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7 Als der Unsichtbare, der Ewige, das göttliche Wesen die Sonne Muhammads über dem Horizont der Erkenntnis aufsteigen ließ, erhoben die jüdischen Geistlichen gegen Ihn ausgeklügelte Einwände, darunter den, daß Gott nach Mose keinen Prophet mehr senden werde. Ja, in ihrer Schrift ist von einer Seele die Rede, die sich offenbaren müsse, um den Glauben des Mose zu verbreiten und die Interessen Seines Volkes zu fördern, so daß das Gesetz des Mose schließlich den ganzen Erdkreis umfasse. Darum sprach der König ewiger Herrlichkeit in Seinem Buch, auf die Worte dieser Wanderer im Tale der Gottferne und des Irrtums verweisend: »›Gottes Hand‹, so sagen die Juden, ›ist gefesselt.‹ Gefesselt seien ihre eigenen Hände, verflucht seien sie für das, was sie da sprechen. Nein, ausgestreckt sind Seine Hände!«* »Gottes Hand ist über ihren Händen«**. Auch wenn die Kommentatoren des Qur'án die Umstände, die zur Offenbarung dieses Verses führten, verschieden schildern, solltest du dich doch bemühen, seinen Sinn zu begreifen. Er sagt: Wie falsch ist das, was sich die Juden vorstellen! Wie kann die Hand Dessen, der in Wahrheit der König ist, der das Antlitz des Mose offenbar werden ließ und Ihm das Gewand der Prophetenschaft verlieh – wie kann eines solchen Hand gefesselt sein? Wie kann man wähnen, daß Er die Macht nicht habe, nach Mose einen Boten erstehen zu lassen? Erkenne, wie abwegig ihr Gerede, wie weit sie vom Pfade der Erkenntnis und Einsicht abgeirrt sind! Beachte, wie auch heute all dieses Volk zu solchen Torheiten und Abwegigkeiten neigt. Über ein Jahrtausend lang haben sie diesen Vers rezitiert und ohne Einsicht ihr Urteil über die Juden gesprochen, ohne im geringsten zu merken, wie sie damit selbst, offen und insgeheim, die Gefühle und den Glauben des jüdischen Volkes zum Ausdruck brachten! Du bist dir sicher ihrer eitlen Behauptung bewußt, daß alle Offenbarung beendet und die Tore göttlicher Barmherzigkeit geschlossen seien, daß sich keine Sonne mehr vom Morgen ewiger Heiligkeit erheben werde, daß das Meer ewiger Gnadenfülle für immer ruhe und aus dem Heiligtum urewiger Herrlichkeit keine Gottesboten mehr offenbart würden. Dies ist das Verständnis dieser kleingeistigen, verächtlichen Menschen! Sie wähnen, der Strom von Gottes allumfassender Gnade und überfließender, reicher Barmherzigkeit, dessen Versiegen unvorstellbar ist, sei zum Stillstand gekommen. Von allen Seiten haben sie sich zur Tyrannei erhoben und die größten Anstrengungen unternommen, mit den bitteren Wassern ihres leeren Wahns die Flamme aus Gottes Brennendem Busch zu löschen; blind dafür, daß das Glas der Macht, einem Bollwerk gleich, die Lampe Gottes beschirmt...
* Qur'án 5:65
** Qur'án 48:11
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| 8 Seht wie die Souveränität Muhammads, des Gesandten Gottes, heute unter dem Volke offenbar ist. Du bist dir aber dessen bewußt, was Seinem Glauben in den frühen Tagen Seiner Sendung widerfahren ist. Mit welch schmerzlichem Leid hat die Hand der Ungläubigen und Irrenden, der Geistlichen jener Zeit und ihrer Genossen, dieses geistige Wesen, dieses reinste, heiligste Sein heimgesucht! Wie viele Dornen und Disteln haben sie auf Seinen Pfad gestreut! In seinem gottlosen, satanischen Wahn sah dieses nichtswürdige Geschlecht offenbar in jedem Unrecht, das diesem unsterblichen Wesen angetan wurde, ein Mittel, ewige Glückseligkeit zu erlangen, denn die anerkannten Geistlichen jener Zeit wie 'Abdu'lláh-i-Ubayy, Abú 'Ámír der Klausner, Ka'b-Ibn-i-Ashraf und Nadr-Ibn-i-Hárith, behandelten Ihn alle als Betrüger und nannten Ihn einen Irren und Verleumder. So schlimme Anklagen erhoben sie gegen Ihn, daß, wollte Ich sie aufzählen, Gott der Tinte verbieten würde zu fließen, Unserer Feder, sich zu bewegen, oder dem Blatt, sie zu ertragen. Diese böswilligen Vorwürfe wiegelten das Volk auf, sich gegen Ihn zu erheben und Ihn zu peinigen. Wie bitter ist eine solche Qual, wenn die Geistlichen der Zeit ihre Hauptanstifter sind, wenn sie Ihn vor ihrem Gefolge öffentlich brandmarken, Ihn aus ihrer Mitte verstoßen und Ihn einen Schurken nennen! Ist solches nicht auch diesem Diener widerfahren, wie alle bezeugen?
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| 9 Aus diesem Grunde rief Muhammad: »Kein Prophet Gottes hat solches Unrecht erlitten, wie Ich es erlitt.« Im Qur'án sind alle Verleumdungen und Vorwürfe verzeichnet, die gegen Ihn vorgebracht wurden, wie auch die Trübsale, die Er erlitt. Seht dort nach, damit ihr unterrichtet seid, wie es Seiner Offenbarung erging. So schmerzlich war Seine Lage, daß eine Zeitlang niemand mehr mit Ihm und Seinen Gefährten verkehrte. Wer immer sich zu Ihm gesellte, fiel der unerbittlichen Grausamkeit Seiner Feinde zum Opfer...
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| 10 Bedenke, wie sehr sich alles gewandelt hat! Sieh, wie viele Herrscher das Knie vor Seinem Namen beugen! Wie zahlreich sind die Völker und Reiche, die in Seinem Schatten Schutz suchen, Seinem Glauben huldigen und sich dessen rühmen! Von den Kanzeln steigen heute Worte des Lobpreises auf, die in äußerster Demut Seinen gesegneten Namen verherrlichen, von den Spitzen der Minarette tönt der Ruf, der die Schar Seines Volkes versammelt, Ihn anzubeten. Selbst die Könige der Erde, die es abgelehnt haben, Seinen Glauben anzunehmen und das Gewand des Unglaubens abzulegen, bestätigen doch die Größe und überwältigende Erhabenheit dieser Sonne göttlicher Gnade. So steht es um Seine irdische Souveränität, deren Beweise du überall schauen kannst. Diese Souveränität muß sich noch zu Lebzeiten einer jeden Manifestation Gottes oder aber nach ihrem Aufstieg zu ihrer wahren Wohnstätte in den Reichen der Höhe offenbaren und festigen...
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11 Es ist offenbar, daß der Umbruch, zu dem es in jeder Sendung kommt, die finsteren Wolken bildet, welche sich zwischen das Auge menschlichen Begreifens und die göttliche Leuchte schieben, die aus dem Aufgangsort des göttlichen Wesens hervorstrahlt. Sieh, wie die Menschen über Generationen blindlings dem Beispiel ihrer Väter folgten und nach den Vorschriften ihres Glaubens erzogen wurden. Müßten diese Menschen plötzlich sehen, daß einer aus ihrer Mitte, der alle menschlichen Begrenzungen mit ihnen teilt, sich erhebt, um alle festgefügten Grundsätze, die ihnen ihr Glaube auferlegte, abzuschaffen – Grundsätze, durch die sie über Jahrhunderte in Zucht gehalten wurden und deren Gegner und Leugner sie als ungläubig, ruchlos und gottlos anzusehen pflegten – so wären sie sicherlich in Schleier gehüllt und unfähig, Seine Wahrheit anzuerkennen. Solche Geschehnisse sind wie »Wolken«*, welche die Augen derer verschleiern, deren Wesen weder vom Salsabíl der Loslösung gekostet noch vom Kawthar** der Erkenntnis Gottes getrunken hat. Solche Menschen werden, wenn sie in diese Lage kommen, so verschleiert, daß sie, ohne im geringsten zu fragen, die Manifestation Gottes einen Ungläubigen nennen und über sie das Todesurteil fällen. Du mußt von den Vorgängen gehört haben, wie sie zu allen Zeiten geschahen und auch heute zu beobachten sind.
* Qur'án 25:26 und Matthäus 24:30
** Kawthar, arabisch: »die Fülle« (vgl. Qur'án 108). Im Qur'án und in den Traditionen als Begriff in der symbolischen Beschreibung des Paradieses verwandt. Man verstand darunter einen Fluß bzw. den anderen Paradies-Begriff Hawd, ein »Wasserbecken«, das am Tage der Auferstehung nur für die wahrhaft Gläubigen bereitgehalten wird, um ihren Durst zu stillen. Die anderen werden von ihm fortgetrieben. 'Abdu'l-Bahá erklärt Kawthar etymologisch als Begriff der Fülle. An »diesem Tag« sind die »heiligen Winde, die die Geister erquicken«, der göttliche Kawthar (zitiert in Má'idiyi-Ásemání, Bd. 2, S. 95). In den Schriften Bahá'u'lláhs kommt das Wort »Kawthar« im Zusammenhang mit mehreren Begriffen vor, z.B. Kawthar der Begegnung mit Gott, Kawthar der Bedeutungen und Äußerung, Kawthar der Erkenntnis Gottes, Kawthar der Standhaftigkeit, Kawthar des ewigen Lebens.
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