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Türkei: Christenmörder mit weitreichenden Verstrickungen...












Christenmörder hatten Kontakt zu Polizei
VON GERD HÖHLER

Ankara. Die türkische Polizei ist erneut in Erklärungsnot: Wie im Fall des ermordeten armenischen Bürgerrechtlers, Hrant Dink, gibt es Medienberichten zufolge auch bei den Christenmorden von Malatya Verbindungen zwischen mutmaßlichen Tätern und Sicherheitsbehörden. Auch ein Istanbuler Staatsanwalt und ein Parlamentsabgeordneter der ultra-nationalistischen Partei MHP sollen in engem Kontakt mit dem mutmaßlichen Anführer der fünfköpfigen Bande gestanden haben.

Die Männer im Alter von 19 und 20 Jahren stehen seit Ende November vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, am 18. April in der südosttürkischen Stadt Malatya einen deutschen und zwei türkische Christen gefoltert und ihnen die Kehlen durchgeschnitten zu haben. Tatort waren die Räume eines kleinen Bibelverlages, die mutmaßlichen Motive islamistischer Fanatismus und nationalistischer Wahn.

Wie türkische Zeitungen am Dienstag berichteten, hatte einer der Angeklagten vor der Tat einen Anruf von einer Sondereinheit der Polizei in Ankara erhalten. Er soll außerdem SMS-Nachrichten mit dem Mobiltelefon eines Staatsanwaltes in Istanbul ausgetauscht haben. Mit dem Abgeordneten der rechtsextremistischem MHP soll er mindestens 18 Telefonate geführt haben. Dabei sei es um die Aktivitäten christlicher Missionare in der Türkei gegangen, so die Medien.

Daten nicht ausgewertet

In den Wochen vor der Tat verhielten sich die jungen Männer höchst verschwörerisch: Für ihre Handy-Gespräche benutzten sie bis zu drei Dutzend unterschiedliche SIM-Karten. Die Polizei habe es aber versäumt, die Verbindungsdaten auszuwerten, heißt es in der Presse. Die Zeitung Milliyet erhebt den Vorwurf, die Strafverfolgungsbehörden seien offenbar nicht willens, mögliche Hintermänner der Tat zu ermitteln.

Dieser Verdacht war bereits im Fall Dink aufgekommen. Wegen der Ermordung des armenischen Bürgerrechtlers im Januar in Istanbul wird seit Juli gegen den mutmaßlichen Todesschützen, den zum Tatzeitpunkt 17-jährigen Ogün S., und 17 mögliche Hintermänner verhandelt. Unter ihnen ist auch ein V-Mann der Polizei. Er hatte den Polizeibehörden in den Monaten vor der Tat zahlreiche Hinweise auf den geplanten Mord gegeben. Denen ging die Polizei aber nicht nach.

Im Verfahren gegen die mutmaßlichen Christenmörder kommt nun der Verdacht auf, dass die Polizei von dem geplanten Verbrechen wusste, die Tat aber nicht verhinderte.

Quelle:

http://www.fr-online.de/in_und_ausl.....3b2040&em_cnt=1253179
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