Was ist die Hölle ?


Im Paradies zu sein, wo es einem gut geht und man keine Sorgen mehr hat, und dabei zu wissen und gar zu sehen, wie anderen in der Hölle und auf der Erde leiden, ist sicher eine noch schlimmere Hölle als die echte Hölle...könnte ich mir vorstellen
Hallo Nebulös -

spricht für Dich, wenn Du's so siehst, aber das tun Viele nicht...

Ich kann mich erinnern, dass vor ca. einem Jahr in einer renommierten wissenschaftlichen
Zeitschrift ein Artikel erschienen ist, wonach buddhistische Meditationsmethoden messbar
zum Glücksgefühl von Menschen beitragen würden. Natürlich wurde darüber viel diskutiert,
und ich erinnere mich an den Leserbrief einer aufgebrachten Christin aus den USA, die
schrieb:
Zitat:
Hier mögen sie ja glücklich sein, aber ich freue mich schon darauf, wenn ich mit Jesus
auf einer Wolke stehe und ihnen zusehe, wie sie sich in den Flammen der Hölle winden!
Allein dieser Leserbrief dürfte sie nach den Maßstäben der Nächstenliebe für ein Mit-Schmoren bis in alle Ewigkeit qualifizieren... Tjaa, wie sehr man Religionen doch fehlinterpretieren kann...
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Kannst du nicht allen gefallen durch deine Tat und dein Kunstwerk, mach es wenigen recht - vielen gefallen ist schlimm

Friedrich Schiller
Wozu verlangen wir nach Strafe, wo wir doch alles verzeihen? Ist dann noch eine "Gerechtigkeit" noetig? Sicherlich ja, da wir eben leider nicht alles verzeihen. Seht doch nur den Terrorismus an: Verzeihen wir da? Und wer kommt denn da in die Hoelle. (Richtig antwortete einer, dass wir immer denken, dass die anderen in die Hoelle kommen. Denkt bitte auch mal an Euch selbst!)

Meine Idee von der Hoelle ist, dass man die vielen schlechten Gewissen weiter hat, wenn es eigentlich vorbei sein sollte. Und deswegen bitte ich um Vergebung.
von der Ruck hat folgendes geschrieben:
Meine Idee von der Hoelle ist, dass man die vielen schlechten Gewissen weiter hat, wenn es
eigentlich vorbei sein sollte. Und deswegen bitte ich um Vergebung.

d'accord - bei einem Meditationsretreat meinte einmal eine Frau, ihr sei unverständlich,
wie man auf eine Hölle verzichten könne. Für Menschen wie z.B. Hitler oder Stalin wäre
doch ein anderer 'Konto-Ausgleich' gar nicht denkbar...
Ich antwortete ihr, wenn ich mir vorstellte, mein persönliches Gewissen wäre mit Millionen
von Toten und unnennbaren Greueln belastet - irgendwann käme mir das zu Bewusstsein
und ich könnte diesem Wissen nicht entkommen - das wäre für mich eine Form von Hölle,
die von siedendem Pech und zwackenden Teufeln kaum getoppt werden könnte...

Bei den Terroristen von heute ist es mutatis mutandis ähnlich - das sind fehlgeleitete
Idealisten, die glauben im Rahmen ihres verqueren Weltbildes was Gutes zu tun - die
Frage ist nicht ob man ihnen verzeiht, sondern wie man kurzfristig und langfristig solche
Taten erschwert oder ganz verhindert - ersteres durch Polizeiarbeit im weitesten Sinn,
letzteres durch Aufklärung, Bewusstseinsbildung und Abbau jener Ungerechtigkeiten,
die Extremisten dieser Art immer wieder Anhänger zuführen...
Ich war gestern in Salem, Massachusetts, das voll des Hexenwahns von 1692 ist, als ueber 20 weibliche und maennliche Hexen zum Tod durch Erhaengen verurteilt und gehaengt wurden. Mir wurde klar, dass es immer Verurteilungen gibt, wenn man nicht mit der Masse laeuft oder sonst abartig erscheint. Damals Hexen, heute Nazis, Klu Klux Klan und Terroristen. Jede Zeit hat ihre Anfeindungen.
Ich halte es fuer weise, Gott das Verurteilen zu ueberlassen. Natuerlich brauchen auch wir Richter fuer unsere Gesellschaft (ich habe das in Deutschland schon als Gerichtsreferendar tun muessen). Persoenlich aber solte man versuchen, nicht zu verurteilen, sondern zu vergeben.
Dein Rat durch Polizeiarbeit und Aufklaerung Aenderungen herbeizufuehren, ist richtig. Auch er erfordert eine Beurteilung, aber eben nicht ein Verurteilen.
Wenn die islamischen Terroristen von ihren Freunden und Familien, von eben ihrer Gesellschaft nicht angefeuert, sondern auch abgelehnt werden, waere wohl schon viel gewonnen. Den inneren Hass gegen andere wird man wohl nie gaenzlich ausrotten koennen.
Die von Dir beschriebene Hoelle als Belastung durch die Taten aller Uebeltaeter ist wohl die schlimmste aller mir bekannten Vorstellungen von der Hoelle.
Wer keine Angst vor der Hölle hat braucht auch keinen Gott!
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Das Heute gehört ihnen,
aber die Zukunft gehört uns!
Gott ist immer da, auch wenn "man" ihn nicht braucht.
und auch die Hoelle ist wohl immer da, auch fuer die, die keine Angst haben.....
Schoen ist das Zitat von den wilden Voegeln, die frei sind, ob nun mit oder ohne Hoelle.
Danke!

Mag sein, aber wenn man Gott braucht und er doch da ist, warum erkenne ich nicht, dass er mir hilft?
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Das Heute gehört ihnen,
aber die Zukunft gehört uns!
Hallo Sib!
Zitat:
Wer keine Angst vor der Hölle hat braucht auch keinen Gott!

Das ist Deine Meinung - diese fromme islamische Mystikerin war anderer Ansicht:

Zitat:
Ich will Feuer ins Paradies werfen
und linderndes Wasser in die Hölle träufeln,
daß beide nicht länger den Weg
zu Allah verschleiern.
Unser Ziel soll klar und sicher werden;
wir wollen dem Herrn ohne Seitenblick
auf anderes Glück
oder Hoffnung entgegenblicken,
ohne Furcht im Herzen.
Ihm allein haben wir zu dienen,
ohne auf Belohnung im Himmel zu rechnen
oder vor Höllenstrafen zu zittern.
[Rabía al-Adawia, 8. Jh.]