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Hi!
Als kleines Kind und noch in den ersten Schuljahren war für mich Religion irgendwie etwas, von dem ich keine allzu konkrete Vorstellung hatte, das ich aber mit guten Gefühlen verband.
War zwar auch mit den Eltern außer zu Weihnachten i.a. selten in der Kirche, doch die meist schöne Stimmung "drinnen" stellte für mich einen angenehmen Kontrast zu dem mit vielen kleinen und großen Ungerechtigkeiten behafteten Leben "draußen" dar.
Das war auch in späteren Jahren noch so, als ich der "Institution Kirche" längst schon sehr skeptisch gegenüberstand. Allerdings waren das meist Gottesdienste "kleiner" Kirchen, z.B. der Waldenser.
Meine Eltern, Mutter evangelisch, Vater aus einer Anthroposophen-Familie (aber auch ev. getauft), haben sich seinerzeit gegen meine "Säuglingstaufe" entschieden. ich sollte mir selbst ein Bild machen. "Formale" Religiosität, wie z.B. Tischgebet oder so, gab es im Elternhaus so eigentlich nicht, in der Familie aber z.T. schon. Habe ich halt mitgemacht wenn´s gefordert war.
In der Schule im Religionsunterricht war ich dann "Wanderer zwischen den Welten". Meist steckte man mich in den evangelischen Religionsunterreicht, aber dann ging ich auch einfach mal für ein paar Tage zu den "Katholen". Dort gefiel es mir aber irgendwie nicht so. Im Nachhinein betrachtet wohl weil es dort "strenger" zuging, und weniger erklärt wurde, das Wort "du mußt..." hatte einen ganz anderen Stellenwert.
Damals Gedanken an ein Leben über das irdische hinaus? Nö, ich lebte im Hier und Jetzt.
Während meines letzten Grundschuljahrs bekam die Kindheitsidylle dann den ersten großen Knacks: meine Urgroßmutter starb nach kurzer, schwerer Krankheit, kurz darauf völlig überraschend mein Vater.
Erstmals war da die Endlichkeit der menschlichen Existenz für mich mehr als nur ein abstrakter Gedanke, den man gleich wieder ins Unbewußte verbannt.
In den Folgejahren dann immer wieder grüblerische Phasen über das ob und wie eines Lebens und einer Welt die über die unsrige hinausgeht. Kam immer zu der Antwort, daß es wohl für mich keine zufriedenstellende Antwort gibt, und ging wieder zum jeweilgien "Tagesgeschäft" über.
Auch als moralische Instanz verlor Religion, jedenfalls in ihrer "instutitionalisierten" Form, an Bedeutung. Kontakt mit der Kirche gab es vorwiegend durch den Reli-Unterricht, der immer mehr zum Gesellschaftskunde-Smalltalk mutierte. Zum Beispiel beim Themenschwerpunkt "Drogen": mit solchem Zeug hatte ich nun mal ganz und gar nix am Hut, und wer sich das antut: Pechsache, mehr gibt´s dazu nicht zu sagen, so meine Einstellung damals.
Das Thema "Sekten" bzw. "Jugendreligionen", so der offizielle Ausdruck, war da vielleicht schon interessanter. allerdings taten auch da der Reli-Lehrer/innen (wie alle ein Pfarrer aus einer der örtlichen Gemeinden) ihr bestes, um an jeglicher "Konkurrenz" kein gutes Haar zu lassen.
Fazit: "Reli"-Unterricht sucks, und als dann "Reli" zum Wahlfach wurde, wählte ich es ab, Hauptsache Freistunde!
Diverse Umstände führen dann zu einem (nicht so ganz freiwilligen) Wechsel der Schule. Die neue Schule war in (katholisch) kirchlicher Trägerschaft und nahm nur (auch evangelisch) getaufte Schüler auf.
OK, sei´s drum: Termin beim Pfarrer, und die Taufe "nachgeholt". Zwar nur in kleiner Runde, aber die war mir auch schon zu groß. Es war mir nie recht, so im Mittelpunkt zu stehen, und so zog ich mich nach dem "offiziellen" Teil auch schnell zurück.
In den Jahren dort auf der Schule habe ich dann "Kirche" auch eher als Pflichtveranstaltung (der Schulgottesdeinst am Mittwochmorgen war zwar frewiillig, aber alle paar Wochen fand mal irgendwas statt, um das man sich nicht drücken konnte) wahrgenommen. Dazu dann Reli-Unterricht bei ´ner alternativ-friedensbewegten Lehrerin, Themen Rüstung, Gewalt in Film und Fernsehen usw.
OK wenn´s denn unbedingt sein muß...
Dazu kam dann noch, daß der Umgangston an dieser Schule ein ziemlich rüder war, nicht nur zwischen den Schülern, sondern oft auch was die Lehrer anging. Irgendwie wurde da oft das Gegenteil von dem gelebt, was gelehrt wurde, so mein Eindruck.
Außerhalb der Schule dann war "Religion" in meiner Wahrnehmung vor allem durch ihre "kulturstiftende" Wirkung präsent...
...oder auch durch ihre kulturzerstörende, jedenfalls was die immer wieder mal im Fernsehen auftauchenden Bilder von scheinbar "religiös" bedingten Ungeheuerlichkeiten, gerade auch im Nahen und Mittleren Osten, anging.
Die Tumulte bei der Revolution im Iran, Krieg Iran/Irak, Bombe hier, Hijacker dort, Entführung da usw. usf.
OK, auch anderswo in der Welt lief vieles nicht so wie es sollte, aber zumindest in der Berichterstattung kam es so rüber als ob in der "islamischen Welt" ganz besonders der Wurm drin ist.
"Der Islam"...Erstmals war das für mich mehr als nur gelegentlich aufblitzender, diffuser Hintergrund von "Geschichten aus 1001 Nacht".
Es kam zu einem gewissen "Lagerdenken": "Wir" Christen haben hier immerhin ein halbwegs funktionierendes Gemeinwesen auf die Reihe bekommen, während "die Moslems" noch im tiefsten Mittelalter stecken.
Andererseits das Gegenargument, das mir auch irgendwo eingängig war: der Islam brachte seinerzeit einen Entiwcklungsschub im Orient, und auch viele von den "Muselmanen" besetzte Gebiete im mittelalterlichen Europa waren fortschrittlicher als die "christlichen", wo zu der Zeit oft "christlicher" oder besser "kirchlicher" Fundamentalismus das Denken erstickte.
Also bis aufs "Vorzeichen" nichts anderes, als das was "wir im Westen" heute "den Moslems" vorwerfen.
Das Fazit war aber trotzdem eher in der Art von: "Wir" sind die Guten, und "die" haben noch viel zu lernen!
Auf der Oberstufe (nach erneutem, diesmal aber gewolltem Schulwechsel) dann "Reli" wieder abgewählt.
Parallel dazu dann erste Kontakte zu Buddhismus und Hinduismus. Anfangs auch nur sehr oberflächlich, was man halt so als mäßig interessierter Mensch mitbekommt aus den Medien.
Dazu kam, daß ich als damaliger ScienceFiction und Fantasy-Fan oft auch in diesen Werken von "exotischen" Religionen inspirierte Gedanken aufschnappte.
Es erwuchs, zunächst unbewußt, der Gedanke, daß vielen Religionen doch etwas gemeinsam ist
Außerdem hatte ich zu dieser Zeit gerade eine Mitschülerin kennengelernt, Inderin. Obwohl ich nicht wußte, ob sie überhaupt dem Hinduismus angehört, habe ich mir ein wenig dazu angelesen.
Ein böses Mißverständnis beendete schlagartig die lose Freundschaft, bevor wir jemals über Religion gesprochen hätten.
Abi, und dann Studienbeginn. Einige Zeit lang nur Action, "Tagesgeschäft", das Thema Religion spielte für mich damals gar keine Rolle.
Hatte sowieso noch einen "Klotz am Bein", denn die Geschichte, die (auch) zu dem plötzlichen Ende der Freundschaft mit der Inderin führte, hatte noch andere Aspekte, im Klartext: ich war zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und hatte jede Menge Ärger am Hals, der sich erst über zwei Jahre später in Wohlgefallen auflöste, mir in der Zwischenzeit aber gehörig aufs Gemüt schlug, mit Folgen bis hin zu einer stressbedingten Immunschwäche.
Das Studium ließ sich auch ganz anders an als zunächst vorgestellt. Zu den wenigen Lichtblicken zu dieser Zeit gehörten die Bekanntschaften, die ich da an der Uni machte.
Darunter war auch eine iranische Gaststudentin, auf die ich mehr als nur ein Auge geworfen hatte. Schien leider schon in relativ festen Händen zu sein, es entwickelte sich aber eine nette Freundschaft, die über Jahre hinaus Bestand hatte, dann aber irgendwann "einschlief".
Eigentlich hätte sich ja DIE Gelegenheit ergeben, mal aus erster Hand Antworten auf Fragen zu erhalten, die ich schon lange mit mir herumtrug, aber irgendwie hatte ich (vielleicht auch wegen der anderen Geschichte damals im letzten Schuljahr) einen ziemlichen Bammel davor, auch nur ansatzweise Themen anzuschneiden, die eventuell zu Mißverständnissen führen könnten.
Kaum einmal sprachen wir über Politik und über Religion schon gleich gar nicht.
Wie ich erst Jahre nachdem wir uns das letztemal (war wohl Anfang ´96) gesehen hatten erfuhr, war sie wohl nicht nur keine "strenggläubige" Muslima, sondern gehörte der Baha´i Religion, die ich gegen Ende 2001 gerade kennenzulernen begann, zwar nicht an, schien ihren Grundsätzen aber zumindest nahezustehen.
Baha´i, das war für mich bis dahin noch kein Begriff. Habe nur mal im letzten Schuljahr von einem Religionslehrer, der von seinem Nachbarn (Baha´i) mal was erzählte, ein, zwei Sätze über diesen Glauben gehört, so in der Art von "es gehört zu den Grundsätzen seines Glaubens, sich auch mit den anderen Religionen zu beschäftigen".
Doch das war lange her, und für mich blieb die Zeit auch nicht stehen.
Durch meine Tätigkeit als "freischaffender Überlebenskünstler in der EDV-Servicebranche" lernte ich dann die aus dem Iran stammende Baha´i-Familie M. kennen, ohne jedoch zunächst etwas über ihre Religion oder daß sie überhaupt Baha´i sind, zu erfahren..
Mir fiel lediglich auf, daß der Umgangston dort im Hause irgendwie "lockerer", "offener" war als ich das von anderen "orientalischen" Familien kannte.
Einige Zeit später dann kam, ebenfalls über meine Arbeit kennengelernt, die "Halb-Baha´i-Familie" S. hinzu, er (O-Ton) "ein gebürtiger Moslem, der jetzt sein eigenes Bild von der Welt" hat, sie Baha´i.
Zu der Zeit hatte ich, nach Jahren relativer Unbeschwertheit (abgesehen von ein paar Wochen Heuschnupfen im Jahr war ich putzmunter), mit ein paar gesundheitlichen Problem(ch)en zu kämpfen, die mir trotz ihrer relativen Nichtigkeit wieder ins Bewußtsein riefen, daß die Zeit nicht spurlos an einem vorübergeht.
Bei einem Cousin in der Schweiz hing mal ein Poster an der Wand: "Nachdenken über Gott?", und darunter Bilder vershciedener Lebenssituationen, jeweils mit Bildunterschrifen wie "viel zu beschäftigt", "viel zu glücklich" usw., schließlich unter dem letzten Bild, einem Grabstein:" VIEL ZU SPÄT!".
Dieses Poster kam mir in diesen Tagen immer wieder in den Sinn.
Irgendwann sprach mich Frau S. mal auf das Thema Religion an, vielleicht weil ich interessiert auf einge der Bücher auf ihrem Tisch geschaut hatte. Sie fragte mich was ich so im wesentlichen über Religionen denke, und mir kam als erstes in den Sinn, was mir an den Religionen (egal an welcher) NICHT gefiel, nämlich daß man oft nicht auseinanderhalten könnte, was "Wahrheit" sei und was nur hinzugefügt, um einen Glauben zum Mittel der Machtausübung zu machen.
Frau S. fragte mich, ob ich Interesse hätte, eine Religion kennenzulernen, bei der das anders sei, und gab mir ein kleines Heftchen mit einem Essay über die Baha´i Religion.
Mein erster Gedanke: "Auweia, die will mich missionieren!". Habe mich für das Heftchen bedankt und mir nichts anmerken lassen, das Thema dann aber doch gewechselt.
Zuhause lag das Heftchen dann eine Zeitlang ungelesen auf dem Nachttisch, bis ich im Zusammenhang mit dem o.g. kleinen Gesundheitsproblem mal wieder nicht schlafen konnte, und dann habe ich darin einiges gelesen, was mich doch neugierig machte.
Schließlich wurde ich von Frau S. zur "Neujahrsfeier" (Naw-Rooz) der hiesigen Baha´i Gemeinde eingeladen. Dabei gab es eine Diashow über die Aufbauarbeiten an den gerade fertiggestellten Baha´i Gärten bei Haifa.
Ich erfuhr, daß das Baha´i "Zentrum" nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa, ganz in der Nähe ist, keine halbe Stunde Fahrzeit, und daß da jedes Jahr im Juni ein Sommerfest stattfindet.
Dort fuhr ich dann auch hin, leider zu spät für die Andacht, aber es war auch sonst irgendwie eine gute Stimmung da.
An einem Sonntag dann, es war der Tag des Fußball-WM-Endspiels 2002, fuhr ich einfach mal wieder hin, zur wöchentlichen Andacht.
Ich ging mit anderen in das "Haus der Andacht", einen Kuppelbau mit einem wunderschönen Garten drumherum, und harrte der Dinge die da kommen mochten.
Wir waren recht wenige, und wie auch immer, plötzlich hatte ich eine kleine Mappe mit einem Bibelzitat in der Hand.
Nun ging einer nach dem anderen vor ans Mikrofon und las vor... meine Mappe hatte die Nummer fünf.
oh oh... soll ich etwa... ausgerechnet ich, das Lampenfieber in Person, das jeglichen Auftritt in der "Öffentlichkeit" vermeidet wo es nur irgend geht...
Was soll´s, als ich an der Reihe war, ging ich halt auch vor brachte ich es irgendiwe hinter mich, und kehrte auf meinen Platz zurück.
Nach der Andacht dann ging ich in Gedanken versunken zum Auto zurück. Ich war gerade drin, als die Dame, die die Mappen verteilt hatte, an die Scheibe klopfte.
"Weia, gibt´s jetzt Mecker?", so mein erster Gedanke. Nein, ganz im Gegenteil, sie bedankte sich dafür, daß ich kurzfristig eingesprungen sei und das Zitat so schön vorgelesen hätte. Ob ich neu hier wäre? Und es gäbe da in einer halben Stunde noch einen Vortrag im Nachbargebäude, incl. Kaffee und Kuchen, also wenn ich Interesee hätte...
OK, warum nicht?
Der Vortrag drehte sich um das Weltbild der Hopi(?)-Indianer.
Nach dem Vortrag kam ich mit meiner Sitznachbarin, einer sachon lang hier lebenden Baha´i aus dem Iran, ins Gespräch, zunächst wegen einer ganz anderen Sache, die sich aber bald als Irrtum herausstellte.
Wir blieben in Kontakt, und schließlich nahm ich an weiteren Baha´i Informationsveranstaltungen in Frankfurt und auch in ihrer Heimatgemeinde teil.
Je mehr ich über diese Religion erfuhr, umso mehr Parallelen taten sich auf zu Ideen, die schon lange in mir schlummerten, aber nie so richtig in den Vordergrund getreten sind.
Einge Wochen später stellte ich fest, daß ich bei einem Gespräch im Familienkreis, eigentlich aus einem traurigen Anlaß, den Standpunkt der Baha´i Religon vertrat.
Kurz darauf war wieder eine Baha´i Veranstaltung in Wiesbaden. Während des anschließenden Gesprächs habe ich dieses Ereignis erwähnt und erklärt, den Glauben angenommen zu haben. Noch am selben Abend gab ich meine Erklärungskarte ab.
Doch das war keineswegs das Ende meiner "geistigen Reise", sondern der Beginn eines wunderbaren neuen Kapitels...
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Hallo Blofeld,
interessant Deine Reise zur Baha'i-Religion !
Ich gratuliere Dir zu Deiner Erklärung und wünsche Dir weiterhin eine schöne Reise durch's Baha'i-Leben !
Liebe Grüße von Minou
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