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Das älteste Dilemma.












Um deine Musiklehrerin gings mir zwar nicht, aber sie hatte wohl nicht unrecht.
Hallo Jesters!

Die Posts haben wir zeitgleich abgeschickt. Deshalb bezog sich die Weisheit meiner Musiklehrerin auch weniger auf deine Erwiderung, als auf NicoS Kommentar.

In den Genuss von Spaemann bin ich bisher leider nicht gekommen (man kann nicht alles lesen). Darum kann ich auf seine Argumentation nicht näher eingehen. Aber ich frage mich, ob der Beweis, dass eine Frage komplizierter ist, als man anfangs angenommen hat, wirklich als Beweis gelten kann -? Das wage ich zu bezweifeln. (Es ist aber keineswegs eine ungewöhnliche Praxis die Lösung einer Frage zu vertagen, sobald man merkt, dass die Frage weiterer Überlegungen bedarf...)

Was das Studium angeht: ich wollte nur wissen, mit wem ich es zu tun habe.

So, nun von vorn. Meine These ist: eine allgemein gültige Lösung dieses Problems ist schlichtweg nicht möglich. Der Rahmen für eine solche Lösung ist nicht da. D.h. ich kann nur für mich sprechen.

Mein Glauben fusst auf keinem Buch. (Nicht mal auf familiärer Tradition oder schulischer Erziehung. Zum einen habe ich meine frühe Kindheit in der durch und durch atheistischen UdSSR verbracht, wo es nicht mal einen Weihnachtsmann gab, geschweige denn einen Gott. Zum anderen bin ich gegen Erziehung schon immer leicht resistent gewesen.) Mein Glauben ruht auf einer individuellen, ganz praktischen Suche nach einer Antwort, die für mich Gültigkeit haben sollte. Ich habe lange hin und her überlegt und viele Bücher gelesen, bis ich zu dem Ergebnis gekommen bin, dass es mir (ganz persönlich) wahrscheinlicher erscheint, dass es soetwas wie eine ordnende Kraft im Universum gibt... und in Ermangelung eines besseren Begriffs nenne ich diese Kraft 'Gott'. (Ich weiss, jetzt könntest du fragen, was ich unter 'ordnend' verstehe. Das Gegenteil von 'chaotisch'. Dabei treffen die sog. Naturgesetze die Sache eher, als irgendwelche Verhaltensdogmen.)
Soviel zu meinem Verstand. Das, was mir an Gott wesentlicher erscheint, geht über den Verstand hinaus. Und da verlassen wir bereits das Gebiet der (transparenten, wissenschaftlichen) Sprache.

LG
Hallo Lisken!

Also Spaemann kann ich nur empfehlen, obwohl ich seine Meinung eher selten teile. Er ist der Berater des Papstes in philosophischen Fragen und auch sonst eine sehr renommierte Persönlichkeit.
Das interessante an seinem Versuch ist die Logik. Wie du sicher weisst setzten die meisten Gottesbeweise das voraus, was sie eigentlich beweisen wollen und waren daher logisch nur schwer bis garnicht nachvollziehbar. Nicht aber hier. Von ihm selbst wird das ganze als absolut "nietzschefest" tituliert, der ja die Vernünftigkeit der Vernunft selbst in Frage stellte.
Man mag davon nun halten was man will, die Herangehensweise ist durchaus interessant, wenngleich auch das Ergebnis nicht befriedigen kann. Durch seine Vorstellung vom "unedlichen Bewusstsein" reduziert er damit "Gott" auf einen alles durchfliessenden, alles sehenden und alles wissenden Brei. Mit Religion wie man sie kennt und praktiziert hat das nur noch wenig zu tun.
Vor allem eine Aussage darin gab mir zu denken:

Zitat:

"Über die Verteilung der Beweislast beziehungsweise der Begründungspflicht. Angesichts der überwältigenden Allgemeinheit und Dauer des Gerüchts von Gott trägt derjenige die Begründungspflicht, der dieses Gerücht als irreführend abtut."



Diesen "verbalen Djihad" den du angesprochen hast brauche ich garnicht lostreten, das ist längst passiert. Diese ewige Keilerei, wie in meinem Anfangspost angesprochen, lässt sich schwerlich (wie auch am obigen Zitat zu erkennen) einfach verleumden. In Wirklichkeit wird sich aber gezankt wo es nur geht, am medienwirksamsten natürlich bei den Kreationisten oder den Radikalislamisten. In der Mitte stehen die gemäßigten Gläubigen die von diesem ganzen Geschwafel nix hören wollen und lieber ihren Glauben so ausleben wie es ihnen passt.

Zu deiner Sicht der Dinge:
Ohne da jetzt Anspruch auf die Richtigkeit zu erheben, aber nennt man dieses Weltbild nicht Pantheismus? Die Wunder der Natur in ihrer ganzen Komplexität, ausgedrückt durch den schwammigen Begriff "Gott"?
Korrigier mich wenn ich falsch liege .

Grüße
Hi Jesters

Zitat:
Durch seine Vorstellung vom "unedlichen Bewusstsein" reduziert er damit "Gott" auf einen alles durchfliessenden, alles sehenden und alles wissenden Brei. Mit Religion wie man sie kennt und praktiziert hat das nur noch wenig zu tun.


Vielleicht kannst du Spaemanns Vorstellung vom 'unendlichen Bewusstsein' einfach nicht folgen und reduzierst Gott auf einen sozialhistorischen, ritualisierten und dogmatisierten Brei, eine Gottesvostellung, die einfach überholt ist - ?

Zum verbalen Djihad:
Ja, da hast du recht. Der kommt auch periodisch in diesem Forum hier vor. Du hast allerdings eine ganz wichtige Partei vergessen: Die Radikalatheisten. Motto: 'Wir brauchen keinen Gott, wir haben ja die Wissenschaft und alle die an Gott glauben, sind labile, unterentwickelte Persönlichkeiten... usw.usf.' - Und da knarzt mein Geduldsnerv jedesmal, als würd er reissen wollen, leider muss ich die nächsten sieben bis acht Posts darauf verwenden diese Leute zu überzeugen, dass es nicht meine Absicht ist sie zu missionieren, sondern dass ich lediglich was gegen ihre Intoleranz habe, welche sie als solche zu erkennen meist nicht in der Lage sind..

Eine Mitte sehe ich da nicht... wen willst du als Mitte nehmen? Die 'gemässigten Gläubigen' oder die 'gemässigten Ungläubigen'?

Da wird der Wunsch natürlich stark eine endgültige Lösung des Problems zu finden. Der Hintergrundgedanke ist ja toll: dann wären alle glücklich und zufrieden und könnten von da an friedlich zusammenleben. Nur... ich glaube, das ist ein Fehlschluss. Realistisch betrachtet sieht es nämlich so aus: Falls die Menschen ein friedliches Zusammenleben wirklich wollen würden, bräuchten sie diese von dir angestrebte Lösung hierfür nicht. Die religiösen Differenzen sind nämlich nicht die Ursache von Krieg und Terror, sondern lediglich ein Machtinstrument - würde dieses Werkzeug versagen (bei einer allgemeinen Einigung, z.B.), würde man etwas anderes finden um die Kriegsstimmung weiter anzuheizen.
(Und ich weiss, da kann man sich streiten - es sind eine Menge Leute fest davon überzeugt, dass ausschliesslich die Religiösität schuld ist am Desaster und dass alles superfriedlich wäre, wenn diese unvernünftigen Menschen endlich aufhören würden an sowas absurdes wie einen Gott zu glauben... meistens dieselben Leute, die in anderen Zusammenhängen behaupten, der Glaube an Gott wäre entstanden, weil die Menschen eine Kontrollinstanz für ihr Verhalten und für das ihrer Mitmenschen brauchten, etwas, woran sie sich klammern können, damit sie erst beten und nicht gleich ausflippen und anfangen ihre Führer oder sich gegenseitig umzubringen, wenn das Leben mal nicht gut läuft... einen Widerspruch sieht da kaum einer.)

Pantheismus:
Jein. Natürlich ist Gott alles. Aaber er ist nicht ausschliesslich alles. Gott ist mehr als die Summe seiner Einzelteile.

LG
Jesters? Huuuhuuu...! - ? Hm. Keiner da.

Soviel zur vielgerühmten philosophischen Zähigkeit...

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