Was bedeutet "missionieren"?


Herzlich hat folgendes geschrieben:
Steht hinter der Furcht "missioniert" zu werden, vielleicht das Vorurteil, Religion sei grundsätzlich mit der Belehrung und Bekehrung durch einen Wissenden verbunden, führe also stets in die Abhängigkeit von anderen Menschen? Es wundert mich, dass die ansonsten so weltoffenen und gesprächsfreudigen Zeitgenossen beim Thema Religion oft recht einsilbig werden und lieber schnell zu einem anderen Thema wechseln.


Sicher spielt das eine Rolle und so ganz unberündet ist dieses Bedenken ja auch nicht. Historisch war es der Normalfall, dass der einfache Gläubige von einem religiösen Experten in seiner religiösen Identität und den sich daraus ergebenden Pflichten unterwiesen wurde. Das gilt natürlich ganz besonders für denjenigen, welcher zu der Religion erst hinzumissioniert wurde.

Ich denke heute ist aber eher der Punkt, dass der Missionar in der Regel den Eindruck vermittelt er halte sich selbst aufgrund seiner Religion für etwas besseres und wolle dem Anderen jetzt seine Schlechtigkeit austreiben indem er ihn von seiner minderwertigeren Religion wegführt. Wenn allerdings jemand zufrieden mit seiner aktuellen religiösen Identität ist, dann empfindet er dies als Angriff auf seine Identität. Da ist dann der Rückzug auf die Wortkargheit noch die beste Alternative. Die andere wäre nämlich aggressiv zu werden.

Ebenso gibt es zu beachten, dass Religion für viele Menschen kaum eine Rolle spielt. Sie aber scheinbar genau mit dieser religiösen Identität zufrieden sind. Da erscheint dann der Missionar ebenso störend.
Tobias hat folgendes geschrieben:
Zudem scheinen viele Missionare nur noch einen bedingt guten Zugang zum gesellschaftlichen Mainstream zu haben weshalb sie seltsam oder verbohrt erscheinen.


Das kommt darauf an. "Mission" bedeutet ja nicht Flugzetteln zu verteilen, in der Fastenzeit bis auf die Knochen abzumagern und ständig öffentlich Rosenkranz zu beten.

"Mission" bedeutet für mich so zu sein und zu leben, dass Menschen neugierig werden, weil sie bemerken: "Der beschäftigt sich mit dem Leben Jesu und ist deshalb anders."
Blumen duften von alleine. Wirklich schöne Blumen muss man niemanden unter die Nase reiben. Die Menschen kommen von ganz alleine.
Genauso ist es auch mit der Mission. Sie ist unnötig. Wenn die bestimmte Wahrheit wirklich wahrhaftig ist dann kommen auch die Menschen von ganz alleine.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Pommes hat folgendes geschrieben:
Blumen duften von alleine. Wirklich schöne Blumen muss man niemanden unter die Nase reiben. Die Menschen kommen von ganz alleine.


Ja, lieber Pommes, der Vergleich gefällt mir sehr gut - so verstanden ist Mission auch richtig und gut.

Der Heilige Franziskus hat gelehrt, dass Mission immer zuerst und an wichtigster Stelle das vorbildliche Leben und Handeln des Gläubigen ist. Und dann - erst an zweiter Stelle - UND wenn es Gott gefällt, kommt die Predigt dazu.
Burkl hat folgendes geschrieben:

Aber dennoch hat er etwas Entscheidendes getan. Er hat einen Funken des göttlichen Friedens aufblitzen lassen, der bis heute nachwirkt und viel bewirkt.


In meinen Augen hat er nicht mehr "göttlichen" Frieden gezeigt als der Sultan. Dieser hat den Christ, der ihn von seinem Glauben abbringen will, in Frieden und mit seinem Kopf auf den Schultern ziehen lassen. Für die damalige Zeit ein "Wunder" und ein Zeichen für Weltoffenheit.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Tobias hat folgendes geschrieben:
Zudem scheinen viele Missionare nur noch einen bedingt guten Zugang zum gesellschaftlichen Mainstream zu haben weshalb sie seltsam oder verbohrt erscheinen.


Das kommt darauf an. "Mission" bedeutet ja nicht Flugzetteln zu verteilen, in der Fastenzeit bis auf die Knochen abzumagern und ständig öffentlich Rosenkranz zu beten.

"Mission" bedeutet für mich so zu sein und zu leben, dass Menschen neugierig werden, weil sie bemerken: "Der beschäftigt sich mit dem Leben Jesu und ist deshalb anders."


Sicher trifft das nicht auf alle Missionare zu, aber auf sehr viele. Ich würde sagen auf den Großteil dem man so begegnet. Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Die sind dann in der Regel auch deutlich erfolgreicher mit dem was sie tun.
luschn hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:

Aber dennoch hat er etwas Entscheidendes getan. Er hat einen Funken des göttlichen Friedens aufblitzen lassen, der bis heute nachwirkt und viel bewirkt.


In meinen Augen hat er nicht mehr "göttlichen" Frieden gezeigt als der Sultan. Dieser hat den Christ, der ihn von seinem Glauben abbringen will, in Frieden und mit seinem Kopf auf den Schultern ziehen lassen. Für die damalige Zeit ein "Wunder" und ein Zeichen für Weltoffenheit.


Al-Kamil war generell sehr zu Kompromissen und gegenseitigen Respekt bereit, zumindest wenn man ihm auch gleiches entgegenbrachte. Tatsächlich schienen ihn Franz von Assisi und Friedrich II. sogar persönlich sehr beeindruckt zu haben. Einen Hinweis darauf, dass man in der islamischen Welt des 13. Jahrhunderts tatsächlich eine Art des Humanismus kannte. Tatsächlich waren es dann ja er und Friedrich II., welche den Frieden von Jaffa schlossen.

Ein europäischer Herrscher seiner Zeit hätte aber die Missionierungsversuche von Franziskus so wohl kaum zugelassen. Man stelle sich einen muslimischen Missionar im mittelalterlichen Italien unter christlicher Herrschaft vor!
Ich erinnere mich wie ich einmal mit einer Bekannten eine Baptistenkirche besucht hatte. Der dortige Pfarrer kam uns von Anbeginn an sehr eigenartig rüber. Immerzu sprach er von Jesus, mit total glasigen Augen und einem permanenten Grinsen im Gesicht. Es wirkte total unecht und unausgeglichen/unentspannt. Er hatte auch keinerlei Gefühl für das Zwischenmenschliche und bedrängte meine Bekannte, welche ihm zuanfang sagte das sie keine Christin ist, geradezu hysterisch das sie schuldig sei und unbedingt Jesus brauche. Dabei grinste er die ganze Zeit so widerlich. Sie fragte ihn ob er seinen Kindern auch immer sagen würde das sie voller Schuld sind? Worauf er dann mit "selbstverständlich" erwiederte. Man konnte meiner Bekannten richtig ansehen wie angewiedert sie war. Sie bat mich dann schnell zu gehen, was wir dann auch sind.

Ich zumindest verbinde mit religioser Mission nichts Gutes. Alleine die Tatsache das den Christen eingeredet wird sie wären dazu auserkoren die Menschen vor der Hölle retten zu müssen ist zutiefst Menschenverachtend. Die armen Seelen die gezwungen sind sowas zu glauben verlieren jeglichen Bezug zu einem Gesellschaftlichen Miteinander. Wie soll man auch ausgelassen mit Menschen verkehren die zur Hölle bestimmt sind?
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Pommes hat folgendes geschrieben:
Ich zumindest verbinde mit religioser Mission nichts Gutes. Alleine die Tatsache das den Christen eingeredet wird sie wären dazu auserkoren die Menschen vor der Hölle retten zu müssen ist zutiefst Menschenverachtend.


Was der von dir geschilderte "Missionar" da tat ist eine leider schlechte Karrikatur auf "Mission". Ich kann nachvollziehen, dass du dich abgestoßen fühlst, es ist auch zu Recht so. Mir würde es genauso gehen.

Es fällt im Evangelium auf, dass Johannes der Täufer die Bekehrung und das Gericht als Zugang zum Reich Gottes betont, während Jesus die Erfahrungen des Reiches unterstreicht: Erbarmen, Freude, Liebe, Vergebung,...

Es ist also mitunter auch eine "harte Sprache" der richtige Ausdruck der Liebe - Liebe will in bestimmten Situationen durchaus auch ganz deutlich aufrütteln. Allerdings ist dieses Aufrütteln kein Selbstzweck kein Ausdruck von Drohgebärde und Unbarmherzigkeit; Johannes wollte auch niemanden "einschüchtern" oder "gefügig machen", sondern den Leuten zeigen, dass es "so nicht weitergehen kann". Wenn ein Freund von dir ein Alkoholproblem hat, wäre es dann Liebe mit ihm "einen trinken zu gehen"? Oder wäre es Liebe ihm vor Augen zu halten, wohin sein derzeitiger Weg führt?

Mission ist also immer das richtige "Werkzeug" zu benützen, und vor Allem das richtige auszudrücken, zuerst durch das eigene Leben - immer auszusagen, was der Kern christlichen Glaubens ist: Leben in Freude und Fülle. Leben in ganz tiefer Freude darüber, dass das ewige Leben nach dem Tod für den Christen nicht eine Vertröstung auf das Ungewisse und Unklare ist, sondern dank der Auferstehung Jesu das ewige Leben schon Realität ist und wir Anteil haben können an der Fülle des absoluten Glücks. Der Himmel ist durch Jesus offen und für jeden Menschen in "Griffreichweite", jede Sekunde seines Lebens, bis zum letzten Atemzug.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Oder wäre es Liebe ihm vor Augen zu halten, wohin sein derzeitiger Weg führt?


Wohin führt denn der Weg der Nichtchristen?
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