christus:

Matth.24:30-31: » ... und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und Er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen ...«

Matth.25:31-32: » ... dann wird Er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und werden vor Ihm alle Völker versammelt werden. Und Er wird sie voneinander scheiden, gleichwie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.«

Bezüglich dieser und ähnlicher Stellen schreibt Bahá'u'lláh im Buch Iqán (S.53-54, S.57-60)

»Der Ausdruck `Himmel` bezeichnet Erhabenheit und Erhöhung, da er der Sitz der Offenbarung jener Manifestationen der Heiligkeit, der Morgendämmerung altehrwürdiger Herrlichkeit ist. Diese altehrwürdigen Wesen sind, wenn auch aus dem Mutterleib geboren, in Wirklichkeit vom Himmel des Willens Gottes herabgekommen. Obgleich sie auf dieser Erde wohnen, so sind doch ihre wahren Wohnorte die Ruhesitze der Herrlichkeit in den Reichen der Höhe. Während sie unter Sterblichen wandeln, sind sie doch in den Himmel der göttlichen Gegenwart erhoben. Ohne Füße schreiten sie auf dem Pfade des Geistes, und ohne Schwingen fliegen sie empor zu den erhabenen Höhen göttlicher Einheit. Mit jedem Atemzug durcheilen sie die Unendlichkeit des Raumes, und in jedem Augenblick durchwandern sie die Reiche des Sichtbaren und des Unsichtbaren ...«

»Mit dem Worte `Wolken` sind die Dinge gemeint, die dem Wünschen und Begehren der Menschen entgegenstehen. So hat Er in dem schon angeführten Vers geoffenbart: `Sooft ein Bote zu euch kam mit dem, was eure Seelen nicht wünschen, seid ihr in Hochmut aufgebläht; die einen scheltet ihr Betrüger, die andern habt ihr gar ermordet.` (Qur'án 2:87

Diese `Wolken` bedeuten in einem gewissen Sinn die Aufhebung der Gesetze, die Ablösung der früheren Sendungen, die Abschaffung gebräuchlicher Sitten und Riten, den Vorrang der ungelehrten Gläubigen über die gelehrten Gegner des Glaubens. In einem anderen Sinne bedeuten sie das Erscheinen der unsterblichen Schönheit in der Gestalt eines sterblichen Menschen mit solchen menschlichen Beschränkungen, wie Essen und Trinken, Armut und Reichtum, Ruhm und Erniedrigung, Schlafen und Wachen und anderem mehr, was die Gemüter der Menschen in Zweifel bringen und sie abspenstig machen kann. Alle diese Schleier werden sinnbildlich als `Wolken` bezeichnet.«

»Dies sind die `Wolken`, durch welche die Himmel der Erkenntnis und des Verstehens aller Erdenbewohner gespalten werden. So hat Er geoffenbart: `An jenem Tage soll der Himmel durch die Wolken gespalten werden.`« (Qur'án 25:25)

»So wie die Wolken das Menschenauge nicht die Sonne schauen lassen, so hindern diese Dinge die Menschenseelen an der Erkenntnis des Lichtes der göttlichen Sonne. Das bezeugt die Rede der Ungläubigen, wie im Heiligen Buch geoffenbart ist: `Und sie haben gesagt: Was für eine Art Apostel ist denn der? Er ißt seine Speise und geht seine Wege. Sofern nicht ein Engel herabkommt und seine Warnungen bestätigt, werden wir nicht an ihn glauben.`« (Qur'án 25:7)

»Andere Propheten litten in ähnlicher Weise unter Krankheit, Trübsal, Hunger, Leid und allen Wechselfällen dieser Welt. Da diese geheiligten Persönlichkeiten solchen Nöten und Mängeln unterworfen waren, waren demzufolge auch die Menschen in der Wildnis der Sorgen und Zweifel verloren und von Verwirrungen und Bestürzung ergriffen. Wie könnte, so frugen sie sich, solch eine Persönlichkeit von Gott herabgesandt worden sein, ihre Überlegenheit über alle Menschen und Geschlechter hienieden behaupten und den Anspruch erheben, selbst das Ziel aller Schöpfung zu sein - wie Er ja gesprochen hat: `Ich hätte nicht all dies im Himmel und auf Erden erschaffen, wenn nicht für Dich` - und wäre doch solch gewöhnlichen Dingen unterworfen? Denn du bist doch zweifellos unterrichtet über die Trübsale die Armut die übel und die Erniedrigung, die über jeden Propheten Gottes und seine Gefährten kamen. Du hast doch gehört wie die Köpfe Ihrer Anhänger als Geschenke in verschiedene Städte gesandt wurden und wie schrecklich sie gehindert wurden das zu tun, was Ihnen befohlen worden war. Ein jeder von Ihnen fiel den Händen der Feinde seiner Sache zum Opfer und hatte zu erdulden, was immer jene bestimmten.«

»Der Allherrliche hat eben diese Dinge, die dem Begehren der Gottlosen so entgegen sind, bestimmt, damit sie der Prüfstein und der Maßstab seien, womit Er seine Diener prüft, auf daß die Gerechten von den Gottlosen und die Gläubigen von den Ungläubigen geschieden werden ...«

»Und nun, was seine Worte betrifft: `Und Er wird senden seine Engel ...`. Mit `Engel` sind jene gemeint, die, durch die Kraft des Geistes gestärkt, mit dem Feuer der Liebe Gottes alle menschlichen Züge und Begrenzungen getilgt und sich mit den Zeichen des erhabensten Wesens und der Cherubim bekleidet haben ...«

»Da die Anhänger Jesu den verborgenen Sinn dieser Worte nie erfaßt haben, und da die Zeichen, die sie und die Führer ihres Glaubens erwartet haben, nicht erschienen sind, haben sie sich, sogar bis heute, geweigert, die Wahrheit jener Manifestationen der Heiligkeit anzuerkennen, die seit den Tagen Jesu geoffenbart worden sind. So haben sie sich selbst der Ausgießung von Gottes heiliger Gnade und der Wunder seiner göttlichen Sprache beraubt. So niedrig ist ihr Zustand nach diesem, dem Tage der Auferstehung! Sie haben sogar nicht zu begreifen vermocht, daß, wenn die Zeichen der Manifestation Gottes in jedem Zeitalter im sichtbaren Reich in Einklang mit dem Text aufgestellter Überlieferungen erscheinen würden, wohl niemand sie ablehnen oder sich von ihnen abwenden könnte, noch würden die Gesegneten von den Elenden unterschieden werden und der Übertreter von dem Gottesfürchtigen. Urteile ehrlich: Sollten sich die im Evangelium aufgezeichneten Prophezeiungen buchstäblich erfüllen, sollte Jesus, der Sohn Marias, von Engeln begleitet, aus dem sichtbaren Himmel auf Wolken herabkommen, - wer würde da wagen, nicht zu glauben? Wer würde da wagen, die Wahrheit zu verwerfen und hochmütig zu werden? Nein, eine solche Bestürzung würde alle Erdenbewohner ergreifen, daß keine Seele sich fähig fühlen würde, auch nur ein Wort darüber zu äußern, wieviel weniger denn die Wahrheit zu verwerfen oder anzunehmen.«

Nach der vorstehenden Auslegung über das Kommen des Menschensohnes in niedriger menschlicher Gestalt, vom Weib geboren, arm, ungebildet, unterdrückt und für nichts geachtet von den Großen der Erde, ist gerade diese Art des Auftretens der wahre Prüfstein, mit welchem Er das Volk der Erde prüft und die Menschen voneinander sondert, wie ein Schäfer die Böcke scheidet von den Schafen. Diejenigen, deren geistige Augen geöffnet sind, können durch diese Wolken blicken und sich »an der Macht und großen Herrlichkeit«, der wahren Herrlichkeit Gottes erfreuen, die zu offenbaren Er kommt. Die andern, deren Augen noch gehalten sind von Vorurteilen und Irrtum, sehen nur die dunklen Wolken und tasten weiter im Dunkel, des gesegneten Sonnenscheins beraubt.

»Siehe, Ich will Meinen Boten senden, der vor Mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, Er kommt! ... Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können, und wer wird bestehen, wenn Er erscheint? Denn Er ist wie das Feuer eines Schmelzers und wie die Lauge der Wäscher ... Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein ... Euch aber, die ihr Meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln ...»¹²

¹ Maleachi 3:1-2/19-20

² Das Thema der Erfüllung der Prophezeiungen ist so unerschöpflich, daß viele Bände für eine angemessene Darlegung benötigt würden. Was in den Grenzen eines einzigen Kapitels gezeigt werden kann, sind allenfalls die Hauptumrisse der Bahá'í-Interpretation. Die ins einzelne gehenden Apokalypsen, die durch Daniel und Johannes geoffenbart wurden, mußten unberührt bleiben. Der Leser wird verschiedene Abschnitte darüber in Beantwortete Fragen finden. Im Kitáb-i-Iqán, dem Buch der Gewißheit von Bahá'u'lláh, dem Buch `Bahá'í-Beweise` von Mírzá Abu'l-Fadl und in den vielen Tablets von Bahá'u'lláh und 'Abdu'l-Bahá finden sich weitere Auslegungen von Prophezeiungen.