Ist Sex die Grundlage einer Liebesbeziehung?


leuthner hat folgendes geschrieben:
Liebe Brüder und Schwestern!

was sicher nicht im Sinne des Erfinders der Sexualität ist.




Und der Erfinder der Sexualität ist wer?
Sexualität ist von Natur aus in den fühlenden Wesen angelegt. Die persönliche Ausprägung der Sexualität unter Menschen erfinden die Beteiligten selbst.
Und ich dachte immer Sexualität ist eine sehr alte "Erfindung" der Evolution.
Ja, das ist wahrscheinlich so richtig. Jedoch, wie sie sich beim Menschen auslebt, bleibt dem Erfindungsreichtum des Einzelnen bzw. des Paares oder sonstigen sexuellen Gemeinschaft überlassen.
inktvis hat folgendes geschrieben:
Hei ihr alle,

in meinem Kopf ist kürzlich eine Frage aufgekommen, die mir seither keine Ruhe läßt, da ich sie mir aufgrund mangelnder Erfahrung nicht selbst beántworten kann. Deswegen hoffe ich, daß hier jemand zumindest eine Vermutung parat hat.
Wie ich jedenfalls schon im Titel angedeutet habe, höre ich von vielen glücklichen Paaren aus meinem Freundeskreis, und ebenso auch allgemein aus dem Volksmund, daß Sex doch wohl die schönste Nebensache der Welt sei. Um es sogar in den Worten eines guten Freundes auszudrücken: "Sex ist nur das i-Tüpfelchen einer gesunden, funktiònierenden Beziehung."
Nun ja, es ist ja wunderschön, daß Leute heutzutage immer noch so naìv sind. Zumindest war das nach einigem Überlegen mein Gedanke. Genug der Einleitung, hier sind meine Zweifel:

Wenn Liebe und Beziehung nicht auf der nackten Grundlage von sexuêllem Triebverhalten aufbaut, wieso besteht dann bitte ein heterosexuêlles Liebespaar immer aus einem Mann und einer Frau? Wieso muß man "auf jemanden stehen" um sich in ihn zu verlieben?
Ich bin sicher, irgendwo mach ich 'nen Denkfehler, denn soweit ich weiß, gibt es überhaupt nichts Gegenteiliges. Ich hab zumindest noch nie etwas davon gehört, daß z.B. zwei heterosexuêlle Männer ein platonisches Liebesverhältnis führen, oder habt ihr das etwa?
Sorry, ich versteh's einfach nicht, ich war allerdings auch noch nie verliebt, und vielleicht ist die Beschreibung meines Kumpels doch nicht ganz so zutreffend, wie sie scheint.
Zumindest scheint für mich alles so, als wär selbst die Liebe nur ein Produkt menschlicher Triebgesteuèrtheit. Dieser Gedanke gefällt mir nicht, also bitte widerlegt mich.


Hallo,

ja, ich weiß, schon ein jahrealter Beitrag ... aber ich will mich mal daran versuchen:

Um ein vereinfachtes Modell zu gebrauchen, würde ich Liebe mal aufteilen in zwei verschiedene Dinge (weniger vereinfachend könnte man bestimmt noch viele weitere Unterteilungen für Formen von Liebe oder Anziehung finden): Einerseits freundschaftliche Liebe und andererseits sexuelle Anziehung.

Beides kann getrennt voneinander auftreten und tut es oft auch.

Wir benutzen für unterschiedliche Verbindungen von Menschen, bei denen eine oder beide dieser Formen der Anziehung eine Rolle spielen können, einfach unterschiedliche Begriffe und Bezeichungen, und einige sind sogar eine rechtlich anerkannte Institution, wie die Ehe. Aber diese Begriffe sagen nichts darüber aus, welche Form der Anziehung eine Rolle in der jeweiligen Beziehung spielt. Das kann für unterschiedliche Personen ganz anders sein.

Nur wegen diesen unterschiedlichen Worten würden wir sagen, dass Sexualität ein Bestandteil einer Partnerschaft wie der Ehe sein sollte -- sie ist halt so definiert. Wenn Sexualität bzw. zumindest sexuelle Anziehung keine Rolle spielt, würden wir diese Beziehung einfach anders nennen.

Solche anderen Beziehungen gibt es aber durchaus, nur nennen wir sie dann für gewöhnlich halt nicht "Ehe" oder "Liebesbeziehung". Wir sollten nicht vergessen, dass Wörter immer nur eine ungenaue Abbildung der Realität sein können und oft recht ungenau sind bzw. gebraucht werden.

Also kommt es durchaus vor, dass zwei heterosexuelle Männer eine "Liebesbeziehung" führen -- d.h. dass sie total fasziniert vom anderen sind. Nur würden wir es dann halt nicht so nennen. Das wäre dann einfach eine "Freundschaft", "brüderliche Freundschaft", "Vertrauensverhältnis" oder neudeutsch "Bromance" im gewöhnlichen Sprachgebrauch.

Eindeutig nicht-sexuelle Liebe bezeichnen wir z.B. gegenüber Familienmitgliedern als Liebe zu Eltern, Geschwistern oder eigenen Kindern. Oder zu Fremden als "Freundschaft".

Wenn sexuelle Anziehung ohne nicht-sexuelle Liebe auftritt, dann wird das, je nachdem, wie sie ausgelebt wird, unterschiedlich benannt.


Damit eine Ehe oder eheähnliche feste Partnerschaft von Dauer ist, denke ich aber, dass sie sich nicht in der sexuellen Anziehung erschöpfen sollte. Auch wenn die sexuelle Anziehung eine wichtige Rolle in so einer Beziehung spielt, wird sie wohl nur von Dauer und Bestand sein, wenn darüber hinaus auch eine nicht-sexuelle Liebe vorhanden ist. Mit anderen Worten: Eine Liebesbeziehung braucht immer beides, sexuelle Anziehung und nicht-sexuelle Liebe.

Wie genau diese beiden Formen gewichtet sind und welche nun welchen Stellenwert für das Paar hat, ist vermutlich in jeder Ehe anders.

Eine Ehe ohne Liebe, aber materiellen Gründen nennen wir dann "Zweckehe", eine Ehe, die darüber hinaus im beiderseitigen Einvernehmen ohne Sexualität auskommt, nennen wir "Scheinehe".

Das muss erstmal alles nicht wertend gemeint sein. Die jeweiligen Bezeichnungen sind halt nur Wörter -- es sind die jeweiligen Gefühle, die die Realität darstellen.


Grüße,
Bernhard
Geht den eine Liebesbeziehung ohne Sex?
Oder umgekehrt Sex ohne Liebe?
Bezüglich Liebe und Sex gibt es alles, was du dir vorstellen kannst und auch, was du dir nicht vorstellen kannst, in einem Umkreis deiner Wohnung von ungefähr einem Kilometer Durchmesser. Sag mal, Lilly, sind deine Fragen eine Art Gedankenspiel oder haben sie einen realen Hintergrund? Falls sie einen realen Hintergrund haben, solltest du den mal mindestens ungefähr offenlegen, dann könnten die Antworten eventuell zielführender sein und nicht, wie hier zu beobachten, in einem mehr oder weniger hilfreichen hin-und-Her-Gelaber steckenbleiben.
lilly46 hat folgendes geschrieben:
Geht den eine Liebesbeziehung ohne Sex?


Hallo lilly,

klar gibts das. Nur würde man es vermutlich dann nicht so nennen, sondern einfach nur "Freundschaft".

Zitat:
Oder umgekehrt Sex ohne Liebe?


Was meinst du damit, ob das "geht"? "Geht" im Sinne von ob das tragfähig ist?

Persönlich würde ich ja sagen, auf Dauer kann das eine Beziehung nicht tragen ... aber praktiziert wird es ja überall.