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Einseitigkeit unter der Lupe












Ich wünsche dir einen schönen Tag, Achim.

Zitat eines anderen Autors: „Nur der menschliche Geist-Wille – einmal abgesehen von den anscheinend unmotivierten „Sprung“-Phänomenen im Mikrobereich der Quantenphysik – wird spontan aktiv.“ Es ist also zulässig, Quantenphysik ungenau heranzuziehen.

Unmotivierte Behauptungen können schaden, aber wenn ich Quantenphysik mit der Betonung „meines Wissens“ anführe, dann will ich ein irgendwie Bekanntes interpretieren, um prinzipielle Fragen zu platzieren. Sind deswegen spezielle Wälzer nötig? Mir reichte dazu die populäre Erläuterung in einem PM-Magazin, wo vom Wechsel von der Rotation zur Welle die Rede war. Ich erinnere mich, es gab sogar Grafiken. Leider besitze ich dieses PM-Magazin nicht mehr, aber PM beschäftigt sich in anderen Heften häufig mit geistigen Grenzfragen. Einfach aus Spaß?

Sicher nicht, denn unsere Unwissenheit bewegt uns, lässt uns glauben, lässt uns Hypothesen aufbauen und Prioritäten setzen, die sich letztlich aus unseren Vorlieben entwickeln. Es ist nicht immer die schöne, reine Logik, die uns bestimmt, wenn es dir z.B. nicht schlüssig erscheint, die ganze Komplexität der Erde auf einen noch komplizierteren Gott zurückzuführen. Dein Argument dabei: Das ist paradox und vor allem keine bessere Lösung.
Das stimmt, bedeutet mir aber leider nicht viel, besonders wenn ich die Vorliebe deiner Sicht berücksichtige. Ich dagegen will zum Geist vordringen, auch in der Materie und ihren Atomen.
Dabei ist vieles paradox, ich weiß. Aber ich halte mir selbst sehr oft vor: Flüchte nicht vor dem Paradoxen.

Es ist ja gerade das viele Paradoxe, das viele Widersinnige, das herausfordert, und nicht nur jenes Vordergründige: Warum geht’s dem einen gut, dem andern schlecht? Auch wenn die Gedanken hierüber zu sozialen Anstrengungen führen, alles bleibt schwer einseitig, wenn am übersinnlichen Hintergrund des Lebens vorüber gegangen wird. Und genau um das geht es mir und auch vielen anderen Menschen, die religiös sind oder um Frieden in ihrem Glauben ringen.

Und dieses Ringen sehe ich auch hier in unserem Disput, von dem ich hoffe, dass er ab und zu von anderen gelesen wird, obwohl neue und leichtere Themen sehr schnell vorne liegen. Deshalb bezweckt mein verzögertes Antworten, den Threat köcheln zu lassen. Deine und meine Argumente sind ja nicht uninteressant, meint - reinwiel
Guten Abend Reinwiel,

noch kurz zur Quantenphysik:
Das Problem ist, dass du die Quantentheorie falsch interpretierst und versuchst, deine Hypothese von der „Feinstofflichkeit“ zu untermauern, indem du mithilfe der Quantentheorie unsere allgemein anerkannte Vorstellung davon, was Materie eigentlich ist, in Frage stellst. Im Prinzip revolutioniert die Quantentheorie auch tatsächlich die Vorstellung von der Beschaffenheit der Materie-diese Tatsache macht deine Hypothese der Feinstofflichkeit aber nicht plausibler. Da Materie auf Quantenebene sowohl Teilchen- als auch Welleneigenschaften aufweist (und nicht etwa in irgendetwas „aufgelöst“ wird, wie du behauptest), stellt sich die Frage, inwiefern man Materie überhaupt als etwas „starres“, „konstantes“ auffassen kann. Aber auch hier reden wir immer noch von etwas, das Gegenstand wissenschaftlicher Forschung ist. Um noch einmal auf mein Beispiel der Zahnfee zurückzukommen, das mir ehrlich gesagt ziemlich gut gefällt: Zu behaupten die Quantentheorie sei ein Indiz für die Existenz der Feinstofflichkeit, weil die Quantentheorie unsere alte Vorstellung von Materie erweitert, wäre so, als wenn jemand behaupten wollte, dass die Tatsache, dass wir Dinge die sich auf Quantenebene abspielen nicht sichtbar machen können, die Schlussfolgerung nahelegt, die Zahnfee könne ebenfalls existieren, weil wir die ja auch nicht sehen können.
Die Flucht vor dem Paradoxen:
Ich fasse noch einmal schnell zusammen an was du glaubst: Du bist der Meinung, dass es ein Leben nach dem Tod und einen Gott gibt. Ein Leben nach dem Tod ist nur deshalb möglich, weil unser Körper neben dem materiellen, vergänglichen, noch aus einer „feinstofflichen“, unvergänglichen Substanz besteht, die gleichzeitig „Träger“ der Seele ist. Obwohl es für diese „feinstoffliche“ Substanz keinerlei Anhaltspunkte gibt, was du ja selbst zugibst und obwohl es eigentlich nach all unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen sehr viel naheliegender ist, anzunehmen, dass die Seele nach dem Tod einfach verschwindet, weil die Seele durch den Körper bedingt ist, bist du von dieser Feinstoffhypothese fest überzeugt.
Du gibst wie gesagt selbst zu, dass dieser Glaube rein hypothetisch ist und vielleicht sogar etwas paradox. Dann wirft sich mir allerdings die Frage auf: Warum überhaupt so kompliziert? Dein Glaube wirkt sehr konstruiert und unterscheidet sich letztendlich doch nicht von jedem anderen Glauben. Dein Glaube baut wie jeder andere auch, auf der Tatsache auf, dass er im Bereich des irrationalen liegt und sein Wahrheitsgehalt nicht überprüft werden kann. Er unterscheidet sich nur in einem Punkt: Du versuchst (pseudo-) wissenschaftlich das Leben nach dem Tod zu begründen, indem du eine Theorie entwickelst, die zwar auf keinerlei Tatsachen beruht, aber im Prinzip in sich schlüssig wirkt. Aber wo ist der Vorteil? Du ersetzt eine irrationale Hypothese durch eine andere, genauso irrationale Hypothese, die zwar etwas wissenschaftlicher klingen mag aber doch letztendlich auf derselben Grundlage aufbaut: dem Glaube. Du sagst selbst, dass der Glaube nicht an die Wissenschaft gebunden ist-wenn es dir also so wichtig ist daran zu glauben, dass nach dem Tod nicht alles zu Ende ist, weshalb brauchst du eine solche Feinstoffhypothese? Ist es nicht vielmehr so, dass es dir in Wirklichkeit wahnsinnig schwer fällt, wirklich an dieses Leben nach dem Tod zu glauben und du deshalb nach einer scheinbar plausiblen Erklärung suchst, die-wie auch immer-eine Art wissenschaftliche, schlüssige Grundlage vortäuscht?
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