Was tun, wenn der Sinn abhanden kommt?


Hallo zusammen,
ich bin neu hier und ich weiss eigentlich auch gar nicht so recht wieso ich hier bin. Ich fühle mich gerade irgendwie so leer. es fühlt sich nicht unbedingt schlimm an, aber ich habe irgendwie ein Bedürfnis "in mich zu gehn". Früher habe ich in solchen Situationen oft Tagebuch geschrieben - da kamen dann manchmal Gedanken zum Vorschein, die mich weitergebracht haben.
Jetzt habe ich aber das Gefühl, dass das nicht ausreicht. Ich hätte so gerne etwas Feedback.
Habe das Gefühl, das bei mir unterschwellig einiges herumrumort, aber ich komme noch nicht so ganz daran und habe es auch in letzter Zeit gar nicht versucht. Es gibt ja immer so viel anderes zu tun... Ich bin immer schwer beschäftigt - tue viel für die Uni oder gehe mit Freunden aus. Davon habe ich eigentlich recht viele - aber seit einiger Zeit merke ich trotzdem immer öfter, dass ich nicht wirklich zufrieden bin. Obwohl es vielleicht gar nicht wirklich so ist, habe ich das Gefühl, mit neimandem wirklich über mein Innenleben reden zu können. Die anderen sind nämlich alle genauso beschäftigt wie ich und haben ihre eigenen Sorgen. Ich will niemandem zur Last fallen - und ich will mich auch nicht verletzlich machen. Ich habe in der Vergangenheit öfter einmal festgestellt, dass sogar eigentlich sehr liebe Menschen, denen ich meine schwachen Punkte offenbart habe, meine Schwäche dafür genutzt haben, ihr eigenes Ego etwas aufzupolieren. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass das dann ja wohl keine guten Freunde sein können, aber niemand ist schliesslich perfekt und sie machen das ja auch nicht bewußt.
Das ist aber auch gar nicht das größte Problem. Schlimmer ist eigentlich, dass ich das Gefühl habe, dass selbst diejenigen denen ich echt vertraue einfach keinen Bezug zu meinem Gefühlsleben haben - das wäre vielleicht auch ein bißchen viel verlangt, denn ich habe ja selber kaum noch einen.
Trotz meiner ewigen Versuche meinem Inneren durch Ablenkung zu entfleuchen, liegt Eines glasklar auf der Hand: Ich bin verwirrt. Ich habe viele Jahre im Ausland verbracht, bin viel gereist und habe eigentlich eher so am Rande der Gesellschaft gelebt - habe zB. Häuser besetzt oder mal zwei Jahre in einem Bus gewohnt und mich an Öko-Projekten beteiligt (so alternative technology und -culture usw.). Selbst als ich mal zwei Jahre ganz regulär gearbeitet habe, war das als Behinderten-Pflegerin also auch wieder mit so einer Randgruppe. Vor drei Jahren habe ich mich zufällig in einen Amerikaner verliebt, der völlig anders war als ich. Sehr konservativ, überzeugt vom Kapitalismus und von der Globalisierung, etc.. Wir haben uns getsritten, dass die Fetzen flogen - aber wir haben uns auch geliebt und ich war fasziniert von ihm. Wir haben uns inzwischen längst getrennt - aber er hat mir den Impuls dazu gegeben wieder zu studieren (habe vorher schon mal kurzfristig in England studiert) Ich studiere jetzt Politik und Anglistik (- in Deutschland, weil mein Vater zu der Zeit, als der Entschluss fiel sehr krank war und ich in der Nähe sein wollte). Politik, deshalb, weil ich mir einen Überblick von der politik auf Erden oder besser den ganzen politischen Systemen und ihren Verknüpfungen verschaffen wollte und weil ich wissen wollte was es eigentlich genau war, dass ich so lange so vehement abgelehnt hatte und was man eventuell tun könnte um diese System von innen heraus zu verbessern. - Denn auch die alternativen Szene war für mich schon länger kein non-plus-ultra mehr. Immer wieder war ich auf Elemente gestoßen, die ich nicht gutheißen konnte - allem voran die völlige Abkoppelung und Verteufelung der Gesellschaft, die man ja so gerne ändern wollte. Das stößt natürlich nicht unbedingt auf Verständnis und Einsicht...
Ja und Anglistik habe ich gewählt, weil es mir spass macht und ich sehr gerne lese. Und jetzt studiere ich seit fünf Semestern und mache nächstes Jahr meinen Bachelor, aber ich fühle mich kein Stück schlauer als vorher. Im Gegenteil - meist vergesse ich sogar die Ambition, die hinter dem Ganzen steckte und fühle mich völlig desorientiert. (Stelle aber gerade mal wieder fest, dass schon schreiben allein ganz gut hilft ).
Na ja, wie dem auch sei, ich merke halt, dass das Studium alleine mich nicht vom Hocker haut. Was mich wirklich vom Hocker hauen würde, wäre das Gelernte und meine früheren Erfahrungen irgendwie zu verknüpfen und damit etwas sinnvolles zu tun. - Mit ein paar Gleichgesinnten. Gleichgesinnte aufzutreiben ist aber recht schwierig, weil ich mich selber inzwischen weder im radikal-alternativen noch im gemäßigt-konservativen Lager wiederfinden kann (noch im völlig desinteressierten). Als ich die alternative Szene kennenlernte, habe ich oft Gespräche und Diskussionen geführt, die mich wahnsinnig inspiriert haben und sogar die ewigen Auseinandersetzungen mit meinem Amerikaner haben mich irgendwie inspiriert und vorangetrieben, aber im Augenblick gibt es nichts dergleichen in meinem Leben und es gibt auch keinen Partner und ich fühle mich irgendwie hohl.
Ja, jetzt habe ich sehr viel geschwafelt - vermutlich auch recht wirr - und eigentlich wenig gesagt. Ich schätze das ist ein ziemlich blöder Beitrag zu so einem Forum, aber ich bin traurig und wäre froh, wenn sich jemand melden würde, der vielleicht Ähnliches erlebt hat und nachvollziehen kann, was in mir so vor sich geht.
Salut Liebe Laia

Willkommen hier! Nein es ist ganz und gar kein bloeder Beitrag von dir und ich finde es sehr Mutig von dir so offen dein Herz darzulegen. Ich kann
dein Gefuehl von Feedback gut verstehen und ich denke jeder hier auf dem Forum wird dies auch verstehen. Es stimmt, dass man manchmal, auch wenn man Familie hat, woanders nach Resonanz sucht.Hier bist du richtig )
Lauter nette und aufgeschlossene Menschen.
Aber das wirst du selbst feststellen.

Lieben Gruss
Ellen
Hallo Laia,

das mit den Gleichgesinnten kann ich nachfühlen - als ich in dem Alter und in einer etwa
ähnlichen Situation war, haben mich die 'Linken' als Reaktionär und die 'Rechten' als
Revolutionär wahrgenommen.

Sich leer zu fühlen muss nicht notwendig negativ sein - nur was leer ist, kann sich füllen.
Mir fällt da eine bekannte Zen-Geschichte ein...

Nan-in, ein japanischer Meister vor ca. 100 Jahren, hatte einen Universitätsprofessor zu
Besuch, der sich über Zen informieren wollte. Nan-in lud ihn zum Tee ein und goss ihm
die Schale voll - hörte aber nicht auf, als sie voll war und überlief. Als auch das Tablett
überlief und der Tee über den Tisch auf den Boden rann, konnte der Professor nicht mehr
an sich halten - "Die Schale ist doch längst voll und läuft über - mehr geht nicht hinein!"
Nan-in antwortete: "Ebenso wie diese Schale ist Ihr Geist voll mit Meinungen und
Vorstellungen - wie kann ich Ihnen Zen zeigen, bevor sie ihn leer gemacht haben?"

Ich denke, das ist bei anderen Denkrichtungen nicht sehr verschieden...

Liebe Grüße
Hallo Ellen und Wu,

Ich danke euch für eure Antworten. Es tut gut, dass etwas zurückkommt.

@Wu - Ja das mit der Schale ist vielleicht ganz treffend - ich weiß nicht, ob meine tatsächlich leer ist, aber sie war mit Sicherheit vorher einafch viel zu voll! vor ca. 1 1/2 Jahren ging es mir mal ne zeitlang sehr schlecht, weil ich einfach nicht mehr wußte wohin mit all den Widersprüchen, die ich wahrnahm und die auch in mir drin ständig herumtobten. ich wußte einfach überhaupt nicht mehr wer ich eigentlich war.
Jetzt weiß ich es eigentlich immer noch nicht, aber ich habe mich einigermaßen mit dem Gedanken angefreundet. Ich bin eigentlich die meiste Zeit meines Lebens ein sehr soziales Tier gewesen - und die Gruppe hat meiner Identität natürlich einigen Halt verschafft. Nun bin ich wohl dabei eine gewisse Eigendynamik zu entwickeln und neue wie alte Philosophien nicht einfach als Ganzes zu schlucken sondern sie vor dem Verzehr schonmal etwas genauer auf Verdaulichkeit zu prüfen.

Du hast diesen Prozeß wahrscheinlich schon hinter Dir. Hat sich bei Dir irgendwann einmal so etwas wie ne Richtung herauskristallisiert, bei der Du geblieben bist also so etwas wie ein relatives Gleichgewicht, oder wägst Du Deine "Wahrheit" immer noch ständig aufs neue ab?

Liebe Grüße,
Laia
Hallo Ellen und Wu,

Ich danke euch für eure Antworten. Es tut gut, dass etwas zurückkommt.

@Wu - Ja das mit der Schale ist vielleicht ganz treffend - ich weiß nicht, ob meine tatsächlich leer ist, aber sie war mit Sicherheit vorher einafch viel zu voll! vor ca. 1 1/2 Jahren ging es mir mal ne zeitlang sehr schlecht, weil ich einfach nicht mehr wußte wohin mit all den Widersprüchen, die ich wahrnahm und die auch in mir drin ständig herumtobten. ich wußte einfach überhaupt nicht mehr wer ich eigentlich war.
Jetzt weiß ich es eigentlich immer noch nicht, aber ich habe mich einigermaßen mit dem Gedanken angefreundet. Ich bin eigentlich die meiste Zeit meines Lebens ein sehr soziales Tier gewesen - und die Gruppe hat meiner Identität natürlich einigen Halt verschafft. Nun bin ich wohl dabei eine gewisse Eigendynamik zu entwickeln und neue wie alte Philosophien nicht einfach als Ganzes zu schlucken sondern sie vor dem Verzehr schonmal etwas genauer auf Verdaulichkeit zu prüfen.

Du hast diesen Prozeß wahrscheinlich schon hinter Dir. Hat sich bei Dir irgendwann einmal so etwas wie ne Richtung herauskristallisiert, bei der Du geblieben bist also so etwas wie ein relatives Gleichgewicht, oder wägst Du Deine "Wahrheit" immer noch ständig aufs neue ab?

Liebe Grüße,
Laia
Hallo Ellen und Wu,

Ich danke euch für eure Antworten. Es tut gut, dass etwas zurückkommt.

@Wu - Ja das mit der Schale ist vielleicht ganz treffend - ich weiß nicht, ob meine tatsächlich leer ist, aber sie war mit Sicherheit vorher einafch viel zu voll! vor ca. 1 1/2 Jahren ging es mir mal ne zeitlang sehr schlecht, weil ich einfach nicht mehr wußte wohin mit all den Widersprüchen, die ich wahrnahm und die auch in mir drin ständig herumtobten. ich wußte einfach überhaupt nicht mehr wer ich eigentlich war.
Jetzt weiß ich es eigentlich immer noch nicht, aber ich habe mich einigermaßen mit dem Gedanken angefreundet. Ich bin eigentlich die meiste Zeit meines Lebens ein sehr soziales Tier gewesen - und die Gruppe hat meiner Identität natürlich einigen Halt verschafft. Nun bin ich wohl dabei eine gewisse Eigendynamik zu entwickeln und neue wie alte Philosophien nicht einfach als Ganzes zu schlucken sondern sie vor dem Verzehr schonmal etwas genauer auf Verdaulichkeit zu prüfen.

Du hast diesen Prozeß wahrscheinlich schon hinter Dir. Hat sich bei Dir irgendwann einmal so etwas wie ne Richtung herauskristallisiert, bei der Du geblieben bist also so etwas wie ein relatives Gleichgewicht, oder wägst Du Deine "Wahrheit" immer noch ständig aufs neue ab?

Liebe Grüße,
Laia
Sorry, ich hab gar nicht gemerkt, dass ich den Beitrag schon abgeschickt hatte - mein Rechner war n bisschen laaaaangsam. Wie ich einen Beitrag editiere habe ich inzwischen herausgefunden, aber wie lösche ich ihn denn?
Gruß,
laia
Hallo Laia,

ich komme leider erst heute zum Antworten, weil ich das Wochenende in den Dolomiten unterwegs war...
Zitat:
Du hast diesen Prozeß wahrscheinlich schon hinter Dir. Hat sich bei Dir irgendwann einmal so etwas wie ne Richtung herauskristallisiert, bei der Du geblieben bist also so etwas wie ein relatives Gleichgewicht, oder wägst Du Deine "Wahrheit" immer noch ständig aufs neue ab?

Im Prinzip ja - ich versuche zumindest nach allen Seiten offen zu bleiben, habe aber für mich die Erfahrung gemacht, dass mir buddhistische und taoistische 'Denkwerkzeuge' meist am hilfreichsten sind - wenn ich meine kritisches Denken nicht schon an der Garderobe abgebe . Wie Thomas anderswo schon schreibt - die Wahrheit ist denkenderweise eben nicht zugänglich, so notwendig diese ehrenwerte Tätigkeit meist auch ist.
Dieses kritische Denken hat allerdings auch verhindert, dass ich mich wirklich 'restlos' in eine Gruppe, eine Tradition integriert habe - das hat, wie alles, seine guten und schlechten Seiten...

P.S. Das Löschen Deiner Beiträge ist für Dich glaube ich gar nicht möglich, Du kannst sie aber in der 'edit'-Funktion mit 'Doppelposting' überschreiben - so mache ich's, wenn mir das mal passiert...
Hallo Laia ich habe gerade deinen Beitrag gelesen ein paar Gedanken dazu dein Streit mit deinem Freund war das nicht die Ablehnung des bürgerlichen aber gleichzeitig auch die Sehnsucht nach der bürgerlichen Geborgenheit ein Zaun der trennt und schützt.Der Wunsch die Gesellschaft zu verändern ist das nicht auch die Unzufriedenheit mit sich selbst und der erste Schritt die Gesellschaft zu verändern ist sich selbst zu ändern in wie weit lebe ich das was ich bei der Gesellschaft verändern möchte Ich hatte jahrelang einen Traum in dem ich fiel ohne ende ich hatte immer Angst irgenwann aufzuprallen und tot zu sein aber es war nur ein ständiges fallen dem ich hilflos ausgeliefert war irgenwann las ich dann ein Buch über Tagträumen und ich träumte diesem Traum bewusst weiter ich fiel und ich sah an mir herab ich hatte federn und ich hatte Flügel und ich musst nur noch meine Flügel ausbreiten und war dem freien fall nicht mehr ausgeliefert sondern ich beherrschte ihn ich konnte fliegen Die Botschaft :ich war dem Leben nicht hilflos ausgeliefert sondern ich konnte es selbst gestalten dazu musste ich mich natürlich von bisherigen Gedankenmustern verabschieden das Ziel die eigene Kreativität zu entdenken und zu entwickeln