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Moralische Gewissheit ist des wahren Gläubigen Lohn...












Ich habe lange überlegt, wo ich diesen kleinen Auszug aus einem Buch des Psychologen, Dr. Gordon Livingston hinstelle ohne dass es von der Einen oder Anderen Ideologischen Seite für und wider ausgeschlachtet wird.

Ich Glaube hier ist es am richtigen Ort.

Er spricht für mich eine deutliche klare Sprache und die ist ja zumeist für die meisten von uns unbequem....

Die Kirche kann auch Moschee oder sonstwas heissen...

Doch Urteilt selbst....
Teil - 1

Moralische Gewissheit ist des wahren Gläubigen Lohn.

In den Vierziger- und Fünfzigerjahren in einer katholischen Umgebung aufzuwachsen war eine Übung in Angstbewältigung. Von der Kirche fühlte ich mich mit einem Heilsversprechen in Schach gehalten, das an eine Rehie von Verboten geknüpft war, deren Übertretung geahndet wurden. Damit sollte gewährleistet werden, dass alle hübsch gefügig blieben und nie ohne Angst- und Schuldgefühle waren.
Ganz besonders aber fühlte ich mich von der Behauptung unter Druck gesetzt, wenn es um Sünden ginge, seien „Gedanke, Wort und Tat“ gleichzusetzen.
Jeder weiss doch, dass Fantasien und Gefühle nicht unter Kontrolle zu halten sind – aber nein, kein Pardon. Ein Versagen in diesem Punkt galt nicht als ein Vorstadium der Sünde, sondern war bereits Sünde. Hier ist die geniale „Marketingstrategie“ der Kirche besonders gut zu erkennen: Der einzige Rettungsweg für unser unsterbliche Seele bestand im Sakrament der Beichte.
Teil - 2

So sass ich denn jede Woche vor dem Beichttermin da und zermarterte mir das Hirn, was für Sünden ich glaubwürdig auftischen konnte, ohne mir Schlimmeres einzuhandeln als ein paar Rosenkränze. Den rabenschwarzen Abgrund meiner jugendlichen Fantasien, sagte ich mir, konnte ich unmöglich offenbaren, da wäre dann sicher mindestens eine öffentliche Auspeitschung fällig. So gestand ich immer wieder versehentlichen Fleischgenuss am Freitag, was zwar eine Todsünde war, sich aus unerfindlichen Gründen aber trotzdem mit ein paar Vaterunser und Ave-Maria bereinigen liess.

S94-95
...
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Weshalb entscheiden wir uns von all den Geschichten, mit denen wir versuchen, unser Leben zu ordnen, nicht für die, die anderen am wenigsten schadet? Die meisten tiefen Überzeugungen kranken daran, dass sie ihre Anhänger zwingen, diese besondere Lösung der Rätsel des Lebens als einzig richtige anzusehen. Wäre das nur arrogant, ginge es ja noch; aber Fundamentalisten meinen zudem auch, sie hätten das Recht, anderen ihre Auffassungen aufzuzwingen.
Teil - 3

In seiner harmlosesten From ist ein solcher missionarischer Eifer einfach der Drang, die „frohe Botschaft“ des Heils zu verkünden. Das hat wenigstens noch den Vorteil, dass man als Nichtinteressierter einfach weghören darf. Nur begnügen sich die vom Heiligen Geist Ergriffenen oft leider nicht mit blosser Überzeugungsarbeit. Früher oder später übermannt sie doch das Bedürfnis, andere zum Zuhören zu zwingen. Sie können es nicht anders, sie müssen einfach in Schulen Pflichtgebete durchsetzen,

S97
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Der Geist der Demokratie lebt von der Überzeugung, dass niemand ein Monopol auf die Wahrheit besitzt. Wir alle sind fehlbar und ringen um die Errichtung einer Welt, in der jedem das Recht eingeräumt wird, die grossen Fragen des Lebens zu beantworten, wie es ihm richtig erscheint. Sollte es ein Dasein nach diesem Leben geben, wird es sich kaum an einem Ort abspielen, zu dem nur Zugang hat, wer zufällig mir der richtigen Religionszugehörigkeit geboren wurde...
Teil - 4

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Es fehlt noch eine Geschichte, die erklärt, dass unsere Vorstellungen von Gott und seiner Rolle in unserem Leben so vielfältig sind wie die Kulturen, denen sie entspringen. Wie wir uns den Himmel auch vorstellen mögen, die Hölle auf Erden jedenfalls entsteht durch das Vorhaben, einer Glaubensrichtung den Sieg über eine andere zu erstreiten. Ich sehne mich nach einem Glauben, zu dessen Kernbestand Bescheidenheit und Toleranz gehören. Eine solche Kirche wäre von dem Gedanken getragen, dass Gott gute Werke mehr schätzt als Frömmigkeit.
Und ihr wichtigstes Gebot wäre: Du sollst deine Religion für dich behalten.

S.100

Gordon Livingston, „Und Tanze einfach weiter, Neue Unbequeme Wahrheiten umd aus dem Leben Klug zu werden“, ISBN-978-3-7787-9169-1
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