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Der Weg zum Frieden












Ländergier

Viele Kriege wurden eines Stückchen Landes wegen ausgefochten, dessen Besitz von zwei oder mehreren eifersüchtigen Nationen begehrt wurde. Die Gier nach Besitz war von jeher eine Ursache des Streites zwischen den Völkern und den einzelnen. Nach der Baha'i-Anschauung gehört das Land von rechtswegen weder dem einzelnen Menschen noch einzelnen Nationen, sondern der Menschheit als einem Ganzen. Ja noch mehr, es gehört Gott allein, und alle Menschen sind nur Pächter.

Anläßlich der Schlacht bei Benghazi sagte Abdu'l-Baha:

„Die Nachricht von der Schlacht bei Benghazi bekümmert mein Herz. Ich wundere mich über die menschliche Grausamkeit, die noch in der Welt ist. Wie können Menschen von morgens bis abends kämpfen, einander töten und das Blut ihrer Mitmenschen vergießen? Und wofür? Nur, um die Herrschaft über ein Stück Erde zu gewinnen! Selbst die Tiere haben beim Kampf einen unmittelbaren und vernünftigeren Anlaß für den Angriff! Wie schrecklich ist es, daß sich Menschen, die dem höheren Reiche angehören, so erniedrigen, daß sie ihre Mitgeschöpfe um den Besitz eines Landstriches erschlagen und mit Elend überziehen!“

„Das höchste der erschaffenen Wesen kämpft um die niederste Form des Stoffes: Erde. Das Land gehört nicht einem Volke, sondern allen. Diese Erde ist nicht des Menschen Heim, sondern sein Grab.“

„Wie groß auch der Eroberer sein mag, wie viele Länder er auch versklavt, er kann von diesen verwüsteten Ländern nichts behalten als ein winziges Stück: sein Grab. Wenn zur Verbesserung der Zustände eines Volkes, zur Verbreitung der Zivilisation ... mehr Land benötigt wird, so müßte es gewiß auch möglich sein, die erforderliche Gebietserweiterung auf friedlichem Wege zu erreichen.“

„Aber der Krieg wird gemacht, um den menschlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Um des weltlichen Gewinnes einiger weniger willen wird schreckliches Elend über ungezählte Heime gebracht und das Herz von Hunderten von Männern und Frauen gebrochen!“

„Ich heiße euch alle und jeden von euch, alles, was ihr im Herzen habt, auf Liebe und Einigkeit zu richten. Wenn ein Kriegsgedanke kommt, so widersteht ihm mit einem stärkeren Gedanken des Friedens. Ein Haßgedanke muß durch einen mächtigeren Gedanken der Liebe vernichtet werden. Wenn Soldaten der Welt den Säbel ziehen, um zu töten, so schütteln die Soldaten Gottes einander die Hände. So mag durch die Gnade Gottes, die sich durch die reinen Herzen und aufrichtigen Seelen auswirkt, alle menschliche Wildheit schwinden. Haltet den Frieden der Welt nicht für ein unerreichbares Idealbild!“

„Nichts ist für Gottes Güte unmöglich. Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“
Weltsprache

Da wir nun einen Blick auf die Hauptursachen des Krieges geworfen und gesehen haben, wie sie zu vermeiden sind, wollen wir gewisse aufbauende Vorschläge, die Baha'u'llah in der Absicht, den dauernden Frieden herbeizuführen, machte, näher untersuchen.

Der erste dieser Vorschläge betrifft die Einführung einer Welthilfssprache. Baha'u'llah schreibt hierüber in dem Buch Aqdas und in vielen Tablets. So spricht Er in dem Tablet Ishraqat:

„Das sechste Ishraq bezieht sich auf die Eintracht und Harmonie unter den Menschen. Durch die Strahlen der Einigung wurden die Regionen der Welt zu allen Zeiten erleuchtet und das beste Mittel hierzu ist, sich mit Sprache und Schrift anderer Völker bekannt zu machen. Wir haben schon in früheren Sendschreiben den Bevollmächtigten des ‘Hauses der Gerechtigkeit’ befohlen, entweder aus den bestehenden Sprachen eine auszuwählen oder eine neue zu schaffen, und in gleicher Weise eine allgemeine Schrift zu übernehmen, und diese den Kindern in allen Schulen der Welt zu lehren, auf daß die Welt wie ein Land und eine Heimat werde.“

Zur Zeit, da Baha'u'llah der Welt diesen Vorschlag brachte, wurde in Polen ein Knabe namens Ludwig Zamenhof geboren, dem in der Ausführung dieses Vorschlags eine führende Rolle zu spielen bestimmt war. Von seiner Kindheit an wurde das Ideal einer Weltsprache ein vorherrschendes Motiv in Zamenhofs Leben, und das Ergebnis seiner aufopfernden Arbeit war die Ausarbeitung und weite Verbreitung einer unter dem Namen Esperanto bekannt gewordenen Sprache, die den Prüfungen bereits fünfunddreißig Jahre standhielt und sich als ein sehr befriedigendes Mittel für den internationalen Verkehr erwiesen hat. Diese Sprache hat den großen Vorteil, daß es, um sie zu beherrschen, nur den zwanzigsten Teil der Zeit erfordert, die dazu notwendig ist, andere Sprachen, wie beispielsweise Englisch, Französisch oder Deutsch zu beherrschen. Gelegentlich eines Esperantotreffens im Februar 1913 in Paris sprach Abdu'l-Baha folgendes:

„Eine der Hauptursachen der Schwierigkeiten heute in Europa ist die Verschiedenheit der Sprachen. Wir sagen, dieser Mann ist ein Deutscher, der andere ist ein Italiener, dann begegnen wir einem Engländer, dann wieder einem Franzosen. Obwohl sie alle derselben (ursprünglichen) Rasse angehören, bildet doch die Sprache die größte Schranke zwischen ihnen. Wäre eine Welthilfssprache eingeführt, dann würden sie alle als eins betrachtet werden.“

„Seine Heiligkeit Baha'u'llah schrieb vor mehr als vierzig Jahren über diese internationale Sprache. Er sagte, solange keine internationale Sprache eingeführt sei, werde es nicht zu einer völligen Einigung der verschiedenen Teile der Welt kommen, denn wir sehen, daß die Mißverständnisse die Völker von gegenseitiger Verbindung abhalten, und diese Mißverständnisse werden auf keine andere Weise beseitigt werden als durch eine internationale Hilfssprache.“

„Allgemein gesprochen: weder sind alle Menschen des Ostens völlig über die Ereignisse im Westen unterrichtet noch können sich die Bewohner des Westens in eine gleichgestimmte Verbindung mit den Orientalen setzen. Ihre Gedanken sind wie in einer Büchse verschlossen, und diese zu öffnen, wird die internationale Sprache der Hauptschlüssel sein. Wären wir im Besitz einer Weltsprache, dann könnten die Bücher des Westens leicht in diese Sprache übersetzt werden, und die östlichen Völker würden von ihrem Inhalt unterrichtet werden. In gleicher Weise könnten die Bücher des Ostens zum Nutzen der westlichen Völker in diese Sprache übersetzt werden. Das beste Mittel für den Fortschritt hinsichtlich der Vereinigung des Ostens und des Westens wird eine gemeinsame Sprache sein. Sie wird die ganze Welt zu einer Heimat machen und der stärkste Antrieb für den menschlichen Fortschritt werden. Sie wird die Fahne der Einheit der Menschheit hochhalten. Sie wird die Erde zu einem Weltgemeinwesen machen. Sie wird die Ursache der Liebe unter den Menschenkindern sein. Sie wird gute Kameradschaft schaffen zwischen den verschiedenen Rassen.“

„Preis sei Gott, daß nun Dr. Zamenhof die Esperantosprache erfunden hat. Diese hat alle wirksamen Eigenschaften, die erforderlich sind, um das internationale Verbindungsmittel zu werden. Wir müssen ihm alle verbunden und dankbar sein für diese edlen Bemühungen, denn damit hat er seinen Mitmenschen hervorragende Dienste geleistet. Durch die unermüdlichen Bemühungen und die Selbstaufopferung seiner Anhänger wird Esperanto Allgemeingut werden. Deshalb müssen wir alle diese Sprache erlernen und so weit wie möglich verbreiten, damit sie Tag für Tag mehr Anerkennung findet, von allen Völkern und Regierungen angenommen und ein Teil des Lehrstoffs in allen öffentlichen Schulen wird. Ich hoffe, daß Esperanto als die Sprache für alle künftigen internationalen Konferenzen und Kongresse angenommen wird, damit alle Menschen nur zwei Sprachen zu erlernen brauchen: ihre Muttersprache und die internationale Sprache. Alsdann wird eine völlige Vereinigung zwischen allen Menschen der Welt hergestellt sein. Seht, wie schwierig es heute ist, mit verschiedenen Völkern zu verkehren. Wenn jemand fünfzig Sprachen erlernt, so mag es dennoch vorkommen, daß er durch ein Land reist, dessen Sprache er nicht kennt. Deshalb hoffe ich, daß ihr die größten Anstrengungen machen werdet, damit diese Esperantosprache weit verbreitet werde.“

Während zwar diese Anspielungen auf Esperanto bestimmt und ermutigend sind, bleibt es doch wahr, daß, bis das Haus der Gerechtigkeit die Sache nach Baha'u'llahs Anweisung behandelt hat, der Baha'i-Glaube nicht an Esperanto oder an sonst eine lebende oder künstliche Sprache gebunden ist. Abdu'l-Baha selbst sagte: „Die für Esperanto aufgewendete Liebe und Mühe wird nicht verloren sein, aber es kann nicht ‘ein’ Mensch eine allgemeinverbindliche Sprache konstruieren“.

Welche Sprache nun angenommen werden soll, und ob es eine lebende Sprache oder eine konstruierte sein wird, ist eine Entscheidung, welche die Völker der Welt noch treffen müssen.
Universales Völkerbündnis

Ein anderer Plan, den Baha'u'llah oft machtvoll vertrat, lautete, daß zur Erhaltung des Weltfriedens ein allumfassender Völkerbund gebildet werden soll. In einem Brief an die Königin Viktoria, geschrieben noch zur Zeit seiner Gefangenschaft in der Festung Akka (168-1870), sagt Er:

„O Herrscher der Erde! Versöhnt euch miteinander, so daß ihr nicht mehr Kriegsrüstungen benötigt, als dem Schutze eurer Gebiete und Länder angemessen ist. Hütet euch, den Rat des Allwissenden, des Glaubwürdigen zu mißachten. Seid einig, o Könige der Erde, denn dadurch wird der Sturm des Haders gestillt und eure Völker finden Ruhe - wenn ihr doch unter denen wäret, die das verstehen! Sollte einer unter euch gegen einen anderen die Waffen ergreifen, so erhebt euch alle gegen ihn, denn dies ist nichts als offenbare Gerechtigkeit.“

Im Jahr 1875 gab Abdu'l-Baha einen Hinweis auf die Errichtung eines allumfassenden Völkerbundes, was besonders in der jetzigen Zeit, angesichts der eifrigen Versuche, einen solchen Völkerbund zu gründen (1919/20), von besonderem Interesse ist.

Er schrieb damals:

„Wahre Kultur wird ihr Banner mitten im Herzen der Welt entfalten, sobald eine gewisse Zahl ihrer vorzüglichen, hochgesinnten Herrscher - leuchtende Vorbilder der Ergebenheit und Entschiedenheit - mit festem Entschluß und klarem Blick daran geht, den Weltfrieden zu stiften. Sie müssen die Friedensfrage zum Gegenstand allgemeiner Beratung machen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, einen Weltvölkerbund zu schaffen. Sie müssen einen verbindlichen Vertrag und einen Bund schließen, dessen Verfügungen vernünftig, unverletzlich und bestimmt sind. Diesen Vertrag müssen sie der ganzen Welt bekannt geben und die Bestätigung der gesamten Menschenrasse für ihn erlangen. Ein derart erhabenes und edles Unternehmen - der wahre Quell des Friedens und Wohlergehens für die ganze Welt - sollte allen, die auf Erden wohnen, heilig sein. Alle Kräfte der Menschheit müssen frei gemacht werden, um die Dauer und Beständigkeit dieses größten aller Bündnisse zu sichern. In diesem allumfassenden Vertrag sollten die Grenzen jedes einzelnen Landes deutlich festgelegt, die Grundsätze, die den Beziehungen der Regierungen untereinander zugrunde liegen, klar verzeichnet und alle internationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen bekräftigt werden. In gleicher Weise sollte der Umfang der Rüstungen für jede Regierung genauestens umgrenzt werden, denn wenn die Zunahme der Kriegsvorbereitungen und Truppenstärken in irgendeinem Land gestattet wäre, so würde dadurch das Mißtrauen anderer geweckt. Die Hauptgrundlage dieses feierlichen Vertrages sollte so verankert werden, daß bei einer späteren Verletzung irgendeiner Bestimmung durch irgendeine Regierung sich alle Regierungen der Erde erheben, um jene wieder zu voller Unterwerfung unter den Vertrag zu bringen, nein, die Menschheit als Ganzes sollte sich entschließen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jene Regierung zu vernichten. Sollte dieses größte aller Heilmittel auf den kranken Körper der Welt angewandt werden, so wird er sich gewiß wieder von seinen Leiden erholen und dauernd bewahrt und heil bleiben.“

Die Baha'i erkennen schwerwiegende Mängel im Gefüge des Völkerbundes, das in seiner Art weit hinter der von Baha'u'llah als wesentlich für die Errichtung des Weltfriedens bezeichneten Einrichtung zurückbleibt. Am 17. Dezember 1919 erklärte Abdu'l-Baha (An die Zentralorganisation für einen dauerhaften Frieden):

„Gegenwärtig ist der Weltfriede eine Sache von großer Bedeutung, aber Einheit des Bewußtseins ist wesentlich, so daß die Grundlage dieser Sache sicher, ihre Begründung fest und ihr Gebäude stark werde ... Obwohl der Völkerbund zustande gebracht worden ist, so ist er doch unfähig, den Weltfrieden zu errichten. Aber der höchste Gerichtshof, den seine Heiligkeit Baha'u'llah beschrieben hat, wird diese geheiligte Aufgabe mit größter Macht und Kraft erfüllen.“
Internationaler Schiedsspruch

Baha'u'llah trat auch für die Errichtung eines internationalen Schiedsgerichtshofs ein, damit Meinungsverschiedenheiten zwischen den Nationen anstatt durch Anruf des Gottesurteils der Schlacht, durch Gerechtigkeit und Vernunft beigelegt werden. In einem Brief an den Sekretär der Mohonk-Konferenz für internationale Schlichtung schrieb Abdu'l-Baha im August 1911:

„Vor mehr als fünfzig Jahren befahl Baha'u'llah der Menschheit im Buch Aqdas den Weltfrieden aufzurichten, und rief alle Nationen zum göttlichen Fest eines internationalen Schiedsspruchs, damit die Fragen der Grenzen, nationaler Ehre, nationalen Eigentums und zwischenstaatlicher Lebensinteressen durch einen Schiedsgerichtshof geregelt werden können, und daß keine Nation es wagen würde, sich zu weigern, die auf diese Weise erlangte Entscheidung anzunehmen. Wenn sich ein Streit zwischen zwei Nationen erhebt, so muß dieser vor den internationalen Gerichtshof gebracht und von diesem geschlichtet und entschieden werden, gleichwie zwischen zwei Personen vom Richter das Urteil gefällt wird. Wenn eine Nation es jemals wagen sollte, eine solche Entscheidung zu übertreten, müßten sich alle anderen Nationen erheben und diese Auflehnung niederschlagen.“

In einer seiner Pariser Reden von 1911 sagte Abdu'l-Baha ferner:

„Ein höchster Gerichtshof muß durch die Völker und Regierungen aller Staaten errichtet werden und aus gewählten Mitgliedern aller Länder und Regierungen bestehen. Die Mitglieder dieses großen Rates müssen in Einigkeit tagen. Alle Streitigkeiten internationalen Charakters sind diesem Gerichtshof zu unterbreiten, dessen Sache es ist, durch Schiedsspruch alles zu schlichten, was sonst zur Ursache des Krieges würde. Die Aufgabe dieses Gerichtshofes wäre, den Krieg zu verhindern.“

Während des Vierteljahrhunderts, das der Errichtung eines Völkerbundes vorausging, wurde im Haag (1900) ein ständiger Schiedsgerichtshof errichtet, in dem manche schiedsrichterlichen Verträge unterzeichnet wurden. Aber die meisten dieser Verträge waren noch weit entfernt von den umfassenden Vorschlägen von Baha'u'llah. Es wurde kein schiedsgerichtlicher Vertrag zwischen zwei Großmächten geschlossen, der alle Streitfragen enthalten hätte. Streitfragen, die „Lebensinteressen“, die „Ehre“ und „Unabhängigkeit“ betreffend, waren ausdrücklich ausgeschlossen. Aber nicht nur dies, sondern auch wirkliche Garantien fehlten, daß sich die Nationen an die Bestimmungen der Verträge, denen sie sich unterworfen haben, halten würden. In dem Baha'i-Plan sind aber Fragen der Grenzgebiete, Fragen über nationale Ehre und Lebensinteressen ausdrücklich eingeschlossen, und diese Abkommen werden die beste Gewähr für den hinter ihnen stehenden Weltbund der Nationen bieten. Nur wenn diese Vorschläge vollständig durchgeführt werden, wird ein internationaler Schiedsspruch völligen Spielraum für seine segensreichen Möglichkeiten haben, und der Fluch des Krieges wird endlich von der Welt genommen werden.
Rüstungsbegrenzung

Abdu'l-Baha sagt:

„Alle Regierungen der Welt müssen durch ein allgemeines Übereinkommen gleichzeitig abrüsten. Es würde nichts helfen, wenn die eine ihre Waffen niederlegte und die anderen sich weigern würden, dasselbe zu tun. Die Nationen der Welt müssen hinsichtlich dieser höchst wichtigen Angelegenheit übereinstimmen, auf daß sie zusammen die tödlichen Waffen der Menschenschlächterei endgültig niederlegen. Solange ein Volk seinen Rüstungsetat zu Wasser und zu Lande vergrößert, werden andere Nationen gezwungen sein, diesen zermalmenden Wettbewerb infolge ihrer natürlichen und eingebildeten Interessen mitzumachen.“

Kein Widerstand

Als eine religiöse Körperschaft haben die Baha'i den ausdrücklichen Befehl von Baha'u'llah, sich in eigenem Interesse jeden Gebrauchs von Waffen, selbst zu reinen Verteidigungszwecken, zu enthalten. In Persien haben viele Tausende von Babi und Baha'i ihres Glaubens wegen grausamen Tod erduldet. In den frühesten Tagen dieser Religion verteidigten die Babi bei verschiedenen Gelegenheiten sich selbst und ihre Familien mit dem Schwert, mit großem Mut und großer Tapferkeit. Baha'u'llah jedoch verbot dies. Abdu'l-Baha schreibt:

„Als Baha'u'llah auftrat, erklärte Er, daß die Verbreitung der Wahrheit durch solche Mittel keinesfalls erlaubt sei, auch nicht zum Zweck der Selbstverteidigung. Er schaffte die Herrschaft des Schwertes ab und hob die Verordnung des ‘Heiligen Krieges’ auf. Er sprach: ‘Erschlagen zu werden ist besser für euch als zu erschlagen. Es ist die Festigkeit und Standhaftigkeit der Gläubigen, durch die die Sache des Herrn verbreitet werden muß. Wenn sich die Gläubigen furchtlos und unerschrocken und mit unbedingter Loslösung erheben, um das Wort Gottes hochzuhalten, wenn sie sich mit Augen, die von den Dingen dieser Welt abgekehrt sind, in den Dienst der Sache des Herrn stellen, dann werden sie durch seine Macht das Wort der Wahrheit den Sieg davontragen lassen. Diese gesegneten Seelen bekennen sich mit ihrem Lebensblut zu der Wahrheit der Sache, und sie bezeugen sie durch die Aufrichtigkeit ihres Glaubens, durch ihre Hingabe und Standhaftigkeit. Der Herr kann helfen, seine Sache zu verbreiten und die Eigensinnigen zu besiegen. Wir wünschen keinen anderen Verteidiger als Ihn, und mit unserem Leben in der Hand bieten wir den Feinden die Stirne und heißen das Märtyrertum willkommen.’“

Baha'u'llah schrieb an einen der Verfolger seiner Sache:

„Gnädiger Gott! Dieses Volk braucht keine Vernichtungswaffen, denn es rüstet sich, die Welt neu zu gestalten. Seine Heerscharen sind gute Taten, seine Waffen aufrechtes Betragen, und sein Befehlshaber ist die Gottesfurcht. Gesegnet ist, wer gerecht urteilt. Bei der Gerechtigkeit Gottes! Geduld, Friedfertigkeit, Ergebenheit und Zufriedenheit dieser Menschen waren so groß, daß sie zu Vorbildern der Gerechtigkeit wurden, und ihre Nachsicht war so umfassend, daß sie sich lieber töten ließen als selbst zu töten, und dies, obwohl sie, von aller Welt unterdrückt, Leiden ertragen mußten, wie sie die Geschichte nicht verzeichnete noch die Augen irgendeines Volkes jemals schauten. Was kann sie dazu geführt haben, sich in so schwere Prüfungen zu finden und es abzulehnen, eine Hand zur Abwehr zu erheben? Was kann solche Ergebenheit und Gelassenheit bewirkt haben? Die wahre Ursache liegt in dem Verbot, das die Feder der Herrlichkeit Tag und Nacht aussprach, und darin, daß Wir die Zügel der Autorität ergriffen, vermöge der Kraft und Macht des Herrn der ganzen Menschheit.“

Das Gesunde der Politik der Widerstandslosigkeit von Baha'u'llah hat sich schon durch Erfolge bewiesen: Für jeden Gläubigen, der in Persien den Märtyrertod erlitt, haben sich dem Baha'i-Glauben hundert neue Gläubige zugesellt. Und die Freudigkeit und Unerschrockenheit, mit der diese Märtyrer die Krone ihres Lebens zu Füßen ihres Herrn legten, lieferte der Welt den klarsten Beweis, daß sie ein neues Leben gefunden haben, für das der Tod keine Schrecken hat, ein Leben von unaussprechlicher Fülle und Freude, mit der verglichen die Freuden der Erde wie Staub in der Waagschale sind und die teuflischsten körperlichen Foltern wie spielendes Licht, wie Luft.
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