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Leben in Luanda












Fipps, ich wünschte, daß die Erschaffer der Glasscherbenhaufen mal selbst schön kräftig hinein treten und zu jodeln anfangen, denn nur so lernen sie aus ihren Fehlern. Mich kostet dieser Irrsinn hohler, mit Alk gefüllter Birnen, eine ständig wiederkehrende Rechnung beim Fahrradmonteur. Mon dieu - ich bin sauer - aber, um alle Scherben täglich aufzusammeln, braucht es nicht nur einen Eimer und anschließend kann man sagen: "...und immer grüßt das Murmeltier".

Und manchmal wünschte ich mir die Voodoo Kraft der Magier, um ihnen Verstand einzubläuen, aber so läuft das bei Gott wohl nicht. Einsicht in die Notwendigkeit - den Weg muß wohl jeder allein gehen, bis es oben "Klick" macht.

Übrigens, ist Euch aufgefallen, daß wir schon Galaxienweit vom eigentlichen Thema abgekommen sind ?

Ich hoffe, Astrella , Du nimmst es uns nicht so übel.

*seufz* Du bist so weit entfernt und doch so nah durch dieses Forum.

Gruß
Söderle, da bin ich wieder.

Ja, Fipps, so denke ich nicht. Ich denke nicht, daß es einen "höheren Grund" gibt, warum ich hier warm und trocken sitze und andere eben nicht. Glück. Sagenhaftes Glück.
Ich finde, deine Einstellung ist sehr "indisch", ich weiß nicht, wie ich es sonst nennen soll.
Ich kann nicht über den Tellerrand herausgucken, niemand kann es, man kann nur vermuten, was dahinter und darunter ist. Und solange halte ich mich eben an das, was ich wahrnehme: Kreischende Ungerechtigkeit, ich komme mir vor wie einer im Rettungsboot der Titanic, der Einige "retten" kann und andere eben nicht und ihnen trotzdem in die Augen blicken muß.
Ich kann mich doch nicht darauf verlassen, daß alles schon seine Ordnung haben wird und es zwar nicht mehr "Gottes Wille" ist, daß man arm und krank geboren wird, aber immer noch eine Ursache hat. An der man noch selbst "schuld" sein soll.
Und ja, das ich finde es zynisch.
Dann hätte auch jedes Schwein, daß bei mir als Kotlett auf dem Teller landet, seinen Lebensweg als Karma aufgebrummt gekriegt.

Nun, zurück zum Thema: Hier ist alles ruhig, ich lese zwar ab und zu in den ausländischen Medien, daß die Wahl zwei Tage stattfinden soll, also morgen auch noch, aber davon weiß hier niemand.
Und auch so manche Wahlleiter hatten heute morgen irgendwie gemeinschaftlich verschlafen.
Aber alles hat sich normalisiert.
Eigentlich sollten die Angolaner alle in "ihrem" Bezirk wählen, aber da an manchen Wahllokalen zuviel Andrang war und andere seit dem Mittag nur noch Däumchen drehten, hat man diese Regelung aufgehoben. Auf meine Frage, wie man denn Doppelwähler vermeidet, ließ sich mein Mann doch zu der leicht rassistischen Äusserung "Willst du mal einen Neger mit schwarzen Daumen sehen?" hinreißen.
Schämen soll er sich!

Ich lese nicht gerne über Angola in der ausländischen Presse, da stehen dann immer die üblichen Sachen wie "alle 3 Minuten stirbt ein angolanisches Kind unter 5 Jahren". Ja! Afrika ist ja so Schei..., so dreckig, so korrupt, und ihre Kinder lassen sie auch sterben und tun nix daran. Ich mag dieses Bild nicht, was von diesem Kontinent gezeichnet wird. Die Wahrscheinlichkeit, daß in Deutschland eines der 1, 38 Kindern, die eine Frau geuht zur Welt zu bringen eines an Malaria stirbt ist auch selten gering. Aber wenigstens gibt es hier noch Kinder, und ihr Krach und ihr Lachen wird nicht als Ruhestörung angesehen, nur damit Omi und Omi sich schon mal seelisch auf die Stille des Grabes vorbereiten können.
So, und noch eine schöne angolanische Redensart unter Frauen zum höflichen Anzeigen, daß man jetzt keine Zeit mehr zum Plaudern hat: "Ich muß denn mal jetzt, sonst haut mich mein Mann.."
ach, Astrella, beim Lesen Deines Berichts kam mir der Gedanken, weshalb es mich nie nach Afrika gezogen hat, obwohl es doch Staaten gibt, die mit viel Grün gesegnet sind und es scheinbar sehr schön ist - so aus der Ferne gesehen - in einer Dokumentation im Kino oder im Fernsehen - man erfreut sich der Farben und der Schönheiten, aber irgendwie bleibt alles fern.

Wie kommt man auf den Gedanken, nach Afrika zu gehen, in ein so fernes, fremdes Land ?

Irgendwie merkt man auf seinen persönlichen Reisen, wo es einen ein bißchen festnagelt und wo man am liebsten doch wieder gern nach Hause gefahren wäre.

Ist mir schon so gegangen, daß ich mich in manchen Ländern sehr heimisch fühlte und in manchen Ländern so ein Fremdheitsgefühl hatte und meine Sehnsucht nach Hause mit jedem Tag immer stärker wurde.

Die gespaltene Seele des Romantikers und Pragmatikers in mir ahnt, daß die Komplexität von Karma und Wiedergeburt schon ihren Sinn hat, aber wir es nicht so verstehen, wenn uns das Elend nahe ist und wir nach dem Sinn des uns sinnlos erscheinenden Lebens und Sterbens nicht ganz klar ist. Je näher wir dem Materiellen sind, desto mehr erscheint uns das Leben so erstrebenswert und heften uns ganz fest daran, was uns auch mitteilt, daß wir alle Freuden, die das Leben uns zu bieten hat, gern annehmen möchten. Das Sterben ist so weit, wenn man glücklich und reich und gesund ist. Und doch haben wir nur einige Jahrzehnte zur Verfügung und die bleiben manchmal ungenutzt. Das erscheint uns so unheimlich ungerecht und wir verzweifeln oft. Dabei soll das Universum rund 13 Milliarden Jahre alt sein - wow! welche unvorstellbare Zeit, in der schon Leben existiert. Philosophen a la Coleur haben uns riesige Vorstellungsmöglichkeiten gegeben und wir haben erkannt, welche Skala da geboten wird.
Die Welt verändert sich stetig, nichts bleibt, wie es ist und wo unser Platz im Leben ist: wer bestimmt das, wer verfügt darüber und warum wir gerade diesen und keinen anderen Weg gehen, woher kommt das.

Seltsame Gedanken überfallen einen, wenn man ins sinnieren kommt.

Afrika hat sein Leben - es ist in Aufruhr und wir verstehen die Menschen dort oft nicht. Wie auch ? Täglich erfahren auch wir Neues und politische Ereignisse halten uns in Bann. Es könnte sein, es kommt schlimmer - auch bei uns - sicherlich - wir haben hier ganz andere Probleme und manche Menschen sind in ihrem kleinen Leben so eingebunden, daß Gedanken an andere Menschen in fernen Ländern gar keine Rolle spielen, sondern nur unter "ferner liefen" vermerkt werden.

Wir können in unserem kleinen Glück auch nicht erfassen, daß rund um uns herum täglich gestorben wird - seien es Menschen oder Tiere. Wir kriegen es selten mit und nur, wenn der Nachbar meint: ach, weißt Du, der Meier, der erlag gestern seinem Herzleiden und man weiß nicht mal, wer der Meier denn ist - nur die Nachbarin kannte ihn. So geht es uns mit so vielen anderen Menschen, die jetzt oder morgen oder gestern in Indien und in Ägypten und anderswo ihren Abschied nahmen. Täglich, stündlich, minütlich und eines Tages ist man selbst dran - Tschüss, machts gut - bis zum nächsten Wiedersehn irgendwo in einer Welt, die jetzt noch fern ist.

Und es wird geboren und gestorben und nur diejenigen Kommen und Gehen bekommt man mit, die einem nahe sind.

Gäbe es kein Fernsehen, Radio oder Internet - man wüßte um so vieles weniger - wäre man da glücklicher ?

Schon Hermann Hesse hat solcherart Gedanken in seinen Romanen niedergelegt und mir waren sie sehr nahe - es hat mich berührt, aber der tägliche Arbeitsstreß hat einen dann ganz andere Gedanken aufkommen lassen.

Eben Leben - pur - nah dran - und immer wieder neu.

Und irgendwie: wie fern oder wie nah ist mir etwas - was hat es mir zu sagen oder was soll es mir sagen ?

Weltbürger - Welthunger - Globalisierung - Zukunft - Wandel - Veränderung.

Alles ist da .... und manchmal doch so unendlich fern - gedanklich fern.

Und ich weiß wieder nicht, ob Du mich verstehst.
Zitat:
ach, Astrella, beim Lesen Deines Berichts kam mir der Gedanken, weshalb es mich nie nach Afrika gezogen hat, obwohl es doch Staaten gibt, die mit viel Grün gesegnet sind und es scheinbar sehr schön ist - so aus der Ferne gesehen - in einer Dokumentation im Kino oder im Fernsehen - man erfreut sich der Farben und der Schönheiten, aber irgendwie bleibt alles fern.

Ich habe Afrika nie viel Beachtung geschenkt, gebe ich zu, und selbt als mein Mann anfing dort zu arbeiten und ein Drittel des Jahres dort zu arbeiten...ich war festgefahren in meiner Welt in Deutschland, hatte dort mein durchorganisiertes Leben und es gab wenig Überraschungen - wer liebt schon Überraschungen. Afrika aus den Erzählungen und Fotos meines Mannes war - irgendwie staubig und armselig, schwierig die Menschen - und ich kannte eben auch nur die üblichen Fernsehbilder - marodierende Banden mit Hang zu Grausamkeiten auf der einen Seite, idyllische Tier- und Pflanzenwelt auf der anderen Seite.
Und trotzdem habe ich nicht gezögert, als wir die Freigabe zum Umzug bekamen. Und ich hatte so recht. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten: Afrika "passt" irgendwie wie so´n oller Schuh. Vielleicht erinnern sich ein paar Gene noch daran, daß hier unser Ursprung ist. vieles fühlt sich vertraut an, das Wetter ist mehr als angenehm und die Menschen sind einfach noch...hm... menschlich und nicht so erstarrt.
Natürlich"weiß" ich noch, daß ich weiss bin und deutsch - sehr deutsch, und ich bin auch auf "unsere" Eigenschaften stolz, die ich hier manchmal so schmerzlich vermisse. Es ist nicht mein Land und auch nicht meine Heimat, ich kann auch nicht sagen, wo ich lieber lebe. Momentan eher hier - ich bevorzuge Trubel um mich herum, meine Kinder wachsen mit für deutsche Verhältnisse undenkbaren Freiheiten auf. Wie es aber sein wird, wenn ich älter bin und man sich mehr nach Sicherheit, Geborgenheit, ärztliche Versorgung und Ruhe sehnt, nach Menschen, mit denen man sich auch mal wieder in der Muttersprache austauschen kann -ich weiß es nicht. Deuschland macht mir momentan eher Angst. Es ist schwer, von "ausserhalb" sich wieder in das Räderwerk einzufinden.
Ich kann mich noch allzugut an einen Vorfall erinnern, den ich so "typisch" finde: Ich (hochschwanger), ein Kind im Kinderwagen und zwei Kleinkinder an der Hand, bei strömenden regen zum Kindergarten. Unterwegs hatte ich Senkwehen und musste oft stehenbleiben, und statt 15 Minuten Fußmarsch kamen wir erst nach einer halben Stunde an - 3 Minuten nach 8. Und die Tür war zu. Um ( Uhr wurde die Tür geschlossen, und man musste klingeln und dann musste ich mir von einer mißgelaunten Kindergärtnerin anhören, daß die Unpünktlichkeit der Eltern den Tagesryhthmus stören würde usw.
Ich war viel zu platt, um mich zu wehren - aber in diesem Moment wusste ich genau, daß ich in Deutschland mit 4 Kindern nicht gut aufgehoben bin.
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