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Verschiedene Verordnungen und Lehren












Geistige Räte

Ehe Abdu'l-Baha Seine irdische Mission erfüllte, hatte Er eine Grundlage für die Entwicklung der in Baha'u'llahs Schriften aufgestellten Verwaltungsordnung gelegt. Um die hohe Bedeutung, die der Institution des Geistigen Rates beigemessen werden muß, zu zeigen, erklärte Abdu'l-Baha in einem Tablet, daß eine gewisse Übersetzung durch den Geistigen Rat von Kairo vor der Veröffentlichung. gutgeheißen werden müsse, obwohl sogar Er selbst den Text überprüft und verbessert hatte. Unter einem Geistigen Rat ist der Verwaltungskörper von neun Personen zu verstehen, der jährlich durch jede örtliche Baha'i-Gemeinde gewählt wird, und der mit der Vollmacht zu Entscheidungen in allen Fragen gemeinsamer Tätigkeit in der Gemeinde bekleidet ist. Diese Bezeichnung ist zeitlich begrenzt, da in Zukunft die Geistigen Räte Häuser der Gerechtigkeit genannt werden.

Anders als die Kirchenorganisationen sind diese Baha'i-Körperschaften eher soziale als kirchliche Einrichtungen, d.h., sie wenden das Gesetz der Beratung auf alle Fragen und Schwierigkeiten an, die sich unter den Baha'i erheben, und die nicht vor das Zivilgericht gebracht werden sollen, und suchen Einigkeit sowohl als Gerechtigkeit in der Gemeinde zu fördern. Der Geistige Rat ist in keiner Weise mit dem Priestertum oder der Geistlichkeit gleichbedeutend, ist aber verantwortlich für das Hochhalten der Lehren, die Anregung zu tätigem Dienst, das Abhalten von Versammlungen, die Aufrechterhaltung der Einheit, die treuhänderische Verwaltung des Baha'i-Eigentums für die Gemeinde und deren Vertretung in ihren Beziehungen zur Öffentlichkeit und zu anderen Baha'i-Gemeinden.

Die Beschaffenheit des Geistigen Rates, des örtlichen wie des Nationalen, wird ausführlicher in dem Abschnitt über Abdu'l-Bahas Willen und Testament im letzten Kapitel dieses Buches beschrieben. Seine allgemeinen Aufgaben werden von Shoghi Effendi wie folgt umrissen:

„Die Angelegenheit des Lehrens, seine Richtung, seine Wege und Mittel, sein Ausmaß, seine Festigung, so wichtig dies alles für das Wohl der Sache ist, stellt in keiner Weise den einzigen Gegenstand dar, welcher die volle Aufmerksamkeit dieser Geistigen Räte finden sollte. Ein sorgsames Studium der Tablets von Baha'u'llah und Abdu'l-Baha läßt erkennen, daß andere Pflichten, nicht weniger lebenswichtig für das Wohl der Sache, den erwählten örtlichen Vertretern der Freunde anheimfallen.“

„Ihnen obliegt, wachsam und vorsichtig, verschwiegen und achtsam zu sein und zu allen Zeiten den Tempel der Sache vor den Pfeilen der Unheilstifter und dem Ansturm der Feinde zu beschützen.“

„Sie müssen sich bemühen, Freundschaft und Eintracht unter den Freunden zu fördern, jegliche sich weiterschleppende Spur von Mißtrauen, Kühle und Entfremdung aus den Herzen zu tilgen und statt dessen eine tätige Zusammenarbeit aus ganzem Herzen für den Dienst in der Sache zu sichern.“

„Sie müssen ihr Äußerstes tun, jederzeit die helfende Hand den Armen, Kranken, Krüppeln, Waisen und Witwen, gleichgültig welcher Farbe, Klasse oder Konfession, entgegenzustrecken.“

„Sie müssen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die materielle und geistige Aufklärung der Jugend und die Erziehung der Kinder fördern, wenn immer möglich Baha'i-Erziehungsinstitutionen gründen, deren Arbeit organisieren und die besten Möglichkeiten für ihre Entwicklung und Fortsetzung schaffen.“

„Sie müssen das Abhalten von regelmäßigen Versammlungen der Freunde, von Festen und Gedenktagen ermöglichen, und ebenso von besonderen Versammlungen, dazu bestimmt, dem sozialen, intellektuellen und geistigen Wohle ihrer Mitmenschen zu dienen.“

„Sie müssen in diesen Tagen, da die Sache noch in ihrer Kindheit ist, Baha'i-Veröfientlichungen und Übersetzungen überprüfen und allgemein für eine würdige und richtige Vertretung aller Baha'i-Literatur und deren Verteilung an die allgemeine Öffentlichkeit sorgen.“

Die Möglichkeiten, die in Baha'i-Institutionen schlummern, können nur dann richtig geschätzt werden, wenn man sich vergegenwärtigt, wie rasch die moderne Zivilisation im Zerfall begriffen ist aus Mangel an jener geistigen Kraft, die allein das nötige Maß von Verantwortlichkeit und Ergebenheit gegenüber den Führern und die nötige Treue gegenüber den Einzelgliedern der Gesellschaft schaffen kann.
Baha'i-Feste, Gedenktage und Fastentage

Naw-Ruz (Neujahr), 21. März

Ridvan-Fest (Erklärung Baha'u'llahs), 21. April bis 2. Mai

Erklärung des Bab, 23. Mai

Hinscheiden Baha'u'llahs, 29. Mai

Märtyrertod des Bab, 9. Juli

Geburt des Bab, 20. Oktober

Geburt Baha'u'llahs, 12. November

Tag des Bündnisses, 26. November

Hinscheiden Abdu'l-Bahas, 28. November 1921

Fastenzeit, 19 Tage vom 1. Ala = 2. März an

Das Datum gilt auch für die Geburt Abdu'l-Bahas

Feste

Die der Baha'i-Religion eigene Freudigkeit findet ihren Ausdruck in zahlreichen Festen und Feiertagen im Verlaufe des Jahres. In einer Ansprache beim Naw-Ruz-Fest in Alexandria, Ägypten, sagte Abdu'l-Baha im Jahre 1912:

„In jedem Zyklus und mit jeder Offenbarung gibt es in den geheiligten Gesetzen Gottes gesegnete Feste, Feiertage und arbeitsfreie Tage. An solchen Tagen sollten alle Arten von Beschäftigung, Handel, Industrie, Landbau und dergleichen unterlassen werden.“

„Alle sollten sich miteinander freuen, allgemeine Versammlungen abhalten, wie eine Gemeinde werden, damit die nationale Einheit, Einigkeit und Harmonie allen vor Augen geführt wird.“

„Weil es gesegnete Tage sind, sollten sie nicht vernachlässigt oder ihrer Wirkung beraubt werden, indem man sie zu Tagen macht, an denen man sich nur dem Vergnügen hingibt. Während solcher Tage sollten Einrichtungen geschaffen werden, die von dauerndem Segen und Wert für die Menschen sind ...“

„Heute trägt nichts größeren Erfolg oder größere Frucht als die Führung der Menschen. Unzweifelhaft müssen an solchem Tag menschenfreundliche oder ideale Spuren von den Freunden Gottes sichtbar zurückbleiben, die in die ganze Menschheit hinausdringen und nicht nur den Baha'i zugute kommen. In dieser wundervollen Sendung gelten menschendienliche Angelegenheiten für die ganze Menschheit ohne Ausnahme, weil jene die Offenbarung der Barmherzigkeit Gottes ist. Es ist daher meine Hoffnung, daß die Freunde Gottes, jeder und alle, wie die Barmherzigkeit Gottes zur ganzen Menschheit werden mögen.“

Die Feste Naw-Ruz und Ridvan, die Jahrestage der Geburt des Bab und von Baha'u'llah, sowie der Jahrestag der Erklärung des Bab (der auch der Geburtstag von Abdu'l-Baha ist), sind für die Baha'i die großen Freudentage des Jahres. In Persien werden sie mit einem Mahl im Freien und mit festlichen Versammlungen gefeiert, bei denen Musik, singen von Liedern und Tablets geboten und kurze Ansprachen je nach Gelegenheit von den Anwesenden gehalten werden. Die Eingeschobenen Tage zwischen dem 18. und dem 19. Monat (26. Februar bis 1. März einschließlich) sind ganz besonders der Bewirtung der Freunde, dem Geschenkegeben, der Fürsorge für die Armen und Kranken und dergleichen gewidmet.

Die Jahrestage des Märtyrertums des Bab und des Heimgangs von Baha'u'llah und Abdu'l-Baha werden durch geeignete Zusammenkünfte und Reden, durch Singen von Gebeten und Tablets feierlich begangen.
Fasten

Der neunzehnte Monat, der unmittelbar auf die Gastlichkeit der eingeschobenen Tage folgt, ist der Monat des Fastens. Neunzehn Tage lang wird durch Enthaltung von Speise und Trank zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang gefastet. Da der Monat des Fastens mit der Tag- und Nachtgleiche des März endet, so fällt das Fasten immer in den gleichen Jahreszeitraum, das heißt, in den Frühling im Norden, in den Herbst im Süden, niemals aber in die höchste Glut des Sommers oder in die strengste Kälte des Winters, wo gleicherweise sich daraus Schwierigkeiten ergeben würden. überdies ist in diesem Teil des Jahres die Zeitspanne zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang annähernd die gleiche auf dem ganzen bewohnten Teil der Erde, nämlich von etwa sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends. Das Fasten ist nicht bindend für Kinder und Kranke, für Reisende, oder für jene, die zu alt und zu schwach sind, sowie für Frauen, die ein Kind erwarten oder selbst stillen.

Es ist leicht zu beweisen, daß ein periodisches Fasten, wie es die Baha'i-Lehre vorschreibt, eine wohltätige Maßnahme zur Erhaltung körperlicher Gesundheit ist. Aber ebenso wie die wahre Bedeutung des Baha'i-Festes nicht im Genuß natürlicher Speise liegt, sondern in dem Gedenken Gottes, das unsere geistige Speise ist, so besteht die wahre Bedeutung des Baha'i-Fastens nicht in der Enthaltung von natürlicher Speise, obgleich dies zur Reinigung des Körpers beiträgt, sondern in der Enthaltsamkeit von körperlichen Begierden und in der Trennung von allem außer Gott. Abdu'l-Baha sagt:

„Das Fasten ist ein Sinnbild. Fasten bezeichnet die Enthaltsamkeit von Gelüsten. Körperliches Fasten ist ein Sinnbild dieser Enthaltung und eine Mahnung an sie. Das heißt, wie sich jemand körperlich von Gaumenreizen enthält, soll er sich von Selbstsucht und selbstischen Begierden enthalten. Bloße Enthaltung von Speise aber hat keinen Einfluß auf den Geist. Sie ist nur ein Sinnbild, eine Mahnung. Sonst hat sie keine Bedeutung. Das Fasten aus diesem Grund also bedeutet nicht völlige Enthaltung von Speise. Die goldene Regel für das Essen ist: nicht zu viel und nicht zu wenig. Mäßigkeit ist nötig. In Indien gibt es eine Sekte, die äußerste Enthaltsamkeit beachtet und ihre Speise stufenweise verringert, bis sie von beinahe nichts lebt. Aber ihr Verstand leidet darunter. Ein Mensch ist nicht fähig, Gott mit Gehirn und Körper zu dienen, wenn er durch Nahrungsmangel geschwächt ist. Er kann nicht klar sehen.“
Versammlungen

Abdu'l-Baha mißt die größte Wichtigkeit regelmäßigen Versammlungen der Gläubigen zur gemeinsamen Andacht, zur Erklärung und zum Studium der Lehren und zur Beratung über den Fortschritt der Religion bei. In einem seiner Tablets sagt Er:

„Durch den Wunsch Gottes ist bestimmt worden, daß Einigkeit und Einklang Tag für Tag unter den Freunden Gottes und den Dienerinnen des Barmherzigen wachsen mögen. Ehe dies nicht Wirklichkeit ist, werden die Dinge nicht gedeihen, welche Mittel man auch anwenden mag. Und die besten Mittel für Einheit und Einklang aller sind geistige Versammlungen. Dieser Punkt ist sehr wichtig und ist ein Magnet, um göttliche Bestätigung anzuziehen.“

In den geistigen Versammlungen der Baha'i müssen streitsüchtige Beweisführung und Erörterung von politischen und weltlichen Dingen vermieden werden. Die einzige Absicht der Gläubigen sollte sein, die göttliche Wahrheit zu lehren und zu lernen, die Herzen mit göttlicher Liebe zu erfüllen, nach vollkommenerem Gehorsam dem Willen Gottes gegenüber zu streben und das Kommen des Königreichs Gottes zu fördern. In einer Ansprache in New-York im Jahr 1912 sagte Abdu'l-Baha:

„Die Baha'i-Versammlung muß die Versammlung der himmlischen Engel sein. Sie muß erleuchtet sein von den Lichtern der himmlischen Heerscharen. Die Herzen müssen wie Spiegel sein, darin sich die Strahlen der Sonne der Wahrheit offenbaren. Jede Brust muß einem Sender gleichen: das eine Ende der Verbindung soll im Innern der Seele, das andere bei den himmlischen Heerscharen sein, damit so Botschaften zwischen ihnen ausgetauscht werden können. Auf diese Weise wird vom Königreich Abha Eingebung herabströmen und in allen Erörterungen wird Einklang herrschen ... Je mehr Übereinstimmung, Einheit und Liebe unter euch herrscht, desto mehr werden euch die Bestätigungen Gottes helfen, und die Hilfe und der Beistand der Gesegneten Schönheit Baha'u'llah wird euch unterstützen.“

In einem Tablet sagt Abdu'l-Baha:

„In diesen Versammlungen muß die Unterhaltung über fremde Dinge gänzlich vermieden werden, und die Zusammenkunft muß ausgefüllt werden mit Singen von Versen und Lesen von Worten und mit Dingen, die sich auf die Sache Gottes beziehen, wie mit der Erklärung von Beweisen, dem Anführen klarer und greifbarer Beweistatsachen und dem Aufsuchen der Zeichen des Geliebten der Geschöpfe. Wer die Versammlung besucht, muß sich vor ihrem Betreten mit äußerster Sauberkeit kleiden und sich zum Königreich Abha hinwenden und dann in die Versammlung gehen in aller Sanftmut und Demut. Während die Tablets verlesen werden, muß er ruhig und still sein; und wenn jemand zu sprechen wünscht, so muß er dies in aller Höflichkeit tun, mit der Billigung und Erlaubnis der Anwesenden, und er muß geläufig und mit Beredsamkeit sprechen.“
Das Neunzehntagefest

Mit der Entfaltung der Baha'i-Verwaltungsordnung seit dem Heimgang Abdu'l-Bahas hat das Neunzehntagefest, das am ersten Tage eines jeden Baha'i-Monats gehalten wird, eine ganz besondere Bedeutung gewonnen, da es nicht nur für das gemeinsame Gebet und das Lesen aus den heiligen Büchern vorgesehen ist, sondern auch für die allgemeine Beratung aller laufenden Baha'i-Angelegenheiten und für den geselligen Umgang der Freunde miteinander. Dieses Fest ist die Gelegenheit, da der Geistige Rat der Gemeinde seine Berichte erstattet und sowohl zur Besprechung von Plänen als auch Anregungen für neue und bessere Wege im Glaubensdienste einlädt.
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