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2.1.4 Vielfalt
Abdu'l-Bahá beschreibt Vielfalt als »Vollkommenheit dem Wesen nach, die bewirkt, daß die Segnungen (Gottes) erscheinen« (BRIEFE UND BOTSCHAFTEN 225/23)
Er erklärt:
»Betrachtet die Blumen eines Gartens. Obwohl sie nach Art, Farbe, Form und Gestalt verschieden sind, werden sie doch vom Wasser einer Quelle erfrischt, vom selben Windhauch belebt, von den Strahlen einer Sonne gestärkt. So erhöht die Vielfalt ihren Reiz und steigert ihre Schönheit. Wenn die vereinende Kraft, der durchdringende Einfluß von Gottes Wort dergestalt wirkt, verschönern die unterschiedlichen Gebräuche, Verhaltensweisen, Ideen, Ansichten und Veranlagungen die Menschenwelt. Diese Vielfalt, dieser Unterschied entspricht der naturgeschaffenen Ungleichheit und Vielfalt der Glieder und Organe des Menschenleibs; denn jedes trägt zur Schönheit, Wirksamkeit und Vollkommenheit des Ganzen bei ...« (BRIEFE UND BOTSCHAFTEN 225/24)
»Wie unerfreulich wäre es für das Auge, wenn alle Blumen und Pflanzen, Blätter und Blüten, Früchte, Zweige und Bäume jenes Gartens die gleiche Form und Farbe hätten! Vielfalt in Farbe, Form und Gestalt bereichert und verschönert den Garten und erhöht dessen Ausdruck ...« (BRIEFE UND BOTSCHAFTEN 225/25)
Das Ausmaß an Vielfalt in der »Welt der erschaffenen Wesen« (ANSPRACHEN IN PARIS S.37) wird im folgenden Abschnitt betont:
»... die Formen und Organismen der Erscheinungswelt (sind) in jedem Reiche des Universums unendlich in ihrer Vielzahl. Zum Beispiel weist die Stufe oder das Reich der Pflanze eine unendliche Vielfalt von Typen und Strukturen des Pflanzenlebens auf, von denen jede einzelne wiederum eigenständig und unterschieden ist. Keine zwei gleichen sich im Aufbau und in den Einzelheiten völlig, denn in der Natur gibt es keine Wiederholungen, und die Fähigkeit des Wachstums läßt sich nicht auf ein bestimmtes Bild oder eine bestimmte Form beschränken. Jedes Blatt hat seine Besonderheit, sozusagen als Blatt eine eigene Individualität ...« PROMULGATION OF UNIVERSAL PEACE p.285)
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2.1.5 Die Natur dient der Menschenwelt
Abdu'l-Bahá beschreibt die »Ursachen und Begleitumstände« für die »Vollkommenheit« (BEANTWORTETE FRAGEN S.84) des Mineral-, Pflanzen- und Tierreichs, und Er unterscheidet dies von ihrem »wahren Glück« (BEANTWORTETE FRAGEN S.38), das zur Ehre der verschiedenen Reiche beiträgt.
»Ehre und Auszeichnung alles Erschaffenen hängen von Ursachen und Begleitumständen ab.«
»Vortrefflichkeit, Schmuck und Vollkommenheit der Erde bestehen darin, durch die Gaben der Frühlingswolken grün und fruchtbar zu sein. Pflanzen wachsen, Blumen und duftende Kräuter sprießen hervor, fruchttragende Bäume kommen in Blüte und bringen frische und neue Früchte hervor. Gärten erblühen prächtig, Wiesen stehen in bunter Zier: Berge und Ebenen sind in Grün gekleidet; Gärten, Felder, Dörfer und Städte legen den schönsten Schmuck an. Darin besteht das Glück des Mineralreichs.«
»Das Pflanzenreich findet höchste Auszeichnung und Vollkommenheit darin, daß ein Baum am Ufer eines Baches mit klarem Wasser wachsen kann, daß ein angenehmer Wind über ihn weht und die warme Sonne auf ihn scheint, daß ein Gärtner ihn pflegt und er sich Tag für Tag entfaltet und Früchte trägt. Sein wahres Glück aber ist sein Aufstieg zum Tier- und Menschenreich, indem er das ersetzt, was im Körper der Tiere und Menschen verbraucht wurde.«
»Die Auszeichnung für das Tierreich besteht darin, vollkommene Glieder, Organe und Kräfte zu besitzen und alle Bedürfnisse stillen zu können. Darin liegt seine größte Herrlichkeit, sein Ruhm und seine Auszeichnung. Daher bedeutet für ein Tier höchstes Glück, eine grüne und fruchtbare Wiese, vollkommen klares, fließendes Wasser und einen wunderschönen, grünen Wald sein eigen zu nennen. Stehen ihm all diese Dinge zur Verfügung, so kann man sich kein größeres Glück vorstellen. Baut zum Beispiel ein Vogel sein Nest in einem grünen, fruchtbaren Wald, an schöner hochgelegener Stelle in einem starken Baum, in der Spitze hochragender Äste, und findet er alles, was er an Körnern und Wasser braucht, so bedeutet dies für ihn vollkommenes Glück.«
»Aber das wahre Glück des Tieres besteht im Aufstieg vom Tier- zum Menschenreich, wie die Kleinlebewesen, die durch das Wasser und die Luft in den Körper des Menschen eindringen und das ersetzen, was von ihm verbraucht wurde. Darin liegt die größte Ehre und das Glück für das Tierreich; keine größere Ehre ist für es denkbar.«
(Abdu'l-Bahá, in BEANTWORTETE FRAGEN S.84)
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2.1.6 Die Natur ist unvollkommen
Es bestehen zwei entgegengesetze Auffassungen über die Natur - die eine besagt, »die natürliche Welt sei vollständig« die andere erklärt, sie sei »unvollständig« da sie der »Einsicht und der Erziehung bedarf«
Abdu'l-Bahá stellt dar, daß »die Welten des Minerals, der Pflanze, des Tiers und des Menschen einen Erzieher brauchen« (BEANTWORTETE FRAGEN S.21)
»Die Materialisten sind der Meinung, die natürliche Welt sei vollständig. Die göttlichen Philosophen sagen, die natürliche Welt sei unvollständig. Zwischen den beiden ist ein großer Unterschied. Die Materialisten machen auf die Vollkommenheit der Natur aufmerksam, die Sonne, der Mond und die Sterne, die Bäume in ihrem Schmuck, die ganze Erde und das Meer; selbst unbedeutende Erscheinungen offenbaren die vollkommenste Symmetrie. Die göttlichen Philosophen leugnen diese scheinbare Vollkommenheit und Vollständigkeit im Reich der Natur, obgleich sie die Schönheit ihrer Erscheinungsformen zugeben und die unwiderstehlichen kosmischen Kräfte anerkennen, die die riesigen Sonnenwelten und Planeten steuern. Sie sagen, daß die Natur zwar vollkommen erscheint, aber gleichwohl unvollkommen ist, da sie der Einsicht und Erziehung bedarf. Zum Beweis dessen führen sie an, daß der Mensch, obgleich er im Bereich der materiellen Schöpfung ein wahrer Gott ist, selbst einen Erzieher benötigt. Wird der Mensch nicht durch Erziehung gebildet, so ist er wild, tierhaft und brutal. Gesetze und Verordnungen, Volksschulen, Gymnasien und Universitäten haben die Ausbildung des Menschen und seine Erhebung aus dem dunklen Grenzbezirk des Tierreichs zum Zweck.« (PROMULGATION OF UNIVERSAL PEACE p.329)
»Betrachten wir die Welt des Daseins, so sehen wir, daß Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich einen Erzieher brauchen.«¹
»Bleibt die Erde unbebaut, so wird sie zur Wildnis, in der Unkräuter wachsen. Wenn aber der Bauer kommt und sie beackert, bringt sie Ernten hervor, die den Lebewesen als Nahrung dienen. Daher ist es klar, daß die Erde der Bearbeitung durch den Bauern bedarf. Betrachte die Bäume: Ohne Pflege eines Gärtners blieben sie ohne Frucht, und ohne Frucht wären sie ohne Nutzen; werden sie jedoch von einem Gärtner gepflegt, bringen eben diese ertraglosen Bäume Früchte hervor; ebenso werden Bäume mit bitteren Früchten durch Pflege, Veredlung und Pfropfung süße Früchte tragen ...«¹
»Dasselbe gilt für das Tierreich: Beachte, daß ein Tier, wenn es erzogen wird, zum Haustier wird, und daß ein Mensch ohne Erziehung zum Tier wird; verbleibt der Mensch unter der Herrschaft der Natur, sinkt er sogar unter die Stufe des Tiers herab. Durch die Erziehung aber wird er zum Engel ...«¹
¹ Abdu'l-Bahá, in BEANTWORTETE FRAGEN S.21
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2.2 Haltungen und Werte
Die Bahá'í-Schriften betonen bestimmte geistige Werte und Haltungen, die für die Beziehung des Menschen zur Natur bestimmend sind. Dazu gehören:
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2.2.1 Würdigung der Natur
Das Wissen um die Tatsache, daß der Mensch der Erde »... seinen Wohlstand ... verdankt« (BRIEF AN DEN SOHN DES WOLFES S.52), »wird ausgewogen durch die Einsicht, daß »Wert und Würde des Menschen mehr sein müssen als materieller Reichtum« (BEANTWORTETE FRAGEN S.85)
»Jeder Mensch mit Urteilsvermögen, der auf Erden wandelt, fühlt sich in der Tat beschämt, weil er sich voll bewußt ist, daß dasjenige, dem er seinen Wohlstand, seinen Reichtum, seine Macht, seine Erhöhung, seinen Fortschritt und all seine Kraft verdankt, nach dem Willen Gottes die nackte Erde ist, die alle Menschen mit Füßen treten. Zweifellos ist jeder, der sich dieser Wahrheit bewußt ist, von allem Stolz, Dünkel und Hochmut geläutert und geheiligt.« (BRIEF AN DEN SOHN DES WOLFES S.52)
»Womit könnt ihr zu Recht prahlen? Ist es euer Essen und Trinken, worauf ihr stolz seid, sind es die Schätze, die ihr in eueren Truhen speichert, die Vielfalt und der Preis des Schmucks, mit dem ihr euch behängt? Wenn wahrer Ruhm im Besitz solch vergänglicher Dinge bestünde, dann müßte zwangsläufig die Erde, auf der ihr wandelt, sich vor euch brüsten, weil sie euch nach dem Ratschluß des Allmächtigen mit eben diesen Dingen versorgt und beschenkt. Tief in ihr ist alles enthalten, was ihr besitzet, wie Gott es verordnet hat. Aus ihr schöpfet ihr eueren Reichtum als ein Zeichen Seiner Barmherzigkeit. So betrachtet denn eueren Zustand, das, worauf ihr stolz seid! Könntet ihr es doch begreifen!« (ÄHRENLESE 118/7)
»Damit ist klar, daß Ehre und Würde des Menschen mehr sein müssen als weltlicher Reichtum; materielle Annehmlichkeiten sind nur ein Zweig, aber die Wurzel menschlicher Größe sind gute Eigenschaften und Tugenden, die der Schmuck seiner Wirklichkeit sind. Dieser Schmuck besteht in den göttlichen Erscheinungen, den himmlischen Gaben, den edlen Gefühlen und in der Liebe und Erkenntnis Gottes. Er ist umfassende Weisheit, verständige Wahrnehmung, wissenschaftliche Entdek- kungen, Gerechtigkeit, Unparteilichkeit, Wahrhaftigkeit, Güte, natürlicher Mut und tiefe Seelenstärke; Rücksicht und Einhaltung von Verträgen und Bündnissen; Geradheit unter allen Umständen, Dienst an der Wahrheit in allen Lebenslagen; Aufopferung für das Wohl aller Menschen, Güte und Achtung für alle Völker; Gehorsam gegenüber den göttlichen Lehren, Dienst im Reiche Gottes, Führung der Menschen, Erziehung der Nationen und Rassen. Dies ist das wahre Glück der Menschenwelt! Dies ist die Größe des Menschen in dieser Welt! Dies ist immerwährendes Leben und himmlische Ehre!« (BEANTWORTETE FRAGEN S.85)
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