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Lieber Hartmut!
Es mag stimmen, dass es viele Christen im Vertrauen auf die alles durchdringende Weisheit Gottes für richtig halten, alles sei eben aus dieser Weisheit bis ins Letzte vorausgeplant und damit im Voraus bestimmt. Das stützt sich auch aus den geheimnisvollen Aussagen, jedes Sandkörnchen im Meer ist gezählt. Diese Vorausbestimmung liegt ja auch dem Kismet im Islam zugrunde.
Und so gesehen gäbe es ja auch keine einzige freie Handlung, keine freie Entscheidung, für die der Mensch die Verantwortung trägt. Es kommt ja auch noch der Glaube hinzu, Jesus Christus habe für alle Sünden gebüßt. Und deswegen könne der Mensch völlig unbekümmert tun und lassen was er wolle. Oh nein sage ich, das kann auf gar keinen Fall stimmen.
Auch folgende Gedanken muss man berücksichtigen: Würde Gott in seiner unendlichen Weisheit und Allwissenheit die Zukunft klar vor Augen liegen - dann wäre er ein unvollkommener Gott und somit gar kein Gott. Ebenso höchst unvollkommen wäre Gott auch dann, wenn er den Einzelnen mit Absicht ins Schlechte und somit ins Leid stößt. Oder wenn er es verlangen würde, in den Tod zu gehen - wie es angenommen wird, als er den Kelch, also den Kreuzestod, nicht an Jesus Christus vorübergehen ließ. Paulus sagt, dies sei geschehen, um der Gerechtigkeit Gottes genüge zu leisten. Und Paulus war ein "Sehender".
Irgendwo und irgendwie gehen alle diese Rechnungen nicht auf, wenn man Gott "klein" sieht, das heißt - es ist notwendig, Gott mehr Können oder Größe zuzubilligen. Man muss auch in ihm Dimensionen erfühlen.
Und dies ermöglicht den Gedanken, dass die eine Dimension in Gott alles weiß, eine andere Dimension dieses Wissen so zurückdrängt, dass nichts bestimmt ist.
Stets freie, neue Entscheidungen Gottes sind möglich. Und ebenso die Freigabe von anderen Verhältnissen, wie die freie Entfaltung des Menschen, aus der heraus er sehr wohl Verantwortung trägt und auch übernehmen muss.
So meine ich, dass der Mensch sehr sehr frei ist. Liebe Grüße - reinwiel
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