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Anwendung von Bahá'í-Beratung in finnischer TV Talk-Show kommt beim Publikum gut an
09. Dezember 2007
www.bahai.de/presse/artikel/n-id/156/137/ch/46d1bfaf89/
Aram Aflatuni in seinem Fernsehstudio.
HELSINKI, Finnland, 9. Dezember 2007 (BWNS) – In Fernseh-Talkshows werden oft Konflikte thematisiert, um hohe Einschaltquoten zu erreichen. Ein junger Produzent in Finnland verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. In seinem Montag-Nacht Programm präsentiert Aram Aflatuni ein Problem und zieht dann eine Expertenrunde zu Rate, um das Problem durch Beratung und Kooperation zu lösen.
"Ich bin kein Anhänger von konfrontativem Journalismus", sagt er. "Ich glaube nicht, dass dies ein effektiver Weg ist, um Lösungen zu finden".
In seiner einstündigen Show "Harkaa Sarvista," oder "pack den Stier bei seinen Hörnern" wurden in dieser Woche 15 Folgen in einer ersten Serie zusammengefasst und 345,000 Zuschauer erreicht. Die durchschnittliche Zuschauerzahl liegt mit 220,000 bei 20% der Fernseh-Zuschauer dieser Zeitspanne.
„In Finnland suchen Fernseh-Shows oft die Konfrontation und manchmal sogar ziemlich aggressive Debatten”, sagt Juho-Pekka Rantala, ein TV-Manager, der an dieser und anderen Sendungen mitarbeitet. 'Harkaa Sarvista' ist anders: "Hier werden Lösungen gesucht". Die Zuschauer können ein Thema zur Beratung einreichen. Wenn das Thema ausgewählt wurde, kommt die Person ins Studio und präsentiert der Runde sein Problem.
Aflatuni, 31, ist Mitglied des Baha'i-Glaubens. Er versucht das Beratungsmodell, das von Bahá'í angewendet wird, als Angelpunkt für seine Show zu nutzen. Das Modell sieht vor, dass die Teilnehmer nicht an ihren eigenen Ideen festhalten, sondern die Wahrheit oder die beste Lösung suchen. Keiner „besitzt“ eine Idee und keiner erntet während der Beratung für eine Idee Lob oder Kritik. "Die Show ist mutig, weil sie anders ist", sagt Laura Jansson, eine Psychologin und Personalberaterin, die bereits in der Show auftrat. "Das Beratungsmodell ist der Erfolgsfaktor der Show”, sagt L. Jansson, die Baha'i ist. Aber Zuschauer und sogar die Experten seien sich normalerweise der Prinzipien, die hier greifen, nicht bewusst. Wesentlich offensichtlicher sei dagegen die Fertigkeit des Moderators der Show.
"Die Menschen in der heutigen Zeit sind sehr egoistisch", sagt sie. "Sie versuchen, sich an die erste Stelle zu setzen und dabei gut auszusehen (...) Aram lenkt die Aufmerksamkeit der Leute auf das Thema, nicht auf sich selbst".
Einwanderung, Asyl, Schizophrenie, Arbeitgeber-Arbeitnehmer Verhältnis, interkulturelle Kommunikation und Gesundheitsthemen waren bereits Gegenstand seiner Sendung. In einer Woche erschien ein junger Flüchtling aus Eritrea, der abgeschoben werden sollte. Er beschrieb seine Situation in der Sendung. Um ein ausgewogenes Bild darzustellen, hatte Aflatuni einen Rechtsanwalt, einen Kirchenvertreter, einen Psychologen, den Vorsitzenden einer Nicht-Regierungsorganisation, einen Politiker und einen weiteren Flüchtling eingeladen.
In der Diskussion wurden ein paar Fakten enthüllt und einige Ideen entwickelt wie beispielsweise der Vorschlag des anderen Flüchtlings, abzutauchen und dadurch der Abschiebung zu entgehen. Andere Teilnehmer fanden diese Idee natürlich nicht gerade gut – abtauchen ist illegal zudem schädlich für die Psyche. Die Expertenrunde suchte nach Möglichkeiten, damit der Mann legal in Finnland bleiben könne und sprach auch darüber, wie er sich auf die mögliche Abschiebung vorbereiten könne. Es stellte sich heraus, dass der junge Einwanderer angestellt war, aber seine Anstellung wurde nicht als Vollzeit anerkannt und hatte daher die Behörden nicht zufrieden gestellt. Es war für einen guten Anwalt kein großes Problem, diesen Sachverhalt mit den betroffenen Seiten zu klären und nach der Show boten mehrere Anwälte ihre Hilfe kostenfrei an. Der junge Mann ist nun nicht mehr unmittelbar von der Abschiebung betroffen und sein Fall wird von den Behörden noch einmal überprüft“, sagt Aflatuni.
Das Ziel von Aflatunis Sendung ist nicht nur, das Dilemma einzelner Individuen zu lösen, sondern ein breiteres Licht auf die Gesellschaft zu werfen.
"Ein Aspekt der Show ist es, das Bewusstsein für humanitäre Angelegenheiten zu schärfen”, sagte er. „Dies bedeutet manchmal, das System unter Druck zu setzen, indem die Öffentlichkeit über schwierige Fälle oder grobe Ungerechtigkeiten informiert wird“. "Die Menschen haben eine übertriebene Auffassung über die Menschenrechte in Finnland”, fügte er hinzu.
In einer ungewöhnlichen Folge kam das Thema Drillinge zur Sprache und wie schwierig es für Familien mit geringem Einkommen ist, mit drei Neugeborenen zurechtzukommen. "Eine Frau vom Verband für Drillinge kam ins Studio und sagte, dass man es ohne Hilfe wirklich nicht schaffen kann”, erinnert sich Aflatuni. Ein weiterer Studiogast war der Vater von Drillingen und 30-Jährige Drillinge, die ihre Erfahrungen beschrieben. Als Ergebnis des Programms änderte eine finnische Stadt ihre Voraussetzungen für Sozialhilfe und wird in Zukunft Familien mit drei Neugeborenen an fünf Tagen pro Woche eine Hilfe gestatten“, sagt Aflatuni.
Zukunftspläne
Aflatuni ist fest entschlossen, im Fernsehen Probleme weiterhin durch Beratung zu lösen, aber er bekommt auch Gegenwind. „Es wird Druck auf mich ausgeübt, mehr Konfrontation zu bringen“, gibt er zu. "Aber ich glaube, das wird die Atmosphäre der Sendung zerstören. Wenn man negative Elemente bringt, macht man damit das Beratungsmodell kaputt, das wir entwickeln."
Er erinnert sich an eine Sendung, in der Ärzte und Krankenschwestern eingeladen waren, um eine Gesundheitskrise zu diskutieren, aber die Teilnehmer waren ungehalten und wurden tatsächlich angriffslustig.
"Unter solchen Umständen ist es zu schwierig, eine Lösung zu finden”, sagt er. Größeren Erfolg hatte er mit der Sendung über einen 32-jährigen Häftling, der nach 10 Jahren Haft freigelassen wurde. Dem Mann schien ernsthaft daran gelegen, nicht rückfällig zu werden, aber die vielen Schulden, die er gemacht hatte, lasteten sehr auf ihm. Während der Sendung riet ihm die Expertenrunde, zunächst nicht an die Schulden zu denken, sondern sich auf die Arbeitssuche zu konzentrieren. Sie legten ihm auch nahe, dass er das Image eines hartgesottenen Burschen an den Tage legte, statt einer Bescheidenheit, die ihm in der Arbeitswelt zugute käme.
"Er hat noch immer nicht die richtige Einstellung", sagt Aflatuni, nachdem er Mann eine Arbeit gefunden und sie dann wieder verloren hatte. "Harkaa Sarvista" wird den Fall vielleicht noch einmal aufnehmen, um zu untersuchen, was gut lief und was besser gemacht werden könnte.
Die Idee, ein Problem weiterzuverfolgen, immer wieder zu bewerten, wie die vorgeschlagenen Lösungsansätze greifen und Details -wenn nötig- anzupassen, ist Teil von Aflatunis Vision für die Sendung. Er sagt, dass seine größte Herausforderung aus Produzent darin besteht, ein neues Konzept zu verfolgen. "Wir haben für eine solche Show keine Vorbilder im Fernsehen," sagt er. "Es wäre einfacher gewesen, eine alte Show als Modell zu haben. Aber so schaffen wir selbst ein Modell".
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