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Gründe für Selbstmord?












Nebulös hat folgendes geschrieben:
Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass in solchen Texten immer durchscheinen wird, dass die Person (wie ich oben schon sagte) schwach, egoistisch und/oder gedankenlos war...


Tja, das ist natürlich wieder Ansichtssache.. bzw. Glaubensfrage ("bin mir ziemlich sicher"). Den bestdokumentierten Fall den ich kenne ist (wie glaub ich schon erwähnt wurde) Johann Robeck, der ein Buch schrieb (min. ein Jahr oder länger) mit dem Titel

"de Morte Voluntaria exercitatio, sive examen calumniarum nugarum et fallaciarum, quibus tanquam argumentis utuntur εὐλογου ἐξαγωγης consensus generis humani, salutis et gloriæ bonorum virorum, honestarumque feminarum hostes … "

in etwa:

"Philosophische Erörterungen über den berechtigten Ausweg oder den Freitod von Philosophen und Ehrenmännern, auch Juden und Christen"

und sich dann ertränkte...

leider ist das Buch auf Latein und ich konnte bisher erst drei Exemplare ausfindig machen, davon keines in Deutschland (zwei in GB, eins in USA) - und selbst wenn ich eins hätte (oder kopieren könnte) - würde es mir eben nichts bringen, da ich kein Latein verstehe..


na, jedenfalls, solche Fälle interessieren mich...


reinwiel: danke, einiges davon trifft den Punkt, aber die Fälle sind wohl eher weniger überlegt sondern eher dem Affekt-Bereich zuzuordnen: Suizid aus Verzweiflung o.Ä. bzw. bei dem Arbeiter klingt es nach einer psychischen Störung (Beziehungsideen o.Ä.) und bei der Sterbehilfe ging es ja um eine tödliche und vermutlich schmerzvolle Krankheit...

tja.... weiteres? am besten wären eben auch Primärtexte...
Wann begeht man Selbstmord... gute Frage... wenn man mit sich selber nicht mehr klar kommt, würde ich sagen. Denn dann kommt man auch mit der Außenwelt nicht mehr klar.
Diejenigen, die behaupten, mit Selbstmord würde man es sich leicht machen, haben einfach unrecht, denn den macht man nicht aus purer Langeweile, sondern aus Verzweiflung, weil man keinen Ausweg mehr weiß.
Der einzige Ausweg ist, sich solange davon abzuhalten, bis man wieder Sinn und Freude am Leben hat bzw. sieht. Manchen gelingt es, manch anderen wiederum nicht...
Grüß Gott!

Eigentlich gibt es viel zu viele Motivationen, einen Selbstmord zu produzieren, als dass es wirklich einen Sinn hat, darüber nachzudenken. In jedem Fall scheint es aber der Weisheit letzter Schluss zu sein, diese Lösung zu suchen.

Es gibt aber auch viele Fälle, in welchen jemand erfolgreich von einem Suizidversuch abgehalten wurde und später wieder in ein Leben mit Freude eintrat. Solche Leute könnten mit ihren Motiven sehr wohl Primärtexte oder Material für eine wissenschaftliche Dissertation liefern.

Meine Meinung zu diesem ist nur, dass es keinen vernünftigen Grund für den Suizid gibt. Jeder befindet sich in einer scheusslichen Lage, gleichgültig wieso. Wenn es geht, ist der Außenstehende verpflichtet, den Betroffenen vom Selbstmord abzuhalten. Die Betonung liegt auf: wenn es geht.

Die andere Sache ist die geistige Sache. Der Mensch soll und kann im Erdenleben seine Seele, sein feinstoffliches Sein, ungemein festigen, bereichern und entfalten, wenn er lange lebt. Von daher bringt es Nachteile, sein Dasein auf der Erde nicht voll auszukosten, Erfahrungen zu sammeln, im Guten wie im Schlechten. Auch ein absoluter Bösewicht wird aus seinem Erdenleben Gewinn schöpfen, wenn die langen geistigen Verhältnisse des Jenseits an ihm wirken. Hitler war so ein Bösewicht, der sich noch dazu umgebracht hat. Aber als Vorbild kann so etwas nicht gelten.

Es ist gut, wenn man über das Leben nachdenkt. Liebe Grüße, reinwiel
Sakina für alle.

Zitat:
Zenon von Kition, der um das Jahr 300 die ältere Stoa begründete und als Lebensziel ein von Affekten, falschen Urteilen und Streben nach äußeren Gütern unbeeinflusstes Tugendleben anstrebte, erhängte sich bereits 28jährig, nachdem er gestolpert und sich dabei den Finger verstaucht hatte, aus bloßem Ärger. Für die Stoiker galt ein Selbstmord als wünschenswerter Ausweg bei Betrachtung des Todes und des Lebens mit gleicher Gelassenheit.

http://edocs.tu-berlin.de/diss/2003/mall_vera.pdf
Zitat:
Weltweit sterben nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) täglich ca. 1000 Menschen durch Suizid, international zählt der Suizid jeweils zu den 10 häufigsten Todesursachen. Um ein Vielfaches höher noch ist die Zahl der Suizidversuche. Nach SWIENTEK (1990) soll es sogar keinen Menschen geben, der nicht selber mindestens einmal in seinem Leben an Suizid gedacht hat. Gemäß diesen Zahlen und Aussagen, stellt sich das Problem des Suizids als ein im weitesten allgemeines dar, bei dem sozusagen jeder direkt betroffen oder indirekt mitbetroffen sein kann. Folgt man der Annahme, dass es sich bei dem Phänomen Suizid um ein allgemeines handelt, dann möchte ich es weiterführend als Aspekt des Lebens behandelt wissen.
Als ich in der Zeitspanne meiner Adoleszenz das oben angeführte Zitat von Améry las, bedeutete es mir Bestätigung meines Rechtes auf Selbstbestimmung, die auch vor meinem Recht auf einen selbst bestimmten Tod nicht halt zu machen schien.
Nichtsdestotrotz erwuchsen mir im Rahmen meiner Arbeit in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie Zweifel an der Richtigkeit des Festhaltens an suizidalen Ausdrucksformen der Selbstbestimmung für die Altersspanne, die die Adoleszenz umfasst. Dies lag unter anderem an der relativen Häufigkeit gewählter Todesarten, die nicht zwingend letal enden mussten, sowie an den im klinisch - therapeutischen Rahmen herauskristallisierten, kommunikativen Aspekten, die fast jeder suizidalen Handlung appellativ vorangegangen waren.

Ansonsten bilanzselbstmord rational suicide als Suchbegriffe.
Das dauert sicher länger als ein Jahr das Material aufzuarbeiten.

mffffgggg gnostik
Hi alle!

Ich glaube auch, dass man Zweifel an der Richtigkeit des Festhaltens an suizidalen Ausdrucksformen der Selbstbestimmung hegen darf. Das wird aber nicht hindern, dass weiterhin Selbstmorde an der Tagesordnung bleiben. Leider.

Umso wichtiger sind die Unterstützung und die psychiatrische Betreuung gefährdeter Menschen. Sehr wirksam dürfte auch die Stärkung des geistigen Bewusstseins sein.

Liebe Grüße, reinwiel
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