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Ausbruch und Sinnsuche












Hallo,

schon am Anfang muss ich provokanter Weise auf die bekannte "Unfertigkeit des Menschen" hinweisen (J.-P. Satre, U. Beck, M. Weber, A. Adler, A. Gehlen, Maslow usw.).

Aufgrund dieser Unfertigkeit muss sich der Mensch längst selbst "entwerfen", sich seinen Sinn in einer säkularisierten, individualisierten (unseren) Gesellschaft geben u. zugleich mit dem medialen/virtuellen, stets unter Anforderung und Zeitdruck (H. Geißler), geprägtem Habitat seine Homöostase/innere Balance finden u. obendrein seinen kosmischen Standpunkt (Welt- u. Menschenbild), unter Beachtung der Wissenschaft, vor allem der z. Zt. grasierenden Neurowissenschaft mit ihren Spielneuronen u. "Memen", selbst abstrakt bilden u. im konkreten Handeln formen u. seinen Handlungen einen gerechtfertigen Sinnkontext geben.

Ihr alle kennt diese "Lebensgestaltungsaufgabe" u. habt sicher hundert von Büchern, Artikel, Diskurse, Filme, Dokumentationen usw. darüber in Erfahrung gebracht u. versucht, so gut wie möglich nach dem eigenen Verständnis von "Sinn und Leben", dies im eigenen individualisierten Lebensstil zum Ausdruck zu bringen.

Dabei stehen Themen wie Philosophie, Esotherik, Theologie, Ästhetik (u. a. Kunst, Musik), Meditation, aber auch Fixierung auf Liebe, Partnerschaft, Familie und Kinder als zentraler Sinnstifter im Mittelpunkt und liefern Gedankenanstöße.

Ich komme auf dieses Thema, weil ich trotz Dankbarkeit über meine Gesundheit, relativen finanziellen Sorgenfreiheit und ermöglichten kostenlosen Bildungserweiterung - Deutschland ist "z. Zt." immer noch eines der, wenn nicht das sozialste Land der Welt (wir können zum Arzt, haben Trinkwasser usw.) - eine innere Unruhe verspüre.

Daher meide ich die Innenstadt, wenn nichts unbedingt zu besorgen ist (War es Sokrates? Ein Philosoph sagte, er ginge gern auf den Markt, um sich all die schönen Dinge anzusehen, die er nicht bräuchte.), ich kämpfe nicht mehr verbissen um die Durchsetzung meines Standpunktes (es sei denn, er sei ethisch relevant), meide destruktive Diskussionen, kümmere mich nicht um Geschwätz, kämpfe aber gegen Diskriminierung, verwickle mich nicht in einen Wettkampf, denn obwohlich ich Agnostiker bin - wir sind alle prinzipiell gleich als Mensch u. sog. Würdenträger u. niemand ist wegen seiner beruflichen Position, materiellen Dingen, oder der besseren Rethorik "wertvoller" im Menschsein, als andere. Ich meide im Ganzen die Hektik u. dieses "MUSS". Ich verlangsamere meinen Alltag, dafür versuche ich aber "bewusster" zu leben u. zu empfinden/denken. Z. B. lese ich lieber ein Buch, als 100 Bildungs-Magazine, dessen Inhalt aus Heft 23 ich nach 3 Tagen längst vergessen habe. Ich nehme mir sehr viel sog. Auszeit für mich selbst zur Reflexion des Geschehens u. meinerselbst, mittlerweile sammelt mein AB die "MUSS" Botschaften, die Uhren aus den Zimmern verbannt (außer Armbanduhr u. Küchenuhr *grins*). Ich sitze draußen in einem Straßencafe u. beobachte u. statt den nächsten Termin ins Auge zu fassen, lese ich, lasse das Geschehen einfach auf mich wirken.

Zudem ist meiner Meinung nach die Ästhetik, in diesem Kontext von Lebensstil, vor allem die Musik, ein wichtiges Medium von hoher Qualität. Ein Tag ohne Musik ist ein "armer" Tag. D. h. eine Woche ohne Musik verschaffen ein ganz anderes Lebensgefühl, als mit Musik! Es öffnet Herz u. Sehnsucht, lässt positiv hoffen usw. (Aber nicht zuviel vom positiven Denken, denn dann dreht man ab u. verliert den Boden unter den Füßen)

Ich würde heute, wenn ich einige Entscheidungen widerrufen könnte, lieber eine Schafsherde im weiten irischen Land versorgen, als das was ich z. Zt. tue. Oder unheimlich gern durch die Welt reisen u. dadurch meinen "Horizont" weitaus erweitern. Das liegt daran, dass ich schon so unheimlich viel von dieser Erde auf so vielen Reisen gesehen, erfahren und erlebt habe, das ich "mehr" davon möchte. Und hier liegt der Knackpunkt, der lautet "zögern". Wieso ich es dann nicht einfach mache? Verpflichtungen, Ängste, Unsicherheit, Zweifel, alles nur rationalisierte Vorwände bei mir.

Ich habe für mich selbst erkannt - ihr könnt ja da ganz anderer Meinung sein / sind viele auch, gut so - dass ich die innere Ruhe u. dieses balancierte, sinngebende Leben nur von mir selbst aus, vom Inneren her erreiche, da wird mir kein Buch, Gespräch o. ä. helfen, denn dies alles sind nur Gedankenanstöße; wie dieser Beitrag. Ein Mönch aus Burma äußerte in einem xy-Zeitungsartikel, dass religös gläubige Menschen nicht "pilgern" müssen, oder meinen in Klöstern etc. den "Aha-Effekt", "Geistesblitz", die "Erleuchtung" zu finden, dass kann auch zu Hause auf der Toilette passieren. Dem stimme ich zu, denn wenn ich in den Urlaub fahre, nehme ich all die Probleme, Gedanken, Einstellungen etc. mit mir mit und lasse sie nicht - wie fälschlich argumentiert - zu Hause. Also muss in mir selbst, egal wo ich mich befinde, der Kern liegen.

In etlichen Wissenschaften (u. a. Soziologie) wird definiert wie sich die Gesellschaft, das Verständnis über das eigene Selbst/Individuum verändert hat und die Rolle von Kirche/Glaube u. Säkularisierung. Und somit stehen wir z. Zt. selbst für unsere Lebensbiographie und Sinngebung "gerade", können keinen anderen mehr verantwortlich machen.

Vielleicht sind wir z. Zt. noch teilweise mit dieser Eigenverantwortung einfach überfordert, alles zu einem Gesamtkonzept zu bilden und dem eigenen Menschsein ein präsentatives und vor allem aus vollem Herzen gelebtes Antlitz zu verleihen, das im kosmischen Wirken sinngebenden Bestand hat. Vielleicht bedarf es eine zweite Aufklärung darüber, welche ethischen und würdigen Möglichkeiten wir haben (siehe oben die Themen).

Während ich noch von dieser Schafsherde und den Weltreisen "träume", oder der "von innen nach außen gelebten Balance und inneren Ruhe", streicht das abstrakte Konstrukt Zeit an mir vorbei und versucht druckgemäß konkrete Zielverwirklichungen von mir zu verlangen (natürlich mein Selbst).

Mich interessiert daher, welchen sinnstiftenden Mittelpunkt ihr für euch selbst ausgewählt habt, ob es euch wirklich erfüllt und ihr das lebt, was ihr zu empfinden vermocht, es euch die innere Ruhe ermöglicht. Ihr könnt ja, dank der Anonymität, ganz offen und ehrlich sein.

Gruß

Marc (24)
Hallo Giacomo,
Du schreibst so viel und so schön, aber ich glaube, daß:
Zitat:
Ich würde heute, wenn ich einige Entscheidungen widerrufen könnte, lieber eine Schafsherde im weiten irischen Land versorgen, als das was ich z. Zt. tue.

ist irgendwie die Kernaussage.
"Ich will etwas ganz anderes"
Wo siehst Du dich in 10 Jahren?
Beantworte Dir selbst die Frage, und steck danach deine Prioritäten.
Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.
Man muß sich halt vorher die Richtung aussuchen und dann auch losmarschieren.(im übertragenen Sinne - aber ich hoffe Du verstehst was ich meine)

Astrella
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