Meditation & Wissenschaft


Neuro-Experiment
Mönche in der Magnetröhre
Der Dalai Lama höchstpersönlich hat acht seiner Mönche in die USA geschickt. Hier meditieren sie für Wissenschaftler. Die wollen erforschen, wie regelmäßige Reisen ins Innere das Gehirn verändern. So erhoffen sich die Forscher Klarheit über die Art, wie der Mensch denkt und fühlt.
Von Ulrich Kraft


Buddhistische Mönche lieferten den US-Wissenschaftlern den Beweis, tatsächlich verändern sich die Hirnströme durch regelmäßige Meditation.
Foto: AP


Die enge Röhre eines lärmenden Magnetresonanztomographen ist wohl einer der seltsamsten Orte, an denen Mathieu Ricard je versucht hat, seinen Geist in den Zustand des „vorbehaltlosen Mitgefühls“ zu versetzen.

Wie gut, dass er bei dieser Meditationsform auf gut 30 Jahre Erfahrung zurückgreifen kann. Eigentlich ist Ricard Mönch am Shechen-Kloster in Katmandu. Und zur Versuchsperson in Richard Davidsons Hirnforschungslabor wurde er auf Geheiß des Dalai Lama höchstpersönlich.

Insgesamt acht Mönche aus seinem engsten Kreis entsandte das spirituelle Oberhaupt des tibetischen Buddhismus an die University of Wisconsin in Madison – alles Meditationsprofis mit mindestens 10000 Stunden Praxis. Sie sollten dem Neuropsychologen Davidson herausfinden helfen, was das Gehirn im Moment der spirituellen Einkehr so treibt.

Keine Überraschung für Dalai Lama
Diese Frage beschäftigt auch Ulrich Ott. „Die Neurophysiologie der Erleuchtung aufzuklären, ist eine faszinierende Idee“, meint der Psychologe von der Universität Gießen und einer der wenigen deutschen Meditationsexperten. „Immer mehr Menschen interessieren sich für Meditation, doch die Forschung hat den Bereich lange vernachlässigt.“

Das scheint sich jetzt zu ändern. Vor allem in den USA versuchen derzeit Wissenschaftler, dem Gehirn beim Meditieren zuzusehen, mit hochempfindlichen Elektroenzephalographen und modernsten bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie.

Ihre ersten Befunde dürften den Dalai Lama kaum überraschen, belegen sie doch eine These, die praktizierende Buddhisten seit 2500 Jahren vertreten: Meditation und mentale Disziplin führen zu grundlegenden Veränderungen im Gehirn.

"Glück ist eine Fertigkeit"
Bereits vor einigen Jahren sorgte ein indischer Abt mit mehr als 10000 Stunden Mediationserfahrung in Richard Davidsons Labor für eine große Überraschung. Die Aktivität in seinem linken Stirnhirn war sehr viel höher als bei den 150 Nicht-Buddhisten, die der Forscher zum Vergleich testete. Wie der Wissenschaftler aus anderen Versuchen wusste, steht ein solches Erregungsmuster für eine gute Grundstimmung, einen „positiven affektiven Stil“, wie er es nennt.

Optimistische Typen haben einen aktiveren linken Frontalcortex als unglücklichere Naturen. Offenbar hält dieses Hirnareal schlechte Gefühle im Zaum – und sorgt für die heitere Ausgeglichenheit und Gemütsruhe, die so viele Buddhisten auszeichnet. „Glück ist eine Fertigkeit, die sich erlernen lässt wie eine Sportart oder das Spielen eines Musikinstruments“, lautete Davidsons Schlussfolgerung. „Wer übt, wird immer besser.“

Bedingungslose Hilfsbereitschaft
Der Forscher wiederholte den Versuch bei Mathieu Ricard und den sieben anderen vom Dalai Lama geschickten Mönchen – mit demselben Ergebnis. Ihr linkes Frontalhirn war extrem aktiv.

Doch dann nahm Davidson seine „Olympioniken der mentalen Arbeit“ noch ein wenig genauer unter die enzephalographische Lupe, und zwar beim Praktizieren des „vorbehaltlosen Mitgefühls“ – einer Meditationsform, bei der Liebe und Mitleid den gesamten Geist durchdringen. Ziel ist die bedingungslose Bereitschaft, anderen zu helfen.

Währenddessen registrierte Davidson mit 256 über den gesamten Schädel verteilten Messfühlern die Hirnströme. Eine Gruppe Meditationsnovizen diente zum Vergleich.

Kognitive Höchstleistungen
Der Blick auf die Messwerte offenbarte eklatante Unterschiede. Im Gehirn der Mönche stieg die so genannte Gamma-Aktivität während der Meditation stark an, während sie sich bei den ungeübten Probanden kaum erhöhte. Außerdem waren diese schnellen, hochfrequenten Hirnströme besser organisiert und koordiniert.

Und die Wellen huschten über das gesamte Denkorgan. „In der Regel sind Gamma-Wellen sowohl zeitlich als auch räumlich begrenzt“, erklärt Ulrich Ott. „Sie tauchen nur kurz irgendwo im Gehirn auf.“ Wann, kann die Hirnforschung nicht mit letzter Sicherheit sagen.

Im Endeffekt steht die Frequenz der Hirnströme für bestimmte geistige Zustände. Niederfrequente Delta-Wellen charakterisieren den Tiefschlaf. Alpha-Wellen mit etwa zehn Hertz kennzeichnen einen entspannten Wachzustand. Gamma-Wellen mit Frequenzen von über 30 Hertz scheinen kognitive Höchstleistungen zu begleiten, beispielsweise Momente extremer Konzentration.

Höchste Konzentration
So relaxed ein buddhistischer Mönch wirken mag, sein Gehirn ist während der Meditation keineswegs abgeschaltet. Im Gegenteil: Im Moment der Versenkung herrscht höchste Aufmerksamkeit. „Die Gamma-Aktivität könnte für die extreme Wachheit stehen, die viele Meditierende beschreiben“, sagt Ott. „Die Werte des Mönchs Mathieu Ricard waren jenseits von gut und böse.“

Dass die Erregung so koordiniert über das gesamte Denkorgan der Lamas liefen, fasziniert den Gießener Psychobiologen aber noch mehr. Denn zu den Gamma-Wellen gibt es noch eine zweite Hypothese, die eines der größten Rätsel der Hirnforschung lösen könnte – die Frage nämlich, wie Bewusstsein entsteht.

Angenommen, wir sitzen vor einer Tasse Kaffee. Was wir bewusst wahrnehmen, ist der Gesamteindruck, die einzelnen Aspekte verarbeitet das Gehirn aber in verschiedenen Arealen. Eine Region erkennt die Farbe braun, eine andere identifiziert das Aroma, eine dritte die Form der Tasse.

Erkennungscode

Das Areal, das alle Teile des Puzzles zu einem Ganzen verbindet, wurde aber bisher nicht gefunden. Deshalb vermutet man, dass die beteiligten Nervenzellen über eine Art Erkennungscode kommunizieren: die Gamma-Frequenz. Schwingen die Signale für „braun“, „Aroma“ und „Tasse“ im Gleichtakt von 40 Hertz, taucht der Kaffee vor dem inneren Auge auf.

Nach dieser Theorie – und Experimente scheinen sie zu bestätigen – sind Gamma-Wellen also eine übergeordnete Steuerfrequenz, welche die Hirnareale synchronisiert und zusammenführt. So entstehen Wahrnehmungen, aber auch Bewusstseinszustände.

Jene extrem koordinierten Gamma-Oszillationen, die Davidson bei den Mönchen registrierte, würden unter normalen Umständen nie auftreten, meint Ulrich Ott. Seine Erklärung: „Wenn alle Nervenzellen synchron schwingen, wird alles eins, man differenziert weder Subjekt noch Objekt. Exakt das ist die zentrale Aussage der spirituellen Erfahrung.“

Tiefe Veränderung des Seins
Ein solcher Effekt hinterlässt offenbar auch über den Moment der inneren Einkehr hinaus seine neuronalen Spuren. Denn bereits vor der Meditation war die Gamma-Aktivität im Gehirn der Mönche deutlich stärker als bei den anderen Versuchspersonen, insbesondere über dem für das emotionale Gleichgewicht so zentralen linken Frontalcortex.

Ein weiterer Beleg dafür, dass sich das Bewusstsein und damit die gesamte Persönlichkeit durch Meditation gezielt beeinflussen lassen, meint Davidson, also durch rein mentale Arbeit. „Die Verschaltungen in unserem Gehirn sind nicht fixiert. Es muss also niemand als der enden, der er heute ist.“

Daran hatte Matthieu Ricard schon vor seinem Besuch in Madison keine Zweifel: „Meditation heißt nicht, unter einem Mangobaum zu sitzen und eine nette Zeit zu haben.“ Es sei alles andere als Entspannung. „Es geht um tiefe Veränderungen deines Seins. Auf lange Sicht wird man eine andere Person“, sagt er. Auch Hirnforscher, die dem Spirituellen nur wenig zugeneigt sind, müssen ihm wohl langsam Recht geben.


Von: http://www.sueddeutsche.de/,tt5m3/wissen/artikel/970/49921/
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Ich habe eiserne Prinzipien, wenn die anderen nicht gefallen, dann habe ich noch andere.
@Leer

Weißt du ob man meditieren auch falsch machen kann und es dann auch schadet?
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M & N: Fress halten - selber machen.
Erstmal gibt es zwei unterschiedliche Richtungen im Buddhismus, Hinayana und Mahayana/Vajrayana. Hinayana funktioniert ohne Lehrer auch ganz gut, die anderen beiden nicht ohne. Tibetischer Buddhismus und Zen gehören dazu. Ich persönlich bin beim tibetischen Buddhismus hängen geblieben, für alles andere müssen meine Aussagen nicht zutreffen.

Wenn man ne einfache Meditation macht, kann in der Regel nichts passieren. Das sind Meditationen, die man auch irgendwo nachlesen kann. Bei höheren Meditationen wäre ich vorsichtig, die bekommt man auch eigentlich nicht einfach so in die Hand gedrückt, sondern mit einer Erklärung und man hat jemanden im Hintergrund an den man sich wenden kann, die Sangha (http://de.wikipedia.org/wiki/Sangha) und/oder den Lama.
Aber zu Deiner eigentlichen Frage: Ja, man kann Mist bauen, denn immerhin verschaltet man sein Gehirn neu, reprogrammiert seine Verhaltensmuster. Was mal vorkommen kann, auch einfach, weil man zu energisch ist, sind Kopfschmerzen oder Ermüdungserscheinung. Das ist aber halb so wild, insofern es nichts chronisches wird und man richtige Probleme bekommt. Das Gehirn fährt ja, wie im Artikel beschrieben, Vollast.
Ich habe aber auch schon von Fällen gehört, in denen die Menschen nachher wirkliche Probleme hatten und beim Neurologen vorstellig geworden sind. Das ist aber eine wirkliche Ausnahme und es liegt wohl schon vorher ein Problem vor. Aber ich habe vielleicht von ein zwei Fällen gehört und die Geschichte war nichts dauerhaftes.
Du kannst natürlich anstatt Dein Gehirn auf Glück und Liebe zu schalten auch auf Trauer und Hass meditieren. Würde ich aber von abraten.

Frage beantwortet?
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Ich habe eiserne Prinzipien, wenn die anderen nicht gefallen, dann habe ich noch andere.
Jap, aber mir stellst sich noch eine Frage. Programmiert man sein Gehirn immer auf irgendwas, wenn man meditiert. Also so eine einfache Meditation soll nur Ruhe und Entspanntheit bringen richtig? Oder um eine Frage zu ergründen, die sich jemand selbst stellt?
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M & N: Fress halten - selber machen.
Zitat:
Programmiert man sein Gehirn immer auf irgendwas, wenn man meditiert.


Meditation bedeutet, dass man seine Persönlichkeit verändert. Man versucht den sonstigen Reiz-Reaktionsschemata, auf die wir konditioniert sind, zu entkommen und sie durch bessere/heilsamerer zu ersetzten.
Ob das bei jeder noch so einfachen Meditation geschieht, will ich nicht behaupten. Unser Gehirn verändert sich jedoch laufend, bildet immer neue Verknüpfungen und bricht alte wieder ab.
In dem Artikel wurden zwei Veränderungen genannt. Die Mönche trainieren sich darauf für alle Lebewesen unbedingte Liebe zu empfinden und von Natur aus glücklich zu sein.
Im (Mahayana/Vajrayana)Buddhismus sagt man, dass sind zwei elementare Eigenschaften des (nicht-existenten) Geistes - nicht zu verwechseln mit einem physischen Ego, Persönlichkeit oder dem Ich oder einem metaphysischem Ich, der Seele. Langes Thema

Grundlegendes Ziel der Meditation ist es einen bestimmten Geisteszustand zu erreichen, den erleuchteten Geist oder Buddha.

Zitat:
Also so eine einfache Meditation soll nur Ruhe und Entspanntheit bringen richtig? Oder um eine Frage zu ergründen, die sich jemand selbst stellt?


Meditation ist ein so weiter Begriff.... Also im Buddhismus steht die Entspannung nicht im Mittelpunkt, sie ist mehr oder weniger ein Nebeneffekt. Soll heiße; man setzt sich nicht hin um Stress abzubauen, denn wenn man regelmäßig meditiert, auch einfache Meditationen, dann kommt man gar nicht mehr in einen gestressten Zustand, bzw. lässt sich nicht davon erschüttern. Man entwickelt einfach eine gewisse Gleichmütigkeit. Weniger emotionale Schwankungen, sowas in der Art.

Über fragen habe ich selber noch nicht meditiert. Zen-Buddhisten meditieren über sog. Koan, wie 'Lausche den Geräusch einer klatschenden Hand' oder andere Rätsel um sich dem konventionellen Denken zu entledigen.

Natürlich hat die Psychologie die Meditation für sich entdeckt und bietet sie frei von Spiritualität und Religiosität als reine Entspannungstechnik an. Kann glaube ich ganz gut helfen.


Meditierst Du vielleicht und hast spezielle Fragen? Dann kannst Du mir auch gerne ne PN schicken.
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Ich habe eiserne Prinzipien, wenn die anderen nicht gefallen, dann habe ich noch andere.
Hi,
Zen-Buddhisten meditieren nicht nur auf Koans. Meistens meditieren sie auf die Leere. Denken also an nichts, lassen alle Gedanken vorbeiziehen, achten auf eine korrekte Haltung und schenken dem Atem Aufmerksamheit. Soweit ich weiß ist das alles was die Zen-Buddhisten in dieser Meditation tun.
Diese sehr einfache Vorgehensweise soll jedoch Erleuchtungszustände wie Satori oder Selbsterkenntnis zustande bringen.

Es gibt wirklich unglaublich viele Meditationsarten.
Die für mich vertrauteste Meditationsart ist die des Raja-Yogas. Man hat einen Meditationsobjekt. Das kann ein klassisches Mantra sein, aber das kann auch eine visuelle Vorstellung sein wie z. B. das OM-Symbol (oder von mir aus eine Orange). Ziel ist es nur an das Meditationsobjekt zu denken und alle Reize von Außen auszublenden, so dass man sie tatsächlich nicht mehr wahrnimmt!
Die Hindus sagen Samadhi dazu, wenn man mit dem Meditationsobjekt verschmilzt. Es existiert also nur noch das Meditationsobjekt. Es gibt weder Außenreize, noch das Ego (also die Eigenidentifikation). Es ist sozusagen ein spiritueller Tod, wie das bei vielen anderen klassischen Meditationsarten auch der Fall ist.
Mit Pranayama habe ich auch ein bisschen Erfahrung. Der Atemzyklus 10 Sekunden einatmen, 40 halten und 20 ausatmen, konnte ich mal bis zu 20 Minuten kontinuierlich ohne Unterbrechungen durchführen.
Es kommen ziemlich viele Intensitäten hoch und je verängstigter man ist, desto mehr beginnt man hastiger zu atmen und der ganze Rhytmus ist im Eimer und man kann von vorne anfangen. Wenn man diese langsamen Atemrythmen aushalten will, ist man dazu gezwungen geistig ruhig zu sein und sich zu entspannen trotz "Todesangst" und tatsächlich: Jedes mal wenn man seine Grenzen überwindet, erkennt man, dass es nur die Angst war, die einen davor abgehalten hat hohe Rythmen zu atmen bzw. über längere Zeit auszuhalten.

Der Atem ist das A und O! Man kann bei allen Lebewesen erkennen: Je langsamer der Atemrythmus, desto länger lebt die Spezies. Schildkröten, die sehr alt werden, atmen soweit ich weiß nur 1 - 2 mal in der Minute ein (jedenfalls sehr wenig). Alle anderen Tierarten die deutlich schneller atmen, leben hingegen deutlich kürzer.
Für viele mag das ein Widerspruch sein, da ja die, die schneller atmen, mehr Sauerstoff zur Verfügung haben. Aber man muss das Ganze genauer betrachten. Die, die weniger in der Minute atmen, sind entspannter. Der Sauerstoff kann Körperteile viel besser erreichen als bei einem geistig unruhigen und somit körperlich verspannten Menschen.

Langsame Atmung ist also mit geistiger Kontrolle verbunden. Geistige Kontrolle impliziert innere Reflektion. Atemtechniken sind also Meditationen und dazu auch noch sehr effektive, weil sie die Gedanken des Truges ungefiltert repräsentieren.

Liebe Grüße
Stefano