Ist Zweifel oder Gewißheit das Ziel?


Lieber Herzlich,
Zitat:
... subjektiv ... objektiv ... Gewißheit ... Ungewißheit ... Gewißheit haben wollen oder nicht haben wollen ... Gewißheit haben können oder nicht haben können ... irgendwie bringt mich diese Diskussion etwas durcheinander, weil ich nicht weiß, wo Du stehst. Deshalb muß ich mal ganz einfach fragen: hast Du (in Deinem Wertebereich) Gewißheit, dass Dein Weg oder Deine Zielrichtung oder was auch immer richtig ist? Oder bewegst Du Dich eher im Zustand des (ewigen) Zweifels?

Hm - ich stelle eigentlich nur Fragen, insofern sollte sich niemand von mir durcheinandergebracht fühlen müssen
Wo ich stehe - hm, diese Frage wirft schon wieder weitere Fragen auf... -
Einmal stehe ich gar nicht - ich gehe einen Weg, und der entsteht dadurch, dass ich ihn gehe - von 'richtig' oder 'falsch' kann man da schlecht sprechen; man müsste dazu schon ganz genau wissen, wo er hinführt, und das ist eben nur innerhalb von Glaubensgewissheit möglich... Und es ist die Frage, was genau ich meine, wenn ich 'ich' sage...
Ja, ich bin sicher dass ich [für mich] 'richtig' unterwegs bin; und - ja, ich setze meine Schritte mit großer Vorsicht und großem Zweifel - und mit ebensolchem Vertrauen. Wu-men, ein chinesischer Zen-Meister des 13. Jh., hat dafür ein Bild gebraucht, das für mich als altem Kletterer sehr aussagekräftig ist

劍刃上行 - Wie auf Schwertklingen schreitend
氷淩上走 - den eisigen Grat überqueren
不渉階梯 - ohne Stufen, ohne Leitern
懸崖撒手 - am Überhang den Griff loslassen.

Hier gibt es einen oft zitierten Spruch -
"Kleiner Zweifel - kleines Durchbrechen [der Verblendung];
großer Zweifel - großes Durchbrechen;
kein Zweifel - kein Durchbrechen."

Zitat:
"O Sohn des Geistes!
Dies ist mein erster Rat:
Besitze ein reines, gütiges und strahlendes Herz, auf das Du eine unvergängliche Herrlichkeit erlangest, während von Ewigkeit zu Ewigkeit."
Bahá u´lláh

Auch wenn ich die unvergängliche Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit nicht so sehr anstrebe - das ist ein Rat, dem ich nur von ganzem Herzen beipflichten kann

Liebe Grüße
Ist Zweifel oder Gewißheit das Ziel?

ethan:

der weg ist das ziel.
das unendlich ferne ziel ist das wirkliche menschsein. alles & jeden zu lieben, den man auf seinem weg findet.

liebe alles, was du vorfindest. liebe den weg, den zweifel, liebe dich dafür, dass du zweifelst, liebe das ziel, liebe die verzweigungen, liebe den erfolg und den misserfolg, liebe den gewinn als auch den verlust, liebe den verbrecher, als auch das opfer....

alle wege führen in die liebe (amor <-> roma) !
und durch die liebe verbindest du dich immer mehr mit dem, was ist... und wächst in die gewissheit hinein, dass alles gut ist, wie es ist... ohne liebe er-scheint (nur!) alles zweifelhaft, beängstigend, dunkel, unsicher.... liebe ist das allheilmittel.... alles andere ist nur eine abwesenheit von liebe!

die dunkelheit, der zweifel usw. haben keine essenz, sie "verschwinden" sobald du licht (liebe) in dein leben bringst.

gott ist liebe... und du bist gott... und versuchst nur zu verstehen, was liebe ist... deshalb nimmst du sozusagen deine liebe zurück.... um zu verstehen, was liebe ist....



alles (ist) liebe
ethan
Ethan.8008 hat folgendes geschrieben:
Ist Zweifel oder Gewißheit das Ziel?

... und durch die liebe verbindest du dich immer mehr mit dem, was ist... und wächst in die gewissheit hinein, dass alles gut ist, wie es ist... ohne liebe er-scheint (nur!) alles zweifelhaft, beängstigend, dunkel, unsicher.... liebe ist das allheilmittel.... alles andere ist nur eine abwesenheit von liebe!

die dunkelheit, der zweifel usw. haben keine essenz, sie "verschwinden" sobald du licht (liebe) in dein leben bringst.
...


Also ist Liebe sozusagen ein Werkzeug, um den Zweifel zu vertreiben und die Gewißheit herbeizuführen. Für die Zweifler bleibt jetzt natürlich das Problem, dass man im Zustand der Liebe ja blind wird ...

Ich denke, dass die Liebe zu Gott und zur Menschheit tatsächlich sehend macht. Man sieht eben alles, was ist, in einem ganz anderen Licht, nämlich in einem, in dem sich die wahre Bedeutung des Daseins aller Teile der Schöpfung nach und nach offenbart.

Deswegen ist es wohl auch so wichtig, zu beten, um die liebende Beziehung zu Gott aufzubauen und damit den für uns in dieser Welt bestimmten Teil der Gotteserkenntnis zu gewinnen.

O Sohn des Seins!
Liebe Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich nicht liebst, kann Meine Liebe dich niemals erreichen. Erkenne dies, o Diener.
Bahá´u´lláh

Liebe Grüße,

Herzlich
Lieber Herzlich,
Zitat:
Ethan.8008 hat folgendes geschrieben:
die dunkelheit, der zweifel usw. haben keine essenz, sie "verschwinden" sobald du licht (liebe) in dein leben bringst.

Also ist Liebe sozusagen ein Werkzeug, um den Zweifel zu vertreiben und die Gewißheit herbeizuführen. Für die Zweifler bleibt jetzt natürlich das Problem, dass man im Zustand der Liebe ja blind wird ...

Ich hätte da, als alter Zweifler , eher ein anderes Problem - wenn sich 'richtig' und 'falsch', 'gut' und 'böse' nicht unterscheiden, wie kann dann die eine Sache 'verschwinden', wenn die andere 'reingebracht wird? Unterscheiden sich Richtig und Falsch nicht, Licht und Dunkelheit aber doch

Zitat:
Ich denke, dass die Liebe zu Gott und zur Menschheit tatsächlich sehend macht. Man sieht eben alles, was ist, in einem ganz anderen Licht, nämlich in einem, in dem sich die wahre Bedeutung des Daseins aller Teile der Schöpfung nach und nach offenbart.

Ja, das würde ich ganz ähnlich sehen, gerade diese 'schrittweise' Erkenntnis - was sich mir dabei aber nicht eröffnet, ist das 'Gottesbild', das sich bei uns offenbar seit alttestamentarischer Zeit nicht oder kaum verändert hat, das eines autokratischen Alleinherrschers nach Vorbild der nahöstlichen 'Großkönige' der Antike - für die damalige Zeit wohl ein naheliegendes Bild, aber heute mit einem liebenden Gott doch nur schwer vereinbar:
Zitat:
O Sohn des Seins!
Liebe Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich nicht liebst, kann Meine Liebe dich niemals erreichen. Erkenne dies, o Diener.
Ein Mönch kam zu einem Zen-Meister und sagte: "Ist es nicht so mit der Erleuchtung,
dass sie einen unvermutet trifft wie ein Blitz?"
Der Meister erwiderte: "Du hast ganz recht."
Dann kam ein anderer Mönch und sagte: "Ist es nicht so mit der Erleuchtung,
dass sie langsam wachsen und reifen muss?"
Der Meister erwiderte: "Du hast ganz recht."
Als der gegangen war, kam der Attendant des Meisters und sagte: "Die beiden
haben doch gerade das Gegenteil behauptet - sie können doch nicht beide recht haben?"
Der Meister erwiderte: "Du hast ganz recht."



Ethan.8008 hat folgendes geschrieben:
... gott ist liebe... und du bist gott...



Hi Ethan,

wenn ich Gott bin, wäre Gott ein derart unvollkommenes Wesen, dass ich jeden davor warnen würde, an Ihn zu glauben.


Liebe Grüße,

Herzlich
Hi Herzlich,

ich wollte schon was Ähnliches schreiben...

- heul, schluchz, stöhn - ich will aber nicht Gott sein -
schon seit meinem 10. Lebensjahr nicht mehr -
wer nimmt mir bloß diesen blöden Job ab
du hast recht!


sorry: ihr habt recht!

du hast immer recht,
egal ob du glaubst jemand zu sein
oder jemand nicht zu sein... du hast recht!

du hast immer recht,
egal ob du glaubst etwas tun zu können
oder etwas nicht tun zu können... du hast recht!

du machst dir deine eigenen gesetze,
an die du dich hälst.

wer ausser du selbst kannst diese gesetze
wieder aufheben, als du selbst?

du bist der bestimmer deiner eigenen wahrnehmungen.... sprich: du bist gott deiner eigenen kleinen welt-erfahrungs-reise... oder so.

jeder für sich ist sein eigener gott seiner erfahrungsreisen...

eine kleine übung: stell' dir vor traurig zu sein, und fühle wirklich traurigkeit... mit ein bischen schauspielerei gekommst du das hin... dann gehe hinaus in die stadt, wo auch menschen sind... schaue, was passiert. was nimmst du wahr? wie nimmst du wahr? wie reagieren menschen, tiere auf dich.

dann, wenn du das gemacht hast. schreibe auf, was du erlebt hast.

mache die übung nun mit der einstellung, dass du fröhlich bist... fühle die fröhlichkeit wirklich in dir. gehe wieder in die stadt und beobachte nun, was passiert.

du wirst unterschiede feststellen, was du siehst, wie du siehst, wie du dich verhälst, wie andere sich verhalten....


frage dich nun: hat sich die welt verändert oder hast du dich verändert und damit deine eigene welt?



viel spass beim experimentieren
ethan
Wu hat folgendes geschrieben:
Hi Herzlich,

ich wollte schon was Ähnliches schreiben...

- heul, schluchz, stöhn - ich will aber nicht Gott sein -
schon seit meinem 10. Lebensjahr nicht mehr -
wer nimmt mir bloß diesen blöden Job ab


Deine Smilies sind einfach göttlich

Herzliche Grüße,

Herzlich


Wu