|
|
|
Lieber _Leer_,
lass uns einmal über "Anhaftungen" reden, und wie man sich löst von ihnen.
Was konkret kann ich tun (oder tust Du), um mich von Verstrickungen zu lösen:
z.B.
- dem Wunsch nach viel Geld
- dem Wunsch nach Liebe
- dem Wunsch nach Wissen
- dem Wunsch, anders zu sein als andere, besser, gescheiter, einfach großartiger ...
Dass wir uns davon lösen sollen, das weiß ich auch. Und das will ich auch. Aber wie macht man das, ganz konkret?
Inanna
|
|
|
|
Hallo Inanna,
man muss/soll sich von nichts lösen, nur für den Fall das man aus dem Kreislauf der Wiedergeburten austreten will. Es gibt Menschen, die das einfach nicht möchten und sogar auf ein ewiges Leben hoffen. Was die Menschen hält sind Hass, Gier und Anhaftung.
Je nach Art des Buddhismus muss man nicht sein Leben aufgeben um Erleuchtung zu erlangen, man kann auch als Laie ein sehr buddhistisches Leben führen, auch mit Benz vor der Tür. Was hilfreich ist sich 'einfach' nicht davon abhängig zu machen und zu erkennen, das nichts dauerhaft ist.
| Zitat: |
| em Wunsch nach viel Geld |
Geld zu haben ist nicht schlimm, zumindest für mich nicht. Man sollte sich nur bewusst sein, dass Geld einen niemals glücklich machen wird. Vielleicht für einen Moment, vielleicht auch länger, aber nicht dauerhaft.
Wenn man aus sich heraus einfach glücklich ist, dann braucht man auch kein Geld. Wie wird man einfach glücklich? "Es gibt keinen Weg zum Glück, glücklich sein ist der Weg" - Buddha
Wenn man das erkennt, dass Geld oder andere materielle Dinge einen niemals nie auf Dauer glücklich machen können, sondern das Glück eine innere Einstellungssache ist, dann braucht man auch nichts.
Wenn Du Dich doch in irgendwas materielles verliebst, dann schau ihm beim Rosten zu, sieh wie das neuste Handy einen Kratzer bekommt und noch einen und noch einen und irgendwann nur noch ein Gewohnheitsgegenstand ist. Wenn Du den Prozess quasi sezierst, wie etwas Dich erst glücklich macht und dann an Bedeutung verliert, dann erkennst Du auch wie irrwitzig es eigentlich sich von so etwas Abhängig zu machen.
| Zitat: |
| dem Wunsch nach Liebe |
Das kann schwer sein. Es gibt zwei Arten von Liebe: Bedingte anhaftende Liebe, die erwartet hofft und eher nimmt als gibt und unbedingte universale Liebe, die erkannt hat, dass alle Wesen sich nur im Kreislauf der Wiedergeburten abstrampeln, auf der Suche nach Glück und doch nichts dauerhaftes finden und daraus ein tiefes Mitgefühl entwickelt und den Wunsch anderen zu helfen.
Grob gesagt: Je mehr zu zur unbedingten Liebe tendierst, desto mehr entfernst Du dich von ersterem. Und auch hier ist es nicht schlimm ersteres zu Leben, man sollte es sich nur sehr gut bewusst sein. Wie man unbedingte Liebe entwickelt, da fällt mir nur Meditation ein und ein kleiner Trick für den Alltag: Habe Mitleid mit dem Dieb. Wenn Dir jemand etwas schlechtes tut, hat er da vielleicht gute Gründe dafür. Wenn Dich jemand beklaut, hat er vielleicht ernsthafte existentielle Sorgen oder er ist ein armer Mensch, der von Gier zerfressen ist.
| Zitat: |
| dem Wunsch nach Wissen |
Unwissenheit ist einer der Gründe warum die Menschen im Kreislauf verbleiben, weil sie nicht erkennen wie die Dinge sind. Insofern ist Wissen wichtig. Auch Wissen jenseits des Buddhismus ist wichtig um zu erkennem wie die Welt funktioniert um darin zurecht zu kommen und die Welt zum Positiven für die Menschen zu beeinflussen. Buddha selbst hatte mit die höchste weltliche Ausbildung, die ein Mensch zu seiner Zeit haben konnte. Unwissenheit ist keine Alternative für mich.
| Zitat: |
em Wunsch, anders zu sein als andere, besser, gescheiter, einfach großartiger ...
|
Das ist der zentrale und am schwersten verständlichste Punkt, den Du auch auf alle anderen von von Dir gestellten Fragen hier anwenden kannst und einer der zentralen Lehren im Buddhismus: Erkenne, dass Du nicht Dein Selbst bist. Dein Ego, dass bist nicht Du, sondern das ist nur eine Ansammlung von Einstellungen, Gefühlen, Erinnerungen und Gedanken, dass sich ständig verändert nicht dauerhaft ist. Ebenso gibt es keine Seele, etwas, dass nach dem Tod auf einer anderen Ebene weiterlebt, gar ewig. Du bist nur der nicht existente Geist, das klare Licht des Bewusstseins.
Hilfreich ist zu erkennen, dass Du nicht Dein Ego bist, Dir niemand etwas anhaben kannst, denn alle Gemeinheiten zielen auf das Ego, was Du nicht bist, alle Anhaften entstehen aus dem Ego, was Du nicht bist, alle Begehren entstehen aus dem Ego...., Neid, Hass, Gier, Trauer, Verlust... Angst, entstehen aus dem Ego.... Erleuchtung bedeutet, dass zu erkennen.
So, ich habs so kurz und so einfach gemacht wie möglich, ich hoffe es hat Deine Fragen beantwortet. Es ist meine Sicht der Dinge, frage 10 Buddhisten und Du bekommst 10 verschiedene Antworten,
Letztendlich besteht nur ein Unterschied zwischen einem unerleuchteten Menschen und Buddha, wie er selbst sagte: Er hat mehr meditiert.
|
|
|
|
Hallo _Leer_,
das was Du da sagst, das weiß ich - im Kopf - schon lange. Erleuchtet bin ich aber noch nicht (jedenfalls nicht immer!).
Es besteht doch ein Riesenunterschied zwischen etwas, das ich im Kopf weiß, und dem wie ich es lebe. Ist das bei Dir nicht so?
"man muss/soll sich von nichts lösen, nur für den Fall das man aus dem Kreislauf der Wiedergeburten austreten will. Es gibt Menschen, die das einfach nicht möchten und sogar auf ein ewiges Leben hoffen."
Das verblüfft mich. Ich bin davon ausgegangen, das das Ziel des buddhistischen Weges die Auslöschung, wie Du sagst, oder die Leere, das Nichts ist, das Sichauflösen des Bewusstseins im Sein. Dazu muss man sich lösen von den Anhaftungen. Soweit ist das ja auch klar für mich.
Ich sehe, es gibt viele Formen von Buddhismus - vermutlich so viele Richtungen wie im Christentum - und eigentlich habe ich nicht Lust, mich mit allen zu beschäftigen. Ich habe Kontakt zu einem Advaita-Lehrer und das, was ich von ihm weiß, ist für mich "Buddhismus".
Materielle Güter: was Du schreibst, das weiß ich schon lang. Dennoch bin ich nicht frei von Anhaftungen. Man hat so viele Wünsche, auch materieller Art. Was tust Du konkret, um diese Wünsche (die oft hirnrissig sind) los zu werden?
" ....universale Liebe, die erkannt hat, dass alle Wesen sich nur im Kreislauf der Wiedergeburten abstrampeln, auf der Suche nach Glück und doch nichts dauerhaftes finden und daraus ein tiefes Mitgefühl entwickelt und den Wunsch anderen zu helfen. "
Auf dem Weg zur universalen Liebe sind wir ja wohl alle. Immer wieder gelingt uns das ja auch, Verständnis zu entwickeln für die anderen Hamster im Rad, immer wieder empfinden wir auch ein tiefes Mitgefühl.
Und immer wieder halt auch nicht. (Siehe die Zeugen-Jehovas-Diskussion). Was tust Du, wenn Du Dich dabei erwischst, wie Du eben mal wieder nicht verständnisvoll warst, mal wieder nicht Mitgefühl entwickelt hast, Dich bloß geärgert hast über die dummen Leute um Dich rum.
Ich kann ja nicht mitten in meiner Arbeit aufhören zu reden und meditieren. Dass man durch Meditation raus kommt aus diesem Ärgerbewußtsein, das weiß ich.
Wunsch nach Wissen. Da war ich nicht genau. Natürlich ist es gut, viel Wissen zu haben, man weiß nie genug.
Die Anhaftung besteht aber darin, dass wir alle doch nicht umhin können, mit unserem Wissen zu kokettieren, wir sind stolz darauf, es zeigen zu können, freuen uns, wenn wir etwas besser wissen als die anderen. Wie löst man sich von dieser Anhaftung, diesen Ego-Spielen.
Wenn es darum ginge, zu erkennen, dass ich nicht mein Ego bin, dann wäre ich erleuchtet. Aber das ist für mich der Knackpunkt: etwas im Kopf zu wissen ist noch lange nicht dasselbe, wie es zu leben. Das ist schwer.
Und darauf zielen meine Fragen ab.
Inanna
|
|
|
|
Inanna ... vielleicht solltest du es mit dem achtfachen Pfad versuchen und zudem mal mit Meditieren. Dies kann einen von diversen Dingen befreien.
Wie Buddha schon sagt, es gibt diesen Weg, man muss sich nur bemühen. Was man da tun muss ist konkret ausformuliert und nichts mystisches.
Welche Meditationstechnik für dich die richtige wäre, kann ich nicht sagen. Das müsstest du einfach mal ausprobieren und ausprobieren, ob es dir hilft.
Vielleicht hilft dir das ja....
http://www.dhamma-dana.de/buecher/t.....e_einsichtsmeditation.htm
Lg Zach
|
|
|
|
Lieber Zacharias,
ich meditiere regelmäßg seit 28 Jahren. Ich habe verschiedene Techniken ausprobiert und lehre sie auch.
Ich kenne auch den Text "Achtfacher Pfad".
Was ich nicht weiß, und was Ihr offensichtlich nicht so leicht beschreiben könnt, sonst würdet Ihr es ja tun, ist wie man das ganz konkret lebt. Wie Ihr Buddhisten das lebt.
Das was ich als Anhaftungen verstehe, stelle ich hier bei den Diskussionen fest. Aber nicht nur hier. Ich lese auch in einem ZEN-Forum mit und bin entsetzt, wie sich die Buddhisten ihre Weisheiten um die Ohren schlagen. Wenn das keine Ego-Spiele sind, dann kenne ich keine.
Deshalb meine Frage: wie lebt Ihr das ganz konkret. Mir ist durchaus bewußt, dass es nicht einfach ist, sich zu lösen von Anhaftungen. Gerade deshalb hätte ich gerne Eure ganz konkreten Hinweise, wie Ihr das versucht. Nicht nur durch Meditation, sondern in der konkreten Situation.
Magst Du es mal versuchen, das zu beschreiben?
Inanna
|
|
|