Islamismus/ islamischer Fundamentalismus


Islamischer Fundamentalismus, gemeinhin auch Islamismus genannt, bezeichnet die Politisierung des Islam bzw. eine Leseart des Islam vornehmlich als politischer und nicht nur religiöser Ideologie. Die Ziele islamistischer Gruppierungen sind allgemein die Errichtung eines islamischen Staates oder die Umwandlung eines existierenden Staates kompatibel zur Anwendung der Sharia - des religiösen Gesetzes - sowie die Verpflichtung der muslimischen und nicht-muslimischen Bevölkerung auf die Werte und Normen des Propheten Mohammed und der ersten vier Kalifen.

Der Islamismus ist eine politische Ideologie, die sich einer religiösen Sprache bedient und dabei gleichzeitig den Anspruch erhebt, die einzig wahre Auslegung des Glaubens darzustellen.


Der Begriff


Der Begriff 'Islamismus' ist vom arabischen 'islamawiyya' abgeleitet und steht für die Überzeugung, der Islam gebe verpflichtend Grundlagen für eine staatliche Ordnung vor. Dieses Verständnis wird in der Formel "Der Islam ist Staat und Religion" (al-islam din wa daula) zum Ausdruck gebracht. Im französischen Sprachgebrauch ist vor allem der Terminus "Integrismus" geläufig. Dieser ursprünglich auf die katholische Kirche angewandte Ausdruck steht ebenso für ein alle Bereiche des Lebens umfassendes (integrierendes) Religionsverständnis.

Der Fundamentalismus ist ein Aspekt des Islamismus; er leitet sich aus dem arabischen al-uṣūliyya al-islāmiyya (أصول‎ uṣūl "Wurzeln", "Fundament") ab und propagiert eine Rückkehr zum "Ur-Islam". Die Islamisten selbst bezeichnen sich als "Usuliyun", was wörtlich Fundamentalisten heißt. Hierfür strebt er eine Veränderung der islamischen Gesellschaften auf der ausschließlichen Grundlage von Koran und Sunna sowie der Fatwas islamistischer Gelehrten an, die meist wortwörtlich ausgelegt werden.

Während der Begriff "Fundamentalist" (usuli) heute auf einen islamischen Fundamentalisten angewandt wird, bezeichnete er traditionell auch die Gelehrten der ilm al-usul, der Wissenschaft, die sich mit dem Studium der Fundamente der islamischen Jurisprudenz (Fiqh فقه‎) befasst.

Im Bericht des baden-württembergischen Landesverfassungsschutzes von 2004 wird von "politischer Ideologisierung von Glaubensinhalten" gesprochen.

Der angloamerikanische Historiker Bernard Lewis bezeichnet die Anwendung des Begriffs Fundamentalismus auf den Islam als unglücklich und irreführend, da er ursprünglich auf das Christentum angewendet wurde. Dort bezeichnet er zumeist protestantische Strömungen, die den göttlichen Ursprung und die Unfehlbarkeit der Bibel verfechten. Auf den Islam ließe sich dieses Konzept, so Lewis weiter, jedoch nicht anwenden, da der Glaube an den göttlichen Ursprung des Koran zu den Grundfesten der Religion gehört und von daher jeder Muslim dem Wortsinne nach ein Fundamentalist sei. Abdelwahab Meddeb spricht davon, dass die Keime des Islamismus bereits im koranischen Text enthalten seien. Ihm zufolge wäre es sehr viel einfacher, wenn es diese islamistische Lektüre des Korans nicht gäbe.

Gedankengut des Islamismus

Die Lehren der islamistischen Strömungen in den verschiedenen Ländern der islamischen Welt unterscheiden sich teilweise stark voneinander. Dies ist insbesondere dem Einfluss von landes- oder konfessiononsspezifischen Traditionen geschuldet, wie ein Vergleich von islamischen Parteien in den Ländern des Mittleren Ostens und Südostasiens sichtbar macht. Trotzdem lassen sich gewisse Konstanten islamistischen Gedankengutes ausmachen. Dazu gehören:

1. Die Vereinheitlichung ('tawhid' توحيد‎) von Gott und seiner Schöpfung und damit von Gesellschaft, Soziologie, Politik und Religion. Der Mensch ist nach dieser Sichtweise von Gott geschaffen, um nach Gottes Vorstellungen ohne freie Selbstbestimmung zu leben. Koran und Hadith, die Überlieferungen zu Wirken und Aussagen des Propheten Mohammed, geben nach islamistischer Vorstellung alle Regeln für ein gottgefälliges spam- und Gemeinschaftsverhalten vor. Jeder Mensch hat sich an diese Regeln zu halten, und nur gottgefälliges Verhalten wird zu einer wahrhaft lebensfähigen und guten Gesellschaft führen.

2. Als Resultat hieraus ergibt sich eine Staatlichkeit der Religion. Der Koran selbst sowie der Prophet Mohammed kannten keinen weltlichen Staat und keine Nationalität, genauso wenig die Kalifen- und Sultanreiche, in denen sich ein Nationalgefühl erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte. Der Sinn eines Staates in seiner übergeordneten Form ist daher nicht die Beherrschung eines bestimmten Volkes, sondern die Umsetzung des göttlichen Gesetzes, der Scharia für alle Gläubigen sowie in der ganzen Welt. Wo Koran und Hadithe keine Regeln vorgeben, darf der Mensch Gesetze anfügen. Da die heutigen Landkarten aber anders aussehen und sich in vielen muslimischen Ländern ein starkes Nationalgefühl gebildet hat, ist es heute selten, dass Islamisten, meist Neo-Fundamentalisten, einen islamischen Weltstaat für alle Muslime fordern - der Großteil der islamistischen Strömungen ist in ihrem Wirken heute auf ihr Land begrenzt.

3. Die Konzepte Demokratie und Islam widersprechen sich nicht per se. Der Koran selbst empfiehlt dem Propheten Mohammed Absprache mit anderen Gläubigen ('schura'), was ein Parlament und einen gewählten Präsidenten nicht kategorisch ausschließt. "Moderate" islamistische Führer wie der Tunesier Rashid al-Ghannouchi plädieren daher für eine Demokratie, auch wenn sie den Begriff als aus dem Westen importiert ablehnen. Wichtig ist hierbei, dass die Souveränität in einem islamischen Staat nicht ursprünglich vom Volk, sondern von Gott ausgeht. Das Volk ist daher nicht im eigentlichen Sinne berechtigt, sein eigenes Recht zu bestimmen, jedenfalls nicht in Bereichen, in denen Gott Gesetze geoffenbart hat. In der Praxis schließt dies Wahlen nicht aus, solange diese im Rahmen von Einschränkungen stattfinden. Viele moderne islamistische Parteien wie die heutigen Muslimbrüder in Ägypten, haben diese Forderung jedoch aufgegeben und finden sich mit einem Staat ab, in dem die Bürger frei wählen können. Der sudanesische Islamist Jurist Dr. Hassan Alturabi sieht in den Menschenrechten einen Import aus dem Westen, für den keine Verwendung in den islamischen Ländern bestehe. Der algerische Top-Fundamentalist Ali Benhadj sieht sogar in der Demokratie an sich einen "Unglauben".

4. Ein solcher islamischer Staat unterscheidet zwischen Muslimen, Nicht-Muslimen, die Angehörige einer monotheistischen Buchreligion sind: Dhimmis und Harbis. Die Vorstellungen darüber, wie Dhimmis zu behandeln seien, unterscheiden sich von Gruppe zu Gruppe stark. Der Koran schreibt eine respektvolle Behandlung Andersgläubiger vor, denen die Ausübung ihrer Religion erlaubt sein müsse. Missionierung und äußerliches Tragen von religiösen Symbolen, z.B. Kreuzen, ist ihnen jedoch verboten. In den meisten islamistischen Ideologien würden Andersgläubige weitgehend die gleichen Rechte wie Muslime genießen, allerdings wären sie von bestimmten politischen Ämtern und dem Tragen von Waffen ausgeschlossen und hätten anstelle der für Muslime obligatorischen Zakatsteuer eine spezielle Kopfsteuer („Jiziyya“) zu bezahlen. Es ist zu bemerken, dass Dhimmis im Islam nicht als minderwertige Menschen angesehen werden, sondern eben als Andersgläubige, die in einem islamischen Staat in Bezug auf einige wenige Aspekte nicht mit Muslimen gleichberechtigt sind. Die Zeugenaussage eines Dhimmi vor Gericht gilt beispielsweise weniger als die eines Muslim. Auch in der freien Religionsausübung wären ihnen unter Androhung von Strafen Beschränkungen auferlegt (vgl. Saudi-Arabien). Harbis , die nichtmuslimischen Bewohner nichtislamischer Staaten, haben dagegen keinerlei Rechte, nicht einmal das Recht auf Leben.

5. Das Bild der Frau in islamistischen Ideologien ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Viele islamistische Organisationen und Parteien haben parallele Frauenkommittees und Vereine, in denen Frauen politisch aktiv werden können. Dies verdeutlicht, dass das Bild der Frau im Islamismus weder einheitlich noch eindimensional ist. Von der Frau, ebenso wie vom Mann, wird erwartet, dass sie sich gemäß Koran und Sunna verhält. Was dies konkret bedeutet, ist vor allem eine Frage der Interpretation. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich und reichen von einem Extrem zum anderen, d.h. von der Gleichheit beider Geschlechter bis zur bedingungslosen Unterordnung der Frau unter den Mann. Für die unterschiedlichen Interpretationen haben lokale und konfessionelle Traditionen einen wichtigen Einfluss.

6. Wichtig ist auch das Verhältnis von Islamisten untereinander. Sunnitischer und schiitischer Islamismus unterscheiden sich stark, die Auffassungen des jeweils anderen werden oft nicht anerkannt. Diese Divergenzen zeigen sich nicht zuletzt in Bezug auf das Thema Meinungsfreiheit. Im Allgemeinen sind Konzepte wie Respekt, Höflichkeit, Moral und Gottesfurcht in islamistischer Vorstellung von großer Bedeutung. In Konsequenz kann dies dazu führen, dass sie die Meinungsfreiheit - in ihrem eigenen Land - zur Wahrung und zum Schutz dieser Konzepte begrenzen möchten.

7. Besonders im Fundamentalismus ist die Aussage zentral, dass heutige Muslime sich von ihren Fundamenten und den wahren Werten und Vorschriften des Koran entfernt haben. Daher steht die fundamentalistische Lehre auch im Gegensatz zu sog. Traditionalisten, zu denen u.a. die Taliban in Afghanistan gehören. Während Traditionalisten sich auf ein sogenanntes landes- und regionsspezifisches Gewohnheitsrecht ('urf' عرف‎, nicht zu verwechseln mit der Tradition des Propheten, Hadithe حدِيث‎), berufen, das sie oftmals als islamisch betrachten, lehnen Fundamentalisten solche Traditionen als unislamisch ab und fordern eine grundlegende Gesellschaftsreform auf Grundlage von Koran und Sunna.

8. Die (westliche) Modernität und ihre rationale Sichtweise sehen die Islamisten ganz besonders kritisch. In der Sichtweise des ägyptischen Islamisten Saiyid Qutb stellt sie „die Negierung der Herrschaft Gottes“ dar. Seiner Meinung nach befänden sich die wahren Muslime in einem Krieg gegen die Abtrünnigen – jemanden als Abtrünnigen oder Ungläubigen zu erklären heißt im Arabischen "Takfir", was als eine ideologische Waffe gilt, mit der der Einsatz von Gewalt gerechtfertigt wird. Das Individuum ist in der Sichtweise Qutbs nur ein Element des Kollektivs - ohne eigene Selbstbestimmung als ein freies, mit Rechten ausgestattetes Individuum.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen moderatem Islamismus und radikalem Islamismus, mit zahlreichen Strömungen, die sich zwischen den beiden Kategorien befinden. Radikale Gruppen gehören ebenso in die Kategorie 'Islamisten' wie moderate Akteure, die es anstreben, den Islam zur Richtschnur des sozialen und politischen Verhalten zu machen. Islamistische Parteien und Interessensgruppen weisen daher sehr unterschiedliche Ziele auf - moderate islamistische Aktivisten lehnen Gewalt, religiöse Führer radikaler Gruppen sowie die Einschränkung mancher persönlichen Freiheiten oft entschieden ab. Auch ist auf die Unterscheidung zwischen islamistischen und islamischen bzw. muslimischen Gruppen und Parteien zu achten. Muslimische Gruppen und Parteien existieren ebenfalls, heben sich aber von Islamisten insofern ab, als sie nicht für eine Politisierung der Religion einstehen. Sie fallen nicht automatisch in die Kategorie islamistisch.

Gegenwärtig existieren zwei offizielle islamische Staaten: Iran und Saudi Arabien. Die beiden Länder funktionieren auf einer grundsätzlich unterschiedlichen politischen Grundlage und divergieren auch in Bezug auf ihre historische Entwicklung und der jeweiligen Staatsreligion (Iran: Zwölferschia; Saudi-Arabien: sunnitisch-wahhabitischer Islam). Beide Regierungen, vor allem die iranische, sind bei Teilen der eigenen Bevölkerung umstritten, insbesondere unter „hauseigenen“ islamistischen Gruppen, die zwar offiziell verboten sind, inoffiziell aber eine wachsende Basis finden.[1]

Geschichte

Vordenker der ersten Stunde


In der Geschichte des Islam gab es immer wieder fundamentalistische und radikale religiöse Bewegungen, die die Gesellschaft im eigenen Land zu einer Rückbesinnung auf die Werte der Vorväter (al-Salaf al-salih, AD 610-855) bewegen wollten, jedoch Gewalt zur Erreichung ihrer Ziele meist ablehnten. Dazu gehören die Wahhabiten, die im 18. Jahrhundert entstanden und deren Ideologie heute die geistige Grundlage Saudi Arabiens darstellt. Ein weiterer wichtiger "geistiger Ahne" ist der Damaszener Rechtsgelehrte Ibn Taimiya (1263-1328).

Der Ausklang des 19. Jahrhunderts: Arabische Denker wollen das Islamverständnis korrigieren


Das Ende des 19. Jahrhunderts bedeutete für einen großen Teil der arabisch-islamischen Welt einen kulturellen und religiösen Niedergang. Das Ottomanische Reich löste sich langsam in seine Bestandteile auf, Ägypten stand bereits unter britischer Herrschaft. Die Zentralregierung in Anatolien erwies sich als unfähig, die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen des beginnenden 20. Jahrhunderts aufzugreifen. Die Sultanenherrscher galten als korrupt und schlechte Vorbilder für die Muslime. Das Sultanat, das sich in seiner Legitimität theoretisch darauf stützte, das islamische Reich zusammenzuhalten und die Religion zu fördern, erwies sich in der Realität als unfähig, dieser Aufgabe Herr zu werden. Massive Schulden zwangen das Osmanische Reich, europäischen Großmächten Konzessionen und Vorteile bei Investitionen, beim Erforschen und beim Abbau von Ressourcen - etwa dem Erdöl - zuzubilligen. Ende des 19. Jahrhunderts war das Reich von Europa finanziell abhängig.

Durch die einschneidenden Transformationen, die die arabische Welt auf wirtschaftlicher und soziokultureller Ebene durchliefen, sahen sich die muslimischen Gesellschaften mit neuen Problemen konfrontiert. Der größer werdende Einfluss der europäischen Großmächte führte zum Identitätsverlust; durch Migration und Urbanisiserung wurden die traditionell bedeutenden Familieneinheiten zerstört, Industrialisierung und Individualisierung führten zu wachsender Arbeitslosigkeit und Armut. Als Antwort auf diese Probleme entwickelten muslimische Denker wie Jamal ad-Din al-Afghani (1837-97), Muhammad Abduh (1849-1905) oder Raschid Rida (1865-1935) ein Islamverständnis, das vor allem eine Revitalisierung und Rückbesinnung auf koranische Werte und Traditionen propagierte. Würden sich die Muslime wieder wahrhaft auf ihre Religion besinnen, so würde die islamische Welt ihre alte Stärke zurückgewinnen. Die Errungenschaften der Moderne wurden dabei nicht per se abgelehnt, sondern sollten auf der Grundlage islamischer Werte in die Gesellschaften der muslimischen Welt integriert werden. Als Befürworter von technischem Fortschritt und gesellschaftspolitischer Reform werden die muslimischen Denker dieser Zeit auch als "islamische Modernisten" bezeichnet.

Abduh und Rida verwarfen die vorherrschenden Vorstellungen der konservativ-traditionellen Rechtsgelehrten (Ulama), die zu jener Zeit vornehmlich als Instrumente der Regierung wahrgenommen wurden. Die islamischen Modernisten lehnten jede Veränderung der islamischen Lehre im engsten Sinne nach 855 ab, darunter die verschiedenen islamischen Rechtsschulen (Madhhabs), die sie alle als Abkehr von der wahren islamischen Lehre betrachteten.

Das beginnende 20. Jahrhundert: Wiedererwachen des Fundamentalismus
Die modernen fundamentalistischen bzw. islamistischen Bewegungen im engeren Sinne entwickelten sich in den 1920er und 30er Jahren. Das beginnende 20. Jahrhundert entwickelte eine katastrophale Dynamik für die Menschen im Mittleren und Nahen Osten. Der 1. und 2. Weltkrieg verwüstete viele Teile des Nahen und Mittleren Ostens. Das Osmanische Reich wurde 1918 aufgelöst, wenig später erklärte Atatürk das Sultanat sowie das Kalifat für abgeschafft. Vor diesem Hintergrund gewannen die Ideen der Modernisten weiter an Bedeutung.

Die Überreste des Osmanischen Reiches wurden von den Siegermächten des 1. Weltkrieges, Großbritannien und Frankreich, in Nationalstaaten geteilt, von denen viele unter Mandaten von Europa aus regiert wurden. Die Zeit wird von islamischen Historikern als Zeit großer Demütigung gesehen, nicht nur des Islam als religiöser Lehre, sondern der gesamten arabischen/islamischen Zivilisation als solcher. Nach Erlangung der Unabhängigkeit wurden in vielen der ehemaligen Mandatsstaaten säkulare oder monarchische Staatsstrukturen installiert bzw. implantiert, die den Islam auf nationaler Ebene zusehends während der 1990er Jahre verdrängten. Dies führte u.a. zur Gründung der beiden radikalislamischen Parteien Hamas in den Palästinensergebieten und Hisbollah im Libanon. Beide Parteien entstanden aus anhaltenden politischen Konflikten, in denen die Religion die wichtigste und letzte moralische Stütze liefert. Das von der Hisbollah entwickelte Phänomen von Selbstmordattentaten illustriert jedoch, wie weit eine willkürliche Mischung aus Moral, Religion und Terror gehen kann. Für diese islamistische Gruppierungen ist die Umgebung wirtschaftlicher Stagnation, politischer Instabilität und sozialer Ungerechtigkeit ein guter Nährboden.

In diesen Zeiten des Umbruchs entwickelte sich eine neue politisch orientierte Denkschule, die den Islam als Grundlage einer idealen Gesellschaft verfocht: Bis heute maßgeblich ist etwa die 1928 von dem ehemaligen Lehrer Hasan al-Banna (1906-1949) in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft (Al-Ikhwan al-Muslimun). Die Muslimbruderschaft kritisierte die als "dekadent" verachtete Monarchie, die von Großbritannien installiert worden war, sowie den Werteverfall als Konsequenz des kulturellen Niedergangs in Ägypten. Sie suchte die religiösen Dogmen wiederherzustellen und parallel alle Probleme der islamischen Länder mittels der islamischen Ordnung zu lösen. Der britische Einfluss im Land, der de facto noch bis 1952 anhielt, galt den Islamisten als Neo-Kolonialismus, dessen Einflüsse im Land bekämpft werden müssten. Westliche Wissenschaftler konstatieren im Zusammenhang mit dieser neuen Bewegung einen zunehmenden Antisemitismus in islamischen Ländern.

Der in Indien und (ab 1947) in Pakistan wirkende Abû l-A’lâ al-Maudûdî(1903-1979) mit seiner 1941 gegründeten Kaderpartei Jama'at-e islami übte ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf den modernen Islamismus aus. In Iran entstand eine von der schiitischen Imamatslehre geprägte Sonderform des islamischen Fundamentalismus. Unter der Führung des Ayatollah Ruhollah Musawi Khomeini (1906-1989) wurde nach der islamischen Revolution im Jahr 1979 eine Regierung auf Grundlage einer Form des schiitischen Fundamentalismus installiert. Der nun wachsende Panislamismus und der ihn begleitende Export der Revolution aus dem Iran stärkte auch geistig die verschiedenen islamistischen Bewegungen in vielen Ländern.

Der Sechstagekrieg: Niedergang des Nationalismus

Eine weitere wichtige Phase für die Entwicklung des Islamismus stellt der Sechstagekrieg von 1967 und die Zeit unmittelbar danach dar. Die bis dahin vorherrschende Ideologie des arabischen Nationalismus erschöpfte sich in dem von den arabischen Staaten als demütigende Niederlage betrachteten Krieg gegen Israel. Islamismus wurde eine akzeptable Alternative für viele, die, vom arabischen Nationalismus und Sozialismus enttäuscht, nach einer ideologischen Ergänzung suchten. Viele arabische Herrscher gaben den Islamisten Privilegien, um damit den Einfluss von Nationalisten und Panarbisten zu begrenzen und um die Unzufriedenheit der Bevölkerung abzufedern. Sie erreichten damit die Eingrenzung demokratischer Rechte und konnten so den Forderungen nach demokratischen Veränderungen entgegenwirken. Die iranische Revolution 1979, obgleich von Schiiten getragen, wurde in der ganzen islamischen Welt zum Symbol und Beispiel eines lebensfähigen islamischen Staates.

In den 1960er Jahren gewannen auch radikale Islamisten (z.B. Saiyid Qutb) Einfluss, die die Gegenwart als "Dschahiliya" (Zeit der Unwissenheit) verstanden. Es sei eine Pflicht der Muslime, dem Gesetz Gottes mittels Dschihad in den islamischen Staaten wieder zur Geltung zu verhelfen. Der Niedergang des arabischen Sozialismus, zahlreicher monarchischer Regime und des panarabischen Nationalismus führte zur Entstehung neuer islamistischer Gruppen in der arabischen Welt.

Die Golf-Kriege 1980-1988, 1990/91 und 2003

Die verschiedenen Golf-Kriege schafften ein weiteres politisches Vakuum in zahlreichen arabischen Ländern, die die meist undemokratischen Regierungen mit keiner eigenen Ideologie ausgleichen konnten. Staaten wie Saudi Arabien, die sich in ihrer Legitimität unter anderem auf religiöse Autorität berufen und die den Verlust an Glaubwürdigkeit in der eigenen Bevölkerung nach dem ersten Golfkrieg noch immer auszugleichen versuchen, finanzieren außerdem viele muslimische Vereinigungen in verschiedenen Teilen der Welt, von denen wiederum viele islamistische bzw. radikale Gesinnungen teilen. Gleichzeitig verschärften sich auch Konflikte jeweils zwischen Muslimen: So kämpften im Krieg zwischen Iran und Irak sowie im Krieg Irak gegen Kuwait Muslime gegen Muslime. Infolgedessen mehrten sich die Forderungen, in religiöser Einheit zu leben anstatt sich zu bekämpfen. Die Grenzen religiös begründeter Bruderschaft wurden nirgends so deutlich wie in diesen Kriegen.

Radikalisierung in den 1990er Jahren - Islamismus als der Faschismus des 21. Jahrhunderts?

In den 1990er Jahren radikalisierten sich zahlreiche Islamistengruppen. Während sich arabischer Terror in den 70er und 80er Jahren vornehmlich auf den Konflikt zwischen Israel und Palästina konzentrierte, erwuchs der radikale Islamismus der 90er Jahre zur Ideologie radikaler Gruppen, darunter terroristische Gruppierungen wie Al-Qaida („Die Basis“), insbesondere in Saudi-Arabien Afghanistan, Pakistan und Bosnien. Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern verschärfte sich.

Gleichzeitig findet in vielen islamischen Gemeinschaften eine graduelle Re-Islamisierung statt, die in Europa zu Disputen wie dem Kopftuchstreit und den Mohammed-Karikaturen führte. Der moderne Islamismus bedient sich unterschiedlicher Mittel: auch innerhalb der Familie durch ein an islamischen Grundsätzen orientiertes Leben, mittels Werbung für den Islam (da'wa), durch das Streben nach allen rechtlichen Möglichkeiten für den Islam, durch Literaturverbreitung, durch den Unterhalt sozialer Einrichtungen oder den Bau von Moscheen. Es wäre jedoch ein Trugschluss, jede Moschee und jeden gläubigen Muslim als Islamisten bzw. Manifestation des Islamismus zu betrachten.

Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter titulierte den Islamismus als den Faschismus des 21. Jahrhunderts, da er dem Totalitarismus der Sowjets und Nazis nahestünde. Solche Thesen, die insbesondere seit den Anschlägen vom 11. September 2001 Verbreitung finden, kommen in dem kontroversen Neologismus Islamfaschismus zum Ausdruck. Die Debatte zeigt die Politisierung des Begriffs auch in Europa.

Die Islamismus-Diskussion [Bearbeiten]

Die Diskussion unter Muslimen bezüglich der Rolle von Staat und Religion ist so alt wie die Religion des Islam. Der Koran wird von Muslimen als vollendete Offenbarung betrachtet, der alle Regeln für das Zusammenleben der Menschen enthält. Erläutert und erweitert werden diese Regeln in der Sunna bzw. der Hadithe, den Überlieferungen über das Leben und die Auffassungen des Propheten Mohammed. Da der Koran diese Regeln enthält, benötigt die muslimische Umma kein menschengemachtes Recht in all jenen Rechtsfragen, die schon im Koran und in der Hadithe geregelt sind. Für Anhänger von islamistischen, fundamentalistischen und religiös konservativen Denkschulen verbietet sich deswegen jegliches menschengemachte Recht in diesen Bereichen - der Mensch dürfe nicht versuchen, es Gott gleich oder sogar besser als er zu tun, indem er Gottes Gesetze ignoriere und eigene Gesetze schaffe. Solche Gesetze werden als Ursache für viele "Missverhältnisse" und "Übel" der gegenwärtigen Gesellschaften gesehen. Eine Rückkehr zu den göttlichen Gesetzen verspricht für Islamisten eine Verbesserung der Verhältnisse.

Kontrovers sind vor allem die Themenbereiche Muslime im nicht-muslimischen Ausland, Frauen sowie die tatsächliche Form eines islamischen Staates, in dem ja auch nicht-muslimische Minderheiten (Dhimmis) leben. Islamische bzw. islamistische Parteien und Interessensgruppen vertreten daher sehr unterschiedliche Standpunkte, angefangen von moderaten Gesetzesänderungen in nur wenigen, essentiellen Bereichen wie dem Familienrecht, bis hin zum totalitären theokratischen Staat. Auch finden sich starke Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten: Sunniten betrachten die Herrschaft von Menschen als legitim vor Gott, der orthodoxe Schiitismus kann sich dagegen keine menschliche Herrschaft auf der Erde vor Wiedererscheinen des Mahdi vorstellen. Gebrochen mit dieser Tradition hat Ayatollah Khomeini nach der Revolution von 1979, als er argumentierte, dass eine weltliche Herrschaft des obersten religiösen Juristen von Gott als legitim betrachtet wird, solange der Mahdi noch nicht wiedererschienen ist.

Problematisch ist vor allem auch die Einschätzung radikaler Islamisten bzw. deren Bedrohungspotential. Während die Mehrzahl der islamistischen Gruppierungen und ihre Anhänger nicht militärisch sind, existiert eine kleine Minderheit, die radikal in ihren Auslegungen und Handlungen ist und die Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele nicht scheut. Besonders die Frage, wie Muslime in nicht-muslimischen Ländern, wie zum Beispiel in Europa, leben sollen, ist von Seiten der Imame und Rechtsgelehrten des Islam nicht eindeutig festgelegt. Radikale Vereine nutzen diese Unklarheit. In den Ländern, in denen muslimische Minderheiten leben, existiert deswegen eine lebhafte Debatte darüber, wie man radikale Islamisten von friedfertigen Islamisten und gemäßigten Muslimen unterscheiden und deren Bedrohungspotenzial untersuchen kann. Probleme entstehen hierbei durch die Gefahr von sowohl Unterschätzung und politischer Untätigkeit als auch von pauschaler Brandmarkung und Hetze gegen eine ganze Religion. Gewissheit über die tatsächlichen Absichten von radikalen Gruppen zu erhalten erweist sich oft als schwierig.

Islamischer Fundamentalismus in verschiedenen Ländern

Deutschland

In Deutschland leben gegenwärtig (2006) etwa 3,3 Millionen Muslime. Laut Verfassungsschutz hat sich davon ca. 1 Prozent islamistischen, d. h. islam-politischen Organisation mit radikalen Überzeugungen angeschlossen. Das entspricht ca. 32.100 Personen, die im Jahre 2005 Anhänger islamistischer Gruppierungen waren. Davon sind 27,200 türkischer und 3350 arabischer Herkunft. Deutschland gilt vor allem als "Ruheraum" für potenzielle islamische Terroristen.[2] Die Sorge in Deutschland vor einer islamistischen Bedrohung ist in den letzten Jahren angestiegen: der Anteil der um religiös motivierte Gewalt besorgten Deutschen lag in einer Umfrage 2006 bei 40 %.[3]

Im Verfassungsschutzbericht 2005 nimmt die Gefahr durch den Islamismus viel Raum ein. Viele Politiker fordern deshalb ein schärferes Vorgehen gegen islamistische Straftäter. Schwierig ist hier der Nachweis eindeutiger Absichten sowie die Abwägung zwischen Meinungsfreiheit und Gefährdung der Öffentlichkeit. Häufig sind islamistische Straftäter zwar nicht-deutscher Herkunft, haben aber dennoch aufgrund geltender Gesetze die deutsche Staatsbürgerschaft inne.

Restrikiven Maßnahmen stehen auch häufig Menschenrechtsorganisationen oder das Grundgesetz im Weg. Das einklagbare Grundrecht auf Asyl stellt im Zusammenhang mit islamistischen Straftätern, die nicht über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügen, ein Problem dar.

Die wichtigsten islamistischen Gruppierungen der letzten Jahre in Deutschland im Überblick


* Die türkische "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e.V." (IGMG) ist mit rund 26 500 Mitgliedern die größte islamistische Organisation in Deutschland. Der 1985 in Köln gegründete Verein steht islamistischen Parteien in der Türkei nahe, z.B. der "Partei der Glückseligkeit" (SP). Bundesweit unterhält die Vereinigung mehr als 300 Einrichtungen. Sie fördert laut Verfassungsschutz "die Entstehung und Ausbreitung islamistischer Milieus in Deutschland". Insbesondere durch ihr umfassendes Beratungs- und Betreuungsprogramm, welches nicht nur von Mitgliedern der Mill Görüs in Anspruch genommen wird, versucht sie ihre Ideologie, die von dem türkischen Fundamentalisten Necmettin Erbakan stammt, zu verbreiten.

* Extrem gewaltbereit sind die 200 Mitglieder der Islamisten-Partei "Hizb ut-Tahrir" (Partei der islamischen Befreiung). Die straff organisierte Gruppe strebt eine Vereinigung aller Moslems in einem Gottesstaat an. Ihr Hauptfeind ist Israel. 2003 wurde die Organisation in Deutschland verboten. Sie agiert aber immer noch. Insbesondere versucht sie unter muslimischen Studenten Anhänger zu gewinnen.

* Die rund 800 Anhänger der im Dezember 2001 verbotenen radikal-islamischen Vereinigung "Kalifatstaat" von Metin Kaplan bekämpfen die freiheitlich-demokratische Grundordnung und streben die weltweite Herrschaft des Islam an. Ihr Führer, der selbsternannte "Kalif von Köln", forderte die Wiedereinführung der islamischen Rechtsordnung in der Türkei sowie die Islamisierung Deutschlands. Im Jahr 2000 wurde Metin Kaplan wegen einer (befolgten) Mordanweisung gegen einen Widersacher in Deutschland zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt und am 12. Oktober 2004 nach langer Diskussion in die Türkei abgeschoben, wo er seitdem eine lebenslange Haftstrafe verbüßt.

* Die 800 Mitglieder starke libanesische "Hisbollah" und die 300 Anhänger der palästinensischen "Islamische Widerstandsbewegung" (Hamas) sind gewaltbereit und unterstützen von Deutschland aus den Terror im Libanon und in Palästina.

Großbritannien

Bei einer Gesamtbevölkerung von 60 Millionen Einwohnern leben in Großbritannien ca. 1,6 Millionen Muslime. Ballungsgebiete sind vor allem Bradford, Oldham, Burnley, Birmingham, und vor allem die Hauptstadt London (1,6 Millionen muslimische Einwohner). Zusammen mit einer großen Zahl anderer nicht-muslimischer Einwanderer stellen solche Ballungsgebiete extrem problematische soziale Brennpunkte dar. Unter anderem kamen alle Attentäter des 7. Juli (Terroranschläge am 7. Juli 2005 in London) aus Bradford und waren britische Staatsbürger.

Das gesellschaftliche Klima hat sich in den vergangenen Monaten stark verändert. Die Behörden in Großbritannien praktizieren traditionell große Toleranz in Fragen der Freiheit der Meinungsäusserung, allerdings verschärft sich der Ton, zum Beispiel indem die Regierung Universitäten nun offiziell auffordert, muslimische Studenten "aufmerksam zu beobachten." [4]

Einzelne britische Moscheen sind seit längerem Treffpunkt für den Austausch unter gleichgesinnten Islamisten. So empfiehlt beispielsweise der Londoner Imam Omar Bakri, Anführer der radikalen Sekte Al Muhajiroum, als einzige Auseinandersetzungsart mit nichtmuslimischen Gesellschaften weiterhin den Dschihad. Lange Zeit durfte auch der an der Nord-Finsbury-Park-Moschee predigende Scheich Abu Hamza al-Masri etlichen später als Terroristen und Al-Kaida-Kader entlarvten Islamisten Anweisungen für ihre Missionen geben, bevor er auf Druck der USA festgenommen wurde. Einer Meldung der britischen Presse vom August 2007 zufolge sympatisieren etwa 20 Prozent der britischen Muslime, so Haras Rafiq, ein Berater des britischen Premiers Gordon Brown, mit militanten Islamisten und bis zu 9 Prozent sogar mit Selbstmordattentätern. Beim derzeitigen Bevölkerungsanteil von 1,6 Millionen Muslimen wären dies immerhin 144.000 den Terrorismus unterstützende Personen [5].

Seit kurzem werden daher Stimmen laut, die von "Eurabien" oder "Londonistan" sprechen und London nicht nur als europäische, sondern auch als muslimische Kulturhauptstadt beschreiben.[6] Eine wichtige Intention junger äusserlich ihrer britischen Heimat angepasster Anhänger dieser islamistischen Theologie ist das Gefühl, für die Erschaffung eines revolutionären Staates zu kämpfen, der am Ende der ganzen Welt die Gerechtigkeit des Islam bringen wird.[7]

Frankreich

In Frankreich leben annähernd sechs Millionen überwiegend aus Nordafrika stammende Moslems, von denen die große Mehrheit sich friedlich verhält und radikal-islamistische Ideen ablehnt. Der französische Verfassungsschutz glaubt jedoch, dass in sozial explosiven Ballungsgebieten wie im Großraum Paris radikale Moslems auf dem Vormarsch sind. Besonders gefährdet seien "aus dem Gleichgewicht geratene Jugendliche", die leicht von Extremisten radikalisiert werden könnten.

Ende 2005 bekam die Diskussion um den islamischen Fundamentalismus durch die Unruhen in Frankreich eine neue Brisanz. Das Problem der Ungleichbehandlung von schwarzen Franzosen, viele nicht immer muslimischer Herkunft, mischt dort mit ein.

Italien

Italien und der Vatikan gehören nach Ansicht der Geheimdienste seit langem zu den Hauptzielen islamistischer Terroristen. In Italien leben mindestens 800.000 Muslime. Dem aus Libyen stammenden italienischen Journalisten Fahrid Adli zufolge besuchen etwa fünf Prozent davon regelmäßig Moscheen; nur ein Bruchteil dieser Gruppe sei zu religiös motivierter Gewalt bereit. Ex-Innenminister Enzo Bianco berichtete Anfang 2004, dass bereits 1997, 2000 und 2001 muslimische Gruppen ausgehoben worden seien, die in Verbindung mit islamischen Terroristen gestanden hätten. Seit den Madrid-Attentaten vom März 2004 und der Ermordung von zwei italienischen Geiseln im September 2004 im Irak ist ein wachsendes Misstrauen der Bevölkerung gegen die moslemische Minderheit spürbar. Angesichts dieser Entwicklung hat sich Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi besorgt über das antiislamische Klima in Italien geäußert. Innenminister Giuseppe Pisanu hat zum Dialog mit den Moslems Italiens aufgerufen.

Spanien
Von den etwa drei Millionen Ausländern in Spanien sind knapp 15 Prozent Marokkaner, weitere fünf Prozent stammen aus Algerien, Tunesien oder anderen muslimischen Ländern Afrikas. Obwohl in dem durch jahrzehntelangen Terror baskischer Extremisten gezeichneten Land nur ein geringer Teil der Immigranten gewaltbereit ist, nehmen die spanischen Behörden das Problem islamistischer Bedrohung besonders nach den Anschlägen von Madrid (März 2004) sehr ernst. Ende 2004 gab es eine Verhaftungswelle und eine terrorverdächtige Gruppe wurde ausgehoben, die möglicherweise einen Anschlag auf Richter Baltasar Garzón verüben wollte. Ende 2004 wurde bekanntgegeben, dass sich mehr als 100 radikale Islamisten und Terrorverdächtige im Gefängnis befänden - in keinem anderen EU-Land wurden 2004 so viele mutmaßliche Extremisten festgenommen. Die Haftanstalten sind hoffnungslos überfüllt, was Europol-Direktor Mariano Simancas als "Nährboden des Extremismus" bezeichnete. Untersuchungen zeigen, dass gewaltbereite Islamisten ihre Anhänger unter kleinkriminellen Glaubensbrüdern rekrutieren. In Spaniens Haftanstalten befinden sich etwa 6000 Nordafrikaner, zumeist aus Marokko und Algerien.

Klassische islamisch-fundamentalistische Denker

* Muhammad Abduh (1849-1905)
* Sayyid Jamal al-Afghani (1838-97)
* Abdallah Azzam (1941-89)
* Hassan al-Banna (1906-49)
* Ibn Taimiyya (1263-1328)
* Abû l-A’lâ al-Maudûdî (1903-1979)
* Sayyid Qutb(1906-1966)
* Raschid Rida (1865-1935)
* Ali Shariati (1933-77)

Gruppen und Organisationen

Deutschland


* Kalifatsstaat (verboten)
* Milli Görüş
* Muslimbruderschaft (Ägypten)

Militante Bewegungen

1. Nationale Bewegungen


* Abu Sayyaf (Philippinen)
* AIS (Algerien)
* Al-Dschama'a al-Islamiyya (Ägypten)
* Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden (Palästina)
* Al Ittihad al Islamija (Somalia)
* Ansar al-Islam (Autonome Region Kurdistan)
* Asbat al-Ansar (Libanon)
* Gerakan Aceh Merdeka (indonesische Provinz Aceh)
* GICM (Marokko)
* Groupe Islamique Armé (Algerien)
* GSPC (Algerien)
* Hamas (Palästinensische Autonomiegebiete)
* Harakat ul-Mujahidin (Kaschmir)
* Hisbollah (Libanon)
* Hisbollah (Türkei)
* Hizb-ut-Tahrir (Ägypten)
* IBDA-C (Türkei)
* IMK (Autonome Region Kurdistan)
* IMU (Usbekistan)
* Jaish Ansar al-Sunna (Irak)
* Jaish e-Mohammed (Kaschmir)
* Jemaah Islamiyah (Indonesien)
* Lashkar e-Toiba (Kaschmir)
* MIA (Algerien)
* Moro Islamic Liberation Front (Philippinen)
* Muslimbruderschaft (Ägypten,Jordanien, Syrien)
* Qaidat al-Dschihad fi Bilad ar-Rafidain (Irak)
* Taliban (Afghanistan, Pakistan)

2. Internationale Bewegungen

* Al-Qaida
* Al-Tauhid
* Islamischer Dschihad

Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php.....alismus&printable=yes