Foren-Übersicht
Login | Registrieren | Forum | Impressum | Suche

Warum die Zahnfee nicht zu uns kam












Geraldine hat einen Wackelzahn.
Vorne rechts unten.
Der wackelt erst ein bisschen, und Geraldine legt sich schon mal ihr Säckchen zurecht.
Das Säckchen ist für den Zahn, damit die Zahnfee ihn schnell findet.
Die Zahnfee baut aus den ausgefallenen Milchzähnchen ein Schloss.
Und als Dank für den Zahntribut gibt es eine Münze.
Ein kleines Säckchen aus goldenem Stoff mit eine violetten Kordel.
Zwei Wochen später:
Das Zähnchen wackelt jetzt ein bisschen mehr.
Das Säckchen hat inzwischen keine violette Kordel mehr.
Vier Wochen später:
Beim Bettenmachen finde ich das Säckchen unter ihrer Matratze mit...Haarspangen drin.
"Ooooh, ich hab es schon soooo lange gesucht..."
Das Zähnchen kann jetzt wahlweise nach vorne oder nach hinten geklappt werden.
Nach vorne ist lustiger, weil Mama sich dann immer schüttelt.
Abend. Vorgelesen, gebadet, Zähne geputzt, gekämmt, gebetet, gesungen.
Ruhe.
Ein Schrei.
"Mein Zahn!"
Aufgeregt kommt Tochter mit einem klitzekleinen Zähnchen in der Hand nach unten gerannt.
In ihrem Mund sah der irgendwie größer aus.
Wir begutachten ihre Zahnlücke und ihr Zähnchen.
"Guck mal, jetzt kann ich wieder durch die Zähne atmen.." und saugt sich pfeifend Luft durch die Zahnlücke, untermalt von schmatzenden Geräuschen.
"Jetzt kommt die Zahnfee, jetzt kommt die Zahnfee, ich krieg eine Münze..." und entschwindet nach oben in ihr Zimmer.
"Mama!"
Wieder unterbricht ein schriller Schrei die nächtliche Stille.
Geraldine sitzt aufgelöst auf ihrem zerwühlten Bett, alle Kissen und Plüschtiere und Decken liegen auf dem Boden.
"Ich find das Säckchen nicht mehr!"
Gott sei Dank hat Mama ihr Nähmaschine parat, und so wird aus Stoffresten ein kleines Säckchen gezaubert, der Zahn noch einmal angeguckt, und dann verschwindet er in das Säckchen und meine Tochter wieder in ihr Zimmer.
Minuten später.
"Mama!"
Dass ihre Geschwister in dieser Nacht nicht aufwachen, wird für immer ein großes Rätsel bleiben...
"Ich behalte heute den Zahn für mich, und die Zahnfee kriegt ihn erst morgen." Sie ist so stolz auf ihr Zähnchen. Wahrscheinlich will sie es morgen überall rumzeigen.
"Jaja, ist gut Schatz, und jetzt ab ins Bett."
Ich bin gerade dabei, das Haus nach unserer ausländischen Münzsammlung abzusuchen.
Fällt mir früh ein, ich weiß.
Endlich finde ich sie, und suche eine schöne große eckige niederländische Münze aus.
Ein bisschen angelaufen, aber mit Spüli und Bürste wird sie jetzt geschrubbt.
Derweilen ist Töchting auf die gleiche Idee gekommen. Der Zahn muss sauber sein!
Also Zahnbürste und Zahnpaste geschnappt und geputzt.
Der Zahn ist klein. Ziemlich klein. Auch für schmale Geraldinefinger.

Und so kommt es, wie es kommen muss...
"Mama!"
"MAMAAAAAA!"
Geraldine fällt fast die Treppe runter.
Schnell wird die Münze versteckt.
Unter lautem Schluchzen verstehe ich Worte wie "Zahn"...(wer hätte das gedacht) und "Putzen" und "Wasser" und..."gefallen".
Mir schwant Böses.
Ich reime mir ganz schnell das Szenario zusammen und sie nickt stumm und verzweifelt.
Jetzt ist Papa gefragt.
Die Situation kurz geschildert, Papa verbeißt sich - wie auch ich - mühsam das Lachen.
Es ist nicht komisch.
Nicht für Geraldine.
Im Bad fangen nun Klempnerarbeiten an.
Das Rohr wird aufgeschraubt, das Knie ausgespült und der ausgespülte Schmodder untersucht. (örgs).
Es ist mittlerweile 21 Uhr.
Geraldine schwebt zwischen Hoffen und Bangen.
Kein Zahn! Weg ist er!
Kein Zahn, keine Zahnfee. Keine Münze.
Es wird bitterlich und vernehmlich getrauert.
Nachdem ich sie aus der Hörweite des Jungsschlafzimmers entfernt habe, wird Tröstearbeit geleistet:
Die verbliebenen Zähne werden nachgezählt: 19!
Neunzehn Mal kommt noch die Zahnfee. Und mit ein bisschen Einbildung wackelt auch schon der Nachbarzahn.
Und Mama zaubert (nach einigem vorgetäuschten Suchen) ein Sparschwein mit Münzen hervor, von denen sie behaupten, sie damals von der Zahnfee bekommen zu haben.
Geraldine darf sich eine aussuchen.
"Darauf musst du jetzt gut aufpassen!"
Geraldine drückt ihren Schatz an sich. Ist zwar nicht das gleiche, aber fast.
Als sie auf dem Weg nach oben ist, höre ich, wie ihr noch zweimal die Münze runterfällt.

Diese Nacht kann Geraldine lange nicht einschlafen. Ab und zu kommt sie noch trostsuchend an. Zu groß ist der Verlust.
Gegen 22 Uhr ist dann endlich das Sandmännchen vorbeigekommen.
Die Zahnfee allerdings ist heut Nacht … zuhause geblieben.
Forum -> Geschichten und Weisheiten


Ähnliche Themen
Antisemitismus - Wo? Wer? Wie? Warum?
Warum greifen einige Juden Chassidim, insbesondere Chabad, a
Hilfe! Schwanger oder nicht mit 16?
Ich kann es einfach nicht vergessen.
Warum keine Großbuchstaben?
Würde es Gott nicht geben...
Warum...
Warum glaubst du an einen Gott?
Angst das er mich nicht liebt
Urteile nicht...