Ist Zweifel oder Gewißheit das Ziel?


Coole Geschichte!

Ich kann es mir auch nicht vorstellen , ewig zu leben!
Mann , muss das lästig sein ... oder?

Aber da ja alles vergänglich ist , hat es ja den Vorteil sofort alles was man möchte zu tun , bevor man abnippelt (sehr dreist ausgedrückt)!
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Denkt selber nach!
Ja und nein - dass Alles vergänglich ist, bedeutet ja nicht, dass Du für nichts
Verantwortung trägst - wenn Du sofort alles tust was Du möchtest, dann
zahlst Du auch den Preis dafür - vielleicht nicht heute, vielleicht nicht in Himmel
oder Hölle - aber die Folgen von dem was Du tust verschwinden nicht einfach -
sie haben wieder Folgen, und die wieder... etc.
Ich bin kein besonderer Anhänger des Dalai Lama, aber was er in der Rede
vor zehn Jahren gesagt hat, ist heute vielleicht noch aktueller als damals...

Falls Dich das Buch interessiert - bei Amazon ist es um ein paar Euro zu haben:
'Der Orchideenkäfig' von H.W. Franke.
Liebe Wu,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort, durch die Dein Gedankengang für mich nachvollziehbar wird.

Wu hat folgendes geschrieben:
Lieber Herzlich
Zitat:
Das ist interessant. Ich hatte bisher kein Problem mit dem Satz, weil er mir einleuchtend erschien, freilich ohne wirklich im Detail darüber nachzudenken. Ich habe "unvergängliche Herrlichkeit" bisher immer als einen anderen Begriff für "Vollkommenheit" verstanden. Und soweit ich es verstanden haben, fordern alle Religionen ihre Anhänger auf, sich selbst durch Anwendung der Ratschläge und Gebote der Offenbarer zu vervollkommnen.
Wieso hältst Du es nicht für durchdacht, bzw. ethisch nicht hilfreich?

Hmm - ich denke man sollte da differenzieren -
Zitat:
Besitze ein reines, gütiges und strahlendes Herz, auf das Du eine unvergängliche Herrlichkeit erlangest, während von Ewigkeit zu Ewigkeit
ist für mich nicht primär eine Aufforderung zur Vervollkommnung, sondern hat die Form eines 'Geschäftsvorschlags' - "Verhalte dich so und so, dann bekommst du..." - und die Haltung, die dadurch gefördert wird, ist "Ich möchte gern..., also tu' ich das" - und das ist IMHO von 'vollkommen' sehr weit entfernt.


Wenn man den Vers für sich allein betrachtet, kann man tatsächlich auf die Idee kommen, ihn so zu verstehen.

Im Kontext der weiteren Offenbarungsschriften Bahá´u´lláhs ergibt sich aus meiner Sicht allerdings ein ganz anderes Verständnis. Hier geht es letztlich um die Vervollkommnung einer Liebesbeziehung zwischen dem gläubigen Menschen und seinem Schöpfer, also Gott. Ich spreche deshalb von Vervollkommnung, weil diese Liebesbeziehung einseitig bereits von Beginn unseres menschlichen Lebens an existiert. Denn der Grund für unsere Erschaffung, also für die Existenz jedes einzelnen Menschens, ist die Liebe seines Schöpfers, also die Liebe Gottes. In den "Verborgenen Worten" Bahá´u´lláhs fand ich dazu:

Zitat:

O Sohn des Menschen!
Verhüllt in meinem unausdenkbaren Wesen und in der Ewigkeit meines Seins, erkannte Ich meine Liebe zu dir; darum erschuf Ich dich, prägte dir Mein Ebenbild ein und offenbarte dir Meine Schönheit.


Zitat:

O Sohn des Seins!
Liebe Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich nicht liebst, kann Meine Liebe dich niemals erreichen. Erkenne dies, o Diener.


Es geht also um die Entwicklung der anderen Seite dieser Liebesbeziehung, nämlich die Liebe des einzelnen Gläubigen zu seinem Schöpfer. Die Grundvoraussetzung dafür ist das reine Herz. Man kann ein anderes Wesen nicht lieben, wenn man es nicht mit reinem Herzen tut. Und schon gar nicht Gott, den Allsehenden, der bis in den Grund jedes Menschenwesens schauen kann. Wer zu Gott betet und sich gleichzeitig im Hinterkopf ausrechnet, welchen Platz er wohl aufgrund seiner Leistungen in der nächsten Welt einnehmen wird, wird sicher nie die Herzensreinheit erreichen, die nötig ist, um in der nächsten Welt in die Gegenwart Gottes zu gelangen.

Zitat:

"… und naht Mir nicht mit totem Herzen, befleckt durch weltliches Wünschen und Verlangen. …"


Wer allerdings ein reines Herz besitzt, wird schon in dieser Welt einen Zustand erreichen, für den der Begriff "unvergängliche Herrlichkeit" kaum ausreicht, um ihn völlig zu umfassen, auch das ist klar. Das dieser Zustand den Menschen außerdem über alle Bedingungen von Raum und Zeit hinaus erhebt, d.h. seine Seele unvergänglich (" … von Ewigkeit zu Ewigkeit …") macht, ist für mich ebenso einsichtig.

Und ebenso klar ist, dass der gläubige Mensch seinen Teil dazu beitragen muß, damit sein Herz von weltlichen Wünschen und Anhaftungen frei wird, denn ohne sein stetiges, intensives Bemühen findet, wie jedem wohl aus eigener Lebenserfahrung bekannt ist, keine positive innere Entwicklung statt. D.h., man muß einerseits eine Voraussetzung erfüllen, hat aber andererseits dadurch keinen Anspruch auf eine bestimmte Gegenleistung, wie es für eine Liebesbeziehung nun mal typisch ist (in der Mathematik sagt man: "Es ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung" ).

Der Lohn ist der Moment, in dem der Gläubige liebt, seine Liebe zu Gott selbst ist sein Paradies.

Zitat:

O Sohn des Seins!
Deine Liebe zu Mir ist dein Paradies und Vereinigung mit Mir deine himmlische Heimstatt. Tritt ein ohne Zaudern. So wurde es dir in Unserem himmlischen Reich und Unserer erhabenen Herrschaft zugedacht.



Was mich selbst betrifft, bin ich vom Zustand des "reinen Herzens" sicher noch weit entfernt. Aber gut, ich arbeite dran .



Zitat:

Die islamische Mystikerin Rabía hat das schon vor 1200 Jahren so schön ausgedrückt, als die Leute sie fragten, warum sie denn mit wildem Blick, einer brennenden Fackel in der einen Hand und einem Eimer Wasser in der anderen, herumlaufe:
Zitat:
Ich will Feuer ins Paradies werfen
und linderndes Wasser in die Hölle träufeln,
damit beide nicht länger den Weg
zu Allah verschleiern.
Unser Ziel soll klar und sicher werden;
wir wollen dem Herrn ohne Seitenblick
auf anderes Glück
oder Hoffnung entgegenblicken,
ohne Furcht im Herzen.
Ihm allein haben wir zu dienen,
ohne auf Belohnung im Himmel zu rechnen
oder vor Höllenstrafen zu zittern.



Das ist wirklich sehr schön .

In den Schriften des Báb fand ich dazu:
Zitat:


Bete so zu Gott, daß es deine Anbetung nicht änderte, führte sie dich auch ins Feuer, und ebensowenig, wäre das Paradies dein Lohn. So, und nur so, sollte die Verehrung sein, die dem einen, wahren Gott gebührt. Aus Furcht zu Ihm zu beten, wäre unschicklich am geweihten Hofe Seiner Gegenwart und könnte nicht als ein Dienst angenommen werden, den du der Einzigkeit Seines Wesens weihst. Wäre dein Blick aber auf das Paradies gerichtet und betetest du zu Ihm mit dieser Hoffnung im Herzen, so würdest du Gottes Schöpfung Ihm zum Gefährten machen, dessen ungeachtet, daß die Menschen das Paradies ersehnen.

Feuer und Paradies neigen sich demütig vor Gott. Seines Wesens würdig ist, Ihn um Seinetwillen zu verehren, ohne Angst vor dem Feuer und ohne Hoffnung auf das Paradies. Wohl wird der aufrichtig Betende vom Feuer erlöst und betritt das Paradies des Wohlgefallens Gottes, aber dies darf sein Handeln nicht bestimmen. Gottes Wohlgefallen und Gnade strömen beständig, wie es Seine unerforschliche Weisheit will.

Das annehmbarste Gebet ist das, welches in höchster, strahlender Geistigkeit dargebracht wird. Es lange hinzuziehen, war und ist nicht im Sinne Gottes. Je hingebungsvoller und reiner das Gebet ist, um so annehmbarer ist es in Gottes Gegenwart.
Báb


Das gefällt mir sehr, weil es weniger darauf ausgerichtet ist, sich durch Gott wohlgefälliges Verhalten irgendeine Gegenleistung zu verdienen, als vielmehr darauf, sich ganz dem Moment, z.B. dem Gebet, oder dem Zusammensein mit anderen gläubigen Menschen, hinzugeben und darin die Liebe zu Gott zu empfinden.



Zitat:

Und wenig durchdacht scheint mir die Sache insofern, als keine uns zugängliche Erfahrung auf einen möglichen Zustand hinweist, der 'ewige Glückseligkeit' verspräche, sondern im Gegenteil jede Erfahrung uns sagt, dass Alles vergänglich ist - was ich als durchaus tröstlich empfinde: Die Vorstellung, in irgendeinem noch so glückseligen Zustand ewig verweilen zu müssen, ist für mich alles andere als herrlich...

Sie erinnert mich im Gegenteil eher an einen eher makabren SF-Roman, den ich vor vielen Jahren einmal gelesen habe - wo auf irgendeinem fernen Planeten eine Rasse von intelligenten Wesen Roboter geschaffen hatte, die ihnen helfen sollten, Glück und Wohlbefinden zu erlangen. Nun überlegten diese Roboter 'ganz logisch', dass Glück und Wohlbefinden von allen möglichen Zufällen und Unfällen, besonders aber von Krankheit, Alter und Tod beeinträchtigt würde, und dass ein Maximum an Glück erstens durch Ausschaltung dieser leidverursachenden Dinge und zweitens durch eine Steigerung des Glücksgefühls zu erreichen sei. Sie versetzten also ihre Erzeuger in Narkose, präparierten ihre Gehirne heraus, steckten die in Gefäße mit Nährlösung und stimulierten ihre Glückszentren - diese Gehirne empfanden also reines, unbeschwertes und dauerhaftes Glück und Wohlbefinden...


Ist das nicht ein bißchen sehr von der begrenzten Erfahrung in dieser Welt her gedacht?

Davon ab: ich habe Vertrauen in das, was die göttlichen Offenbarer uns mitteilen, auch wenn wir es in dieser Welt durch eigene Anschauung nicht prüfen können. Wenn Bahá´u´lláh, Christus, Buddha und die anderen Offenbarer uns also "ewige Glücksseligkeit", bzw. "unvergängliche Herrlichkeit, während von Ewigkeit zu Ewigkeit", o.ä. versprechen, gehe ich davon aus, dass ihr Blick soviel weiter als meiner reicht, dass sie auch beurteilen können, dass jemand, der einen solchen Zustand erreicht, auch im Wortsinne glücklich und zufrieden damit ist.


Liebe Grüße,

Herzlich
der_ding hat folgendes geschrieben:
Coole Geschichte!

Ich kann es mir auch nicht vorstellen , ewig zu leben!
Mann , muss das lästig sein ... oder?
...


... wenn sich das ewige Leben auf diese Welt beschränken würde, würde ich beim lieben Gott ´ne Beschwerde einreichen ...


Liebe Grüße,

Herzlich
Hallo zusammen,

habe gerade folgenden Vers in den Bahá´í-Schriften gefunden, der mir hier passend erscheint.

Zitat:

Gäbe es kein Leid, wie könnten sich die Zuversichtlichen von den Zweiflern unter Deinen Dienern unterscheiden?

aus einem Gebet Bahá´u´lláhs



Liebe Grüße,

Herzlich