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Für die Muslime ist der Koran das "unerschaffene, ewige Wort Gottes". Alles, was den Koran in die Nähe eines menschlichen Werks rücken könnte, wird als undenkbar abgelehnt. Und dazu gehört eben auch die Feststellung, dass es in einem ostarabischen Dialekt geschrieben ist, vermischt mit unzähligen aramäischen Wörtern. Aramäisch ist eine dem Arabischen sehr nahe Sprache, ähnlich wie Holländisch und Deutsch. Damals war Aramäisch schon seit Jahrhunderten in der Gegend die Umgangs- und Kultursprache. Auch Jesus sprach Aramäisch, nicht Hebräisch, wie man vielleicht denken würde. Arabisch war damals eine Sprache ohne Schrift. Wer schreiben konnte, schrieb Aramäisch. Muhammad konnte nicht schreiben, und so diktierte er die Verse, die er in Visionen vom Erzengel Gabriel als Wort Gottes erhalten haben soll, verschiedenen Leuten, die sein Arabisch schnell in einer aramäischen Kurzschrift aufschrieben. In dieser Schrift sind 22 von 28 Zeichen mehrdeutig. Einige dieser Zeichen (die kleinen Zacken) können bis zu 6 verschiedene Bedeutungen haben, denn diese alte Schrift, Vorläufer der heutigen arabischen Schrift mit ihren vielen Pünktchen, war noch ohne Punkte. Laute wie n, t, b, i usw. konnte man nicht voneinander unterscheiden. Das ging solange gut, wie die Leute die Verse noch auswendig konnten. Aber das verlief sich schnell, und bald hatten die Korandeuter Mühe, zu erkennen, welche Wörter sich hinter den Zeichen verbargen. Auch wussten sie nicht, dass viele Wörter gar kein Arabisch, sondern Aramäisch waren. So kam es zu unzähligen Fehllesungen, darunter auch die Sache mit den Paradiesjungfrauen. Mit anderen Worten, der "heilige Koran" ist sehr schlecht überliefert. Und das verträgt sich nicht mit der Verehrung, die Moslems dem Koran entgegenbringen. Im Prinzip wird der Wesenskern des Islam durch Luxenberg nicht angetastet, aber den Koran als Objekt sprachwissenschaftlicher Neugier zu behandeln, ist für Muslime schon nahezu eine Gotteslästerung.
Man sollte noch anmerken, dass es mit der Überlieferung des alten und des neuen Testaments auch nicht besser aussieht, nur aus anderen Gründen.
Man sollte sich eben nicht an alte Schriften klammern.
Da Christoph Luxenberg zwar Araber, aber kein Muslim ist, droht ihm eigentlich keine Gefahr, außer von Hitzköpfen. In der islamischen Welt ist das Buch nicht bekannt, da es vorläufig nur auf Deutsch erschienen ist. Deutsche Muslime sind meist Türken. Die sind im Großen und Ganzen etwas gelassener als echte Araber und neigen nicht so zu rasendem Zorn, wie man es bei manchen Arabern erleben kann (aber bloß keine Verallgemeinerungen!).
Luxenberg ist Sprachwissenschaftler, der Hocharabisch, Altarabisch, Aramäisch und offenbar auch Hebräisch kann, alles nah verwandte Sprachen. Das ist den meisten Korangelehrten von früher und heute nicht gegeben. Für sie ist der Koran das heilige ewige Gotteswort, und nun wird schon seit 1500 Jahren gerätselt, was die vielen dunklen Stellen wohl bedeuten mögen. Und es wird viel hineingeheimnist vor lauter Ehrfurcht. Aber das haben wir bei der Bibel ja auch. Die katholische Kirche brauchte mehrere Jahrzehnte, bis sie zähneknirschend und immer noch verschleiernd akzeptiert hat, dass das ganze Neue Testament mit Ausnahme einiger Paulusbriefe nicht gerade eine Fälschung ist, aber jedenfalls nicht von den Leuten geschrieben wurde, nach denen die einzelnen Teile benannt sind. Aufgeschrieben wurden die Evangelien frühestens 70 Jahre nach den Jesus-Ereignissen, nachdem die versprochene Wiederkehr Christi und das erhoffte Ende der Welt samt der Vernichtung aller Bösen und der Errichtung des Reiches Gottes auf Erden nicht eingetreten war.
Wenn Koranschüler stundenlang Koransuren rezitieren (wie ich das mal in Algerien erlebt habe), so verstehen sie den Text kaum. Aber es hat etwas Meditatives, die heiligen Laute zu intonieren, und sie fühlen sich mit Gott verbunden. Und warum auch nicht! Gott ist überall, und das merkt man leicht, wenn man völlig entspannt und ruhig ist und an gar nichts denkt. Eine solche heilige Stille kann man in einem riesigen Dom und auch in einer Moschee erleben, wo andere Muslime ganz andächtig beten. Frauen müssen allerdings hinter eine Schranke. Allah wendet sich mehr an die Männer, und die Männer reichen es theoretisch an die Frauen weiter. Das würden wir in Europa heute so nicht sehen, aber Juden, Christen und Muslime sind nun mal Produkte patriarchaler Gesellschaften.
Vielleicht sollte man noch anmerken, dass zu Muhammads Zeiten in seiner Gegend neben heidnischen Arabern auch Christen und Juden lebten und Muhammad deren Überlieferungen wahrscheinlich mindestens andeutungsweise gekannt hat. Die heutige muslimische Tradition beharrt aber darauf, dass die Koranversion biblischer Ereignisse korrekt ist und die biblischen Versionen korrigiert, sofern es Abweichungen gibt. Luxenberg deutet an, dass Muhammad diese Teile des Korans wohl von den Juden und Christen übernommen haben wird, denn der Koran sei ursprünglich dazu gedacht gewesen, den heidnischen Arabern die jüdischen und christlichen Gottesvorstellungen nahezubringen. Erst als die Juden und Christen nichts von ihm wissen wollten, soll es zur Entstehung der neuen Religion gekommen sein. Wieder etwas, das Muslime entsetzen könnte.
Natürlich denken nicht alle Muslime so. Es gibt liberale Moslem-Gruppierungen, von denen man aber nicht viel hört, weil sie keinen Krawall machen.
Ich merke, dass ich gar nicht mehr aufhören kann, also Schluss für heute.
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Hallo,
meinst du denn das alle Muslim so denken?
Also ist dieser Luxenberg was wie ein dorn im Auge,oder wie?
LG Nicola
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| Was Luxenburg schreibt, könnte viele Muslime verstören, aber es hat sich noch nicht herumgesprochen, höchstens in der akademischen Islamistik.
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| Ja, damals, als die mündliche Überlieferung noch intakt war, war es sicher ein Buch in klarem Altarabisch. Heute ist der Koran voller dunkler Stellen, die unverständlich sind. Luxenberg legt Deutungen vor, die viele Stellen klären helfen, aber die islamische Tradition hat sich 1500 Jahre lang entwickelt und inzwischen wohl auch allerhand hineingelegt, was nicht drin ist (wie beim Christentum), und es zu festen Glaubenssätzen eingefroren.
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Gibt es denn noch andere Bücher von anderen Autoren die den Koran erklären,sag ich mal,bzw verständlich machen?
LG Nicola
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