Fanatisch, fundamentalistisch, fromm



Mittwoch, 5.12.2007, 23.30 - 00.15 Uhr im Ersten


Baden-Baden (ots) - Junge Menschen in allen Erdteilen haben den
Glauben wiederentdeckt. Doch aus fröhlichem Feiern und frommer
Inbrunst kann auch ein religiöser Absolut-heitsanspruch entstehen.
Solche "fundamentalistischen" Strömungen gibt es in allen
Weltreligionen. Wie entstehen solche festen Überzeugungen und wie
sieht das Leben von Fundamentalisten in den verschiedenen Religionen
wirklich aus?

Die Reportage "Fanatisch, fundamentalistisch, fromm" stellt das
Phänomen des Fundamentalismus mit Beispielen aus dem Christentum in
den USA, aus dem Judentum in Israel und aus dem Islam im Jemen vor.
Die Reporter von SWR, NDR und WDR untersuchen am Beispiel einzelner
Personen und religiöser Gruppen, warum Fundamentalisten bedingungslos
für ihre Weltanschauung kämpfen.

Der texanische Prediger John Hagee ist einer der Wortführer
christlicher Fundamentalisten in den USA. Mit seinen evangelikalen
Anhängern setzt er sich bei politischen Nahost-Krisen regelmäßig für
Israel ein - aus einem ganz speziellen Grund: Seiner Auffassung nach
ist ein Staat Israel erforderlich, damit es in Armageddon zur letzten
Schlacht der Menschheit zwischen Gut und Böse kommt, Voraussetzung
für die Rückkehr des Messias. Thomas Berbner, ARD-Korrespondent in
Washington, begleitet außerdem eine Gruppe von so genannten
"Kreationisten" auf einer Bootstour durch den Grand Canyon. Sie
glauben an keine Erosionsprozesse, die den Canyon schufen, und an
keine Evolutionsgeschichte beim Menschen. Sie glauben, Gott habe die
Welt erschaffen, exakt so wie es in der Bibel stehe, vor 6000 Jahren.
Und das "beweisen" sie bei ihrer Bootstour.

In Palästina beobachtet der israelische Filmemacher Uri Schneider
den Kampf der jüdischen Siedlerin Daniella Weiss um das von Gott den
Israeliten verheißene Land. Die energische 62-Jährige war von Anfang
an im "befreiten" palästinensischen Westjordanland dabei, heute ist
sie Bürgermeisterin von Kedumim, einer der wichtigsten Siedlungen im
Westjordanland. Zum jüdischen Laubhüttenfest gründete sie eine
illegale neue Siedlung auf einem staubigen Hügel, ignorierte Verbote
und Drohungen."Wir sind sicher nicht wie die islamischen
Fundamentalisten, die mit Terrorismus und Massenmord einen
Gottesstaat errichten wollen", erklärt sie. Doch sie ist überzeugt,
dass Gott den Juden "dieses heilige Land versprochen hat". Und sie
nimmt kalte Nächte in ihrem Kleinwagen in Kauf, wenn sie Nachtwache
an der Einfahrt zur neuen Siedlung schiebt, um die israelische Armee
an der Räumung zu hindern. Als eine "Kriegerin in der Armee Gottes"
versteht sie sich und insofern auch als "Fundamentalistin" im
ureigensten Sinne.

Einer anderen, streng islamischen Ordnung folgt der
Fundamentalismus im Jemen. Mittelalter und Globalisierung prallen
dort aufeinander und wecken Ängste vor der Unterwerfung unter den
Westen. Patrick Leclercq, ARD-Korrespondent in Kairo, hat zwei
Fundamentalisten besucht: Scheich Ali Abbud lebt in der Provinz Marib
in der Gemeinschaft eines 1000-jährigen Stammes. Bei Verstößen seiner
etwa 10000 Untertanen gegen die islamische Lebensform sind die
Kalaschnikovs schnell zur Hand. Ob Stammesheirat oder Weltpolitik:
"Wir wollen keine Vermischung, weil sie unsere Religion beschädigt",
sagt Ali Abbud. Auch Gewürzhändler Mohammed Fadel aus der Hauptstadt
Sana'a lebt mit seiner großen Familie in einer geschlossenen
islamischen Welt. Sein Tagesrhythmus wird weniger von den
Ladenöffnungszeiten bestimmt als von seinen fünf täglichen Gebeten.
Sein Fundament ist der Koran. Und sein größtes Glück? "Das zu tun,
was Gott will."

"Fanatisch, fundamentalistisch, fromm" ist eine
Gemeinschaftsproduktion von SWR, NDR und WDR. Die Federführung für
die Gruppenreportage liegt beim Südwestrundfunk (Redaktion:
Ute-Beatrix Giebel). Die Sendung wird am Mittwoch, 5. Dezember, von
23.30 Uhr bis 00.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

Quelle: http://www.presseportal.de/pm/7169/1090948/swr_suedwestrundfunk