Fethullah Gülen (* 27. April 1941 in Korucuk, Erzurum) (andere Angabe ist * 1938 in Pasinler, Erzurum) ist ein islamischer Prediger aus der Türkei und der Führer der nach ihm benannten Bewegung. Seine Anhänger sehen in ihm einen wichtigen islamischen Gelehrten mit liberalen Ideen und interreligiösen Dialogabsichten, während seine Kritiker ihm vorwerfen, die laizistische türkische Republik zu unterminieren und durch einen islamischen Staat ersetzen zu wollen
Gülens Predigten waren weitreichender als die anderer zeitgenössischer Prediger und umfassten Erziehung, Wissenschaft, Darwinismus, welchen er ablehnt, sowie wirtschaftliche und soziale Fragen. Gülen beschwor eine Gesellschaft aus devoten Muslimen, die trotzdem technisch fortschrittlich sein sollte, und sammelte viele mit dem Säkularismus Atatürkscher Prägung Unzufriedene um sich. Gülens Popularität liegt auch in der emotionalen Intensität seiner Predigten, auf deren Höhepunkt er häufig in Tränen auszubrechen pflegte. Seine Predigten fanden weite Verbreitung durch Audio- und Videokassetten, deren Erlös Gülens Bewegung zufloss.[5] Gülens religiöse Ansichten bewegen sich nach eigener Aussage im sunnitischen Mainstream, tendieren aber zum Sufismus und weisen spezifisch osmanisch-großtürkische Elemente auf (Turanismus, Anatolischer Islam).
Bewegung und Aufstieg [Bearbeiten]1971 wurde Gülen für islamistische Aktivitäten zu drei Jahren Haft verurteilt, nach sechs Monaten aber entlassen.[6] Gülen beendete 1981 seine Predigertätigkeit im Staatsdienst, um sich ganz der neuen Bewegung zu widmen. Durch Öffentlichkeitsarbeit und gute Beziehungen zu der Regierung von Turgut Özal erreicht Gülen seit den späten 80er Jahren eine weite Öffentlichkeit. Insbesondere durch die Gründung von mehreren hundert Privatschulen und Studentenheimen, nicht zuletzt in den Turk-Staaten der ehemaligen UdSSR, tritt die Bewegung hervor. Anschuldigungen wegen „Gehirnwäsche“[7] der Studenten wurden laut.[8] Gülen trifft als Fahnenträger eines modernen Islam hochgestellte politische und religiöse Persönlichkeiten aus aller Welt, darunter auch zum Dialog der Religionen Papst Johannes Paul II. Bildung, Dialog, Toleranz, Gewaltfreiheit, Demokratie, Moral und Modernität werden zu zentralen Schlagworten Gülens. Die überaus finanzstarke[9] Bewegung gründet neben ihrem Privatschulschwerpunkt eigene Radio- und Fernsehsender, eine Nachrichtenagentur, eine Bank, Versicherungen, mehrere Verlage und Zeitungen (darunter die sehr erfolgreiche Zaman), gründet eigene Universitäten (darunter die Virginia International University in den USA), einen Unternehmerverband, Gewerkschaften und hunderte von Unterorganisationen und Kongressen in etwa 50 Ländern[10]. Alle Einrichtungen sind formal voneinander unabhängig, auf der Beziehungsebene der Leiter miteinander aber zu einem Netzwerk verbunden.[11] Der Gülen-Bewegung werden hunderttausende Mitglieder zugerechnet, was sie zu einer der größten - wenn nicht sogar der größten - islamischen Bewegung in der Türkei macht.[12]
http://de.wikipedia.org/wiki/Fethullah_G%C3%BClen |