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Ökumene












Ökumene in Europa

Im Jahr 1940 gründete Fr. Roger Schutz in Taizé die Communauté de Taizé, einen ökumenischen Männerorden mit der Zielsetzung, die Risse zwischen den christlichen Kirchen zu heilen.

In Europa gibt es seit 1959 die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK, englisch CEC für Conference of European Churches), der die meisten orthodoxen, reformatorischen, anglikanischen, freikirchlichen und altkatholischen Kirchen in Europa angehören. Die KEK ist eine selbständige Organisation, die mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen zusammenarbeitet. Sie ist einer von weltweit sieben regionalen ökumenischen Zusammenschlüssen.

Die Konferenz Europäischer Kirchen hat gemeinsam mit dem Rat der (römisch-katholischen) Europäischen Bischofskonferenzen zwei Europäische Ökumenische Versammlungen durchgeführt und die Charta Oecumenica unterzeichnet, ein Dokument mit Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa.

Die ökumenische Zusammenarbeit findet in vielen Themengebieten statt, unter anderem im Umweltbereich durch das Europäische Christliche Umweltnetz.
Neuere Entwicklungen

Nachdem in Deutschland unter Ökumene lange nur die Beziehungen zwischen der protestantischen und römisch-katholischen Kirche gesehen wurden, kommen jetzt auch die Beziehungen zu den in Deutschland immer stärker vertretenen orthodoxen Einwandererkirchen und zu den Freikirchen ins Blickfeld.

In der Schweiz gibt es seit dem 19. Jahrhundert neben den reformierten und der römisch-katholische Kirche noch die christkatholische Kirche als offiziell anerkannte Landeskirche, so dass die Ökumene nie nur als "Zweierbeziehung" gesehen wurde.
Probleme der ökumenischen Annäherung

Ein wesentliches Problem beim ökumenischen Dialog ist die unterschiedliche Zielsetzung bzw. Definition von christlicher Einheit bei verschiedenen Konfessionen.

Ebenso hinderlich für die ökumenische Bewegung sind unterschiedliche Verständnisse von grundlegenden christlichen Begriffen wie Kirche (Ekklesiologie), Amt (allgemeines und besonderes Priestertum), Sakrament, Rechtfertigung und Gnade, gepaart mit (oft gegenseitigem) mangelndem Wissen über die unterschiedliche Definition in verschiedenen Konfessionen. Das kann zu Kommunikationsproblemen führen, aber ebenso auch zu einer übertriebenen Einschätzung von ökumenischer Annäherung.
Konfessionsverschiedene Ehen

Die immer häufigeren konfessionsverschiedenen Ehen müssen auf die eine oder andere Weise einen Weg finden, Ökumene im Alltag zu leben. Dem stehen von kirchlicher Seite noch einige Hindernisse entgegen, z.B. ist offiziell von katholischer Seite aus eine gemeinsame Teilnahme am Abendmahl nicht möglich.

Andererseits ist es auch hier schon zu wesentlichen Annäherungen gekommen: bis zur Mitte der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts hatten Katholiken in Mischehen keinen Zugang zur Eucharistie; evangelische Pfarrer wurden wegen Mischehen vom Amt ausgeschlossen.

Heute kann eine Trauung zwischen Protestanten und Katholiken als katholische oder evangelische Trauung oder unter Mitwirkung beider Pfarrer in einer der beiden Kirchen stattfinden.

Wo die beiden Partner, die in einer solchen Ehe leben, in beiden Konfessionen beheimatet sind und sich für die Einheit der Christen einsetzen, spricht man von konfessionsverbindender Ehe.

Mit Netzwerk Ökumene: konfessionsverbindende Paare und Familien in Deutschland wurde 1999 eine bundesweite Initiative gegründet, die die Interessen dieser Paare vertritt und inzwischen auch als Ansprechpartner der Kirchleitungen anerkannt ist. Die Patenschaft von Netzwerk Ökumene haben Bischof Dr. Gebhard Fürst (Diözese Rottenburg), Bischof Dr. Walter Klaiber (Ev.-meth. Kirche) und Bischof Dr. Gehard Maier (ev. Landeskirche Württemberg) übernommen.

Die konfessionsverbindenden Paare in Deutschland sind auch eingebunden in eine weltweite Bewegung, die sich zuletzt bei der II. Weltkonferenz konfessionsverbindender Paare 2003 in Rom traf. Dort wurden auch gemeinsame Erwartungen an die Verantwortlichen in den Konfessionen formuliert.
Ökumene der Religionen

Gegenwärtig wird der Ausdruck Ökumene von einzelnen Autoren auch auf die Beziehungen zwischen dem Christentum und nichtchristlichen Religionen, insbesondere dem Judentum und dem Islam, ausgeweitet. Er wird jedoch weder von christlichen ökumenischen Organisationen (ÖRK, KEK) noch von einzelnen christlichen Kirchen in offiziellen Dokumenten in diesem Sinn verwendet. Ausdrücke wie interreligiöser Dialog oder "multireligiöse Veranstaltung" werden weithin als sachgemäßer empfunden.

Die tiefe Verbindung zwischen Judentum und Christentum wird in vielen ökumenischen Dokumenten erwähnt (z.B. Leuenberger Konkordie, Charta Oekumenica) und dabei unter Berufung auf die "unlösliche Verbundenheit mit Israel" eine besondere Pflege der jüdisch-christlichen Beziehungen gefordert. Dabei wird auch deutlich gemacht, dass die jüdisch-christlichen Beziehungen in einem anderen Sinn zu verstehen sind als die Beziehungen des Christentums zu anderen Religionen. Allerdings wird dabei auch deutlich gemacht, dass Judentum und Christentum nicht gleichzusetzen sind:

"Gegenüber einer unreflektierten Übernahme jüdischer Gebete oder anderer Teile der jüdischen (gottesdienstlichen) Tradition ist allerdings Zurückhaltung angebracht. Eine solche Übernahme steht in der Gefahr, die Austauschbarkeit von Glaubensaussagen vorzuspiegeln. Darüber hinaus kann eine solche Übernahme als mangelnde Achtung gegenüber dem jüdischen Selbstverständnis und Versuch einer substituierenden Aneignung der Traditionen Israels verstanden werden." (Leuenberger Kirchengemeinschaft, Kirche und Israel, 2001)
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