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Ökumene












Ökumene
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Unter Ökumene, im gängigen Sinn, versteht man die Beziehungen zwischen christlichen Kirchen verschiedener Konfessionen, seltener auch Beziehungen zwischen verschiedenen Religionen. Dieses Thema wird im Artikel behandelt.

Im Unterschied dazu bezeichnet der Begriff Ökumene, im geografischen Sinn, den ständig besiedelten Teil der Erdoberfläche (Beispiele: Europa, Ostasien, Ost-USA), von dem die Anökumene durch Trocken-, Höhen- und Kältegrenzen getrennt ist. Dieses Thema wird im Artikel nicht behandelt.

Insgesamt wird der Begriff Ökumene mit folgenden Bedeutungen verwendet:

die ganze (bewohnte) Erde (ursprüngliche Bedeutung von gr. oikoumenê)
die christliche Kirche als ganze
allgemeine christliche oder kirchliche Gültigkeit besitzend (Ökumenisches Konzil)
den weltweiten missionarischen Auftrag der Kirche betreffend
die Beziehungen zwischen mehreren Kirchen oder zwischen einzelnen Christen verschiedener Konfessionen. Im Alltagssprachgebrauch in Deutschland sind häufig die Beziehungen zwischen evangelischer und katholischer Kirche gemeint.
die geistige Haltung, die das Wissen um die Zugehörigkeit zur weltweiten Gemeinschaft der christlichen Kirchen und das Streben nach Einheit der Kirche Christi ausdrückt (römisch-katholisch dafür: Ökumenismus).

Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel Ökumene aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Begriff und Geschichte

Der Begriff Ökumene (v. griech.: oikeo/oikia wohnen bzw. Haus) bezeichnete ursprünglich den gesamten bewohnten Erdkreis. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. wurde der Begriff prägend für die gesamte Welt des Hellenismus, die er von der nichtgriechischen "barbarischen" Welt abgrenzte. Diese Verwendung erhielt sich in der römischen Welt und beschrieb so das römische Kaiserreich.

Das Neue Testament sieht in dem Ausdruck einmal die bewohnte Welt (Lk. 2,1) und dann auch die bewohnte Welt als den Adressaten der christlichen Botschaft (Mt. 24,2).

Die Alte Kirche greift den römischen Ökumenebegriff auf. Sie beansprucht eine Verbreitung über die gesamte Welt und bezeichnet sich auch mit Basilius und Origenes als die "neue Ökumene". Mit ihrer weltweiten Ausdehnung rechtfertigt Augustinus ihre Rechtgläubigkeit, welche auch als Kriterium zur Abgrenzung gegen bestimmte Häresien dient. "Ökumenisch" und "katholisch" werden dabei synonym gebraucht.

Alle gesamtkirchlichen Angelegenheiten wurden durch sieben Ökumenische Konzile (325 - 787), die der Kaiser einberief, geregelt. Die orientalischen Kirchen außerhalb des Reiches schieden dabei wegen dogmatischer (und darin ausgetragener politischer) Gegensätze aus der Ökumene aus.

Im 6. Jahrhundert brach ein Konflikt zwischen Konstantinopel und Rom über den jeweiligen ökumenischen Anspruch aus. Seither führt der Patriarch von Konstantinopel den Titel ökumenischer Patriarch, wenn auch mit regionaler Bedeutung.

Es entstanden folgende Auffassungen von Ökumene

die orthodoxe: Ökumenisch ist, was dem Patriarchat von Konstantinopel untersteht
die katholische: Ökumenisch ist, was der durch die sieben ökumenischen Konzilien, sowie dem ebenfalls ökumenisches Konzil genannten II. Vaticanum bestätigten Jurisdiktion der römisch-katholischen Kirche untersteht.
die reformatorische: ökumenisch ist, was seine Wurzeln im ersten ökumenischen Konzil von Nicäa sieht.
Ökumene im 16. Jahrhundert

Bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts gab es einen intensiven theologischen Dialog zwischen den Lutheranern und dem ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel.

1558 sandte Patriarch Joasaph II. (1555-65) einen Diakon nach Wittenberg, um sich aus erster Hand über den Glauben und die Bräuche der Reformatoren zu informieren. Unter Mitarbeit von Melanchthon entstand eine griechische Übersetzung des Augsburger Bekenntnisses, das allerdings Konstantinopel nie erreichte, da der Bote bei einer Rebellion in der Wallachei umkam.

1573 kam es zu einem mehrjährigen Briefwechsel zwischen den lutherischen Theologen Jakob Andreae und Martin Crusius und Patriarch Jeremias Tranos. Die Reformatoren empfanden eine gewisse geistliche Verwandtschaft mit den Orthodoxen, die von Rom ebenfalls als Ketzer angesehen wurden. Im Gegensatz zu den Feindseligkeiten zwischen Katholiken und Protestanten war der Ton dieses Briefwechsels auf beiden Seiten freundlich, achtungsvoll und ohne Polemik. Keine Seite versuchte, die andere zu bekehren oder ihr falsche Lehren nachzuweisen, sondern beide suchten eine gemeinsame Basis.

Die Briefpartner stellten fest, dass sie in folgenden Lehren übereinstimmten:

der grundlegenden Autorität der Bibel, ihrer Inspiration durch den Heiligen Geist und ihrer Übersetzung in die jeweilige Sprache des Volkes
in Bezug auf das allgemeine Wesen Gottes und seiner Dreieinigkeit
der Erbsünde und ihrer Übertragung auf die ganze Menschheit: der Mensch, nicht Gott, sei die Ursache des Bösen
den zwei Naturen Christi
dass Jesus Christus allein das Haupt der Kirche sei
der Wiederkunft Jesu Christi, dem Gericht und zukünftigen Leben und der Endlosigkeit von Lohn und Strafe
dem Empfang der Eucharistie in beiderlei Gestalt
der Ablehnung des päpstlichen Ablasses, Fegefeuers und obligatorischen Zölibats der Geistlichen.
Theologische Lehren, in denen sie keine Übereinstimmung erzielten, waren

die Gleichrangigkeit der kirchlichen Tradition gegenüber dem Wort Gottes
das Filioque (hier stimmten die Lutheraner mit den Katholiken überein)
der freie Wille des Menschen (diesen bestritten die Lutheraner)
göttliche Prädestination (diese bestritten die Orthodoxen)
Rechtfertigungslehre (hier waren die Orthodoxen dem katholischen Synergismus näher)
die Anzahl der Sakramente
der Taufritus (Untertauchen, unmittelbar folgende Salbung und Spenden der Eucharistie bei den Orthodoxen, nur Besprengen bei den Protestanten)
die Bedeutung der Wandlung in der Eucharistie: Hier stimmten die orthodoxen mit den Katholiken überein
die Unfehlbarkeit der Kirche und der ökumenischen Konzilien: Auch dies vertraten die Orthodoxen mit den Katholiken gegen die Lutheraner
die Heiligenverehrung: ebenso
Fasten und andere kirchliche Traditionen und Bräuche.
Der orthodoxe Patriarch Jeremias sah aufgrund dieser Unterschiede, die sich alle aus der lutherischen Ablehnung einer Tradition außerhalb der Bibel herleiteten, keine Möglichkeit zu einer gemeinsamen Kommunion der beiden Kirchen. Dennoch beendeten beide Seiten den Austausch in freundlichem Ton und gegenseitiger Anerkennung.
Ökumene im 19. Jahrhundert

Nach dem Zeitalter des Konfessionalismus erwuchs auf protestantischer Seite das Bestreben nach einer, auf den Kern des Glaubens gerichteten Lebensweise. Mit dem Pietismus wurden konfessionelle und nationale Begrenzungen gesprengt.

Der Begriff der Ökumene erfuhr mit der Mission eine Erweiterung. So gründete man im 19. Jahrhundert die Evangelische Allianz. Zahlreiche Missionsgesellschaften und Bibelgesellschaften schufen Voraussetzungen für ökumenische Kontakte.

Im CVJM entstand der Begriff einer "ökumenischen Gesinnung", der auch das 20. Jahrhundert prägte und wohl in der Ökumenischen Missionskonferenz 1900 in New York einen ersten Höhepunkt fand. Schon 1855 legte die "Pariser Basis" dafür die Grundlage, wenn sie als Voraussetzung für die Mitgliedschaft den persönlichen Glauben festlegt und nicht nach einer Konfessions-Zugehörigkeit fragt.
Ökumene im 20. Jahrhundert

1929 wurde der Ökumenische Rat für Praktisches Christentum ins Leben gerufen.

Seit 1948 besteht der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK; auch: Weltkirchenrat), dem heute 347 Kirchen in mehr als 120 Ländern angehören. Die Basisformel des ÖRK lautet:

Der Ökumenische Rat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Ökumenische Rat der Kirchen besteht im Wesentlichen aus Kirchen der protestantischen und aus Kirchen der orthodoxen Tradition. Diese Traditionen unterscheiden sich sehr stark in ihrem Selbstverständnis als Kirche und in ihrer Theologie, was von Anfang an zu Spannungen geführt hat.

Während der ÖRK sich ursprünglich als Bewegung in Richtung auf die Wiederherstellung der Einheit der christlichen Kirchen verstand, hat er sich in den letzten Jahrzehnten mehr bemüht, der Pluralität der Bewegungen, Aktionen und Probleme in der Welt gerecht zu werden. In dieser Richtungsänderung folgen die Kirchen nicht, die sich besonders der Einheitsbewegung verpflichtet sehen - insbesondere die orthodoxen Kirchen.

Die bisherige Struktur des ÖRK mit Mehrheitsabstimmungen bevorzugte die Sicht der protestantischen Kirchen, die daher in den Prioritäten und Programmen des ÖRK dominierte. Die daraus resultierenden Spannungen führten bis zu Austrittsdrohungen einzelner orthodoxer Kirchen. Eine paritätisch besetzte Sonderkommission hat deshalb Vorschläge erarbeitet um Struktur, Stil und Ethos des ÖRK entsprechend zu verbessern, wobei auch ähnliche Anliegen anderer Kirchenfamilien und Kirchen aufgenommen wurden (Abschlussbericht der Sonderkommission zur Orthodoxen Mitarbeit im ÖRK).

Im Februar 2005 hat der ÖRK-Zentralausschuss auf der Grundlage der Empfehlungen dieses Abschlussberichtes seine Verfassung geändert und das Konsensverfahren als neue Methode der Entscheidungsfindung und Beschlussfassung eingeführt. Dieses kommt erstmalig auf der Vollversammlung des ÖRK im Februar 2006 in Porto Alegre voll zum Einsatz.

Die römisch-katholische Kirche gehört zwar dem Ökumenischen Rat der Kirchen nicht an, hat jedoch, insbesondere nach dem zweiten vatikanischen Konzil, eine deutliche ökumenische Öffnung gezeigt, insbesondere durch das Ökumenismusdekret Unitatis redintegratio. So hat sie ökumenische Beziehungen zur orthodoxen Kirche angeknüpft, was 1995 im apostolischen Brief "Orientale Lumen" und in der Enzyklika "Ut unum sint" von Papst Johannes Paul II. resultierte. Bilaterale Gespräche zwischen Lutheranern und Katholiken führte zur "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung" vom Oktober 1999 über einen der strittigsten Punkte seit der Reformation. Die Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" wird da allerdings wieder als ein Rückschritt empfunden.

Neben den offiziellen Beschlüssen gibt es vielerorts eine informelle, aber lebendige ökumenische Zusammenarbeit auf der Ebene der lokalen Kirchen.

Sowohl die evangelikale als auch die charismatische Bewegung sind nicht auf bestimmte Konfessionen beschränkt, sondern konfessionsübergreifend.
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