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Sinn? Alles oder Nichts!












Der Text stammt von Wilhelm Weischedel, * 11. April 1905 in Frankfurt am Main; † 20. August 1975 in Berlin. Von ihm ist auch die Philosophische Hintertreppe.

In dem Text kommen 61 Wörter mit Sinn im Wort, und das ist sehr anstrengend zum lesen.

Ich würde gerne hören was ihr davon denkt. Ich finde den Gendanken sehr gut und einleuchtent.

Wilhelm Weischedel: Philosophieren und Sinnprobematik

Der Philosophierende hat nicht mehr die Naivität des Lebens im Bewusstsein der Sinnhaftigkeit. Immer wieder wird er vor die unheimlichen Fragen gestellt: Ist dieses mein Tun sinnhaft? Ist mein Dasein sinnhaft?
Forscht man dem Phänomen nach, dann zeigt sich: Das Sinngebende muss selber sinnhaft sein, um dem Sinnhaften, das in ihm seinen Sinn findet, Sinn verliehen zu können.
Wenn das Wort, auf das die Buchstabenfolge deutet, nicht selber sinnhaft ist, bleibt auch die Buchstabenfolge sinnlos. Wenn in der jüdischen Religiosität kein Sinn steckt, wird auch das Opfer sinnlos. Wenn Cäsars politische Konzeption nicht sinnhaft ist, wird auch sein Übergang über den Rubikon sinnlos. Das Sinngebende also, der Sinn, muss selber in einem vorzüglichen Maße sinnhaft sein.
Dabei kann jedoch der Gedanke nicht stehen bleiben. Es erhebt sich nämlich die Frage, ob denn der Sinnverleihende Sinn selber gegründet sinnhaft ist; denn nur dann könnte er einsichtig Sinn geben. Hier nun zeigt sich: Auch der Sinnverleihende Sinn muss seine Sinnhaftigkeit von etwas anderem her haben, auf das er deutet.
Das Wort, das der Buchstabenfolge den Sinn gibt, ist selber nur sinnhaft, wenn die Sprache, in der es gesprochen wird, sinnhaft ist.
Die jüdische Religiosität, die dem Opfer den Sinn verleiht, ist selber nur sinnhaft, wenn Religion überhaupt sinnhaft ist. So kommt es, ausgehend von dem einzelnen Sinnhaften, zu einer Kette der Verweisungen auf ein jeweils höheres Sinngebendes Sinnhaftes.
Das aktuelle Tun eines Menschen etwa wird sinnhaft aus seinem Arbeitsplan, dieser aus seinem Lebensplan, dieser wiederum aus dem Sinn des menschlichen Daseins als solchen. Und auch bei diesem erhebt sich die Frage nach seiner Sinnhaftigkeit.
Wenn es also überhaupt Sinnhaftes gibt, dann steht dieses innerhalb eines umfassenden Sinnzusammenhanges, in dem jedes einzelne Sinnhafte seine Sinnhaftigkeit von einem je höheren Sinnhaften her erhält.
Betrachtet man die Sinnkette genauer, dann zeigen sich an ihr zwei wesentliche Bestimmungen. Die eine liegt in dem Tatbestand, dass sie eine eindeutige Richtung der Begründung besitzt: vom Sinngebenden zum Sinnhaften hin. Dieser Zusammenhang ist nicht umkehrbar.
Die zweite wesentliche Bestimmung der Sinnkette besagt, dass sie in der Richtung vom Sinnhaften zum Sinngebenden expansiven Charakter trägt. Das Sinngebende ist jeweils das Umfassende. Cäsars politische Konzeption gibt nicht nur dem Übergang über den Rubikon den Sinn, sondern auch vielen anderen politischen und militärischen Aktionen.
Wenn diese eine eindeutige Richtung hat und wenn in ihr das je höhere Sinngebende immer auch das umfassendere ist, muss dann nicht schließlich ein umgreifender Sinn angenommen werden, in dem alles Sinnhafte auf den verschiedenen Stufen seiner Sinnhaftigkeit gründet?
Nur wenn es einen Gesamtsinn gibt, ist auch das einzelne Sinnhafte in seiner Sinnhaftigkeit gerechtfertigt.
Man kann diesen Zusammenhang als den Grundsatz der Rückstrahlung des umfassenden Sinnes auf die Einzelsinne formulieren.
Was den umfassenden Sinn als solchen angeht, so müsste er – gesetzt es gäbe ihn – seinen Grund und seine Bedeutung in sich selbst tragen. Insofern kann man ihn als den unbedingten Sinn bezeichnen; denn unbedingt sein besagt ja: seinen Grund nicht in einen anderen Bedingenden haben.
So kommt die Betrachtung des umfassenden Sinnes zu dem Grundsatz der Notwendigkeit eines unbedingten Sinnes zur Ermöglichung von bedingtem Sinn.
Ob es aber einen solchen gibt?
Wo also die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Einzelnen ernstlich gestellt wird, da kann sie nur entweder bei einem unbedingten Sinn oder bei der absoluten Sinnlosigkeit enden.
@stn,
ich habe mir den Text mal durchgelesen, vermag darin aber nichts zu erkennen, was für mich die Frage beantwortet, weshalb es unbedingt einen höheren Sinn geben muss. Dem Autor merkt man seine Herkunft aus dem theologischen Milieu deutlich an. Er verschwurbelt sich in seiner Sinnhaftigkeit und muss doch in den Konjunktiv wechseln ("gesetzt es gäbe ihn" - umfassenden Sinn), wenn es zum Punkt kommt. Es ist schlicht seine Prämisse, geboren aus seinem Glauben.
Zitat:
Wo also die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Einzelnen ernstlich gestellt wird, da kann sie nur entweder bei einem unbedingten Sinn oder bei der absoluten Sinnlosigkeit enden.

Und hier enttarnt sich der Theologe in seinem Elfenbeinturm als Gedankenspieler ohne Bezug zum Leben. Diese Suche nach dem unbedingten Sinn führt nach meiner Sicht ins Nirgendwo und sie ist insoweit für mich sinnfrei.
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