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Sind die Juden das erwählte Volk?












Vor dem Monotheismus hatte jedes Volk oder jede Stadt ihren Gott. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich jede dieser Gruppen als »erwähltes Volk« des entsprechenden Gottes ansah.

Die Juden hatten ihren JHWH. Mit dem Aufkommen des Monotheismus wurde dieser mit dem Schöpfergott Elohim identifiziert.

Mit der Ausbreitung des Christentums glaubten auch andere Völker an den biblischen Gott, der ja eigentlich mal der jüdische Stammesgott gewesen war. Das führte zu der merkwürdigen Sonderstellung der Juden als »erwähltes Volk«.
Das die Juden/Christen die Erfinder des Monotheismus sind und als einzige und erste den Götzenkult ablehnten ist schlechtweg christliche Propaganda. Die zahlreichen Götter, wie sie z.B. die Hindus haben, sind wie Du sicher weißt nur eine Ausdrucksform des ein einen wahren Gottes, insofern sind sie auch Monotheisten. Das hat das Judentum/Christentum abgeschafft, aber nicht den Monotheismus erfunden.
Zitat:
“ Sich vorzustellen, dass wir als Juden in irgendeiner Form G’tt näher stünden als alle anderen Völker, riecht nach Arroganz, Elitedenken und Rassenvorurteilen.


Hallo,

in allen drei monotheistischen Weltreligionen findest Du das Konzept der Erwähltheit.


Christentum


2. Thesslonicher. 2:11-12
Darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, sodass sie der Lüge glauben, damit gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit.

Römer 9,14-29
14 Was sollen wir nun hierzu sagen? Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne!15 Denn er spricht zu Mose (2.Mose 33,19): »Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.« 16 So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. 17 Denn die Schrift sagt zum Pharao (2.Mose 9,16): »Eben dazu habe ich dich erweckt, damit ich an dir meine Macht erweise und damit mein Name auf der ganzen Erde verkündigt werde.« 18 So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. 19 Nun sagst du zu mir: Warum beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? 20 Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so? 21 Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen? 22 Da Gott seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit großer Geduld ertragen die Gefäße des Zorns, die zum Verderben bestimmt waren, 23 damit er den Reichtum seiner Herrlichkeit kundtue an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er zuvor bereitet hatte zur Herrlichkeit. 24 Dazu hat er uns berufen, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden. 25 Wie er denn auch durch Hosea spricht (Hosea 2,25; 2,1): »Ich will das mein Volk nennen, das nicht mein Volk war, und meine Geliebte, die nicht meine Geliebte war.« 26 »Und es soll geschehen: Anstatt dass zu ihnen gesagt wurde: "Ihr seid nicht mein Volk", sollen sie Kinder des lebendigen Gottes genannt werden.« 27 Jesaja aber ruft aus über Israel (Jesaja 10,22-23): »Wenn die Zahl der Israeliten wäre wie der Sand am Meer, so wird doch nur ein Rest gerettet werden; 28 denn der Herr wird sein Wort, indem er vollendet und scheidet, ausrichten auf Erden.« 29 Und wie Jesaja vorausgesagt hat (Jesaja 1,9): »Wenn uns nicht der Herr Zebaoth Nachkommen übrig gelassen hätte, so wären wir wie Sodom geworden und wie Gomorra.«


Islam


28:68
Und dein Herr erschafft, was Er will, und erwählt, was Ihm gefällt. Nicht ihnen steht die Wahl zu. Gepriesen sei Allah und Hoch Erhaben über das, was sie anbeten!

10:99
Hätte Gott es gewollt, wären alle Menschen auf Erden samt und sonders gläubig geworden. Möchtest du etwa die Menschen zum Glauben zwingen?

10:100
Niemand darf gläubig werden, außer mit der Erlaubnis Allahs. Und er legt die Unreinheit (ridschs) auf diejenigen, die keinen Verstand haben (und daher verstockt bleiben)./Keiner würde ohne Gottes Erlaubnis glauben können. Die schmachvolle Strafe gilt nur den Ungläubigen, die sich des Verstandes nicht bedienen.

3:110
"Ihr seid die beste Gemeinschaft. Ihr gebietet, was recht ist und verbietet, was verwerflich ist".
BS"D

@Galater

Zitat:
Diese Antwort kann dir zu denken geben, denn in der Konsequenz folgt daraus, daß die Juden ab dem Zeitpunkt vollends in die Irre gingen, als sie Jesus verworfen haben.
DIE Juden? Es gibt doch recht unterschiedliche Juden und gab sie zu allen Zeiten, auch Juden die an Jesus geglaubt haben, ja er selber, seiner Jünger, seine ersten Gemeinden, alles dies waren Juden und ohne Juden gäbe es diese Antwort von dir gar nicht. Somit wirklich DIE Juden?

Zitat:
Ja, die Moral und Ethik wurden durch das jüdische Volk der Welt bekanntgegeben. Die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Also enthielt das dem Mose gegebene Gesetz nicht die Gnade.
Und es enthielt nicht die Wahrheit.
Das behaupten nun irgendwelche Christen, was ja erst einmal zu beweisen wäre. Da auch nach christlicher Meinung die Tora von G'tt stamm und ebenso von Jesus bekräftigt wurde, sollte dann je genau eine solche Zuschreibung dort nicht vorkommen. Dummerweise fängt die Tora aber eben mit Gnade an und hört so auf. Nämlich die Gnade welche G'tt Adam und Chawa gewährt als er ihnen zu essen gab und mit der Gnade die G'tt Mosche gewährte, als er zu seiner Beerdigung kam. Und auch mit der Wahrheit wird es kritisch, da an verschiedenen Stellen die Tora sich selber als emeth, als Wahrheit wertet.

Zitat:
Dann kam aber in seinen Augen der Abfall, die Hinwendung zur Irrlehre des JHWH, - "ethisches und moralisches System"
Hat aber nichts mit Gott zu tun.
Nicht? Sonderbar nun nur, dass beide in der Tora als ein und der selbe G'tt auftreten, den selben Namen traten und auf beide sich auch noch Jesus bezieht. Gerade auf dieses abzulehnende ethische und moralische System stützt sich Jesus immer wieder.

Zitat:
Denn die Gnade Gottes und die Wahrheit Gottes kamen durch Jesus Christus.
Wie oben schon geschrieben ist beides schon in der Tora enthalten.

Zitat:
Nein, die Juden sind nicht das auserwählte Volk Gottes. Sie waren es auch nie gewesen.
Das solltest du nun aber besser einmal G'tt verklären, warum er das einmal anders sah ...

Zitat:
Diejenigen, die weiterhin an der alten durch JHWH gegebenen Irrlehre festhielten, die behaupten jetzt von sich, das Volk zu sein.
Immerhin das selbe Volk an welches sich Jesus wandte, in genau dem Wissen, dass dieses Volk von haSchem auserwählt wurde, seinen Plan zu erfüllen.

Aber das ist wohl übliche christliche Schizophrenie, dass man die Grundlage um überhaupt Jesus Position zu begründen, ablehnt, dabei aber übersieht, dass dann eben auch Jesus und alles was er sagte und lehrte in sich zusammen fällt, da es so seine Basis verliehrt.
Hallo Jakow,

meine Worte haben dir vielleicht Schmerzen zugefügt. Dafür möchte ich dich um Verzeihung bitten. Es wird nie meine Absicht sein, jemandem anderen weh zu tun.

Ich freu mich, hier auch einmal mit einem Juden zu reden.

Du hast mir erwidert, was du antworten mußtest. Damit sich diese Diskussion nicht verliert, werde ich am Knackpunkt bleiben.

Zitat:
Aber das ist wohl übliche christliche Schizophrenie, dass man die Grundlage um überhaupt Jesus Position zu begründen, ablehnt, dabei aber übersieht, dass dann eben auch Jesus und alles was er sagte und lehrte in sich zusammen fällt, da es so seine Basis verliehrt.

Genau mit diesem Problem sind Paulus und Marcion unterschiedlich umgegangen.
Paulus findet hierzu die Lösung in der Betonung der Verheißung, die an Abraham gegeben wurde. Ich weiß jetzt nicht, inwieweit dir die Schriften des Paulus geläufig sind, deshalb ausugsweise eine kleine Zusammenstellung, die dieses Dilemma ausdrückt:

Röm 3,2 ... Ihnen sind die Worte Gottes anvertraut. 3 Wenn jedoch einige Gott die Treue gebrochen haben, wird dann etwa ihre Untreue die Treue Gottes aufheben?
[Das Wort "einige" ist meiner Meinung nach falsch übersetzt, und sollte "jene" heißen. Ich benutze aber in der Regel die Einheitsübersetzung. In der Schlachter-Übersetzung lautet dieser Vers: Wie denn? Wenn auch etliche untreu waren, hebt etwa ihre Untreue die Treue Gottes auf?]

Röm 7,7 Heißt das nun, dass das Gesetz Sünde ist? Keineswegs! Jedoch habe ich die Sünde nur durch das Gesetz erkannt. Ich hätte ja von der Begierde nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: Du sollst nicht begehren.

Heir beschreibt Paulus noch einmal das Problem, das sich ergibt, wenn das gesetz nicht von Gott ist. Irgendeinen Sinn muß es doch gehabt haben!

Röm 9.1 Ich sage in Christus die Wahrheit und lüge nicht und mein Gewissen bezeugt es mir im Heiligen Geist: 2 Ich bin voll Trauer, unablässig leidet mein Herz. 3 Ja, ich möchte selber verflucht und von Christus getrennt sein um meiner Brüder willen, die der Abstammung nach mit mir verbunden sind. 4 Sie sind Israeliten; damit haben sie die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, 5 sie haben die Väter und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus, der über allem als Gott steht, er ist gepriesen in Ewigkeit. Amen.

Hier beschreibt Paulus die Konflikt, daß Jesus doch selbst Jude war, so wie er selbst, aber dennoch leidet sein Herz und ist voll Trauer im die, welche Christus und die Wahrheit nicht erkannt haben.

Und er gibt auch den Grund an:
Röm 10,1 Brüder, ich wünsche von ganzem Herzen und bete zu Gott, dass sie gerettet werden. 2 Denn ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer haben für Gott; aber es ist ein Eifer ohne Erkenntnis. 3 Da sie die Gerechtigkeit Gottes verkannten und ihre eigene aufrichten wollten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen. 4 Denn Christus ist das Ende des Gesetzes und jeder, der an ihn glaubt, wird gerecht.

Und gleich fährt Paulus fort, jetzt aber nicht mehr auf die Konformität der Verheißungen Abrahams hinweisend, sondern den Unterschied der "Lehre" des Mose herausstellend:
Röm 10,5 Mose schreibt: Wer sich an die Gesetzesgerechtigkeit hält in seinem Tun, wird durch sie leben. 6 Die Glaubensgerechtigkeit aber spricht: Sag nicht in deinem Herzen: Wer wird in den Himmel hinaufsteigen? Das hieße: Christus herabholen. 7 Oder: Wer wird in den Abgrund hinabsteigen? Das hieße: Christus von den Toten heraufführen. 8 Was also sagt sie? Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen;

Die Lösung aus dieser Situation, daß nämlich die Juden, die die Erben der Verheißungen an Abraham sind, jedoch durch die Verehrung von JHWH in die Irre gingen, dennoch nicht die Gnade Gottes aufgehalten haben:

Röm 11,16 Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist es auch der ganze Teig; ist die Wurzel heilig, so sind es auch die Zweige.

Das heißt, wie auch immer sich die Juden verhalten haben, durch die "Impfung" mit dem Sauerteig der Wahrheit Gottes - die Verheißung an Abraham - sind auch wir geheiligt, egal welches Fehlverhalten in der Zwischenzeit geschehen ist.

Und das Fehlverhalten ist ganz klar im 1. Kapitel des Römerbriefes beschrieben:
Röm 1,21 Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. 22 Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren. 23 Sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit Bildern, die einen vergänglichen Menschen und fliegende, vierfüßige und kriechende Tiere darstellen. 24 Darum lieferte Gott sie durch die Begierden ihres Herzens der Unreinheit aus, sodass sie ihren Leib durch ihr eigenes Tun entehrten. 25 Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers - gepriesen ist er in Ewigkeit. Amen.

Das war jetzt sehr umfangreich, und ich kann jeden verstehen, der nicht alles gelesen hat. Wen es aber interessiert, dem war es nicht genug.

Marcion, jener christliche Häretiker, hat im Gegensatz zu Paulus das ganze alte Testament als Lüge verworfen. Wo Paulus in der Verheißung an Abraham noch das Wirken >des Einen< sieht, erkennt Marcion nur noch Lüge. Ich selbst teile nicht die Auffassung von Marcion. Sie ist mir aber sehr wohl bekannt. Hier ein guter Link zu dem Standartwerk über Marcion:
http://www.hschamberlain.net/marcion/marcion_01.html#S1

Spinoza geht als Jude einen ähnlichen Weg wie Marcion. Weil auch er die Tat des JHWH nicht als einzelne Entgleisung, sondern als grundlegendes Prinzip sieht, das hinter der Tora steckt.

Soweit zur Erklärung meiner "üblichen christlichen Schizophrenie". Du siehst vielleicht, daß sich vor mir schon andere mit diesem Problem auseinandergesetzt haben. Und sie hatten ihre Lösungen gefunden. Ich habe meine Lösung gefunden. Daß dir meine Lösung weh tut, das ist mir vollkommen klar. Wenn ich aber die Wahrheit zu kennen glaube, darf ich dann schweigen? Kann ich dann vor Gott verantworten zu schweigen? Um andere nicht zu verletzen? Wenn es die Unwahrheit ist, dann wird sie keinen Bestand haben. Wenn es aber die Wahrheit ist, dann würde ich mich gegen Gott versündigen, wenn ich schweige.

So bleibt mir genau dieses Gefühl, welches Paulus so beschreibt:

Röm 10,1 Brüder, ich wünsche von ganzem Herzen und bete zu Gott, dass sie gerettet werden. 2 Denn ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer haben für Gott; aber es ist ein Eifer ohne Erkenntnis.

Galater
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