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Hi Lisken,
das mit dem Hautpilz - ich mein, er hat es unter anderem im Gesicht, und zwar richtig großflächig. Ich mixe zur Zeit 6(!) Antipilzcremes und eine Antibiotikasalbe zusammen, und langsam wird es besser, nur am Auge darf ich nicht mit dem Zeug ran. Er sieht aus, als hätte er Lepra...
Hier gibt es eine ganze Menge dieser Hausmittelchen und Pflanzen, Knoblauch, Neem, Alkohol...alles schon ausprobiert. Das meiste davon ist aber so scharf, daß es bei einem Versuch geblieben ist.
Jou, wie ernähren wir uns: Flischel Fisch. Mein Mann angelt gerne, und da Luanda am Meer liegt und das so richtig fischreich ist, hat er immer eine Ausrede, um sich einmal die Woche zu verdrücken und mit seinem Freund Hochseeangeln zu machen.
Meine Kühltruhe läuft über mit allem möglichen und unmöglichen Fisch.
Ansonsten: Nudeln, Reis, Pizza - Gemüse meist nur aus Dosen - Würstchen und Brot.
Das Baby hat noch einen Breivorrat aus Deutschland. Früchte. Es geht. Über unser Essen zu klagen ist - ich meine, hier laufen Kinder mit Hungerbäuchen rum....
Im Winter, wenn es hier kochend heiß ist, werden wir wohl das erste Mal nach Deutschland zurückkehren. Ich hab ein wenig Angst davor, wenn ich ehrlich bin. Nicht nur, daß die Kinder keine passende Winterkleidung mehr haben und aus tropischen 35 Grad im Schatten kommen. Nicht nur, daß wir die Zeit über bei meiner heißgeliebten Schwiegermutter verweilen werden. Wenn ich ehrlich bin: Ich habe ein bißchen Angst vor den Menschen. Von der kalten, abweisenden desinteressierten Art. Vor der stummen Verbissenheit.
Warum ich hergekommen bin: Mit 4 Kindern ist man in Deutschland nicht gut aufgehoben. Mit Kindern allgemein ist man in Deutschland nicht gut aufgehoben. Hier dürfen die Kinder noch Kinder sein, rumschreien, Krach machen, haben andere Kinder zum spielen, lernen eine neue Sprache, eine andere Kultur kennen: Konnte ich es ihnen wirklich vorenthalten? Die positiven Seiten überwiegen - eigentlich. Jedenfalls, bis mein Sohn mir mit seinem Matschauge über den Weg läuft.
@gnostik
Wir haben einen Dieselgenerator, da der strom am Tag ungefähr 3 Stunden ausfällt. Und ohne Strom kein Wasser, da die Wasserpumpe auch Strom braucht.
Das Wasser wird dreimal mechanisch gefiltert, einmal chemisch (Chlor - lecker) und einmal bestrahlt (UV-Leuchte).
Eigentlich ist es dann sicher. Außer man hat einen kleinen Bob-der-Baumeister-Fan, der die Hebel für die Wasserleitungen so umlegt, daß wir direkt das Stadtwasser bekommen (was wir aber erst nach einem Monat gemerkt haben, nachdem die ganze Familie ausser mir und dem Baby darnieder lag).
Moskitoschutz haben wir nur über den Betten, da alle Türen und Fenster den Tag über offen stehen, denn sonst ist es hier heiß wie in einem Backofen.
Lediglch, wenn wir nach 18 Uhr, also nach Dunkelwerden unterwegs sind, schmieren wir uns mit Autan ein. Eine Zeit ist mein Mann abend mit Baygon durchs Haus gelaufen und hat alle Zimmer ausgesprüht, aber da unser Baby jetzt alles in den Mund nimmt, fand ich das alles nicht mehr so prickelnd. Einmal die Woche muss jetzt reichen, ansonsten sind wirschon ganz geschickt im "Händeklatschen".
Ach, unser Wächter: Nun, irgendwie hatte er immer gerade frei, wenn ich Sachen verteilt habe. Komisch, oder? *grins*. Wenn da nicht wieder der liebe Gott seine Fingerchen im Spiel gehabt hat...
Wer weiss das schon...
Astrella
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Hi Astrella!
Fisch? Jammi!
*seufz* Hab mich gerade dran erinnert wie ich mich über das Fehlen von anständigem Reis aufgeregt habe... von sowas wie Vollkornbrot ganz zu schweigen (das hab ich jeden Tag vermisst). Dafür gibts hier kein anständiges Chili.
Und dann die brutale Relativierung durch das, was man auf der Strasse sieht... Und da steht man zwischen den Welten und das soll man dann jemandem erklären, der gar nichts anderes kennt, als die Qual der Wahl... Das ist sowas von abstrus, das geht gar nicht.
Und die entsetzten Gesichter "Waaas? Kein fliessend Wasser?" Und man ist froh, dass überhaupt Wasser da ist um im nächsten Moment könnte man kotzen und denkt: 'Ich will, dass Wasser aus der Wand kommt, es soll sofort Wasser aus der Wand fliessen *heul*!' Weisst, was ich meine?
Und im Nachhinein frage ich mich: wie habe ich das ausgehalten? Wie bin ich so ruhig geblieben? Warum bin ich nicht sofort in die nächstbeste Maschine nach Dt. gestiegen und abgehauen?
Ich bin freundlicher zu den Leuten hier in Dt. geworden. Ich weiss die korrekte deutsche Art eher zu schätzen, sehe eher die positiven Seiten. Und diese Freundlichkeit kommt zurück. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass wir jetzt in der Stadt wohnen, in einem Viertel voller Kinder, Katzen und Hunde und Leben... Wenn die Nachbarskinder klingeln um die Babykatze zu sehen und ich sag "Schuhe aus!" und die machen das brav, muss ich schon manchmal grinsen und frage mich, wo ich hier gelandet bin...
Alk, Knoblauch usw., was ist denn das für ein Zeug? Nein, ich meine richtige Pflanzenmedis, keine Hausmittelchen... aber davon hätt ich eins für das Auge deine Sohnes, falls du das noch nicht probiert hast: starker, lauwarmer Schwarztee - so oft wie möglich spülen, richtig aufs offene Auge drauf und auswischen. Ich hab den Eiter damit immer weggekriegt, bei mir selbst, Kindern und Katzen.
Und was euren Wächter angeht: jetzt hat er was um es mit Gott zu besprechen *G* fiiies! *kicher*
LG
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Liebe Astrella!
Ich konnte mir bisher das Leben im Mist und alles rund herum gar nicht so richtig vorstellen. Aber jetzt wird das deutlicher. Musst dir vorstellen, bin in Österreich wohl behütet, von allem Komfort umgeben.
Eine gute Bekannte war fast drei Jahre in Ruanda. Im Rahmen von Ärzte ohne Grenzen. Sie verteilte Aufbaunahrung an Kinder, die auf den Fotos recht lustig und gut genährt ausschauen. Sie selbst hatte es vergleichsweise sehr schön.
Ich glaube, man muss vor Ort sein, um das alles so wie du und deine Familie zu erleben. Habe mir als Jungendlicher immer vorgestellt, wie schön es wäre, auszuwandern - das langweilige Österreich hinter mir zu lassen. Wollte mich sogar als Entwicklungshelfer betätigen. Nun ja, das Leben wollte und verlangte anderes von mir. Ich glaube, meine eher späte Lebensaufgabe liegt darin, positive Gedanken zu vermitteln. Das hilft im Unmittelbaren und in übertragener Art dem geistigen Fortschritt.
Deine Situation in Afrika verlangt es sicher auch, alles positiv zu ertragen und positiv zu nehmen, auch wenn sarkastischer Humor dabei ist. Aber sage selbst: Ist dieser nicht oft pure Ehrlichkeit? Ich bewundere deine aufrichtige Art.
Liebe Grüße, reinwiel
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Sakina für alle.
Über Google Earth habe ich mir einen kleinen Eindruck von Luanda (Angola)(viele Fotos von der Stadt) verschafft.und mußte "einige" meiner Vorstellungen revidieren.
Jetzt verstehe ich auch ein bischen was von dem Chaos im Hafen und kann mir erklären wiso manche Container etwas länger brauchen.
PS.Entfernung des Chlorgeruches:
| Zitat: |
Um den Chlorgeruch wieder zu entfernen, aber die Einwirkungszeit des Chlors beachten, kann man Natriumthiosulfat (Na2S2O3) verwenden. Diese Mittel werden oft auch als Antichlor bezeichnet.
Durch Zugabe von Natriumthiosulfat entstehen die harmlosen Verbindungen Kochsalz (NaCl) und Natriumsulfat (Na2SO4).
Die Reaktionsgleichung dazu:
4 NaOCl + Na2S2O3 + H2O => 2 Na2SO4 + 4 NaCl + H2SO4
Auch hier gilt wieder: Fragen sie die Packungsbeilage oder einen erfahrenen Trekker.
Chlorgeruch läßt sich außerdem mit einem Aktivkohlefilter entfernen. |
http://home.foni.net/~geink/Trinkwasser/trink-wasser.html
mfffggg gnostik
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@gnostik
Und schüttet man das Zeug dann in den Wassertank? Hebt es dann nicht die Wirkung des Chlors auf?
Nun, der Hafen ist so eine Sache für sich.
Es gibt dort anscheinend kein elektronisches Buchungssysten, das anzeigt, wo sich gerade ein Container befindet - die werden ja mehr oder weniger jeden Tag umgesetzt und keiner weiß dann mehr, wo was steht.
Es gibt einen Beruf, der nennt sich übersetzt "Containerjäger". Ohne Flachs.
Unseren haben 5 Leute gesucht (und nicht gefunden).
Es ist ja nicht nur unser Container, der so lange braucht.
Der ganze Export muss durch dieses Nadelöhr.
Ein anderes ist die Luftfahrt.
Alles doppelt und dreifach überbucht, da hier viele Fremdarbeiter schichtweise zu den Bohrinseln kommen und schon fast alle Kontingente erschöpft sind.
Einreisen darf man nur mit Visum - und das gibt es nur, wenn du eine Einladung vorweisen kannst.
Die angolanische Fluggesellschaft wurde vor kurzem von den Europäern mit Start- und Landeverbot versehen, weil die Maschinen den Sicherheitsanforderungen nicht genügen - worauf dann die Angolaner schmollten und den ausländischen Fluggesellschaften ihrerseits keine Start- und Landeerlaubniss mehr erteilten. Aaahhh!
Schilda!
Wir haben einen Wassertank unter der Erde von etwa 20 Kubikmetern, den haben wir jetzt mal säubern lassen, um das als Krankheitsquelle auszuschließen.
Was da auf dem Grund herumschlickte *örgs*. Aber wenigstens haben wir fließend Wasser - sogar warm!
Allerdings darf nur einer zur Zeit Wasser benutzen, und manchmal kommt mein Kindermädchen auf die glorreiche Idee, gerade dann abzuwaschen, wenn ich mit Schampoo im Haar unter der Dusche stehe - aber ich weiß, Jammern auf hohem Niveau.
Wer hier hat schon fließendes Wasser oder ist an ein Abwassersystem angeschlossen...
Zur Geburtstagsfeier meiner Kinder war es nett. Von den 20 eingelandenen Kindern sind 50 gekommen (ich geb zu, ich konnte nicht mehr wirklich unterscheiden, wer eingeladen war und wer nicht), und nachdem ich festgestellt hatte, daß irgendjemand unseren Kühlschrank geplündert hatte, kam die nächste Überraschung auf dem Klo:
Man wirft hier anscheinend benutztes Klopapier nicht in die Toilette.
Und ich hatte da auch kein Eimerchen oder soewas stehen.
Eurer Fantasie mögen da keine Grenzen gesetzt werden, ich sage nur: Viiiel schlimmer!
Wir haben hier viele Sachen aussortiert. Zuerst habe ich nur die "relativ" guten Sachen verteilt und den Rest weggeworfen.
Dann sah ich, wie mein Kindermädchen einen Schuh, der einzelnd war und den ich deshalb weggeworfen hatte, aus dem Müll fischte: "Aber Madam (lacht nur, die Leute nennen mich hier wirklich so und ich kann es ihnen nicht abgewöhnen), es gibt hier doch auch Menschen mit nur einem Fuss!"*schluck*.
Klar, ich Dösbattel. Sehe ich doch jeden Tag die Minenofper auf der Straße...
@reinwiel
Ja, Entwicklungshelfer - ist schon eine schöne Sache, und ich bewundere die Leute sehr. Und ist auch bestimmt eine ziemlich "befriedigende" Arbeit.
Ich würde da seelische Probleme bekommen - bin ich ganz ehrlich.
Ich leide zu sehr mit, gerade wenn es um Kinder geht.
Irgendwie fehlt mir da die Hornhaut auf der Seele.
Ich würde gerne mehr tun, ich traue es mir aber nicht zu. Manche Sachen lassen mich einfach nicht mehr los....
@Lisken
Reis? Den haben wir hier genug. Da ich hier in anderen Dimensionen koche und einkaufe, steht bei uns in der Küche ein Sack Reis...ungelogen.
Sind bestimmt auch Viecher drin.
Aber so ein paar Proteine mehr... Wenns scheen macht...
Gestern habe ich Haferflocken mit Termiten entsorgt - mal sehen, wann unsere Möbel zu Staub zerfallen...
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