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Meister Eckhart: Die Liebe Gottes












Lieber Nasruddin

Ich freue mich schon lange immer sehr über deine Beiträge und frage mich: warum werden wir beide eigentlich nicht einfach Bahai und lesen am nächsten Weltkirchentag gemeinsam aus Koran und Neuem Testament vor

Deine These warum Christus sein Schicksal, die Kreuzigung, sofern es sie gab, annahm, hat mich in Erstaunen versetzt. Erst hab ich es nicht verstanden, muss ich zugeben, jetzt aber muss ich sagen, nach einiger Zeit der Reflexion verstehe ich es und es macht Sinn. Ich frage mich nur, war das ein Zufallstreffer oder bist du wirklich schon so tief in das Christentum vorgedrungen? Wenn ja, Hut ab!

Zunächst mal etwas kurzes zu deiner Bemerkung zu Josefin, die Christen nähmen deine zweite Regel nicht ernst genug. Das kann ich so nicht unterschreiben, weiss aber wie der Eindruck entsteht: Die, welche du als Christen wahrnimmst sind keine! In Europa gibt es noch unglaublich viele Menschen, die einfach aus traditionellen Gründen getauft sind, weil es gesellschaftlich in den 70ern und 80ern noch erwartet wurde. Aber Christen sind sie nicht. Sie sind Gläubige des neuen, "satanischen" Evangeliums: dem Materialismus. Dem Christentum stehen sie deshalb, trotz Taufe, diametral entgegen. Dass diese Menschen Jesu Gebote nicht achten, wundert mich nicht, lässt sich aber der Christenheit nicht anrechnen.

Der Christ an sich betrachtet die entsprechenden Sätze Jesu als zentral. Auch untereinander machen wir darauf aufmerksam, wenn wir den Eindruck haben, jemand halte sich nicht daran - ganz "gentle", aber bestimmt natürlich.

Aber der Stein des Anstosses bezieht sich immer nur auf Dinge des Inneren Wesens, die vor Gott Anstoss nehmen. Nicht irgendwelche Dinge, die nur bei mir oder jemand anderem in der Welt Anstoss nehmen.

Soviel dazu, in Teil 2 zurück zu Meister Eckhart - hier bitte ich Dich noch bis heute, später am Abend zu warten. ich muss dazu noch einen Meister Eckhart Originaltext abtippen, den ich als MP3-Hörbuch habe.

Einstweilen,
Andreas
Hmm. Meister Eckhart ist für mich einer der größten religiösen Mytiker/Religionsphilosophen (die Grenzen sind da bei Eckhart oft fließend) die ich je kennen lernen durfte.

Am meisten freute mich, das so große Zen Meister wie D. T. Suzuki und Taisen Deshimaru Roshi von Eckhart mit allergrößter Hochachtung sprachen, und das sagt schon einiges über die religiösen "Qualitäten" dieses Gottesmannes aus.
Seine Aussagen dürften auch heute noch für viele Christen revolutionär sein, denn eines seiner Hauptwörter was das "lassen", und um Gottes Willen sollte man dann auch, wenn es nötig ist - Gott lassen, da verstand ich dann warum die Buddhisten...

Übrigens, bei den maßgebenden Instanzen der katholischen Kirche war Eckhart nicht so beliebt, denn Papst Johannes der XXII erklärte einiger seiner Thesen für - häretisch.

Wen wundert's.
@Andrea80

Zitat:
Ich freue mich schon lange immer sehr über deine Beiträge und frage mich: warum werden wir beide eigentlich nicht einfach Bahai und lesen am nächsten Weltkirchentag gemeinsam aus Koran und Neuem Testament vor


Ich wäre dabei. Aber Jakow oder ein anderer Jude müsste uns Beistand leisten. Dann wären die 3-Geschwister zusammen...

Als Muslim ( als Jüdisch-Christlicher-Muslim ) hatte ich zuerst schwer an den Aussagen von unserem Meister zu schlucken. Das verdauen machte noch mehr beschwerden...

Doch dann. Als dann endlich alle Vorurteile, Bildnisse und Selbstgerechtigkeiten verschwunden waren, da gab es nur noch die tiefe Wahrheit. Und das Leiden, erkennen zu müssen unter welchen Umständen dieser/unser Meister selbstlos und sehr sanft und rücksichstvoll seine Umgebung mit Liebe und reiner Hingabe versucht pragmatischer Denken zu lehren, das lässt mir den kalten Schauer über den Rücken streichen.

Das Leid ist unendlich das er Empfand und die Liebe ist so gross, dass es mich fast umhaut, wenn ich seine Aussagen lese. Sie sind so tiefsinnig und erfahren, dass ich mich gerne bedenkenlos ihm als Gestigen Lehrer unterstellen würde.

Als ein bisschen Geschulter auf dem Wege der Mystik durch verschiedene Geistige Grossväter zähle ich Meister Eckhardt zu einem dieser Grossväter.
Andere müssen doch erwähnt werden, Saadi, Gurdjeff, Pak Subuh, Bennet und Rumi, Krishnamurti, Goethe.

Wer Grossväter hat, hat auch Urgrossväter. Diese wären Zoroaster, Buddha, Moses, Jesus und Mohammed, Bahai. ( Ja auch Bahai...)

Und noch weitere, die mir jetzt nicht in den Sinn kommen...

Väter? Die kann ich jetzt nicht erwähnen. Das muss jeder mit sich und seinem Vater ( Baba, Bab, Gru, Lehrer, Hoca, Imam ) ausleben.

Und ich versuche allen diesen, meinen unseren Vorfahren gerecht zu werden.

Leider klappt es nicht immer...

Gruss
Nasruddin
Zitat:
Andere müssen doch erwähnt werden, Saadi, Gurdjeff, Pak Subuh, Bennet und Rumi, Krishnamurti, Goethe.


Danke, Nasruddin, ich finde es schön und wunderbar, das in diesem Zusammenhang auch einmal der Name Goethes fällt!
Denn was dieser große Mensch an unschätzbaren geistigen Vollbracht hat, was er der Menschheit alles an wunderbaren schenkte, das wird leider, leider, heute nur noch von einem kleinen Kreis von Menschen aufgenommen.

Aber so soll es vielleicht auch sein, es wird immer ein kleiner Kreis von Unentwegten sein, der dann...

Liebe Grüße

Mebus
Ich hoffe dieser 'kleine Kreis' beschäftigt sich dann auch einmal mit den Schattenseiten des guten Herrn Goethes... Ne, ne... da ziehe ich Schiller doch weit vor, nicht ganz so verlogen.
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