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Auszug aus dem Buch "Baha'u'llah und das Neue Zeitalter, John E. Esslemont, erschienen im Baha'i Verlag.
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| „Wahrlich, heute ist dieser Diener gekommen, um die Welt zu beleben und um alle, die auf dieser Erde sind, zur Einheit zu führen. Gottes Wille wird geschehen, und du wirst die Erde sehen als das Paradies Abha.“ Baha'u'llah |
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Kampf und Eintracht
Im Laufe des letzten Jahrhunderts haben die Wissenschaftler mit unendlicher Mühe den Kampf ums Dasein in der Pflanzen- und Tierwelt studiert, und inmitten der Verwirrungen des sozialen Lebens haben viele geglaubt, diejenigen Grundsätze als Richtschnur ansehen zu müssen, die man in der niederen Welt der Natur für gut befunden hatte. Auf diese Weise kamen sie dazu, Wetteifer und Kampf als Notwendigkeiten des Lebens zu betrachten und das unbarmherzige Vernichten der schwächeren Glieder der Gesellschaft als ein gesetzmäßiges oder sogar notwendiges Mittel zur Verbesserung der Rasse zu halten. Demgegenüber sagt uns Baha'u'llah, daß, sofern wir auf der Stufenleiter des Fortschritts emporklimmen wollen, wir, anstatt rückwärts auf die Tierwelt zu blicken, unseren Blick vorwärts und aufwärts richten müssen. Wir sollen nicht die Tiere, sondern die Offenbarer zu unseren Führern wählen. Nach Ihren Lehren stehen die Grundsätze der Einheit, der Eintracht und des Mitgefühls im Gegensatz zu diesem im Tierreich herrschenden Ringen um die Selbsterhaltung, und wir müssen zwischen ihnen wählen, denn sie können nicht miteinander versöhnt werden. Abdu'l-Baha sagt:
„Im Reich der Natur spielt der Kampf ums Dasein die herrschende Rolle - das Ergebnis davon ist das Überleben des Gewandteren. Das Gesetz des Überlebens des Gewandteren ist der Ursprung aller Schwierigkeiten. Es ist die Ursache von Krieg, Streit, Haß und Feindseligkeit unter den menschlichen Wesen. Im Reich der Natur herrschen Tyrannei, Selbstsucht, Angriffslust, übergriffe, Aneignung der Rechte anderer und andere tadelnswerte Eigenschaften, welche Mängel der Tierwelt sind. Solange daher die Forderungen der Naturwelt die Hauptrolle unter den Menschenkindern spielen, sind Erfolg und Wohlergehen unmöglich. Die Natur ist kriegerisch, die Natur ist blutdürstig, die Natur ist tyrannisch, denn die Natur ist sich Gottes, des Allmächtigen nicht bewußt. Daher kommt es, daß diese grausamen Eigenschaften in der Tierwelt natürlich sind.“
„Deshalb hat der Herr der Menschheit aus großer Liebe und Barmherzigkeit das Erscheinen der Offenbarer und die Verkündung der heiligen Bücher veranlaßt, auf daß die Menschheit durch göttliche Erziehung aus der Zerstörung der Natur und der Finsternis der Unwissenheit erlöst, mit idealen Tugenden und geistigen Eigenschaften ausgestattet und zum Dämmerungsort barmherziger Gefühle werde.“
„Leider - ach hunderttausendmal sei es geklagt! - werden immer noch Vorurteile aus Unwissen, unnatürliche Meinungsverschiedenheiten und gegnerische Grundsätze gegenseitig unter den Nationen der Welt verbreitet und verschulden damit die Verzögerung des allgemeinen Fortschritts. Dieser Rückschritt rührt von der Tatsache her, daß die Grundsätze göttlicher Zivilisation gänzlich abgetan und die Lehren der Offenbarer vergessen sind.“
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Der größte Friede
In jedem Zeitalter weissagten die Offenbarer Gottes das Kommen einer Zeit des „Friedens auf Erden unter den Menschen, die guten Willens sind.“ Wie wir bereits gesehen haben, bestätigt Baha'u'llah diese Prophezeiungen in den glühendsten und zuversichtlichsten Worten und erklärt, daß ihre Erfüllung nunmehr bevorstehe. Abdu'l-Baha sagt :
„In diesem wunderbaren Zyklus aber wird die Erde verwandelt und die Welt der Menschheit mit Frieden und Schönheit geschmückt. Feindseligkeit, Streit und gegenseitiges Töten werden zu Harmonie, Wahrhaftigkeit und Eintracht; zwischen den Nationen, Völkern, Rassen und Ländern werden gutes Einvernehmen und Liebe herrschen. Zusammenarbeit und Verbundenheit werden sich festigen, und schließlich wird der Krieg ganz unmöglich sein ... Ein universaler Friede wird inmitten dieser Welt errichtet, und der gesegnete Baum des Lebens wird so hoch wachsen und gedeihen, daß sein Schatten über den Osten und den Westen fällt. Die starken und schwachen, die Reichen und die Armen, die streitenden Sekten und die gegnerischen Nationen, die dem Wolf und dem Lamm, dem Leoparden und dem Zicklein, dem Löwen und dem Kalb gleichen, werden in größter Liebe, Freundschaft, Gerechtigkeit und Unparteilichkeit zusammenwirken. Die Welt wird von Wissenschaft, vom Wissen um die Geheimnisse des Seins und der Erkenntnis des Herrn erfüllt sein.“
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Religiöse Vorurteile
Um klar zu sehen, wie der größte Friede errichtet werden kann, wollen wir vor allem einmal die Hauptursachen untersuchen, die bisher zum Kriege geführt haben, und sehen, was Baha'u'llah vorschlägt, um diese zu beseitigen.
Eine der folgenreichsten Ursachen des Kriege waren religiöse Vorurteile. Was diese betrifft, so zeigt die Baha'i-Lehre klar, daß von jeher Feindseligkeit und Streit zwischen Menschen verschiedener Religionen und Sekten nicht der wahren Religion, sondern dem Mangel an ihr zuzuschreiben waren. Sie kamen daher, daß falsche Vorstellungen, Nachahmungen und Entstellungen an die Stelle wahrer Religion getreten sind.
In einem seiner Vorträge in Paris sagte Abdu'l-Baha:
„Die Religion sollte alle Herzen vereinen und Krieg und Streitigkeiten auf der Erde vergehen lassen, Geistigkeit hervorrufen und jedem Herzen Licht und Leben bringen. Wenn die Religion zur Ursache von Abneigung, Haß und Spaltung wird, so wäre es besser, ohne sie zu sein, und sich von einer solchen Religion zurückzuziehen wäre ein wahrhaft religiöser Schritt. Denn es ist klar, daß der Zweck des Heilmittels die Heilung ist, wenn aber das Heilmittel die Beschwerden nur verschlimmert, so sollte man es lieber lassen. Jede Religion, die nicht zu Liebe und Einigkeit führt, ist keine Religion.“
Abdu'l-Baha sagte ferner :
„Von Anbeginn der Menschheitsgeschichte bis auf unsere Zeit haben die verschiedenen Religionen der Welt einander in den Bann getan und einander der Falschheit beschuldigt ... Die einen haben die andern streng gemieden und Feindseligkeit und Groll gehegt. Betrachtet die Geschichte der Religionskriege ... Einer der größten Religionskriege, die Kreuzzüge, dauerte über zweihundert Jahre ... Zuweilen waren die Kreuzfahrer siegreich, töteten und plünderten die Muhammadaner aus und machten sie zu Gefangenen, zuweilen waren die Muhammadaner siegreich und brachten umgekehrt Blutvergießen und Verderben über die Eindringlinge.“
„So ging es zwei Jahrhunderte lang fort. Sie bekämpften einander mit Wut und schwächten sich aufs äußerste, bis sich die europäischen Religionskämpfer vom Osten zurückzogen und, die Asche der Verwüstung hinter sich lassend, ihre eigenen Nationen in einem Zustand der Verwirrung und des Aufruhrs vorfanden ... Doch dies war nur einer der ‘Heiligen Kriege’.“
„Es gab viele Religionskriege. Neunhunderttausend Märtyrer in der Sache des Protestantismus waren das Ergebnis des Streites und der Meinungsverschiedenheiten zwischen dieser Christengemeinschaft und den Katholiken ... Wie viele schmachteten in den Gefängnissen! Wie unbarmherzig war die Behandlung der Gefangenen! Alles im Namen der Religion! Die Christen und die Muhammadaner betrachteten die Juden als satanisch und als die Feinde Gottes. Daher verfluchten und verfolgten sie dieselben. Eine große Anzahl Juden wurden getötet, ihre Häuser wurden verbrannt und geplündert und ihre Kinder in Gefangenschaft geführt. Umgekehrt betrachteten die Juden die Christen als Ungläubige und die Muhammadaner als Feinde und Zerstörer der Gesetze Moses; daher flehten sie Rache auf sie herab und verfluchten sie bis auf den heutigen Tag.“
„Als das Licht von Baha'u'llah im Osten aufging, verkündigte Er die Erfüllung der Einheit der Menschheit. Er wandte sich an die gesamte Menschheit mit den Worten: ‘Ihr seid alle die Früchte eines Baumes. Es gibt nicht zwei Bäume, der eine der Baum der göttlichen Barmherzigkeit und der andere der Baum des Satans’ ... Daher müssen wir einander die größte Liebe erzeigen. Wir dürfen kein Volk als das Volk des Satans betrachten, sondern müssen alle als Diener des einen Gottes erkennen und anerkennen. Höchstens ist es so: Die einen haben keine Erkenntnis, sie müssen geführt und erzogen werden ... Andere sind unwissend, sie müssen unterrichtet werden. Manche sind wie Kinder, man muß ihnen dazu verhelfen, die Reife zu erlangen. Wieder andere sind leidend, ihr sittlicher Zustand ist schlecht; diese müssen behandelt werden, bis ihre Sitten gereinigt sind. Man darf aber den Kranken nicht hassen, weil er krank ist; man darf das Kind nicht meiden, weil es ein Kind ist, auch darf man den Unwissenden nicht verwerfen, weil ihm Wissen mangelt. vielmehr muß ihnen Behandlung, Erziehung, Schulung und liebevoller Beistand zuteil werden. Es muß alles getan werden, um dahin zu kommen, daß die ganze Menschheit in größter Sicherheit und im höchsten Grade der Glückseligkeit unter dem Schatten Gottes leben kann.“
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Rassische und vaterländische Vorurteile
Die Baha'i-Lehre von der Einheit der Menschheit rührt an die Wurzel einer anderen Kriegsursache, nämlich an die des Rassenvorurteils. Gewisse Rassen haben sich angemaßt, anderen überlegen zu sein, und sie haben diesen Anspruch mit dem Grundsatz des ‘Überleben des Gewandteren’ gestützt; die Überlegenheit gäbe ihnen das Recht, die schwächeren Rassen zu ihrem eigenen Vorteil auszubeuten oder sie gar auszurotten. Viele der dunkelsten Seiten der Weltgeschichte sind Beispiele der unbarmherzigen Anwendung dieses Grundsatzes. Nach der Baha'i-Anschauung sind die Menschen jeder Rasse vor den Augen Gottes gleichwertig. Sie alle haben wunderbare, angeborene Fähigkeiten, die zu ihrer Entwicklung nur eine angemessene Erziehung benötigen, alsdann vermag jeder eine Rolle zu spielen, und anstatt das Leben ärmer zu machen, werden sie das Leben aller andern Glieder des Körpers der Menschheit bereichern und vervollständigen.
Abdu'l-Baha sagt:
„Was das Rassenvorurteil anbetrifft, so ist es eine Täuschung, reiner, bloßer Aberglaube, hat Gott doch uns alle aus einer Rasse erschaffen ... Es gab also im Anfang keine Schranken und Grenzen zwischen den verschiedenen Ländern. Kein Teil der Erde gehörte dem einen Volke mehr als dem anderen. Im Angesicht Gottes ist kein Unterschied zwischen den verschiedenen Rassen. Warum sollte der Mensch ein solches Vorurteil erfinden? Wie können wir einen Krieg unterstützen, dessen Ursache eine Einbildung war?“
„Gott hat die Menschen nicht erschaffen, damit sie einander vernichten. Alle Rassen, Stämme, Sekten und Klassen haben gleichen Anteil an der Güte ihres himmlischen Vaters. Der einzige Unterschied liegt im Ausmaß ihrer Treue, ihres Gehorsams gegenüber den Gesetzen Gottes. Einige sind wie brennende Fackeln, andere wie Steine, die am Himmel der Menschheit leuchten. Die Freunde der Menschheit sind die hochstehenden Menschen, gleichviel welcher Nation, welchem Bekenntnis und welcher Farbe sie angehören mögen.“
Genauso unheilvoll wie das Rassenvorurteil ist das politische oder vaterländische Vorurteil. Die Zeit ist nun gekommen, da die enge nationale Vaterlandsliebe in der erweiterten Vaterlandsliebe, deren Land die Welt ist, eingebettet werden sollte.
Baha'u'llah spricht:
„Einst wurde geoffenbart: ‘Die Liebe zum Vaterland ist ein Grundbestandteil des Glaubens Gottes’. Die Zunge der Größe hat indessen am Tage ihrer Offenbarung verkündet: ‘Es rühme sich nicht der, welcher sein Vaterland liebt, sondern der, welcher die Menschheit liebt’. Durch die Kraft, die durch diese erhabenen Worte frei wurde, hat Er den Vögeln der Menschenherzen frischen Schwung und neue Richtung verliehen und jede Spur von Beschränkung und Begrenzung aus Gottes Heiligem Buche getilgt.“
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