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Kann die Seele "behindert" sein?












Ich habe vor ein paar Tagen zufällig im ARD-Mittagsmagazin einen Bericht gesehen. Hierbei wurde über ein Projekt im Saarland berichtet, welches psychisch Kranken hilft, wieder ins Arbeitsleben eingegliedert zu werden. Das heißt, diese Menschen bekommen eine Chance, für sich zum Teil selbst zu sorgen und in langsamen Schritten eine Eingliederung zu erlangen. Somit erhalten sie Bestätigung und das Gefühl, einen Beitrag leisten zu können sowie ein Teil der Gesellschaft sein zu dürfen. So weit so gut. Das Projekt an sich will ich nicht kritisieren, im Gegenteil, ich erkenne dieses an.

Aber: die Berichterstatterin sprach mehrmals von "seelisch Behinderten". Diese Art der Formulierung empfinde ich als diskriminierend. Man hätte auch sagen können "psychisch labile" oder "psychisch kranke" Menschen.

Und zudem wirft es die Frage auf, wer denn eigentlich die Grenze zwischen normal und unnormal definiert? Klar, Menschen die erwiesenermaßen an Schizophrenie, schlimmstenfalls paranoider Schizophrenie leiden, sind wirklich krank und bedauernswert. Ich habe das selbst erlebt bei einem Mann, der fest daran glaubte, dass er ermordet werden sollte etc.

Aber: sind alle Verhaltensweisen oder schlichtweg Charaktereigenschaften, die diejenigen, die andere nur allzugern in ein "pauschalkrankes" Schema stopfen wollen, "krankhaft"?

Bin ich krank oder - in diesem Zusammenhang eher "verrückt" - weil ich mir Gedanken über den Tod mache, mich darauf freue, ihn vielleicht herbeisehne und begründetermaßen ihn mir vielleicht herbeisehne?

Ist die Manie, etwas aus lauter Langeweile oder als Gedächtnis- und Konzentrationstraining zu zählen, unbedingt ein krankhaftes Syndrom? Dann wäre meine Mutter ebenfalls krank, ihr Vater wäre krank gewesen. Merkwürdig nur, dass beide Lehrer waren und mein Großvater einmal an einem Lehrerseminar mit über 300 Lehrpersonen teilnahm, in welchem es eben um dieses Thema ging: zählen, Gedächtnis-/Konzentrationstraining, Systeme aufstellen, auswendig lernen. Ich mache das auch. Und warum? U.a., weil es mir zu dämlich ist, in einem Wartezimmer die Wände anzustarren, statt dessen zähle ich eben irgend etwas, oder rufe mir Informationen ab, und auch aus beruflichen Gründen.

Wer um Himmels Willen bringt solche Definitionen zustande?

Ich wurde gefragt: "Haben Sie öfter unsinnige Gedanken"?

Meine (fragende) Antwort: "Das ist eine bescheuerte Frage. Wie definieren SIE denn unsinnig? Ist dieses denn nicht ein völlig individuell auslegbarer Begriff?! Wenn mein Nachbar wenige Laubblätter zusammenkehrt, dann hat es für ihn einen Sinn, für mich eben nicht. Und wenn ich mit meinen Hunden spiele, hat es für mich eine Bedeutung, einen Sinn, und für ihn nicht.

Nun gut, wenn andere oder ich aufgrund von Charaktereigenschaften oder der Art und Weise zu empfinden, "seelisch behindert" sind, dann muss ich sagen, bin ich es eigentlich gerne. Denn erstens mein Denken "jenseits" aller Oberflächlichkeit und Ignoranz und zweitens schlichtes Fitnesstraining fürs Gehirn (sofern bei mir vorhanden ^^), lasse ich mir nicht wegtherapieren.

Und ich weiß immer noch nicht, wie die Seele, deren Existenz doch von vielen bestritten wird, behindert sein kann?!
Liebe Suchende,

Bahá'u'lláh sagt zu diesem Thema folgendes:

Zitat:
Wisse, daß die Seele des Menschen über alle Gebrechlichkeit des Leibes und des Verstandes erhaben und davon unabhängig ist. Daß ein Kranker Zeichen der Schwäche aufweist, ist den Hindernissen zuzuschreiben, die sich bei ihm zwischen Seele und Leib legen; denn die Seele selbst bleibt unberührt von jedem körperlichen Leiden. Denke an das Licht der Lampe. Wenn auch ein Gegenstand von außen ihr Strahlen beeinträchtigen kann, so scheint das Licht selbst doch mit unverminderter Stärke weiter. Ebenso ist jedes Gebrechen des menschlichen Leibes ein Hindernis für die Seele, das sie davon abhält, ihre innere Kraft und Stärke zu zeigen. Wenn sie jedoch den Leib verläßt, wird sie solche Überlegenheit beweisen, solchen Einfluß entfalten, daß keine Macht der Erde dem gleichkommen kann. jede reine, jede geläuterte und geheiligte Seele wird mit gewaltiger Macht begabt sein und in überschäumender Freude jubeln.

(Baha'u'llah, Aehrenlese)


Somit ist die Seele nicht betroffen, wenn der Verstand, dessen Funktionieren ja von den Sinnen abhängig ist, krank ist. Die Seele eines Menschen mag verkümmern, wie ein Pflänzchen, was man nicht gießt, wenn "ihr Mensch" sich überhaupt nicht um geistige Dinge kümmert, denn schließlich sind wir ja auf der Erde, um zu wachsen.

Aber daß psychisch Kranke an einer Seelenkrankheit leiden ist sicherlich nicht korrekt. Der Begriff der Seele wird manchmal als Synonym für Psyche gebraucht. Vielleicht meinte die Berichterstatterin das so. Manche Menschen sagen, "ich bin seelisch nicht gut drauf", meinen aber "psychisch nicht gut drauf".

Ich stimme mit dir voll und ganz überein, daß die Anforderungen, die heute im allgemeinen an die Menschen in unserer Gesellschaft gestellt werden, nicht wirklich menschlich sind. Der Mensch wird über weite Strecken als ein Teil einer Maschinerie angesehen (im Herzen), die als meßbare Frucht materiellen Reichtum für andere erzeugt. Wer als "Rädchen im Getriebe" das wirklich menschliche gut zu unterdrücken weiß, gilt als "besonders normal".
Ich habe Menschen kennengelernt, wahre Königinnen der Tugend Liebe, die, wenn die liebevolle Fürsorge Gottes nicht auf den Plan getreten wäre, völlig "unter die Räder" gekommen wären. Menschen, denen ich, sehend was ich da sehe, bezeuge, daß die Welt ihrer nicht wert ist. Und ich bin mir sicher, daß von denen so manch einer wirklich "in der Gosse" liegt. Menschen, die um der Liebe willen auf Sicherheit und Zukunft verzichtet haben, und die eine unbarmherzige Umgebung tatsächlich sehenden Auges fallen ließ.....

Dein Seelenbrüderlein Yojo
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