|
|
|
Schönen guten Morgen Achim,
Danke für den Besuch auf meiner Homepage, die wirklich dazu einladen soll, sich näher mit meinem Buch zu befassen. Auch die Web-Adresse www.balanceamweg.de.ki soll dazu dienen. Doch zu unserem Thema:
Es ist sicher richtig, zwischen Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit zu unterscheiden. So besteht sehr wohl die Möglichkeit, dass ein 100 kg Meteor genau auf mich herunter saust, mich voll trifft. Ich bin dann sehr schnell mausetot. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch eintritt, ist aber unberechenbar klein, denn sie kommt aus der Erfahrung, dass Meteore noch nie einen Menschen getroffen und deshalb in dieser Hinsicht keine Bedeutung für uns haben. Dies ist mir eine unumstößliche Wahrheit, mit der ich sehr gut lebe. Das heißt, Erfahrungen und Erfahrungswerte sind für uns ungeheuer wichtig.
Auch bei Gott, nicht nur weil er vielen Menschen enorm viel bedeutet. Negativ gesehen wenden sich viele Menschen sich vom Glauben mit der Begründung ab, nur Gottes „Nichtsein“ erlebt bzw. erfahren zu haben. Sogar in der Logik richtet sich die Bewertung einer Wahrscheinlichkeit nach der Erfahrung, und zwar so stark, dass ich etwas Wahrscheinliches als echte, bestehende Wahrheit empfinden darf – siehe oben. Gerade mit Bezug auf Gott ist dies meine derzeitige Lage, und ich finde sie schön, stützend, befreiend – auch wenn ich, wie du sagst, einem schweren Trugschluss erlegen bin und derzeit immer noch erliege.
|
|
|
|
Das mag sein, aber gerade als mir in jungen Jahren Religion sehr wenig bedeutete, sah ich jeweils nur zwei Möglichkeiten: entweder habe ich eine Seele oder keine, entweder gibt es ein nachtodliches Leben oder nicht, entweder gibt es Gott oder keinen. Dabei bemühte ich mich, jedem die gleiche Wahrscheinlichkeit zu geben. Heute muss ich mich dazu zwingen, denn ich bin Partei, weil ich mich ja schon entschieden habe.
Deshalb halte ich jetzt natürlich das positive „Ja es ist!“ für wesentlich wahrscheinlicher, vor allem auch deshalb, weil dies für mich auf Erfahrungen beruht, und zwar auf leichten eigenen Erfahrungen und Erfahrungen von höchst vernünftig denkenden und normalen Menschen, die auch sensitiv, hellsichtig und medial veranlagt waren oder sind. Auch der ungeheure Erfahrungsschatz der Mystik aller Religionen bedeutet mir außerordentlich viel, wie etwa Stigmatisierungen, Erleuchtungen, Marienerscheinungen oder plötzliche Wunderheilungen. Und nicht zuletzt sind mir die Ergebnisse der Parapsychologie ans Herz gewachsen. Das alles sind für mich Schwergewichte, hinter welchen im Gegensatz zur Zahnfee ungeheuer viele Erfahrungen vorliegen. Doch warum sollten all diese Erfahrungen gefährlich sein? Eine Spontanheilung etwa?
Gefährlich und verrückt ist nur ungezügelter Fanatismus, ist betrügerische religiöse Scheinheiligkeit, ist heilloser Aberglaube, Irrglaube, ist extremes religiöses Zwangsbeglücken, sind unmenschliche, ausufernde religiöse Ansichten und Gepflogenheiten (vieles davon ist auch ohne Religion möglich, nämlich politisch oder sozial oder in einem fluktuierenden Mix).
|
|
|
|
Aber wenn es das ist, was dich religiös davon abhält, überhaupt etwas glauben zu können, dann hast du ja völlig Recht. Doch Vorsicht: Entferne mit dieser sauren, schwer verdorbenen Milch nicht auch gleichzeitig die gute alte Kuh, die zuerst gute nährende Milch geben will, nämlich Glaube oder Religion als Stütze, Antrieb, Motor, Trostgeber, Mutmacher. Musst dabei aber bedenken, dass das nicht immer voll ausgeprägt ist. Und so war es vielleicht auch bei deiner früheren, ehrlichen Auseinandersetzung mit Lebensfragen, bei der du einmal eine Art von Sehnsucht nach Glaube verspürt hast.
In diese Vergangenheit konnte ich nicht hineinblicken, ich bemerkte nur den Zipfel deiner derzeit so dominanten Lebenseinstellung: Du kannst (absolut?) nicht glauben, wie du selbst sagst. Begründung: Du willst dich nicht selbst betrügen und dich keinem Irrtum hingeben. Eine ehrliche Sache. Sie ist aber stark genug, dass du daran festhältst und dir den Glauben unmöglich machst. Da steckt aber trotzdem ein Stück Wille und auch sehr viel Mut dahinter – begreife ich das richtig?
So gesehen wirst du die heiligen Insignien der Wissenschaft immer schützen wollen und locker sämtliche abweichende Einstellungen angreifen und Glaubensvorstellungen nicht als nützlich begreifen, meint für heute - reinwiel
|
|
|
|
Guten Abend Reinwiel!
Zu meinem Nicht-glauben:
Zitat: „Du willst dich nicht selbst betrügen und dich keinem Irrtum hingeben. Eine ehrliche Sache. Sie ist aber stark genug, dass du daran festhältst und dir den Glauben unmöglich machst. Da steckt aber trotzdem ein Stück Wille und auch sehr viel Mut dahinter – begreife ich das richtig?“
Ich vermute, dass wir beide eine sehr unterschiedliche Auffassung von dem Begriff-Glaube-haben. Für dich ist der Glaube mit „Stigmatisierungen, Erleuchtungen, Marienerscheinungen, (…) Wunderheilungen“ verbunden. So etwas ist mir persönlich sehr fremd. Wenn ich von Glaube spreche, meine ich einen Glaube, der voll und ganz in das wissenschaftliche Weltbild eingebunden ist; ich würde nie aus Gründen des Glaubens auf die Idee kommen (angenommen ich hätte einen Glaube), beispielsweise die Evolutionstheorie oder den Urknall in Zweifel zu ziehen. Wenn ich schreibe, dass ich Glaube und Wissenschaft als Antipole betrachte, meine ich damit, dass man nicht versuchen darf das eine mithilfe des anderen zu Begründen, zu beweisen, zu widerlegen etc. Gleichzeitig halte ich es aber für unerlässlich, dass der Glaube von der Vernunft geleitet wird. Ich verstehe den Glaube als eine Möglichkeit der Projektion bestimmter Ur-Sehnsüchte auf Gott; für mich ist das Zentrale am Glaube die Sehnsucht nach Wahrheit, nach Sinn, nach dem Guten, nach Gerechtigkeit, nach absoluten Normen also, die in unserem Leben so nicht vorkommen, die als unumstößliches Ideal nur in unserer Vorstellung existieren. Unsere Sehnsucht treibt uns zu dem Glaube an Gott, auf den wir all diese Sehnsüchte nach absoluten Normen projizieren, wir wollen nicht glauben, dass es sich bei denselben nur um leere Begriffe handelt, um reine Erzeugnisse des Geistes, wir wollen daran glauben, dass diese Normen tatsächlich existieren, auch wenn wir niemals in der Lage sein werden, sie zu erreichen. Es geht darum, sich vor einer Verzweiflung am allgegenwärtigen Relativismus der Werte und Normen zu bewahren-eine Verzweiflung, die ich gut nachvollziehen kann. Zentraler Inhalt des Glaubens ist aber auch die Erkenntnis, dass Begriffe wie Gerechtigkeit und Wahrheit letztendlich Ideale bleiben werden- unerreichbar für uns Menschen; der Begriff Glaube impliziert die Demut, absolute Normen unangetastet zu lassen, ihnen den Nimbus des Unumstößlichen zu bewahren, fest an ihre Existenz hinter dem Schleier menschlicher Unzulänglichkeit zu glauben. Natürlich wird hier der Unterschied zwischen reinem Glauben und Religion deutlich: Religionen erheben den Anspruch absolute Normen zu definieren, meiner Ansicht nach widerspricht dieser Anspruch dem zentralen Inhalt des Glaubens.
|
|
|
|
Mein Nicht-Glaube hat denke ich nicht sehr viel mit Wille zu tun. Ich würde sicher ganz gerne an absolute Werte wie Gerechtigkeit und Wahrheit glauben, kann es aber nicht. Davon abgesehen zieht es mich denke ich wirklich nicht so sehr zu einem Glauben wie andere-ich komme bisher bestens mit diesem Relativismus des Lebens zurecht.
Anscheinend reicht dir der reine Glaube an eine durch Gott existierende Wahrheit nicht als Stütze in deinem Leben. Du brauchst vermutlich den Glauben an einen Gott, der auf dein Leben Einfluss nimmt, der dir aktiv eine Stütze ist, der Wunder erzeugt usw. Diese Vorstellung ist mir wie gesagt sehr fremd und mit meiner Vernunft unvereinbar. Ich muss dir ehrlich sagen, dass mir Leute schon beinahe Leid tun, die auf so etwas angewiesen sind; ich finde diese Art des Glaubens auf eine gewisse Art und Weise primitiv und geistlos. Schlimm daran finde ich besonders, dass dieser (Aber-)Glaube oft genug dazu führt, dass Tatsachen manipuliert werden, in Frage gestellt werden, nur aus dem einfachen Grund: sie widersprechen dem Weltbild des Gläubigen. Diese Tendenz finde ich im Übrigen sehr wohl gefährlich-auch wenn es sich um angeblich harmlose Mystik oder Esoterik handelt. Ich schätze gläubige Menschen, die sich sehr kritisch mit ihrem Glauben auseinandersetzen und sich vor allem nicht scheuen, ihren Glauben an moderner Wissenschaft zu prüfen-Theologen wie Bonhoeffer und vor allem wie Hans Küng gehören zu solchen Gläubigen, vor denen ich großen Respekt habe.
Zitat: „So gesehen wirst du die heiligen Insignien der Wissenschaft immer schützen wollen und locker sämtliche abweichende Einstellungen angreifen und Glaubensvorstellungen nicht als nützlich begreifen.“
Dir ist denke ich entgangen, dass die Begriffe „heilige Insignien der Wissenschaft“ ein wenig ironisch gemeint waren; ich bin nicht so engstirnig wie du vielleicht denkst, für mich sind Logik und Beweisbarkeit keine absoluten Werte. Der Begriff der „Insigne“ spielt auch in der Religion eine große Rolle-deshalb steckt Ironie dahinter diesen Begriff in Zusammenhang mit Wissenschaft zu verwenden, erst recht in Verbindung mit „heilig“. Ich lege allerdings wert auf Vernunft-besonders in der Religion, deshalb greife ich religiöse Vorstellungen an, die ich für sehr unvernünftig halte.
|
|
|