15.1 Der Fortschritt des Glaubens


15.1 Der Fortschritt des Glaubens

Leider ist es nicht möglich, in dem uns zur Verfügung stehenden Raum im einzelnen den Fortschritt des Bahá'í-Glaubens in der ganzen Welt darzulegen. Viele Kapitel könnten diesem fesselnden Gegenstand gewidmet und viele ergreifende Geschichten von den Bahnbrechern und Märtyrern der Sache berichtet werden, aber hier muß eine ganz kurze Zusammenfassung genügen.

In Persien erfuhren die ersten Gläubigen dieser Offenbarung äußersten Widerstand, Verfolgung und Grausamkeit von seiten ihrer Landsleute. Aber sie gingen allen Schwierigkeiten und Feuerproben mit höchstem Heldenmut entgegen. Ihre Taufe erfolgte mit ihrem eigenen Blut, denn viele Tausende von ihnen starben als Märtyrer, während Tausende andere gegeißelt, eingekerkert, von ihrem Besitztum vertrieben, aus ihrem Heim verjagt oder auf andere Weise mißhandelt wurden. Sechzig Jahre lang und länger setzte jedermann in Persien, der es wagte, dem Báb oder Bahá'u'lláh die Treue zu halten, sein Eigentum, seine Freiheit und sogar sein Leben aufs Spiel. Dieser entschlossene und heftige Widerstand konnte jedoch den Fortschritt des Glaubens ebensowenig hindern wie eine Staubwolke den Sonnenaufgang.

Von einem Ende Persiens¹ bis zum anderen findet man jetzt Bahá'í in fast allen Städten und Dörfern, ebenso unter den Nomadenstämmen. In manchen Dörfern besteht die ganze Bevölkerung aus Bahá'í, und an anderen Orten ist ein verhältnismäßig großer Teil der Einwohner gläubig. Aus vielen und verschiedenartigen Sekten stammend, die einander bitterfeind sind, bilden sie jetzt eine große Gemeinschaft von Freunden, die sich zur Bruderschaft bekennen nicht nur untereinander, sondern mit allen Menschen. Allerorts arbeiten sie an der Vereinigung und Hebung der Menschheit, an der Abschaffung aller Vorurteile und allen Kampfes und an der Aufrichtung des Königreichs Gottes auf Erden.

Welches Wunder könnte größer sein als dieses? Nur eines, nämlich die Vollendung der Aufgabe, der sich diese Menschen gewidmet haben, auf der ganzen Welt. Und es mangelt nicht an Zeichen, daß dieses größere Wunder sich ebenfalls vollzieht. Der Glaube zeigt eine erstaunliche Lebenskraft und ist im Begriff, die ganze Menschheit wie Sauerteig zu durchsetzen und, wo er sich ausbreitet, Menschen und Gesellschaft zu verändern.²

Die verhältnismäßig kleine Anzahl von Bahá'í mag noch unbedeutend erscheinen im Vergleich mit den Anhängern der alten Religionen; sie sind aber voll Vertrauen, daß eine göttliche Macht sie gesegnet hat mit dem hohen Vorrecht, einer neuen Ordnung zu dienen, in welche sich die Scharen des Ostens und Westens an einem nicht allzufernem Tage drängen werden. Wie es also wahr bleibt, daß der Heilige Geist aus den reinen Herzen in allen Ländern widerstrahlt, sei die Quelle ihnen auch unbewußt, und daß das Wachstum des Glaubens durch die vielen Bemühungen außerhalb der Bahá'í-Gemeinschaft, die eine oder andere der Bahá'í-Lehren zu fördern, bezeugt werden kann, so ist doch der Mangel irgendeiner dauerhaften Grundlage in der alten Ordnung ein überzeugender Beweis dafür, daß die Ideale des »Königreiches« nur in dem Rahmen der Bahá'í-Gemeinschaft fruchttragend werden können.

¹ Lord Curzon schreibt in seinem Buche Persia and the Persion Question, veröffentlicht im Jahre 1892, dem Todesjahr von Bahá'u'lláh (Band I p.499-502): »Die niedrigste Schätzung der gegenwärtigen Zahl der Bábí in Persien beträgt eine halbe Million. Ich bin geneigt, nach Gesprächen mit wohlunterrichteten Persönlichkeiten, für die Gesamtzahl eher eine Million anzunehmen. Sie sind in jedem Lebenszweige zu finden, von den Ministern und Hohen des Hofes bis zum Gassenkehrer oder Reitknecht, und nicht das geringste Feld ihrer Tätigkeit ist die muhammadanische Priesterschaft selbst ... Wenn der Bábismus im gegenwärtigen Maße weiterwächst, so kann man sich wohl eine Zeit vorstellen, wo er den Muhammadanismus aus Persien vertrieben hat. Dies, denke ich, wäre wahrscheinlich, würde er unter der Fahne eines feindlichen Glaubens in die Schranken treten. Aber da seine Rekruten aus den besten Soldaten der Besatzung gewonnen werden, die er angreift, so spricht der stärkere Grund dafür, zu glauben, daß er schließlich obsiegen wird.«

² Die Zahl der Bahá'í wächst Jahr für Jahr schneller, und um 1969 war über die ganze Erde hin die Zahl der Orte, in denen Bahá'í wohnen, auf über dreiunddreißigtausend angewachsen.

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