Der Künstler und der Bettler


Ein Künstler wollte einen zerlumpten, elenden Bettler malen. Wie sehr er auch suchte, es schien unmöglich zu sein, einen Bettler zu finden, der erbärmlich genug aussah, um als Modell zu dienen.
Eines Tages überquerte er in einer Stadt einen Platz und bemerkte einen alten Mann, der in Lumpen gehüllt auf einem Wagen lag und schlief. Welch ein Häufchen menschlichen Elends lag dort! Das war der richtige Mann!
Der Künstler rüttelte ihn wach und fragte ihn: "Mein Freund, möchtest du dir täglich einen Gulden verdienen?"
Natürlich griff der arme Mann mit beiden Händen zu.
"Gut", sagte der Künstler, "komm morgen früh um zehn Uhr zu mir in meine Wohnung. Komm, so wie du bist, mit genau den gleichen Kleidern."
Am nächsten Morgen klingelte zur vereinbarten Stunde im Haus des Künstlers die Hausglocke. Als er öffnete, sah er, daß der Bettler die Löcher in seinem Anzug geflickt und seine Schuhe geputzt hatte. Gesicht und Hände waren sauber und sein Haar ordentlich gekämmt.
Er sah ganz verändert aus. Der Künstler schüttelte den Kopf. "Nein, mein Freund, so kann ich dich nicht brauchen. Ich habe dich ausgesucht, weil du so arm und elend warst. Ich brauche dich so, wie du gestern aussahst, wie du wirklich im täglichen Leben aussiehst. Es tut mir leid, aber so kann ich mit dir nichts anfangen."
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"Die Trübsale dieser Welt gehen vorüber, und was uns bleibt, ist das, was wir aus unserer Seele gemacht haben." Shoghi Effendi
Die Geschichte ist wirklich zum nachdenken anregend.

Der Künstler, nur um seine Bedürfnisse befriedigen zu können "will", dass der arme Mann wie am Tag zuvor aussieht, besser gekleidet kann er ihn nicht brauchen. ....