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Auch wenn es eine Nachricht ist - "Korankonferenz"












Teil 1:

"Erste Lockerungsübungen

Islamische Theologen versuchen, den Koran neu zu lesen – Gehversuche einer Koranwissenschaft, die von Europas Gedankenfreiheit profitiert.

Was wollte Allah den ersten Muslimen mitteilen? Was können Muslime von andersgläubigen Theologen lernen? Und wie kann man den islamischen Glauben an eine Existenz im Westen anpassen? Diese und andere Themen diskutierten Koranwissenschaftler aus der Türkei und aus dem Westen bei der bislang größten Korankonferenz in Deutschland.

Für eine vom türkischen Religionsministerium gesponserte Konferenz zum islamischen Erbe hatte die Korankonferenz eine bemerkenswerte Bandbreite zu bieten: So kam als Festredner ein ägyptischer Islamprofessor, der als Ungläubiger von seiner Frau zwangsgeschieden wurde. Wegen seiner kritischen Äußerungen zum Koran muss er auch nach Jahren immer noch im Exil lehren. Außerdem referierte ein Jesuit aus Ankara, der vom Herbst an für die päpstliche Universität Gregoriana unterrichten wird. Insgesamt 250 Gäste folgten den Vorträgen des bisher größten Koransymposiums in Deutschland von Donnerstag bis Samstag in Frankfurt am Main.

Verstörung im Publikum

Die Begeisterung anwesender Muslime hielt sich jedoch in Grenzen. Einige ahnten offenbar, dass die dem Islam bisher fremde Art der Textkritik liebgewonnene Sicherheiten zerstören könnte. „Ich frage mich, wie wir die Grundlagen des Islam aufbauen wollen, wenn die Grundlagen nicht so fassbar sind“, meldete sich eine Studentin zu Wort. Die Verstörung war so groß, dass Professor Ömer Özsoy, der in Frankfurt islamische Theologie lehrt, ans Mikrofon eilte und versicherte, am Skelett des Korantextes bestünden keine Zweifel. „Wir haben keinen Grund, davon auszugehen, dass einige Verse ausgelassen oder eingefügt wurden“, beschwichtigte er. Nach muslimischem Glauben liegt die Urschrift des Korans bei Gott. Da hat auch kritische Wissenschaft hat ihre Grenzen.

Mit dem 45-jährigen Özsoy hat das Religionsministerium einen betont liberalen Theologen nach Deutschland entsandt – ein geschickter Schachzug, meinen westliche Islamwissenschaftler. Die Arbeit des schmächtigen, immer leicht überarbeitet wirkenden Professors könnte den Kern der islamischen Theologie bilden, die sich in Deutschland etabliert. Rund 100 Studenten, zu 90 Prozent Muslime, lernen an der Stiftungsprofessur. Sie könnten die erste Generation Islamlehrer an hessischen Schulen bilden.

Nicht die buchstabengetreue Auslegung des Korans interessiert Özsoy, sondern er will aus dem Text destillieren, was Gott den ersten Muslimen sagen wollte. Diese Botschaft müssten die Gläubigen dann auf ihre Lebensumstände anwenden. Das ergebe keinen Islam light, sondern einen an die Existenz im Westen angepassten Glauben."
Teil2:

"Nasr Hamid Abu Zaid vertrat die listige These, dass die Muslime ihren Feinden viel zu verdanken hätten. Der aus Ägypten vertriebene Korankritiker lehrt heute im niederländischen Leiden und berichtete von dem christlichen Gelehrten Johannes von Damaskus, der mit dem Sohn des Kalifen aufwuchs. Er hatte die Muslime im 7. Jahrhundert als christliche Häretiker beschimpft und ihnen vorgeworfen, aus Altem und Neuem Testament abgekupfert zu haben. In dieser Konfrontation sieht Abu Zaid eine Initialzündung für islamische Theologie.

Erst im Streit mit ihren Gegnern mussten die Muslime sich der Grundlagen ihres eigenen Glaubens vergewissern. Muslime könnten also von andersgläubigen Theologen lernen, meint Abu Zaid. Den Zuhörern fiel auf, dass auch Papst Benedikt muslimische Theologen mit einem (gefälschten) Zitat aus dem Mittelalter zum Nachdenken angeregt hatte. Die Konferenzregie vermied jedoch eine Diskussion zu diesem brisanten Thema.

Laut Ömer Özsoy vertreten viele Muslime die Ansicht, sie hätten mit einem gedruckten Koranexemplar schon den Willen Gottes in der Tasche. Das sei falsch – aus seiner Sicht muss der Gläubige schon mehr Mühe aufwenden. Der Jesuit Felix Körner beschreibt es so: Der Koran sei Sprechart, entscheidend sei nicht der Text, sondern was Gott den Muslimen in einer Art Dialog haben sagen wollen. Das wäre eine Erklärung dafür, warum der Korantext heute so schwierig zu verstehen ist, und das Umfeld der Offenbarungen mehr erforscht werden muss. Körner hat die westlichen Methoden aufgeschlossene Ankaraner Theologen-Schule mit einer ins Deutsche übersetzten Textsammlung bekannt gemacht.



Ein Text, mehrere Deutungen

Wenn gesprochene Sprache wie beim Koran in schriftlichen Text umgesetzt wird, beschert das Arabische den Theologen zusätzliche Schwierigkeiten: Früher ließen sich in der Sprache nur die Konsonanten dokumentieren. Der Text lässt deswegen mehrere Lesarten zu, abhängig davon, welche Vokale eingesetzt werden. Erst später wurden kleine Zusatzzeichen entwickelt, um den Sinn eindeutig festzulegen.

Ein Langzeitprojekt an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft erregt weltweit Aufsehen, weil es mündlich überlieferte Lesarten und den handschriftlichen Befund online dokumentieren will. Erste Ergebnisse wird das Projekt „Corpus Coranicum“ nächstes Jahr veröffentlichen. Dabei leben die Wissenschaftler zum Teil von der fotografischen Dokumentation der verschiedensten Koranhandschriften, die zwei deutsche Wissenschaftler vor knapp 100 Jahren sammelten. Heute würden viele islamische Länder ihre Handschriften-Schätze nicht mehr zugänglich machen, beklagte ein Vertreter des Projekts auf der Konferenz – obwohl das Vorhaben nach außen jeden kritischen Anstrich vermeidet. Aufbruchstimmung à la Frankfurt ist halt nicht überall."

Quelle: Focus
Hört sich hoffnungsvoll an!
Hoffe mal, das Ganze artet nicht in eine reformatorische Willkür aus. Der Islam soll seiner Philosophie durchaus treu bleiben, und zwar so, wie er tatsächlich ursprünglich gedacht war.

Den Islam West konform auslegen ist hingegen reine Willkür und unberechtigt.

(Dass Moslems, wenn sie in westlichen Ländern leben, sich dann auch integrieren müssen ist hingegen ein anderes Thema. Dies ist obligatorisch)
Zitat:
Den Islam West konform auslegen ist hingegen reine Willkür und unberechtigt.

(Dass Moslems, wenn sie in westlichen Ländern leben, sich dann auch integrieren müssen ist hingegen ein anderes Thema. Dies ist obligatorisch)


Würde mich interessieren, wie das in der Praxis aussehen soll!

Gruß
Forum -> Islam


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