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Heike: „Hm... (überlegt eine Weile) Also, ich bin hin- und hergerissen. Ich muss einerseits zugeben, dass es heute wohl in einigen islamischen Gesellschaften tatsächlich so ist, wie du sagst. Allerdings ist es doch auffällig, dass immer nur von diesen superrepressiven Gesellschaften berichtet wird, oder nicht? Das wird doch von den Medien geschürt, dieses Vorurteil. Die Leute wollen ein Schwarz-Weiß-Bild. Sie wollen sich dem Islam überlegen fühlen, und dementsprechend einseitig fällt auch das Bild in den Medien aus. Einerseits verkaufen sich solche Skandalgeschichten von unterdrückten Frauen im Iran oder in arabischen Harems besser. Und andererseits sind auch Reporter, Journalisten und Autoren selbst meist davon überzeugt, dass der Islam rückständig und barbarisch ist.
Also, mag sein, dass das, was du sagst, zum Teil stimmt. Aber ich bestehe andererseits darauf, dass man wirklich zwischen islamischer Lehre und vermeintlich islamischer Praxis heute unterscheiden müssen!“
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Silke: „Aber das Verhüllungsgebot stammt ja nun mal aus dem Koran, oder nicht?“
Heike: „Richtig. Aber nicht, wie in der Bibel, mit der Begründung, das Tuch solle ein Zeichen dafür sein, dass der Mann die Herrlichkeit Gottes, die Frau dagegen nur die 'Würde des Mannes' widerspiegele! Lies mal den ersten Korintherbrief, Vers 11. Da wird explizit die Kopfverhüllung gefordert, und zwar aus eben diesem Grund. Und das versucht man nun dem Islam anzuhängen – mal wieder!“
Silke: „Ach, echt? Das wusste ich nicht. Aber im Koran ist doch auch die Kopfbedeckung gefordert – wenn auch meinetwegen nur als ein Teil der gesamten Bedeckung und nicht mit dieser Begründung. Oder wie ist das?“
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Heike: „Genau so. Die Kopfbedeckung ist nur ein Teil der gesamten körperbedeckenden Kleidung.“
Silke: „Okay, da muss ich zugeben, da hast du mich schon überzeugt. Dass das Kopftuch nur in der Bibel explizit gefordert ist, und zwar konkret als Zeichen der Zweitrangigkeit ist schon ein dicker Hund. Peinlich, dass man sich als Christ so was von Muslimen erklären lassen muss... Aber trotzdem, auch dieses 'Reizverhüllungsgebot' im Koran. Das macht mich aggressiv. Das ist steht doch so drin, mit den Reizen, nicht? Das ist doch mal wieder alles total aus männlicher Perspektive!“
Heike: „Ja, in 24: 32. Aber es gibt noch einen Vers, in 33:60. Dort heißt es, die Frauen sollen ihre Tücher 'tief über sich ziehen' und weiter: 'das ist besser, damit sie erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist allverzeihend, barmherzig' Besonders diesen letzten Zusatz finde ich sehr interessant.... (grinst) Also, hier ist das doch eher aus Sicht der Frau beschrieben, oder nicht?“
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Silke: „Hm, ja, mag sein.... (zögert)“
Heike: „Und denk doch auch mal, dass so eine bedeckende Kleidung nicht nur Reize verhüllt, sondern auch körperliche Mängel. Ich sehe es einfach so, dass sie verhindert, dass eine Frau nach Äußerlichkeiten bewertet wird“
Silke: “Tja, kann sein, dass du das so empfindest... Wenn eine Frau eher mit der Vorstellung aufgewachsen ist, dass Frauen Sexualobjekte sind.... also mit der Ausbeutung der Frau in die andere Richtung, sozusagen. Dann kann es vielleicht eine Art Befreiung sein, sich zu verhüllen. Aber im Iran ist es trotzdem eine Befreiung, sich zu enthüllen – oder siehst du das anders?“
Heike: „Nein. Wenn der Islam so pervertiert wird, wie es heute der Fall ist, hast du natürlich recht. Wenn man zur Verhüllung gezwungen wird, ist es kaum möglich, das Frauenbefreiende darin zu entdecken...“
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| Silke: „Trotzdem, ich versteh nicht, warum die Frau Einschnitte in ihre Freiheit auf sich nehmen soll. Die Frau ist es, die nicht schwimmen gehen kann, die im Sommer langärmelige Sachen tragen muss etc. Warum muss nicht der Mann sich verhüllen? Was tut der Mann, um seine vermeintlich unbändigen Triebe zu zügeln? Er stolziert in der Öffentlichkeit herum, glotzt weniger bedeckten Frauen nach, trinkt seinen Tee, amüsiert sich. Die Frau ist derweil zu Hause und kocht. Geht sie an die Öffentlichkeit, muss sie sich verhüllen, darf möglichst keine Aufmerksamkeit erregen und schnell wieder hinter verschlossenen Türen verschwinden. Läuft es nicht darauf hinaus? Darf sie überhaupt ihr Haus ohne Erlaubnis verlassen, nach islamischer Lehre? Das ist doch der Inbegriff der Diskriminierung, da gibt es für mich nichts zu deuteln.“
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