Was bedeutet "missionieren"?


busshari hat folgendes geschrieben:
Ich persönlich gehe schwer davon aus, dass der Mensch gesund ist, gesund geboren wurde. Ist der Mensch denn nicht gesund von deinem Gott gewollt?


Da eröffne ich, um unseren Gastgebern hier im Forum die Ehre zu erbieten, mit einem Zitat von Baha'u'llah:

"Edel erschuf ich dich, doch du hast dich selbst erniedrigt."

Ich finde das ist - so wie ich es jetzt interpretiere - auch eine gute Zusammenfassung für das, was in der christlichen Lehre Erbsünde bedeutet. Der Mensch ist zur Liebe geboren, hat sich aber das Handlungsspektrum erwählt, auch außerhalb der Liebe zu handeln.

"Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und erschlug ihn.
Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete: Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?
Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden." (Gen 4,8-10)

Der Mensch, der nicht liebt, ist in dem Ausmaß seiner "Nichtliebe" nicht mehr Mensch. Und das ist das Mysterium der Liebe: Sie ist nur in Freiheit möglich. Gott musste, um uns als liebesfähige Wesen zu erschaffen auch die Freiheit - salopp formuliert - "miteinkalkulieren". Denn Liebe ohne Freiheit ist keine mehr.

War es diesen Preis wert, den Menschen zu erschaffen? Kann ein liebender Vater seine Kinder ins offene Messer laufen lassen?

Ja - wenn Gott selbst denn bereit ist, im Falle des "Unfalles" - der Sündenfall ist dieser Unfall - sich vor die Kinder zu werfen, dann ist er liebender Vater. Das hat er nach christlichem Glauben getan, er ist durch Jesus "dazwischengegangen", hat den Fall rückgängig gemacht, ist für uns, die wir Anteil am Bösen haben, eingestanden.
Fiducia hat folgendes geschrieben:

- früher mehr als heute
- heute müssen die Menschen erst durch Lebensumstände
ein Fragezeichen über ihrem Kopf entwickeln
oder eine Antenne für Antworten
sonst sind die Ohren auf durchrauschen eingestellt


Ich weiß nicht, ob früher "Alles besser" war im Hinblick auf die Empfänglichkeit der Menschen für die Religion. Ja natürlich, gerade am Land waren die Kirchen voll - aber waren die wirklich alle mit "Herz und Seele" dabei? Ich komme gerade von einer Feier, wo ich mit einem Pfarrer gesprochen haben, der früher Landpfarrer im tiefkatholischen Bayern war - er hat jetzt noch die Bilder im Kopf, wo die "Kirchgänger" vor dem Eingang standen, weil sie angeblich keinen Platz mehr bekommen haben und sich dort am Schnupftabak weideten.

Ich glaube die heutige Zeit, wo "Kirchenpflicht" und "das gehört sich" wegfallen hat auch Chancen: Nämlich wirklich ein authentisches Christentum neu aufzubauen, orientiert am "Geist des Anfanges".
Kuck mal auf den heutigen IST Zustand

- viel Dumping Lohn Jobs - wer ums überleben kämpft , wer nicht weiß
wie er bis zum Monatsende zurecht kommt
der braucht alles andere als input input input

Die Menschen sind von dem stakkato der Anforderungen die
das leben heute hier und jetzt stellt - erschlagen

Wie soll man seine Mitte finden, wenn die Politik heute Sicherheit verspricht
die morgen schon ad absurdum geführt wird

Jede Seele sucht sich Nahrung quasi nachdem was gut schnuppert
also
Zunächst schnuppert - Auszeit - gut, auszusteigen aus dem Hamsterrad

und wenn es dann dazu kommt
dass junge Leute
vor der Kirche
statt in der Kirche
sich eine Mini Auszeit nehmen - frei nach Herrmann van Veen


(Auszug aus ....Geschichte von Gott)

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"Komm mal her! Was ist das hier ?"

Was ist das hier ! Das ist eine Kirche, mein Freund.
Das ist das Haus Gottes."

"Aha ... wenn das hier das Haus Gottes ist, Junge, warum
blühen hier dann keine Blumen, warum strömt dann hier kein
Wasser und warum scheint dann hier die Sonne nicht, Bürschchen !"

"....das weiß ich nicht."

"Kommen hier viele Menschen her, Knabe?"

"Es geht in letzter Zeit etwas zurück."

"Und woher kommt das Deiner Meinung nach? Oder hast Du
keine Meinung?"

"Es ist der Teufel. Der Teufel ist in die Menschen gefahren.
Die Menschen denken heutzutage, dass sie selbst Gott sind
und sitzen lieber auf ihrem Hintern in der Sonne."

Und Gott lief fröhlich pfeifend aus Kirche auf den Platz.
Da sah er auf einer Bank einen kleinen Kerl in der Sonne sitzen.
Und Gott schob sich neben das Männlein, schlug die Beine über-
einander und sagte : ".... Kollege !"

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dann muss man für das Verstehen dieser Auszeit
ein bisschen
beleuchten
wie das Bedürfnis nach - inhaltlicher Ruhe - entstanden sein könnte.



oder anders

wie kommt ein Hermann van Veen darauf,

DIESES Gedicht SO formuliert zu schreiben ?


wo rührt das her ?

hat er auch irgendwie ein Zwangsjacken Erlebnis gehabt oder

ist von irgendwas erstickt worden ?


verstehst Du wie ich meine, Burkl ?
Heute haben interessierte Menschen durch Bücher und vor allem durch das Internet so viele Möglichkeiten sich selbst über alle Religionen und Lehren zu informieren, so dass Missionierung eigentlich überflüssig geworden ist.
Danke, liebe Rosenblüte.

du kannst es so schön kurz fassen
was mir nich gelingt
aufgrund meiner Lebensgeschichte....



meine Mutter hat ihre katholizistisch indoktrinierende ' Reinlichkeits Akribie '
an jedem ausgelassen sodass
mein Vater lieber Golfen gegangen ist,
und in vorbildlicher Lebensführung gepunktet hat.

... denn Liebe ist ein Lauschen im Schweigen

und überzeugt hat mich nur mein Vater,
wie ich schonmal erwähnte, dessen Lebensmotto war
- Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens "


die Herausforderung in meinem Leben ist jetzt
quasi der Klimmzug, etwas deutlich auszusprechen Ohne zu verletzen .
Fiducia hat folgendes geschrieben:
Missionieren kann man aber nicht
über das Gefühl ohne den Kopf anzustrengen, weil
man muss ja verstanden werden.

in der heutigen zeit können
Missionare nach meiner Meinung nur - gecrashte - menschen erreichen

Burnout Reha oder sonst wie durch Körper oder Seele
hinsichtlich der
Drehzahlgeschwindigkeit in vorübergehenden Leerlauf gebrachte Menschen.


Also ich glaube schon, dass auch andere Menschen empfänglich sein können. Man muss nicht "gecrasht" sein, wie du sagst, um sich suchend umzuschauen.

Ich glaube aber Mission, wie sie heute von vielen Gruppen praktiziert wird, nimmt darauf wenig bis gar keine Rücksicht. Ich hatte regelmäßig Besuch von den Zeugen Jehovas, als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe, in Göttingen bin ich schon mehrfach mit evangelikalen Gruppen oder den Mormonen zusammengetroffen. Was ich dabei beobachten konnte war verhältnismäßig wenig Empathie, wenig Kenntnis außerhalb der eigenen Themen, eine eher überschaubare Variationsbreite und ein eher stereotypes bzw. sofort auffallendes, fast schon klischeehaftes Auftreten. Ich frage mich, warum einige Gruppen mit diesen Methoden überhaupt Menschen erreichen.

Ich jedenfalls halte das für den falschen Weg, übrigens unabhängig von meinem Bahaisein. Wirklich überzeugte und engagierte Gläubige züchtet man nicht durch Überredung, sondern dadurch, dass die Menschen von sich aus zu der für sie sich so darstellenden Wahrheit gelangen. Man kann diesen Prozess begleiten und Hilfestellungen geben, aber offensiv lenken darf man ihn meiner Ansicht nach nicht. Außerdem kann und dürfte es hilfreich sein, sich erst einmal einen Überblick über das "Angebot" zu verschaffen, bevor man sich intensiver mit einzelnen Glaubensrichtungen beschäftigt. Denn so weiß man in der Regel bewusster bestimmte Entscheidungen zu treffen als wenn die Informationen einseitig sind.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sahajayogis haben einen Auftrag, und zwar jedem, der es will, die Realisation zu erteilen, damit jeder Sucher in den Genuss der Erleuchtung ( Selbstverwirklichung, Wiedergeburt ) kommen kann. Darum gibt es in den diversen Sahajayogazentren ( siehe unter anderem www.sahajayoga.at für Österreich, www.sahajayoga.de für Deutschland, www.sahajayoga.ch für die Schweiz ) immer wieder Veranstaltungen, in denen wahren Suchern die Realisation erteilt wird.

Alles Liebe

Erich
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Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!