15.8 Der Hüter der Sache Gottes


15.8 Der Hüter der Sache Gottes


'Abdu'l-Bahá bestimmte seinen ältesten Enkel, Shoghi Effendi, für die verantwortungsvolle Stellung des »Hüters der Sache« (Valíyy-i-Amru'lláh). Shoghi Effendi ist der älteste Sohn von Díyá'íyyih Khánum, der ältesten Tochter von 'Abdu'l-Bahá. Sein Vater, Mírzá Hádí, ist ein Verwandter des Báb, wenn auch nicht ein direkter Abkömmling, da das einzige Kind des Báb im Kindesalter starb. Shoghi Effendi war zur Zeit des Heimgangs seines Großvaters 25 Jahre alt und studierte am Balliol College in Oxford. Die Ankündigung seiner Einsetzung lautet im letzten Willen von 'Abdu'l-Bahá wie folgt:

»O meine lieben Freunde! Nach dem Heimgang dieses Unrecht Leidenden müssen die Agsán (Äste), die Afnán (Zweige) des Heiligen Lotosbaumes, die Hände (Pfeiler) der Sache Gottes und die Geliebten der Abhá-Schönheit sich Shoghi Effendi zuwenden, dem jugendlichen Ast, der aus den beiden geweihten und heiligen Lotosbäumen hervorgegangen, der Frucht, die aus der Vereinigung der beiden Sprößlinge des Heiligen Baumes entstanden ist, denn er ist das Zeichen Gottes, der ausersehene Ast, der Hüter der Sache Gottes, der, dem sich alle Äste, Zweige und Hände der Sache Gottes und seine Geliebten zuwenden müssen. Er ist der Erklärer der Worte Gottes, und auf ihn wird der Erstgeborene seiner unmittelbaren Nachkommen folgen.«

»Der heilige und jugendliche Ast, der Hüter der Sache Gottes sowohl als auch das Universale Haus der Gerechtigkeit, das allgemein zu wählen und einzusetzen ist, sind beide unter der Fürsorge und dem Schutz der Abhá-Schönheit, unter dem Schirm und der nichtirrenden Führung seiner Heiligkeit des Erhabenen - möge mein Leben ein Opfer für beide sein! Was immer sie entscheiden, ist von Gott ...«

»O ihr Geliebten des Herrn! Es obliegt dem Hüter der Sache Gottes, bei seinen Lebzeiten denjenigen zu ernennen, der sein Nachfolger werden soll, damit nach seinem Hinscheiden keine Meinungsverschiedenheiten entstehen. Der Ernannte muß in sich Loslösung von allem Weltlichen offenbaren, das Abbild der Reinheit sein und Gottesfurcht, Erkenntnis, Weisheit und Wissen zeigen. Sollte daher der Erstgeborene des Hüters der Sache Gottes in sich nicht die Wahrheit der Worte `Das Kind ist das geheime Wesen seines Vaters` offenbaren, das heißt nicht seine (des Hüters der Sache Gottes) Geistigkeit geerbt haben und sich seine glorreiche Abkunft nicht mit einer schönen Wesensart paaren, so muß er (der Hüter der Sache Gottes) einen anderen Ast für seine Nachfolge ausersehen.«

»Die Hände der Sache Gottes müssen aus ihrer eigenen Zahl heraus neun Personen wählen, die sich jederzeit den wichtigen Diensten in der Arbeit des Hüters der Sache Gottes widmen. Die Wahl dieser neun muß entweder einstimmig oder mit Stimmenmehrheit durch die Gemeinschaft der Hände der Sache Gottes erfolgen, und sie müssen, einstimmig oder durch Stimmenmehrheit, ihre Beipflichtung zur Ernennung dessen erklären, den der Hüter der Sache Gottes zu seinem Nachfolger erwählt hat. Diese Beipflichtung muß in einer Weise bekundet werden, welche die beipflichtenden und die abweichenden Stimmen nicht erkennen läßt (d.h. geheime Stimmabgabe).«¹

¹ Abdu'l-Bahá, Wille und Testament, S.24-26