Angst vor der alltäglichen Grausamkeit


Hallo,
ich bin knapp 22 Jahre alt und Student im 1. Semester (Fernstudium).

Seit ich klein bin, habe ich fürchterliche Angst vor dem Alltag. Wahrscheinlich lässt sich das daran zurückführen, dass man mir als Kind verwehrt hat bei alltäglichen Arbeiten mitzuhelfen, da ich "ja ständig zu klein war".
Ich wurde zwar nicht materiell verwöhnt, aber man hat mir viele Arbeiten abgenommen. Außerdem kommt noch hinzu, dass meine Eltern selbst kaum gebildet sind und ich von ihnen keine Bildung erfahren habe. D. h., dass ich mir so gut wie alles selbst beibringen musste.
Selten haben mich meine Eltern zu irgendetwas konstruktivem orientiert und wenn ich selbst tolle Ideen hatte mich spielerisch weiterzubilden (z. B. Elektronikbaukasten), dann wurde der Wunsch nie umgesetzt, da das ja zu teuer ist (aber so manch andere ähnlich teure Sachen wie Fahrrad haben sie mir gekauft). So wurde ich also zu einem Menschen, der kaum Fähigkeiten und Bildung erfuhr. Mir wurde nicht mal rechtes Benehmen und Höflichkeitsregeln beigebracht. Kurz: Der Alltag wurde für mich zum puren Horror, weil mir Menschen direkt oder indirekt zeigten, dass ich ständig etwas falsch mache und wenn ich mal etwas einigermaßen hinkriege, dann nicht mal gut.
Schnell wurde mir die Regel der Gesellschaft oder auch des Lebens klar: "Wenn du dich nicht beweisen kannst, dann bist du (früher oder später) niemandem etwas wert und du wirst vollkommen alleine sein auch wenn das deinen Tod bedeuten würde."

So kam es, dass ich so gut wie keine Nebenjobs hatte, weil ich mich fürchtete. Ich kündigte immer sehr schnell (einmal hatte ich nur für 5 Tage in einer Fabrik gearbeitet).

Das ist nicht alles. Um dem Alltagsgraus zu entfliehen, habe ich mich zu einem Träumer entwickelt. Ich konnte früher dem Unterricht nicht folgen, hatte sehr starke Konzentrationsschwächen, stotterte etc. Durch Meditation und Psychologie konnte ich vieles heilen und verbessern, aber noch heute neige ich zur Träumerei und komme mit dem Alltag nur sehr schlecht klar. Oft bin ich von der Kälte und der Distanziertheit der Menschen geschockt und ich komme mir sehr alleine und vom Alltag überrumpelt vor. Bin ich einem Menschen erst mal einigermaßen Nahe und er trägt zu meinem Überleben bei (z. B. Dach über den Kopf), dann kann ich von dieser Person nur sehr schwer loslassen, auch wenn ich der Person eigentlich nicht sooo nahe stehe und sie auch nicht besonders freundlich zu mir ist.

Mein Problem momentan ist:
Ich bin vor knapp drei Jahren ausgezogen und habe bei Freunden Unterkunft gefunden. Diese Freunde möchten jedoch frühestens in drei Monaten, spätestens in sechs ausgezogen sein und möchten nicht mehr wie im Moment in einer WG leben, sondern für sich.

Mein konkreten Probleme:

- Diese Freunde stehen mir nahe und ich habe sehr große Angst mit anderen Menschen in einer anderen WG zusammenzuleben. Ich bin ziemlich anders und oft fühle ich mich von anderen Menschen eingedrückt, weil ich fühle, dass sie von mir konventionelle Erwartungen haben, die ich allerdings nicht erfüllen möchte. Z. B. bin ich nicht besonders sozial. Ich brauche Abstand vor anderen Leuten, weil ich nicht mit ihrem Verhalten klar komme und das nehmen mir die meisten krumm. Andererseits fühle ich mich dadurch auch sehr einsam. Nichts desto trotz ziehe ich die Einsamkeit der Assimilierung meines Wesens vor.

- Stehe ich finanziell schlecht da und ich habe Angst für jemanden regelmäßig zu arbeiten. Ich komme mir dann vor wie ein Sklave, als wäre ich ein Jude im KZ der für sein Überleben Dinge tut, die er freiwillig niemals tun würde.

- Ich habe eine Hündin. Wenn ich es hinkriegen würde alleine zu wohnen, was mir am liebsten wäre, dann kann ich meine Hündin nicht alleine lassen, wenn ich z. B. zu den Präsenzterminen meiner Hochschule muss. Ich bin da den ganzen Tag weg! Das Weggeben meiner Hündin wäre undenkbar! Ich könnte mir nicht mehr in den Spiegel schauen!

- Dinge wie Einkaufen oder in die Stadt fahren werden zur Last, da ich über kein Auto mehr verfügen werde, das ich mir von meinen Freunden leihen könnte.


Sicherlich werden viele von euch meine Probleme nicht so recht verstehen können. Möglicherweise ist mein Beitrag für viele auch uninteressant.
Falls mich aber jemand doch versteht und diese Probleme hinter sich hat, wäre ich über ein paar Ratschläge dankbar!

Liebe Grüße
Stefano
Hey Stefano,

ich kann nachvollziehen was in dir vorgeht. Ich habe zum Beispiel angst vorm alleine sein, verbunden mit Dunkelheit.

Nun dein Problem ist, dass deine Eltern dich mehr oder wenige zur Unselbständigkeit erzogen haben. Natürlich nicht bewusst, aber du hast Probleme jetzt alltägliche Dinge zu erledigen wie z.B arbeiten gehen usw.

Wo genau liegen denn deine Ängste? Was glaubst du was passieren wird/kann, wenn du deinen alltäglichen Sachen nachgehst?

Lieben Gruß
Nela
Hey Nela,

Zitat:
Wo genau liegen denn deine Ängste? Was glaubst du was passieren wird/kann, wenn du deinen alltäglichen Sachen nachgehst?


Kann wahrscheinlich nur besser werden!

Habe mir hier ein paar Beiträge angeschaut nach dem ich das hier gepostet habe und sie haben mir wieder mehr Mut und Hoffnungen gemacht!

Mal schauen, wie es mit mir weitergeht. Ich melde mich ansonsten in diesem Thread wieder.

Werde aufjedenfall dieses Forum öfters besuchen und meinen Beitrag leisten.

Liebe Grüße
Stefano