|
|
|
Heike: „Zugegeben – die Muslime heute tun natürlich alles, um ein denkbar schlechtes Bild von ihrer Religion abzugeben. Aber das hat wirklich nichts mit dem Islam als Lehre zu tun! Überleg erst mal, in welchem Jahrhundert sich der Islam befindet. Auf christliche Verhältnisse übertragen, im ausgehenden Mittelalter. Das war hierzulande auch eine Zeit der völligen intellektuellen Dunkelheit. Es gab Judenverfolgungen, den wildesten Aberglauben, Hexenverbrennungen im Namen der Religion. Weil es eine Zeit der Desorientierung war. Genauso ist es vielleicht momentan in der islamischen Welt. Aber das hat nichts mit der Lehre Mohammeds zu tun. Es gibt sehr viele Überlieferungen, denen zufolge der wahre Islam bald nach seinem Tod völlig in Vergessenheit geraten wird.“
Silke: “Ehrlich? Also du meinst, alles, was wir heute so sehen, an Frauenunterdrückung, ist überhaupt nicht auf den Islam zurückzuführen? Zwangsverschleierung z.B....“
Heike: „Dazu nur ein Koranzitat: 'Es soll kein Zwang sein im Glauben!' Sure 2, Vers 257, glaub ich.“
Silke: „Und warum trägst du dann ein Tuch? Etwa nicht, weil man dich in einer islamischen Gesellschaft sonst bestrafen würde?“
|
|
|
|
Heike: „Natürlich nicht. Was stellst du dir bloß unter einer 'islamischen Gesellschaft' vor? Die Leute denken immer, je radikaler und fanatischer, desto islamischer muss ein Land sein. Manche denken auch, Saudi Arabien wäre heute noch der Inbegriff eines islamischen Landes.“
Silke: „Auch dein Mann würde dich sonst nicht irgendwie bestrafen?“
Heike (lacht): „Ausgerechnet! Er gehört zu der wohl ziemlich großen Zahl der muslimischen Männer, die es eher peinlich finden, mit so einer 'vermummten' Frau auf der Straße zu laufen.“
Silke: „Ach komm.... irgendwie glaub ich dir das alles nicht so ganz. Ich mein’... in deinem Fall stimmt es vielleicht, dann bist du eine Ausnahme. Ich glaube einfach, dass die Mehrheit der kopftuchtragenden Musliminnen das irgendwie schon aus Angst macht. Entweder ihr Vater macht Druck oder ihr Mann, oder Gott.... Irgendwas in ihrer Vorstellung Männliches jedenfalls....“
Heike: „Ha! Schon wieder so eine auf den Islam übertragene christliche Vorstellung! Wie kommst du auf die Idee, Muslime würden sich unter Gott etwas Männliches vorstellen?“
|
|
|
|
Silke: „Na, davon geh ich mal aus. Wenn ich mir die patriarchalischen Verhältnisse so angucke, in diesen Ländern....“
Heike: „Ich habe doch schon gesagt, dass du nicht von den Verhältnissen in sogenannten 'islamischen' Ländern auf die islamische Lehre schließen kannst! Allah ist im Islam definitiv jenseits von Geschlechtlichkeit, und von den über 100 Eigenschaften Allahs im Koran sind sehr viele eindeutig eher weiblich als männlich. Und die hervorstechendste Eigenschaft Allahs im Umgang mit der Schöpfung, also uns, ist die der Barmherzigkeit. Wusstest du, dass von demselben arabischen Wortstamm das Wort 'Gebärmutter' abgeleitet ist?“
Silke: „Nee.... (schweigt, sichtlich verwirrt und nachdenklich)“
Heike: „Und was die Angst vor Allah wegen des Tuchtragens angeht... Also, bei mir ist das nicht der Grund. Mein Verhältnis zu Allah ist nicht so... Also, ich befolge die Gebote eher, wie ich den Ratschlag einer Person befolgen würde, der ich bedingungslos vertraue und die ich für manche Bereiche einfach für kompetent halte. Meine Mutter zum Beispiel.“
Silke: „Und warum meinst du, dass Allah dir so etwas raten könnte? Fühlst du dich nicht irgendwie... diskriminiert dadurch? Irgendwie ist das Tuch doch ein Symbol der... ich weiß nicht.... irgendwie wird die Frau doch dadurch zum Objekt gemacht. Zum verhinderten Sexobjekt sozusagen. Männer verhüllen ihre Frau, so wie sie ihren Tresor abschließen oder so... so empfinde ich das.“
|
|
|
|
Heike: „DU empfindest das so? Bist du da sicher? Ich meine, dass du diese Ansichten nicht aus den Medien übernommen hast, ohne dir deine eigene Meinung gebildet zu haben? Also – mag sein. Sicher gibt es viele Verhältnisse, wo das zutreffen mag. Aber woher willst du wissen, dass es wirklich meistens so ist? Immer diese Vorstellung von den paschahaften Vätern und Männern... ich zweifle da ein bisschen dran.“
Silke: „Wie bitte? Guck dir doch mal die Türken an.... die Väter.... Das sind doch meist die totalen Patriarchen!“
Heike: „Wann? Wo? In der Öffentlichkeit! Das will nicht viel heißen. Weißt du, ich hab mal an soner Gesprächsrunde teilgenommen. Da waren vier junge Türkinnen, und weißt du, was die einstimmig behauptet haben? Und zwar unabhängig voneinander – also, die waren alle aus unterschiedlichen Familien? – Dass die Frau bei den Türken zu Hause 'die Hosen anhat'! Ich konnte das auch kaum glauben.
(überlegt eine Weile)
Also, was jedenfalls diesen angeblichen Tuchzwang angeht.... ich wär mir da echt nicht sicher, ob das, wenn das wirklich so verbreitet ist, wie immer behauptet wird, nicht eher von den Müttern ausgeht. Ehrlich.“
Silke: „Also, ich weiß ja nicht... Warum sollten Frauen einen Zwang auf andere Frauen ausüben, sich selbst zu demütigen?“
|
|
|
|
Heike: „Keine Ahnung, vielleicht aus Masochismus. Ich mein’.... viele Frauen sind masochistisch, überall auf der Welt. Schlimm genug. Allerdings: Bei einem muss ich dir widersprechen. Selbst wenn dieser Zwang ausgeübt wird – du kannst nicht davon ausgehen, dass das Tuch eine freiwillige Demütigung ist. Wie kommst du überhaupt auf die Idee, das Tuch sein ein Zeichen der weiblichen Minderwertigkeit oder Unterwerfung oder so?“
Silke: „Irgendwie gehe ich davon aus. Okay, ich habe es oft gelesen, aber ich glaube auch nicht, dass das alles erstunken und erlogen ist. Das Tuch ist doch eine Form der.... wie soll ich sagen?.... der Verdrängung der Weiblichkeit aus dem öffentlichen Leben. Weibliche Reize sind eine Gefahr, und die wird gewaltsam gebannt. Jedenfalls dort, wo Schleierzwang herrscht. Das kannst du doch wohl nicht leugnen. Die Männer fühlen sich durch die Weiblichkeit bedroht und wollen sie irgendwie klein kriegen“
|
|
|