Foren-Übersicht
Impressum | Login | Registrieren | Forum | Suche

Dissoziative Identitätsstörung












Hallo liebe Forengemeinde,
ich war lange nicht mehr aktiv in diesem Forum. Nun wende ich mich an euch, in der Hoffnung vielleicht... ich weiß auch nicht...

Ich schreibe einfach mal auf, was mich belastet.
Mein Name ist Billy und die Host eines multiplen Systems. Die Diagnose bekam ich vor einem halben Jahr. Davor hatte ich die Diagnose: Ego-State-Disorder.
Für die, die nicht wissen was das bedeutet.
In meiner Kindheit wurde ich missbraucht. Um zu überleben, erstarrte die "Primärpersönlichkeit" und zersplitterte. Daraus enstanden ich und die anderen. Wir übernahmen ihr Leben.

Es fällt mir schwer diese Diagnose zu akzeptieren. Ich wusste immer das ich nicht alleine bin in diesem Körper, das da noch andere sind.
Aber das das ganze einen Namen hat, das es andere gibt, die das auch haben, das hätte ich nie gedacht.
Ich sollte glücklich sein. Im März werde ich meinen Freund heiraten und am 1.8 beginnt meine neue Ausbildung.
Zurzeit bin ich noch auf einer kunstorientierten Fachhochschule, in der ich mich frei entfalten kann.

Aber etwas in meinem Leben stimmt nicht. Ich bin aufgewühlt und leer. Diese Einsamkeit die in mir ist und in den anderen macht es nicht besser.
Es ist merkwürdig ICH zu sein, das WIR anzuerkennen...

LG
Hallo liebe Raven,

dein Bericht ist teilweise erschreckend und interessant. Da ich einige Bücher über Kindesmisshandlung gelesen habe (ich selbst bin aber nicht betroffen) würde ich gerne, wenn es für dich ok ist, über diese Krankheit? mehr wissen.

Kann man es mit Schizophrenie vergleichen? Oder bin ich eher auf dem Holzweg?

Liebe Grüße
Hallo Josefin!
Ist kein Problem. Eigentlich finde es immer recht schön, wenn ich aufklären kann und wenn sich Menschen dafür interessieren, was ich zu sagen habe.

Also (vorsicht, könnte etwas länger werden),
Mit Schizophrenie kann man die DIS nicht vergleichen. Allerdings denken das die meisten. Das geht wohl auf den Begriff Schizophrenie an sich zurück, der aus dem lateinischen übersetzt: Spaltungsirresein bedeutet.
Die Dissoziative Identittässtörung (DIS), früher multiple persönlichkeitsstörung (MPS), gibt es schon seit vielen Jahren. Seit über hundert Jahren gibt es Fallbeispiele.
Bekannt wurden vor allem, Eve, Sybil und Truddi Chaise ("Aufschrei").

Die DIS ersteht in den ersten Lebensjahren, bevor das eigene "Ich" eines Kindes sich manifestiert. Bevor also das eigene Bewußtsein ausgeprägt ist. Also vor ca. dem 7 Lebensjahr.
Wir wurden das erste mal missbraucht als wir 3 Jahre alt waren.
Dann zersplittert das eigene, noch nicht ausgeprägte Ich, des Kindes und die Person, die in diesem Körper herangewaschen wäre (hätte es die Traumata nicht gegeben) "stirbt".
Sie zerbricht sozuagen.
Für sie treten andere an die Stelle. Männer, Frauen, Kinder.
Eigene wissen nichts von den anderen, manche schon. Einige finden Worte für das was sie fühlen, andere nicht.
Mit der Zeit ensteht eine Vielzahl an Persönlichkeiten, ein "multiples System".

Immer dann wenn eine Persönlichkeit etwas nicht mehr erträgt und keine andere an ihre Stelle treten will, entsteht eine neue.
Die Zahlen sind sehr unterschiedlich. Es können drei sein, hundert, 300 oder mehr.
Wir sind um die 30.
Oft werden multiple auch in Kulten missbraucht, werden Opfer von satanischen Ritten. In diesem Fall sind oft mehr Persönlichkeiten vorhanden.

Oft weiß die Host, also die "Gastgeberpersönlichkeit", nichts von den anderen in ihrem Körper. Die Host ist die, die meist das System nach außen hin vertritt und unter Blackouts leidet, wenn andere hervortretten. Diese Blackouts können sich über Stunden, Tage, Wochen, in manchen Fällen auch über Jahre ziehn.

In unserem Fall ist das ganze etwas anders. (Jedes System ist individuell, ich spreche hier nur für uns.)
Ich, also Billy, wurde abgespalten, da war der Körper 15. Ich bin weder die Primärpesönlichkeit, noch die Erstgeborene, noch gibt es mich besonders lange. Ich hab einfach nur das Talent uns nach außen hin zu vertreten, ohne Flashbacks und Ängste.
Ich bin sozuagen Host Version 2.0. *g*

Jede von uns ist idividell, hat eigene Hoffnungen und Ängste. Wir sind von 2 bis 29 Jahre alt und die meisten haben eine Aufgabe. Wir versuchen so gut wie möglich zusammen zu arbeiten.
Die meisten wissen nichts von der DIS. Nur mein Freund, meine beste Freudin und mein ehemaliger Gruppenleiter wissen davon. Sie gehen sehr gut damit um.
Aber es den meisten Menschen zu erklären bringt nichts.
Sie denken an Stimmen hören - verrückt...
leider...

Ich hoffe das war einigermaßen verständlich.
Wenn noch fragen offen sind könnt ihr gerne fragen.

LG
Billy und Recorder
Wow ich habe nicht gewusst das es sowas gibt.

Ich kann es mir ehrlich gesagt auch schwer vorstellen. Aber es ist sehr gut beschrieben.

Ja das kann ich mir vorstellen, dass viele damit nicht umgehen können. Wie gehst du/ihr damit um?
Hallo Raven,

in manchen esoterischen Kreisen ist bekannt, dass JEDER Mensch in Wirklichkeit aus vielen verschiedenen Persönlichkeiten besteht, wobei eine davon im allgemeinen dominant ist. Lässt man sich zu sehr auf die anderen ein, kann das zu krankhaften Zuständen führen, indem man selbst allmählich die Kontrolle über seinen Körper verliert.
Jemand namens Staudenmaier hat in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts jahrelang damit experimentiert und ein Buch darüber geschrieben, das inzwischen im Internet kostenlos heruntergeladen werden kann (Ludwig Staudenmaier, "Magie als experimentelle Naturwissenschaft" -- http://www.geocities.com/ariadnesrope/index_g.html).
Das Wort "Magie" wird bei Staudenmaier allerdings ganz anders verwendet als üblich. Es schildert die Erlebnisse mit den anderen Personifikationen in sich. Staudenmaier war eigentlich Professor für Chemie.
Am gescheitsten ist es wohl, möglichst wenig daran zu rühren und ein heiteres Gemüt und Gelassenheit zu entwickeln.

In der Scientology werden diese unbekannten anderen Persönlichkeiten in größerer Zahl vom Individuum abgelöst, damit die eigentliche, dominante Hauptpersönlichkeit sich immer klarer herausschälen kann. Das geschieht auf den so genannten OT-Levels und wird von der übrigen Menschheit als reichlich plemplem angesehen. Die Ursache für zusammengeballte Persönlichkeiten wird dort ebenfalls in stark traumatischen Geschehnissen gesehen, allerdings betrachtet die Scientology diese Personifikationen nicht als Abspaltungen, sondern als echte eigene körperlose Individuen, die sich an uns geheftet haben, bzw. uns angeheftet wurden. Wenn man sie von sich ablöst, können sie ihre eigenen Wege gehen und sich einen eigenen Körper suchen (natürlich dort, wo gerade einer im Mutterleib entsteht). Ob das alles stimmt, ist wieder eine andere Frage.

Immerhin, ein faszinierendes Thema.
Forum -> Psychologie und Psyche


1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8  Weiter