|
|
|
So, ich war heute Zeuge eines ziemlich beeindruckenden Schauspiels.
Wenn hier Minister oder der Staatschef unterwegs sind, wird das Fahrzeug von Militär? Polizei? begleitet, Männern in schwarzer Uniform, Barretts, Springerstiefeln (und der obligatorischen Sonnenbrille, von der ich mutmaße, das sie Teil der Uniform ist). 6 - 8 Mann breitbeinig im Pritschenwagen, (für Afrikaner) große kräftige Männer mit...hm...ein bißchen zu viel Testosteron im Blut.
Wenn man in der Nähe ist, tut man gut daran, sich in Luft aufzulösen, denn DIE gehen zum Lachen in den Keller. Hier in Luanda haben die Afrikaner vor nix Respekt - außer vor diesen Leuten. Die sichern auch Geldtransporte, wobei sie 30 Meter vor der Bank vom Wagen springen und im Laufschritt stategische Posten einnehmen und die Umgebung mit entschicherten Waffen "abdecken".
Auch da: Am besten verdunsten.
Also heute: Stau bis Bagdad, wie immer, von hinten Sirenen, also ab zur Seite, egal ob da was steht oder nicht. Doch ein Lebensmüder stellt sich doch glatt an das Stauende an, daß in die Kreuzung reinreicht, den ankommenden Wagen genau in den Weg. Diese Wagen halten eigentlich NIE an, Krankenwagen, Normale Polizei, alles steht im Stau vor sich hin, DIE nicht. Noch bevor der Pritschewagen zum Halten gekommen ist, sind die Männer abgesprungen, zwei zerren den Mann aus dem Auto und der Rest schafft das Auto beiseite. Da der Schlüssel steckt, bleibt das Auto nicht lange herrenlos. Der Mann wird auf den Pritschenwagen geworfen und - weg sind sie. Das Ganze dauerte - hm - 1 Minute.
Mein Mann, dem ich das ganze aufgeregt erzählte, meinte nur trocken: "Dem passiert nichts, da ist nur das Auto weg." Er meinte aber auch, daß es jetzt "gemäßigte" sei, früher wurden die Leute, die keinen Platz machten, einfach über den Haufen geschossen, was wohl einmal zu diplomatischen Verwicklungen führte, als es eine englische Botschaftsangestellte traf, die es mal ausdiskutieren wollte.
Habe leider im Internet dazu nichts gefunden, liegt wohl auch schon etwas zurück. Aber dafür habe ich etwas anderes (im Link taucht das Wort "skurriles" auf... )
http://diepresse.com/home/panorama/...../349858/index.do?from=rss
|
|
|
|
Ja, so soll das Leben sein, bunt, aufregend und lebensgefährlich. Das erzeugt Glückshormone. Deshalb sind die Afrikaner auch immer so fröhlich.
Erinnert mich an die Stadt Ankh-Morpork, die allerdings in einer anderen Dimension liegt. Siehe hier.
|
|
|
|
Ankh-Morpork trifft es in mancher Weise, auch wenn die Unsichtbare Universität fehlt. Vor allem..öhm...der Geruch. Wir haben hier zwar keinen Fluß (nur den Rio Kwanza zwei Autostunden entfernt, der riecht auch streng und hat Krokodile), aber wir haben hier sowas wie einen Strand...was nicht heißt, daß es empfehlenswert ist, dort zu baden.
Glückshormone? Hm...man ist über andere Sachen glücklich...fließend Wasser...Strom..mal niemand mit irgendeinem exotischem Zeug krank..
edit: Ich bin hier auch in einer anderen Dimension...*glaub*
|
|
|
|
Gestern war ich mit meiner Tochter im Auto unterwegs. Wir stehen im obligatorischen Stau, sie plaudert fröhlich aus der letzten Reihe von ihrer Ballettstunde und neuen Tanzschrittchen, während an uns Kolonnen von ambulanten Händlern vorbeiziehen. An Kreuzungen warten auch die Bettler. Überwiegend Kriegsversehrte mit fehlenden Gliedmaßen. So einer kommt jetzt auch auf uns zu.
Ich lasse die Scheibe runter und reiche ihm Geld zu, und von unten ertönt mit ziemlich rauer Stimme ein Dankeschön.
Schlagartig verstummt das Geplauder von hinten.
"War das ein Kind?" fragt meine Tochter, ihre Stimme klingt irgendwie leicht nervös.
"Hat sich das wie ein Kind angehört?"
Zumal sie ja auch den dazugehörigen behaarten Arm und die große Hand gesehen hat.
"War das ein... Mann?"
"Ja, das war ein Mann."
Stille. Ich kann förmlich fühlen, wie ihre Phantasie explodiert.
Wahrscheinlich zieht sie in diesem Moment die Möglichkeit der Existenz von Zwergen in Betracht oder so.
"Der war aber ziemlich klein."
"Ja"
"Wieso war der so klein?"
"Der hatte keine Beine mehr"
"Oh"
Ich glaube, ihr wird in diesem Moment das erste Mal schlagartig klar, was es heißt, keine Beine zu haben.
Schließlich kommt sie gerade vom Ballett.
"Ich glaube, es ist ganz schön schlimm ohne Beine"
Ich gucke in den Rückspiegel. Der Mann schwingt sich gerade lachend den Bordstein hoch zu einer Obstverkäuferin und setzt sich neben sie.
"Nein. Ich glaube, schlimm ist es erst, wenn man keine Freunde hat."
|
|
|
|
Astrella, ich freue mich über weitere Geschichten aus Deinem Leben - in einem anderen Land.
Neue Sichten - Realität pur -
Gruß
|
|
|