|
|
|
Lieber Tobias
Ich bin wahrlich kein Feind der Juden. Ich habe grosse Sympathien für sie und ihre Kultur und grossen Respekt vor ihren grossen Mystikern und ihrer Fähigkeit ihren Glauben so lebendig und authentisch zu erhalten. Niemand kennt die Geheimnisse der Weisheit des Alten Testaments so wie sie.
Aber es geht ja um etwas anderes.
Zunächst möchte ich auf ein paar Fragen von dir eingehen, dann mache ich meinen Punkt etwas deutlicher.
| Zitat: |
| Mit Verlaub, auch im Alten Testament gibt es Propheten, welche Krieg führen und töten. |
Und was heisst das? Dass ein guter Prophet allenfalls Krieg führt? Die christliche Theologie bezieht dagegen eindeutig Stellung. Das AT sehen wir im Lichte des Wortes Jesu. Was sagt du als Baha'i? Warum haben die Begründer deines Glaubens keinen Krieg geführt? Sie wurden doch genauso gedemütigt und verfolgt wie Mohammed.
| Zitat: |
Zitat:
Man lese dagegen die Versuchungsszenen Jesu in den Evangelien und überlege, welcher dieser Versuchungen Satans Mohammed erlegen ist und ein grosser Teil der Muslime deshalb immer wieder aufs Neue erliegt.
Wie erklärst du dir dann aber, dass auch Christen religiös motivierte Gewalt anwandten? |
Es gibt leider einen Unterschied zwischen dem Gründer einer Religion und seinen Jüngern. Wir sind nicht so rein von Sünde wie Jesus es war. Aber ein Christ der mordet, bricht das Gesetz. Sogar wenn der Christ auch nur einen Zorn gegen einen anderen Menschen hegt, bricht er das Gesetz.
Ein Muslim der mordet bricht sein Gesetz nicht. Er kann es unter Umständen theologisch begründen. Zumindest scheint sich diese Sicht ja unter den Mohammedanern zu halten. Auch hier im Forum habe ich entsprechendes schon gelesen.
| Zitat: |
| Leider hörte die islamische Theologie irgendwann auf sich weiterzuentwickeln |
Vielleicht gibt das Ganze einfach nicht mehr her?
| Zitat: |
| Ich gebe zu, die islamische Argumentation hier ist nicht gerade eine Blütenlese... |
Ja, das ist sie wahrlich nicht.
Was die jüdische Sicht auf Jesus angeht, so muss ich sagen, ich kenne das 5. Buch Mose und die entsprechenden Verse. Ich weiss nicht, was da gegen Jesus sprechen sollte.
Zu den Versuchungen Satans. Mohammed und sehr viele seiner Jünger erliegen folgender Versuchung:
Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.(Mt 4,8f)
Die katholische Kirche war vor ein paar Jahrhunderten dieser Versuchung auch einmal erlegen. Jesus selbst aber nie. Und, Gott sei Dank, sind auch die Römer davon geheilt (in Bayern war man schon immer katholisch, aber auch renitent).
Mohammed aber reagiert auf jahrelange Demütigung und Verfolgung nicht treu und folgsam wie Jesus selbst. Er hat das Gleichnis des Weizenkorns nicht verstanden und nicht gelebt. Er nutzte seine Macht, um auf der Welt ein politisches Reich zu gründen. Die starke politische und materialistische Ausrichtung der Mohammedaner ist die Auswirkung dieses Sündenfalls.
Hier bewundere ich eigentlich die Sicht der Baha'i - sie halten sich aus allem politischen einfach raus. Gut so: es ist schmutzig.
Viele Grüsse,
Andreas
|
|
|
|
Lieber Andreas,
| Zitat: |
| Ich bin wahrlich kein Feind der Juden. Ich habe grosse Sympathien für sie und ihre Kultur und grossen Respekt vor ihren grossen Mystikern und ihrer Fähigkeit ihren Glauben so lebendig und authentisch zu erhalten. Niemand kennt die Geheimnisse der Weisheit des Alten Testaments so wie sie. |
Das wollte ich auf keinen Fall unterstellen. Nun haben aber Juden teils die gleichen Argumente warum Jesus ein Schwindler sein soll, wie du sie auf Mohammed anwendest.
| Zitat: |
| Und was heisst das? Dass ein guter Prophet allenfalls Krieg führt? Die christliche Theologie bezieht dagegen eindeutig Stellung. Das AT sehen wir im Lichte des Wortes Jesu. Was sagt du als Baha'i? Warum haben die Begründer deines Glaubens keinen Krieg geführt? Sie wurden doch genauso gedemütigt und verfolgt wie Mohammed. |
Nein, ein Prophet muss keinen Krieg führen. Denn das Ziel eines Propheten oder einer Manifestation Gottes (Anmerkung: Bahá'í kennen zwei Arten von Offenbarern, der Johannes der die Offenbarung schrieb ist z.B. ein Prophet, da er von Jesus abhängig ist, Jesus dagegen eine Manifestation Gottes) ist es die Menschheit zu erziehen und sie auf den Weg Gottes zu führen.
Wenn ein Offenbarer Gewalt anwendet, dann nur weil Er anders nicht seine Botschaft in diese Welt tragen könnte. Jesus konnte es ohne Krieg, wobei auch Er kein Pazifist war. Mohammed und einige jüdische Offenbarer mussten Gewalt anwenden, sonst hätte ihre Botschaft nicht überlebt, bzw. wäre nicht in diese Welt gekommen. Du musst hier davon ausgehen, das Jesus bereits in einem monotheistischen Umfeld auftrat. Selbst die Römer waren hier schon in gewisser Weise durch Platons Philosophie beeinflusst. Mohammed dagegen trat in dem fast völlig polytheistischen Arabien auf, alleinig einige wenige jüdische Stämme waren monotheistisch, und diese verrieten Ihn bald. Die muslimischen Geschichte Mohammed hätte ganz Arabien erobert sind derweil völlig überzogen und übertrieben (siehe hierzu Gudrun Krämer: Die Geschichte des Islams). Auch Abdu'l-Bahá meint hierzu:
|
|
|
|
Die Menschen in Europa und Amerika haben viele Geschichten über Muhammad gehört und halten sie für wahr, obwohl die Meinung der Erzähler oft durch Unwissenheit oder Haß getrübt war. Die meisten von ihnen waren christliche Priester. Auch ungebildete Anhänger des Islam haben unbegründete Überlieferungen über Muhammad verbreitet und vermeint, Ihn damit zu preisen.
So wurde Seine Mehrehe von unwissenden Muhammadanern zum Mittelpunkt ihrer Lobsprüche gemacht. Sie betrachteten sie als etwas Wunderbares und behaupteten, daß sie etwas Besonderes sei. Die meisten europäischen Geschichtsschreiber stützen sich auf die Aussagen jener Toren.
Zum Beispiel hat solch ein Törichter einem christlichen Priester erzählt: "Das Zeichen der Größe ist Tapferkeit und Blutvergießen; ein Gefährte Muhammads hat an einem Tage auf dem Schlachtfeld hundert Männern den Kopf abgeschlagen." Daraus folgerte dieser Geistliche, daß das Töten als Mittel angesehen wird, seinen Glauben an Muhammad zu beweisen, was reine Einbildung ist. (Abdu'l-Bahá, Beantwortete Fragen, Kapitel 7)
Sowohl der Báb, wenn auch gefangen genommen und hingerichtet, als auch Bahá'u'lláh, wenn auch gefangen genommen und verbannt, konnten Ihre Botschaft auch so in die Welt tragen. Zumal die Anhänger des Bábs durchaus bereit waren sich organisiert zu verteidigen. Bahá'u'lláh hob schließlich sämtliche Formen des religiösen Krieges auf, auch der systematischen Verteidigung.
Sonst wusste übrigens auch Jesus, auch wenn Er keine Kriege führte, das Seine Botschaft leider die Menschen auch trennen wird und auch zu Gewalt führen wird:
Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. (Matthäus 10,34-36)
|
|
|
|
| Zitat: |
Es gibt leider einen Unterschied zwischen dem Gründer einer Religion und seinen Jüngern. Wir sind nicht so rein von Sünde wie Jesus es war. Aber ein Christ der mordet, bricht das Gesetz. Sogar wenn der Christ auch nur einen Zorn gegen einen anderen Menschen hegt, bricht er das Gesetz.
Ein Muslim der mordet bricht sein Gesetz nicht. Er kann es unter Umständen theologisch begründen. Zumindest scheint sich diese Sicht ja unter den Mohammedanern zu halten. Auch hier im Forum habe ich entsprechendes schon gelesen. |
Natürlich ist Mord auch im Islam untersagt. Das natürlich manche Muslime etwas anderes sagen stimmt, aber wie du schon sagtest, zwischen der Botschaft und was einige daraus machen besteht ein Unterschied.
O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch Wiedervergeltung für die Getöteten: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven und das Weib für das Weib. Doch wenn einem von seinem Bruder etwas erlassen wird, so soll die Verfolgung (der Ansprüche) in rechtlicher Weise und die Zahlungsleistung an ihn auf ordentliche Weise geschehen. Das ist eine Erleichterung von eurem Herrn und Erbarmung. Wer aber nach diesem eine Übertretung begeht, für den gibt es schmerzhafte Strafe. In der Wiedervergeltung liegt Leben für euch, o die ihr Verstand besitzt, auf daß ihr gottesfürchtig werden möget! (Qur'án 2:178-9 nach Bubenheim, Elyas)
Ihr Gläubigen! Bei Totschlag ist euch die Wiedervergeltung vorgeschrieben: ein Freier für einen Freien, ein Sklave für einen Sklaven und ein weibliches Wesen für ein weibliches Wesen. Und wenn einem (der einen Totschlag begangen hat) von seiten seines Bruders (dem die Ausübung der Wiedervergeltung obliegt) etwas nachgelassen wird (d.h. wenn statt der Wiedervergeltung durch Tötung nur Blutgeld gefordert wird), soll die Beitreibung (des Blutgeldes durch den Rächer) auf rechtliche und (umgekehrt) die Bezahlung an ihn auf ordentliche Weise vollzogen werden. Das ist (gegenüber der früheren Handhabung der Blutrache) eine Erleichterung und Barmherzigkeit von seiten eures Herrn. Wenn nun aber einer, nachdem diese Regelung getroffen ist, (w. nach diesem) eine Übertretung begeht (indem er sich an die frühere Sitte der Blutfehde hält), hat er (im Jenseits) eine schmerzhafte Strafe zu erwarten. Die Wiedervergeltung sichert euch das Leben (w. In der Wiedervergeltung habt ihr Leben). (Bedenkt dies) die ihr Verstand habt! Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig sein. (Qur'án 2:178-9 nach Paret)
|
|
|
|
| Zitat: |
| Vielleicht gibt das Ganze einfach nicht mehr her? |
Warum ist man dann in islamischen Ländern so damit beschäftigt Reformer zu unterdrücken? Die dürfte es ja nach der These gar nicht geben.
| Zitat: |
Ja, das ist sie wahrlich nicht.
Was die jüdische Sicht auf Jesus angeht, so muss ich sagen, ich kenne das 5. Buch Mose und die entsprechenden Verse. Ich weiss nicht, was da gegen Jesus sprechen sollte. |
Jesus hing am Kreuz. Juden sehen daher, dass dieser Vers auf Jesus anspielt. ich stimme der Argumentation ja nicht zu, nur läuft sie nach einem Schema, welches Christen auch auf Offenbarungen nach Jesus anwenden.
| Zitat: |
Zu den Versuchungen Satans. Mohammed und sehr viele seiner Jünger erliegen folgender Versuchung:
Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.(Mt 4,8f) |
Mohammed herrschte aber nicht über die gesamte Welt, nicht einmal über die gesamte arabische Halbinsel. Auch warf Mohammed sich nicht vor dem Tuefel nieder, sondern vor dem Teufel nieder. Wenn wir die Stelle mal etwas weiter betrachten:
Wiederum nimmt der Teufel ihn mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche [Königsherrschaften der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfallen und mich anbeten willst. Da spricht Jesus zu ihm: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen." Dann verlässt ihn der Teufel, und siehe, Engel kamen herbei und dienten ihm. (Matthäus 4,8-11)
|
|
|