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Heike: “Nun mal langsam. Zu Zeiten des Frühislams war das alles ganz anders!“
Silke: „Ach ja? Wie denn? Waren die Frauen damals nicht verschleiert? Und gibt es nicht so eine 'Kamelfatwa'– hab ich gerade erst gelesen – dass eine Frau nicht weiter als 81 km alleine ihr Haus verlassen darf?“
Heike: „Die Frauen waren sehr selbstbewusst und haben sich nicht nur sozial und politisch engagiert, sondern zum Teil sogar in Schlachten gekämpft! Also, ich denke, das Problem besteht darin, dass wir Gebote, die wie gesagt, niemals als Zwang gemeint waren, und unter ganz anderen Bedingungen verkündet wurden, blind auf die heutige Zeit übertragen und auch noch per Zwang durchsetzen wollen. ... Also, ich meine, die fanatischen Muslime von heute.
Z.B. die Vollverschleierung – überleg doch mal. Damals waren wilde Zeiten, es herrschte Krieg. Wahrscheinlich war es unter damaligen Verhältnissen wirklich lebensgefährlich, sich nicht komplett zu verhüllen. Genauso wie alleine zu reisen. Hier und heute sieht manches vielleicht anders aus. Was nicht heißen soll, dass das ganze Bedeckungsgebot hinfällig sei... aber zum Beispiel das Reisen. Natürlich kann eine Frau heute gefahrlos reisen, um den halben Planeten, nämlich im Flugzeug. Man muss halt immer ein bisschen mitdenken....“
Silke: „Na, das tröstet mich ja, dass du dieser Ansicht bist. Trotzdem versteh ich nicht, warum Frauen sich einschränken sollen und Männer nicht. Ich finde das diskriminierend, und dabei bleibe ich.“
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Heike: „Tja. Weißt du.... Also, erst mal musst du dir vorstellen, dass es im Islam ja einfach zwei Sphären geben sollte. Also in den Bereichen, wo Frauen und Männer nicht gemischt sein können, z.B. im Schwimmbad oder Restaurants oder so, gibt es dann Frauenbereiche ebenso wie Männerbereiche. Es ist ja nicht so, dass Frauen aus der Öffentlichkeit verbannt werden sollen!“
Silke: „Aber was die Kleidung angeht – da ist die Frau doch eindeutig benachteiligt, oder nicht?“
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| Heike: „Tja, Männer lassen sich nun mal visuell eher stimulieren als Frauen. Das ist ne Tatsache, der man Rechnung tragen muss. Da kann man sich auf den Kopf stellen. Kennst du 'das Leben des Brian'? Den Film? Da muss ich immer dran denken.... In einer Szene fordert ein Mann wütend das Recht, Kinder zu kriegen. Seine Freunde beruhigen ihn, indem sie ihm versichern, er hätte das Recht. Zwar kann er’s weiterhin nicht, weil es den biologischen Tatsachen widerspricht, aber das Recht dazu hat er. Und damit gibt er sich dann zufrieden. Voll blöd und ziemlich komisch. So ähnlich ist es mit manchen Forderungen der Feministinnen, finde ich. Ich meine – alle Frauen haben theoretisch das Recht, selbst im Minirock herumzulaufen, ohne belästigt zu werden. Die Tatsache, dass es in der Realität nicht hinhaut, irritiert sie nicht. Weißt du, bei mir ist der Groschen bezüglich des Sinnes der verhüllenden Kleidung damals in Spanien gefallen. Ich als exotische Ausländerin wurde auf Schritt und Tritt belästigt, aber frag nicht, wie. Das hat mich einfach fertig gemacht. Und als ich einmal alleine eine Landstraße langgegangen bin, bin ich um ein Haar vergewaltigt worden. Das sind Tatsachen, die feministische Theorie ist eine andere.“
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Silke: „Aber musst du deshalb sozusagen den Rückzug antreten, indem du dich versteckst? So lernen diese Männer ihre Lektion nie. Wenn du nun stattdessen Karate lernen würdest?“
Heike: „Ach komm! Ich bin zufällig 1 Meter 60 groß und wiege knapp über 50. Meinst du ernsthaft, das würde mir was nützen? Und wenn man erst mal Mutter ist – dann ist man noch hundertmal angreifbarer und verletzlicher als ohne Kinder! Selbst wenn jemand in Frage stellt, dass Frauen in der Regel verletzlicher sind als Männer, zumal es ja Ausnahmen geben mag – spätestens, wenn man ein Kind hat, und dafür Verantwortung hat, ist man unendlich viel schwächer als ein Mann ohne Kind. Eine Mutter kann nicht nur selbst auf verschiedenste Art geschädigt werden, sondern auch ihr Kind kann geschädigt werden. Stell dir meinetwegen – Gott bewahre – vor, ein Kind muss mit ansehen, wie seine Mutter belästigt oder sogar vergewaltigt wird. Damit ist die Mutter doch zehnmal so bestraft als alleine. Und Frauen sind nun mal in den meisten Fällen irgendwann Mütter... Der Islam orientiert sich an Realitäten!“
Silke: „Ja, das ist ein Gesichtspunkt. Da hast du recht.... Deshalb müssen eben die Väter auch mehr Verantwortung übernehmen. Und die Männer sollen sich beherrschen lernen! Ist es nicht so, dass die Männer bei uns schon Fortschritte gemacht haben? Bei uns werden Frauen nicht belästigt, nur weil sie Miniröcke anhaben!“
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Heike: „Tja, zum Teil magst du Recht haben. Es gibt schon wirkliche Fortschritte bei uns, besonders unter den gebildeten Männern. Das ist ja auch gut so! Und schließlich hat ja auch im Islam der Mann Verantwortung, dass die Gesellschaft nicht moralisch verkommt. Im Koran heißt es ja auch zuerst, die Männer sollten ihre Blicke kontrollieren, erst anschließend kommt die Aufforderung an Frauen, sich zu bedecken.
Aber andererseits – glaubst du nicht, dass die Männer hier zum Teil einfach überreizt sind, und allein deshalb keine Lust mehr haben, hinter Frauen herzugucken? Das will der Islam auch vermeiden. Sexuelle Anziehung zwischen den Geschlechtern ist ja nicht an sich etwas Negatives. Im Gegenteil, Sexualität ist im Islam etwas sehr Positives – auch im Gegensatz zum Christentum, jedenfalls zu Paulus...“
Silke: „Aber warum setzt man den Schwerpunkt so sehr auf die Verhüllung der Frau, statt die Männer zu zähmen?“
Heike: „Ja, da hast du Recht! Das wird oft vernachlässigt, von den Muslimen! Und das ist bestimmt nicht die Schuld der islamischen Lehre.“
Silke: „ Ich finde, Männer sollten lernen, Verantwortung zu übernehmen, als Väter und Ehemänner. Sie sollten lernen, Frauen zu respektieren. Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen anzusehen, und ihre Ansichten nicht gewaltsam durchzusetzen...!“
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